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Jacob Burckhardt in seiner Zeit: Das Bild der Polis in seiner "Griechischen Kulturgeschichte"

Title: Jacob Burckhardt in seiner Zeit: Das Bild der Polis in seiner "Griechischen Kulturgeschichte"

Term Paper (Advanced seminar) , 1998 , 34 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Christoph Marx (Author)

World History - Early and Ancient History
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Der Basler Geschichtsprofessor Jacob Burckhardt (1818-1897) gilt heutzutage unumstritten als einer der bedeutendsten Geschichtsdenker seiner Zeit und die zahlreichen aktuellen Publikationen über ihn und sein Werk beweisen das ungebrochene Interesse der modernen Geschichtswissenschaft an dieser faszinierenden Persönlichkeit. Unter seinen Zeitgenossen war er allerdings zutiefst umstritten und er galt als ein eher sonderbarer Außenseiter innerhalb der Gelehrtenzunft. Denn als sich die meisten Historiker seiner Zeit angesichts der politischen und gesellschaftlichen Umbruchsprozesse als politisch engagierte Professoren verstanden und damit im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses standen, zog sich Burckhardt völlig aus dem öffentlichen Leben zurück und widmete sich ganz seinen historischen Studien.
Diese Arbeit will nun zeigen, dass Burckhardts Geschichtsdenken entgegen der landläufigen Meinung keineswegs als prinzipiell apolitisch und weltentrückt charakterisiert werden kann, sondern es vielmehr als bewusste Reaktion auf die gesellschaftlichen und politische Umbrüche seiner Zeit verstanden werden muss. Dies wird anhand einer genauen Analyse der Burckhardtschen Darstellung der griechischen Polis in seiner "Griechische(n) Kulturgeschichte" nachgewiesen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Anstatt einer Biographie: Jacob Burckhardts Werke als politische Reaktion auf seine Zeit

3. Der kulturgeschichtliche Ansatz Jacob Burckhardts: Die Einleitung zur "Griechische(n) Kulturgeschichte"

4. Jacob Burckhardts Bild der Polis in der "Griechischen Kulturgeschichte"

4.1. Burckhardts Begriff und Definition der Polis

4.2. Die Entstehung der Polis

4.3. Das ambivalente Wesen der Polis

4.3.1. Die Polis als totalitäre Macht über das Individuum

4.3.2. Die Polis als Schöpferin kultureller Höchstleistungen

4.4. Zusammenfassende Deutung des Burckhardtschen Polisbildes und ihr Gegenwartsbezug

4.5. Burckhardts Angst vor den Massen: Die athenische Demokratie als Untergang der Polis

5. Schlußbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Gegenwartsbezug in Jacob Burckhardts Geschichtsdenken, insbesondere in seiner "Griechischen Kulturgeschichte", um aufzuzeigen, dass seine historische Analyse kein unpolitisches Unterfangen war, sondern eine bewusste Reaktion auf die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche des 19. Jahrhunderts darstellt.

  • Biographische Einordnung Jacob Burckhardts als politisch reagierender Intellektueller.
  • Analyse des kulturgeschichtlichen Ansatzes und der methodischen Potenzenlehre Burckhardts.
  • Deutung der griechischen Polis als ambivalentes Spannungsfeld zwischen totalitärem Staatsanspruch und kultureller Höchstleistung.
  • Kritische Untersuchung der athenischen Demokratie als Projektionsfläche für Burckhardts Ängste vor zeitgenössischen Massenbewegungen.

Auszug aus dem Buch

Die Polis als totalitäre Macht über das Individuum

Der brutale Entstehungsprozeß der Polis und die dauernde Bedrohung von außen bewirkte aber auch innerhalb der Polis ein enormes Zusammengehörigkeitsgefühl der Bürgerschaft. Dieser Zusammenhalt als "Ergebnis des Zusammengeschweißtwerdens" führte nun nach Burckhardt zu einem totalen Allmachtsanspruch der Polis gegenüber dem einzelnen Individuum. Denn für die Griechen war die Polis mehr als nur ein Wohnsitz und Lebensort. Sie war -auch aufgrund ihrer Entstehung- Ausdruck des "Lebenswillen(s)" der Griechen und daher quasi "ein höheres Naturprodukt"., dem der Einzelne sein ganzes Dasein zu verdanken hatte. Diesem "höhere(n), göttlich mächtige(n) Wesen" hat daher auch das einzelne Individuum alle seine persönlichen Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen. Abstrakter ausgedrückt: das entscheidende Merkmal der griechischen Polis ist für Burckhardt der Zwang zur "völligen Unterordnung des Einzelnen unter das Allgemeine."

Eingedenk seiner eigenen Erfahrung als gesellschaftlicher Außenseiter schildert nun Burckhardt in düstersten Farben die Recht- und Machtlosigkeit des Einzelnen gegenüber der "Staatsallmacht" der Polis. Sobald sich der Einzelne dem Anspruch der Polis verweigert, wird die Polis "dem Einzelnen höchst furchtbar", was in den meisten Fällen entweder "Tod, Atimie" oder "Exil" bedeutete. Doch nicht nur bei individuellen Fehlverhalten bleibt der Einzelne im Würgegriff der Polis, die keinerlei privaten Freiraum zuläßt. So ist der Einzelne teilweise zu lebenslangem Kriegsdienst in der Polis verpflichtet und sogar die Religionsausübung mit ihren Kulten und Riten bleibt immer "Staatssache".

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung etabliert die Forschungsfrage, ob Burckhardts Geschichtsschreibung als apolitisch gilt oder als bewusste Reaktion auf die gesellschaftlichen Umbrüche seiner Zeit verstanden werden kann.

2. Anstatt einer Biographie: Jacob Burckhardts Werke als politische Reaktion auf seine Zeit: Dieses Kapitel stellt Burckhardts biographische Hintergründe und sein Verständnis als konservativer Gelehrter dar, der seine historischen Studien als Widerstand gegen die Politisierung der Gesellschaft betrachtete.

3. Der kulturgeschichtliche Ansatz Jacob Burckhardts: Die Einleitung zur "Griechische(n) Kulturgeschichte": Hier wird Burckhardts methodischer Ansatz, insbesondere seine Drei-Potenzen-Lehre, erläutert, die Geschichte primär als Geistesgeschichte und Kontinuität begreift.

4. Jacob Burckhardts Bild der Polis in der "Griechischen Kulturgeschichte": Das Hauptkapitel analysiert Burckhardts Definition und Verständnis der Polis als historisches Phänomen.

4.1. Burckhardts Begriff und Definition der Polis: Klärung des Begriffs "Polis" als zentrales Element und "Quellpunkt" des griechischen Lebens.

4.2. Die Entstehung der Polis: Untersuchung der Entstehung durch den gewaltsamen Synoikismus als Ausdruck eines fieberhaften Lebensdrangs der Hellenen.

4.3. Das ambivalente Wesen der Polis: Diskussion des Spannungsverhältnisses zwischen der Polis als totalitäre Macht und als Bedingung für kulturelle Blüte.

4.3.1. Die Polis als totalitäre Macht über das Individuum: Analyse der Unterordnung des Einzelnen und der Machtlosigkeit gegenüber der "Staatsallmacht".

4.3.2. Die Polis als Schöpferin kultureller Höchstleistungen: Darstellung des Wettstreits (Agon) als Motor für die Entfaltung überragender Persönlichkeiten und kultureller Errungenschaften.

4.4. Zusammenfassende Deutung des Burckhardtschen Polisbildes und ihr Gegenwartsbezug: Zusammenfassung von Burckhardts ambivalenter Sichtweise und Verknüpfung mit seinem Geschichtsprinzip.

4.5. Burckhardts Angst vor den Massen: Die athenische Demokratie als Untergang der Polis: Kritische Beleuchtung von Burckhardts Verachtung für die attische Demokratie und deren Parallelen zu den revolutionären Massenbewegungen seines eigenen Jahrhunderts.

5. Schlußbetrachtung: Zusammenfassendes Fazit über Burckhardts Rolle als konservativer Kulturkritiker und die Bedeutung seiner historischen Arbeit als Mahnung an seine Zeitgenossen.

Schlüsselwörter

Jacob Burckhardt, Griechische Kulturgeschichte, Polis, Kulturgeschichtsschreibung, Historismus, Geistesgeschichte, Politische Reaktion, Staatsallmacht, Individuum, Attische Demokratie, Demos, Gegenwartsbezug, Konservatismus, Massenherrschaft, Agon.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, inwiefern Jacob Burckhardts historische Analysen der griechischen Polis ein Ausdruck seiner politischen Haltung gegenüber den gesellschaftlichen Umbrüchen des 19. Jahrhunderts sind.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten gehören Burckhardts methodischer Ansatz (Potenzenlehre), die Ambivalenz der griechischen Polis zwischen totalitärem Staatsanspruch und individueller kultureller Höchstleistung sowie die Interpretation der attischen Demokratie als Warnung vor Massenbewegungen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Gegenwartsbezug in Burckhardts Werk nachzuweisen und zu zeigen, dass seine scheinbar "weltabgewandte" Geschichtsschreibung als bewusste politische Reaktion gegen die zeitgenössische Radikalisierung und Demokratisierung gelesen werden muss.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit analysiert Burckhardts Darstellung der griechischen Polis auf Basis seiner eigenen methodischen Vorgaben (Kulturgeschichte als Geistesgeschichte) und kontextualisiert diese durch den Vergleich mit zeitgenössischen Forschungspositionen und Burckhardts Briefen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert Burckhardts Bild der Polis, von ihrer Entstehung über ihr ambivalentes Wesen bis hin zur kritischen Darstellung der athenischen Demokratie und deren Deutung als Untergangszenario.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Kulturgeschichte, Staatsallmacht, Individuum, Agon, Demos, Gegenwartsbezug und konservative Kulturkritik.

Warum wertete Burckhardt die Polis als totalitär?

Er betrachtete die Polis als ein Konstrukt, das keine privaten Freiräume zuließ und das Individuum vollständig dem Gemeinwesen unterordnete, was er durch seine persönliche Erfahrung als Außenseiter seiner Zeit kritisch interpretierte.

Wie begründete Burckhardt seine Ablehnung der athenischen Demokratie?

Er sah in der Demokratie ein "inhumanes Zwangssystem", in dem Demagogen die Masse instrumentalisierten, um die Besitzenden zu berauben und die Stabilität der Kultur zugunsten kurzfristiger, materieller Interessen zu gefährden.

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Details

Title
Jacob Burckhardt in seiner Zeit: Das Bild der Polis in seiner "Griechischen Kulturgeschichte"
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Alte Geschichte)
Course
Hauptseminar: Die griechische Polis
Grade
1,3
Author
Christoph Marx (Author)
Publication Year
1998
Pages
34
Catalog Number
V14588
ISBN (eBook)
9783638199469
ISBN (Book)
9783638643535
Language
German
Tags
Jacob Burckhardt Zeit Bild Polis Griechischen Kulturgeschichte Hauptseminar Polis
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christoph Marx (Author), 1998, Jacob Burckhardt in seiner Zeit: Das Bild der Polis in seiner "Griechischen Kulturgeschichte", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14588
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