Auf Basis verschiedener Medienartikel sowie eines umfassenden Berichts einer NGO (Human Rights Watch) wird versucht ein kompaktes Bild über den Aktivismus von queeren Menschen (LGBTIQ+) in verschiedenen muslimischen Gesellschaften zu zeichnen. Das Abschlusspapier wird durch zwei grundlegende Fragen strukturiert: I. Wie sehen die (Selbst-)organisationsprozesse von LGBTIQ-Netzwerken und Communities im Maghreb und Mashrek aus und wie und wo werden diese gestaltet? und II. Was sind die Themenfelder dieses Aktivismus und welche Diskussionen werden dadurch angestoßen?
Inhaltsverzeichnis
1. Wie sehen die (Selbst-)organisationsprozesse von LGBTIQ-Netzwerken und Communities im Maghreb und Mashrek aus und wie und wo werden diese gestaltet?
Einleitung
National und International
2. Was sind die Themenfelder dieses Aktivismus und welche Diskussionen werden dadurch angestoßen?
2.1 Community-Building-Maßnahmen und Networking
2.2 Sicherheit und Gesundheit
2.3 Advocacy
3. Fazit und intersektionale Aspekte
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Organisationsweisen und Handlungsspielräume von LGBTIQ+-Aktivist*innen in den Regionen Maghreb und Mashrek unter repressiven Bedingungen und analysiert, wie diese Akteur*innen trotz Widrigkeiten strukturelle Transformationen vorantreiben.
- Methoden der Selbstorganisation und des Netzwerkaufbaus
- Herausforderungen in den Bereichen Sicherheit, Gesundheit und Digital Security
- Strategien des Advocacy und der menschenrechtlichen Einflussnahme
- Intersektionalität und Koalitionsbildung mit feministischen Bewegungen
Auszug aus dem Buch
Aktivismus vor Ort (Offline)
Die Arten und Lokalitäten der Selbstorganisation unterscheiden sich in den verschiedenen Ländern des Maghreb und Mashrek erheblich. Beispielsweise konnten laut Cetin (2015) in der Türkei 2013 im Rahmen der Gezi-Park-Proteste eine CSD-Pride-Demonstration mit über 100.000 Teilnehmenden stattfinden und seit der Einführung des türkischen Vereinsgesetzes im Jahre 2004 (im Rahmen des EU-Beitrittsprozesses) wurden über 50 queere Vereine gegründet, darunter einige mit dem Status als juristische Person (Quelle und Angaben stammen noch aus dem Jahr 2015, vor dem Putsch-Versuch in der Türkei).
In anderen Ländern hingegen wie z.B. Algerien ist die Eintragung von LGBTIQ-Vereinen als juristische Person nicht möglich und wird strafrechtlich geahndet (Goshal 2018: 39). Außerdem ist die Vernetzung dort laut einem algerischen Aktivisten zwischen LGBTIQ+-Communities und anderen Menschenrechtsorganisationen schwierig bis unmöglich (ebd.: 39). Aufgrund der Sicherheits- und Bedrohungslage sowie der Kriminalisierung von LGBTIQ+-Menschen bestehen daher nur wenige öffentliche Räume und viele Veranstaltungen finden daher in privaten Räumen statt (wie z.B. Partys) und innerhalb geschlossener Gruppen (ebd.: 43).
Physischer Aktivismus abseits des Internets bedeutet daher oftmals das Schaffen und Organisieren von Räumen (Safer Spaces), in denen Betroffene Kontakte zu Gleichgesinnten und Verbündeten (Allies) aufbauen und sich vernetzen können und die Themen Sexualität und Geschlecht/Gender thematisiert werden können (ebd.: 29). Oftmals werden kulturelle Veranstaltungen wie Film-Abende, Art Festivals und Theater-Performances mit gesundheitlicher Aufklärung zu HIV-Prävention und Testmöglichkeiten verbunden, da das Misstrauen gegenüber staatlichen Maßnahmen hierzu verständlicherweise hoch ist oder die angebotenen Maßnahmen oftmals unzureichend/ unzugänglich sind (Goshal 2018: 29; Shukrallah 2021).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wie sehen die (Selbst-)organisationsprozesse von LGBTIQ-Netzwerken und Communities im Maghreb und Mashrek aus und wie und wo werden diese gestaltet?: Das Kapitel führt in die prekäre Lebenssituation von LGBTIQ+-Personen in der Region ein und erläutert, wie trotz staatlicher Repression lokale Netzwerke und internationale Exil-Strukturen aktivistisch tätig sind.
2. Was sind die Themenfelder dieses Aktivismus und welche Diskussionen werden dadurch angestoßen?: Hier werden konkrete Handlungsfelder beleuchtet, die von Community-Building über Sicherheitsaspekte wie Digital Security bis hin zu gesundheitlicher Aufklärung und politischem Advocacy reichen.
3. Fazit und intersektionale Aspekte: Das Abschlusskapitel spannt den Bogen zur intersektionalen Theorie und beleuchtet die strategische Koalitionsbildung mit feministischen Bündnissen, um über klassische Menschenrechtsfragen hinaus gesellschaftliche Teilhabe zu erreichen.
Schlüsselwörter
LGBTIQ, Maghreb, Mashrek, Aktivismus, Selbstorganisation, Intersektionalität, Menschenrechte, Advocacy, Community-Building, Queer, Sicherheit, Feminismus, Repression, Digitale Sicherheit, Empowerment
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie sich LGBTIQ+-Personen im Maghreb und Mashrek unter schwierigen politischen Bedingungen organisieren und für ihre Rechte kämpfen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Die zentralen Felder umfassen Community-Building, Sicherheitsstrategien (physisch und digital), gesundheitliche Aufklärung sowie politisches Advocacy.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie queere Akteur*innen Handlungsfähigkeit (Agency) entwickeln und durch intersektionale Vernetzung monolithische Bilder der Region aufbrechen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Auswertung aktueller aktivistischer Quellen sowie Berichten von Menschenrechtsorganisationen aus dem post-revolutionären Zeitraum.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl physische Offline-Aktivitäten als auch digitale Vernetzungsstrategien untersucht und deren Bedeutung vor dem Hintergrund staatlicher Repression dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind LGBTIQ, Maghreb, Mashrek, Aktivismus, Intersektionalität, Advocacy und Community-Building.
Welche Bedeutung hat der Companion-Status für die algerische Gruppe TransHomoDZ?
Dieser Status dient der Sicherheit der Mitglieder, indem eine lange Prüfphase vor dem physischen Treffen sicherstellt, dass neue Mitglieder vertrauenswürdig sind und keine polizeiliche Gefahr darstellen.
Warum spielt die Koalitionsbildung mit feministischen Bewegungen eine so wichtige Rolle?
Sie ermöglicht es, LGBTIQ+-Rechte mit breiteren gesellschaftlichen Forderungen (z.B. Erbrecht oder Familiengesetzreform) zu verbinden, was die Erfolgsaussichten und die Legitimität des Aktivismus stärkt.
Inwiefern beeinflusst das Internet den Aktivismus in der Region?
Das Internet bietet Räume für den Austausch und das Empowerment, wenn Präsenzveranstaltungen zu gefährlich sind, bringt aber auch die Herausforderung der staatlichen Überwachung mit sich.
- Arbeit zitieren
- Sofian Meziani (Autor:in), 2021, LGBTIQ+-Aktivismus im Maghreb und im Mashrek, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1460002