Kaufsucht oder pathologisches Kaufen kennzeichnet eine Verhaltensweise, die in Deutschland relativ neu und damit, im Gegensatz zu den USA oder Kanada, noch wenig erforscht ist. Anfang der 1990er Jahre machte nicht zuletzt die Hohenheimer Kaufsuchtstudie auf dieses Problem aufmerksam und bewirkte als erste europäische Studie eine öffentliche Auseinandersetzung mit diesem Thema.
Obwohl sehr viele Menschen von Kaufsucht betroffen sind, ist die Anerkennung dieser Sucht strittig. Derzeit differieren die Auffassungen darüber, was Sucht eigentlich in ihrem Kern auszeichnet bzw. wo sie beginnt, erheblich.
Diese Arbeit befasst sich zum einen mit Definition und Abgrenzung der Kaufsucht, Auslöser und Auswirkungen sowie Bewältigungsstrategien und therapeutischen Ansätzen. Zum anderen werden finanzielle und rechtliche Aspekte der Kaufsucht thematisiert. Es werden verschiedene Zahlungs- bzw. Finanzierungsarten beschrieben und dargelegt, ob sie sich für Betroffene eignen oder nicht. Zudem wird der juristische Bereich beleuchtet und erläutert, auf welche gesetzlichen Ebenen sich die Kaufsucht erstreckt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung – Ist Kaufsucht eine Sucht?
2 Pathologisches Kaufen
2.1 Definition und Abgrenzung der Sucht
2.2 Merkmale der Kaufsucht
2.3 Kompensatorisches Kaufverhalten
2.4 Entstehung und auslösende Faktoren
2.5 Auswirkungen
2.6 Bewältigungsstrategien und therapeutische Ansätze
2.6.1 Bewältigungsstrategien
2.6.2 kognitiv-verhaltenstherapeutische Therapiemöglichkeiten
2.6.3 Das Erlangener Therapieprogramm zur Behandlung von pathologischem Kaufverhalten
3 Finanzielle Aspekte
3.1 Electronic Cash
3.1.1 Electronic Fund Transfer am Point of Sale (EFT-POS)
3.1.2 Electronic Cash mit Lastschriftverfahren
3.2 Kreditkarten
3.2.1 Credit-Card
3.2.2 Charge-Card
3.2.3 Debit-Card
3.3 Überweisung, Lastschrift und alternative Zahlungsmittel
3.4 Standardisierte Privatkredite und Finanzierungsmöglichkeiten
3.4.1 Dispositionskredit
3.4.2 Finanzierungsalternativen
3.5 Kaufsucht und Verschuldungsbereitschaft
4 Rechtliche Aspekte
4.1 Privatrecht
4.1.1 Schuldrecht
4.1.2 Zivilprozessordnung
4.2 Strafrecht
4.2.1 Verdacht auf Betrug / Betrug
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht das Phänomen der Kaufsucht unter Berücksichtigung psychologischer, finanzieller und rechtlicher Aspekte, mit dem Ziel, die Problematik als eigenständiges Suchtverhalten zu verdeutlichen und Ansätze für deren Bewältigung und soziale Intervention aufzuzeigen.
- Pathologisches Kaufverhalten und dessen Abgrenzung zu Sucht und Zwang
- Entstehungsfaktoren und psychologische Triebfedern der Kaufsucht
- Finanzielle Risiken durch bargeldlose Zahlungsmittel und Kreditformen
- Rechtliche Konsequenzen im Privat- und Strafrecht
- Therapeutische Ansätze und Strategien zur Schuldenbewältigung
Auszug aus dem Buch
2.2 Merkmale der Kaufsucht
„Kaufsucht lässt sich beschreiben als ein andauerndes und wiederkehrendes, fehlangepasstes Kaufen von Konsumgütern bzw. Dienstleistungen, das persönliche, familiäre und berufliche Zielsetzungen stört, nicht selten sogar sehr schwer belastet. Die Betroffenen negieren die teilweise gravierenden psychologischen, sozialen und ökonomischen Konsequenzen ihres Verhaltens. Insbesondere Distress, finanzielle Verschuldung und familiäre Zerwürfnisse bis hin zu Trennungen verursachen einen hohen Leidensdruck bei den Betroffenen. Kaufsüchtige gefährden durch ihr Suchtverhalten wichtige Bezüge zu ihrem sozialen Umfeld sowie zu ihren Ausbildungs- oder Aufstiegschancen. In Extremfällen kommt es zur Realitätsverfälschung und zu Strafhandlungen, um die Sucht finanzieren zu können.“14
Bei dieser Beschreibung von Neuner et al. wird deutlich, dass sich die Kaufsucht, wie jede andere Sucht auch, nicht nur über die psychische, sondern auch über die soziale und berufliche Ebene erstreckt. Betroffene spüren die negativen Folgen nicht nur bei sich selbst, sondern auch in ihrem sozialen Netzwerk und bei der Ausübung ihres Berufes. Auf die Auswirkungen der Kaufsucht wird in Kapitel 2.5 näher eingegangen.
Die Diagnose »Kaufsucht« steht selten allein; für Personen mit pathologischem Kaufverhalten scheint eine sehr hohe psychiatrische Komorbidität charakteristisch zu sein. Oft leiden die Betroffenen zusätzlich unter Depressionen, Angststörungen, Zwangsstörungen, Alkoholmissbrauch oder Essstörungen. Pathologisches Kaufen nimmt, wenn es über Jahre hinweg exzessiv betrieben wird, oft chronische Züge an. Meist verheimlichen die Betroffenen ihr Problem gegenüber Dritten, obwohl diese längst schon davon ahnen.15
Scherhorn et al. betonen, dass man nur dann vom Vorliegen einer Kaufsucht sprechen kann, wenn genau vier Aspekte erfüllt sind: die Abhängigkeit vom Kaufen, der unwiderstehliche Kaufdrang, die Dosissteigerung und das Auftreten von Entzugssymptomen. Im Folgenden werden diese näher beschrieben. Sind diese vier Kriterien nicht erfüllt, könne jede Tätigkeit, die als »unnormale« oder abweichende Verhaltensweise gilt, als Sucht bezeichnet werden. Diese inflationäre Verwendung des Suchtbegriffs würde wiederum einerseits dem Leidensdruck der Betroffenen nicht gerecht werden, andererseits würde es zu einer weiteren Bagatellisierung der Problematik führen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung – Ist Kaufsucht eine Sucht?: Einführung in das Thema Kaufsucht, die Kontroverse um den Suchtbegriff und die gesellschaftliche Wahrnehmung sowie Einordnung der Arbeit.
2 Pathologisches Kaufen: Detaillierte Definition, Abgrenzung von Zwangsstörungen, Analyse der Entstehungsfaktoren sowie Darstellung therapeutischer Methoden wie dem Erlangener Therapieprogramm.
3 Finanzielle Aspekte: Untersuchung bargeldloser Zahlungsweisen und Kreditformen wie Dispositionskrediten sowie deren Auswirkungen auf die Verschuldungsbereitschaft von Kaufsüchtigen.
4 Rechtliche Aspekte: Beleuchtung der privatrechtlichen Konsequenzen (Schuldrecht, Zivilprozessordnung) und strafrechtlicher Risiken im Zusammenhang mit dem Kaufverhalten.
5 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Problematik und Appell an die Bedeutung interdisziplinärer Forschung und Unterstützung für Betroffene.
Schlüsselwörter
Kaufsucht, Pathologisches Kaufen, Oniomanie, Sucht, Kaufdrang, Kompensatorisches Kaufverhalten, Selbstwertschwäche, Verschuldung, Dispositionskredit, Insolvenzordnung, Kognitive Verhaltenstherapie, Schuldenberatung, Schuldrecht, Betrug, Konsumverhalten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Kaufsucht als pathologisches Phänomen und untersucht insbesondere die finanziellen Risiken sowie die daraus resultierenden rechtlichen Konsequenzen für die Betroffenen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder umfassen die psychologische Definition der Kaufsucht, die Entstehung von Schulden durch moderne Zahlungsinstrumente, rechtliche Rahmenbedingungen wie die Zivilprozessordnung sowie Therapiemöglichkeiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Kaufsucht als ernste Suchterkrankung zu identifizieren, die Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen aufzuzeigen und Strategien zur Bewältigung sowie zum Umgang mit Verschuldung darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Konzepte der Psychologie, Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften verknüpft, um ein umfassendes Bild der Kaufsuchtproblematik zu zeichnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die pathologische Analyse des Kaufverhaltens (einschließlich Erlangener Therapieprogramm), die finanzielle Betrachtung von Zahlungssystemen und Kreditmöglichkeiten sowie eine juristische Einordnung der Folgen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Kaufsucht, pathologisches Kaufen, Verschuldung, Selbstwertschwäche, kognitive Verhaltenstherapie und finanzielle Risiken durch Zahlungsinstrumente.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "kompensatorischem" und "süchtigen" Kaufverhalten eine so wichtige Rolle?
Die Unterscheidung verdeutlicht, dass nicht jedes Ausgleichen von Frustration durch Kaufen bereits eine Sucht darstellt; erst die Abhängigkeit, der Kontrollverlust und die resultierende Suchtdynamik definieren das pathologische Krankheitsbild.
Wie wirkt sich die Nutzung von EC- oder Kreditkarten auf Kaufsüchtige aus?
Diese bargeldlosen Mittel führen oft zum Verlust des Überblicks über die eigenen Ausgaben und dienen aufgrund ihrer Einfachheit als Katalysator für einen Kaufrausch, da die unmittelbare physische "Schmerzgrenze" bei Barzahlungen entfällt.
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- Petra Weidt (Author), 2009, Kaufsucht und finanziell-rechtliche Aspekte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145725