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Moscheenbau im Konflikt

Ein Beitrag zur Religionsgeographie am Beispiel von Berlin-Heinersdorf

Title: Moscheenbau im Konflikt

Examination Thesis , 2008 , 94 Pages , Grade: 2

Autor:in: Ömer Ayik (Author)

Geography / Earth Science - Miscellaneous
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,,Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, so sie professieren, ehrliche Leute sind; und wenn die Türken und Heiden kämen und wollten das Land pöplieren [ bewohnen], so wollten wir sie Moscheen und Kirchen bauen." (Friedrich der Große) (zitiert in Spiegel Special 2/2008)

Neben den beiden großen christlichen Glaubensgemeinschaften hat sich der Islam im Laufe der Zuwanderung von Arbeitnehmern und Flüchtlingen zu der drittgrößten Glaubensgemeinschaft in Deutschland entwickelt. In den 1960er Jahren zählte man noch rund zwei Millionen Muslime, nun sind es mehr als drei Millionen. Vor einem Jahrzehnt war der Hauptansprechpartner der islamischen Glaubensgemeinschaft die türkische Religionsbehörde, inzwischen hat sich dies verändert. Es gibt nun verschiedene Glaubensgemeinschaften, die ihre Moscheen besuchen: arabische, marokkanische oder bosnische Einwanderer, um nur einige Beispiele zu nennen. Die hier aufgewachsenen Muslime der dritten Generation möchten, dass die Moscheen aus den Hinterhöfen herauskommen und sich architektonisch im Stadtbild präsentieren.

,,Dass in mehr und mehr Moscheegemeinden Deutsch zur Verkehrssprache wird, ist ebenfalls ein Zeichen, dass der Islam längst eingebürgert ist." (Piening 2006: 4) Meine Absicht ist es mit dieser Arbeit gerade in einer Zeit, in der die Muslime nicht selten unter Generalverdacht stehen , die Konflikte genauer zu analysieren. Durch das Recht der freien Religionsausübung ist es allen Religionsgemeinschaften möglich, Gebetsräume, Gebetshäuser zu errichten. Ihnen wird dadurch das Recht eingeräumt, repräsentative Bauten zu errichten. Aber warum kommt es dann bei einem Moscheebauvorhaben zu Konflikten? Es handelt sich hierbei um einen Konflikt zu einem mittlerweile begonnenen und bald endenden Moscheeneubau in Berlin- Heinersdorf, die erste Moschee mit Minarett im Osten Berlins. Wir leben in einem multiethnischen und multikulturellen Land. Bei einem Spaziergang durch die Großstädte in Deutschland, wie z. B. Berlin, München oder Köln, findet man überall Anzeichen unterschiedlicher Kulturen. Verschleierte Frauen, Moscheen und Imbissbuden mit unterschiedlich fremd klingenden Namen sind nur einige Beispiele. Meines Erachtens sind diese Einflüsse nicht mehr als ,,fremd" zu bezeichnen, man kann sagen, dass sie zum Alltagsleben in Deutschland dazugehören (Tibi 2000: 88).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Religionsgeographie

2.1 Definition der Religionsgeographie

2.2 Moscheen und ihre religiöse Funktion

2.3 Die muslimische Zuwanderung

2.4 Die verschiedenen Religionsgemeinschaften in Berlin

2.4.1 Christliche Gemeinden

2.4.2 Buddhistische Gemeinde

2.4.3 Jüdische Gemeinde

2.4.4 Muslimische Gemeinden

2.5 Die räumliche Beziehung und die Interaktion der Religionsgemeinschaften untereinander im Berliner Raum

2.5.1 Räumliche Verteilung der Religionsgemeinschaften in Berlin

3 Warum kommt es bei einem Moscheebau zum Konflikt? – Differenzierung des Konfliktbegriffs und die Konfliktursachen

3.1 Definition des Konfliktbegriffs

3.2 Konfliktursachen allgemein

3.3 Konfliktaustragung und Konfliktverlauf

3.4 Konfliktakteure und Lösungsstrategien

3.4.1 Religionsgemeinschaften

3.4.2 Staatliche Institutionen

3.4.3 Politische Akteure

3.4.4 Lokale Medien

4 Der Moscheebau-Konflikt in Berlin - Heinersdorf

4.1 Topographische Lage Heinersdorfs

4.2 Bevölkerungsstruktur

4.3 Sozialstruktur

4.4 Soziale Infrastruktur

4.5 Der Verlauf des Heinersdorfer Moscheebau-Konflikts

4.6 Die Akteure in Berlin-Heinersdorf Moscheebau-Konflikt

4.6.1 Die Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland e. V.

4.6.2 Ev. Kirchengemeinde Heinersdorf

4.6.3 Kirche Alt-Pankow

4.6.4 Bürgerinitiativen

4.6.5 Parteien und Behörden

4.6.6 Bezirksverordnetenvorsteher

4.6.7 Bezirksbürgermeister

4.6.8 Die Presse

4.7 Konfliktursachen des Heinersdorfer Moscheebau-Konflikts

4.7.1 Städtebaulicher Konflikt

4.7.2 Der ethnisch-kulturelle Konflikt

4.8 Bewertungen des Konfliktes

4.9 Zusammenfassung: Der Heinersdorfer Moscheebau-Konflikt als Beispiel eines symbolischen Konfliktes

5 Ausblick: Erkenntnisse im Umgang mit dem Fremden

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen und den Verlauf des Moscheebau-Konflikts in Berlin-Heinersdorf. Ziel ist es, die Konfliktdynamik zu analysieren, um Erkenntnisse zu gewinnen, die für zukünftige Vorhaben im Bereich der Religionsgeographie und städtebaulichen Konfliktforschung deeskalierend wirken können.

  • Religionsgeographische Grundlagen und muslimische Zuwanderung
  • Differenzierung von Konfliktursachen und Akteurskonstellationen
  • Konfliktverlauf und politische Strategien beim Moscheebau in Heinersdorf
  • Bedeutung von Identität und Anerkennung in ethnisch-kulturellen Konflikten
  • Erkenntnisse für den Umgang mit dem Fremden in der pluralen Gesellschaft

Auszug aus dem Buch

4.6.1 Der Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland e. V.

Das Handeln der Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland e. V. während des Moscheebau-Konflikts in Heinersdorf zeichnet sich durch eine hohe Professionalität aus.

Als Gründe für den Bauantrag führte sie an: Die bisherigen Räumlichkeiten in Reinickendorf sind für ihre 200 Mitglieder zu klein. Die bisherige Moschee wird den baulichen Charakteristika einer Moschee nicht gerecht, da sie in einem Wohnhaus untergebracht ist. Die neue Moschee sollte über ein Minarett verfügen.

Der Imam Abdul Basit Tariq ist der spirituelle Führer der Berliner Gemeinde und weiterer Gemeinden in Deutschland. Er repräsentiert sie in der Öffentlichkeit. Im Mittelpunkt seines Interesses steht die Religion; politische Fragen sind aufgrund seiner Rolle als Imam sekundär. In seinen Ausführungen hebt er die Friedfertigkeit der Gemeinde hervor und ist sehr an Kontakten mit Gesprächspartnern in Pankow und insbesondere Heinersdorf interessiert. Auf vielen Veranstaltungen war er präsent und beantwortete geduldig alle Fragen. Moscheebaukritiker und Kommunalpolitiker, die dem Moscheebau offen gegenüberstehen, weisen jedoch darauf hin, dass Antworten und Positionierungen zu wichtigen Fragen ausblieben oder unkonkret waren.

Das Agieren der Gemeinde ist allgemein von dem Wunsch geprägt, nicht nur von der Mehrheitsgesellschaft, sondern auch von den Moscheebaugegnern als gut integrierte Staatsbürger muslimischen Glaubens wahrgenommen zu werden. Daher versuchten Gemeindemitglieder das Interesse der Moscheegegner zu wecken, um ihnen die Gemeinde näher vorzustellen. Wie sich in Gesprächen mit Heinersdorfern herausstellte, wurde diese Offenheit jedoch von einigen Kritikern als „Missionierungsversuch“ bezeichnet und abgelehnt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der muslimischen Zuwanderung und der zunehmenden Sichtbarkeit des Islam im deutschen Stadtbild ein, wobei der Moscheebau in Berlin-Heinersdorf als Fallbeispiel für gesellschaftliche Konflikte dient.

2 Religionsgeographie: Das Kapitel definiert den religionsgeographischen Rahmen, erläutert die Bedeutung der Moschee als religiöses Zentrum und gibt einen Überblick über die muslimische Vereinslandschaft in Berlin.

3 Warum kommt es bei einem Moscheebau zum Konflikt? – Differenzierung des Konfliktbegriffs und die Konfliktursachen: Hier werden theoretische Grundlagen der Konfliktforschung dargelegt, um das Zustandekommen von Moscheebau-Konflikten durch verschiedene Akteure und Interessenlagen besser zu verstehen.

4 Der Moscheebau-Konflikt in Berlin - Heinersdorf: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert den lokalen Kontext, die Akteure, den chronologischen Verlauf des Konflikts in Heinersdorf und bewertet die Ursachen als städtebauliche und identitätspolitische Auseinandersetzungen.

5 Ausblick: Erkenntnisse im Umgang mit dem Fremden: Die Arbeit schließt mit Empfehlungen für Politik, Verwaltungen und Bürger, wie durch Dialog und städtebauliche Maßnahmen Konflikte im Umgang mit religiöser Pluralität gemindert werden können.

Schlüsselwörter

Religionsgeographie, Moscheebau, Berlin-Heinersdorf, Konfliktforschung, Ahmadiyya Muslim Jamaat, Ethnisch-kulturelle Konflikte, Integration, Identität, Soziale Infrastruktur, Stadtentwicklung, Bürgerbeteiligung, Interreligiöser Dialog, Anerkennungskonflikte, Vereinslandschaft, Partizipation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Konflikt um den Bau einer Moschee der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Berlin-Heinersdorf und betrachtet diesen als Beispiel für religionsgeographische und soziopolitische Auseinandersetzungen in einer pluralen Gesellschaft.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentrale Themen sind die Rolle von Moscheen im städtischen Raum, die Geschichte der muslimischen Zuwanderung in Deutschland sowie die theoretische Analyse von Konfliktursachen, wie etwa Identitäts- und Anerkennungskonflikte.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel besteht darin, die Dynamik von Moscheebau-Konflikten zu verstehen, um aus dem Heinersdorfer Fall Erkenntnisse für einen deeskalierenden Umgang bei zukünftigen Bauprojekten dieser Art abzuleiten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine stadtgeographische Perspektive und verknüpft diese mit sozialwissenschaftlicher Konfliktforschung, unter anderem durch die Auswertung von Interviews, Zeitungsberichten und vorliegenden Statistiken.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil liegt der Fokus auf der detaillierten chronologischen Aufarbeitung des Heinersdorfer Konflikts, der Vorstellung der beteiligten Akteure (wie IPAHB, Politik und Religionsgemeinden) sowie der Differenzierung von Konfliktursachen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Religionsgeographie, Moscheebau, Konfliktforschung, Ethnisch-kulturelle Konflikte, Anerkennung und Integration.

Welche Rolle spielt die Interessengemeinschaft IPAHB im Konflikt?

Die IPAHB fungierte als zentrale Akteurin der Gegenbewegung, die durch die Mobilisierung von Anwohnern und eine strategische Argumentationsführung, die sich von baurechtlichen zu ideologischen Diskursen wandelte, den Konfliktverlauf maßgeblich prägte.

Wie bewertet der Autor das Handeln der evangelischen Kirchengemeinde?

Der Autor ordnet die Rolle der Gemeinde als ambivalent ein, da sie zwischen dem Bemühen um eine eigene christliche Identität und der Teilnahme an Debatten um die Ängste der Moscheegegner schwankte, was zur Folge hatte, dass Befürworter sich aus der Kirchengemeinde zurückzogen.

Zu welchem Schluss kommt die Arbeit hinsichtlich des Konflikts?

Die Arbeit schlussfolgert, dass es sich in Heinersdorf primär um einen symbolischen Identitätskonflikt handelte, der durch eine zu späte Information der Bevölkerung sowie latente Verlustängste der Mittelschicht befeuert wurde.

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Details

Title
Moscheenbau im Konflikt
Subtitle
Ein Beitrag zur Religionsgeographie am Beispiel von Berlin-Heinersdorf
College
Free University of Berlin
Grade
2
Author
Ömer Ayik (Author)
Publication Year
2008
Pages
94
Catalog Number
V145751
ISBN (eBook)
9783640542543
ISBN (Book)
9783640542789
Language
German
Tags
Moscheebau im Konflikt Moscheebau Moschee Konfliktanalyse Konflikt Muslime Einwanderer Religionsgeographie Examensarbeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ömer Ayik (Author), 2008, Moscheenbau im Konflikt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145751
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