1. Einleitung
Seit der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika wählt das wahlberechtigte Volk alle vier Jahre einen neuen Präsidenten und entscheidet somit über die zukünftige Ausrichtung der Politik des Landes. Einige dieser Wahlen markierten Wendepunkte in der Geschichte Amerikas und daher oft auch in der Geschichte der Welt. So beendete Abraham Lincoln die Sklaverei, Franklin D. Roosevelt etablierte die USA in einer weltweiten Führungsrolle und John F. Kennedy inspirierte Millionen von Amerikanern. Im Jahre 2008 ist ein weiterer dieser Wendepunkte erreicht worden. Erstmals schaffte es ein Afroamerikaner, an die Spitze der Vereinigten Staaten gewählt zu werden. Dies ist ein großer Schritt auf dem Weg zur Realisierung der verfassungsmäßigen Gleichheit aller Amerikaner. Darüber hinaus ist mit Barack Obamas Wahl die Hoffnung auf einen grundlegenden Wandel der USA weg von der neokonservativen Machtpolitik George W. Bushs und hin zu einem weltoffenen und dialogbereiten Amerika verbunden. “Change” war das Zauberwort des Wahlkampfes und eine Veränderung, einen Neuanfang versprachen sich alle Wähler Barack Obamas. Eine gesundheitliche Absicherung für jeden Bürger, wirtschaftliche Stabilität, freier Zugang zur Bildung, Energiesicherheit, ein Abzug aus dem Irak und ein besseres Ansehen in der Welt - diese Dinge standen vor den Wahlen auf den Wunschzetteln der meisten Amerikaner. Diesbezüglich könnten die politischen Ansätze von George W. Bush und seinem Nachfolger unterschiedlicher nicht sein. Wie es Obama gelang, diesen gravierenden Wechsel im Wählerverhalten auszulösen und wie der Verlauf der Wahlkampagnen dazu beitrug, soll Thema dieser Arbeit sein.
Da es sich bei den US-Wahlen 2008 noch mehr als sonst um einen Kampf der Persönlichkeiten und Ideologien handelte, sollen die politischen Sachthemen nur eine untergeordnete Rolle in dieser Betrachtung spielen. Vielmehr sollen der Wahl- und Meinungsbildungsprozess sowie die kulturellen, medialen und persönlichen Voraussetzungen für den epochalen Triumph eines Mannes herausgearbeitet werden, der noch zwei Jahre vor der Wahl kaum einem Amerikaner bekannt war.
Nach einer Erläuterung der Besonderheiten des amerikanischen Wahlsystems sollen kurz die Themen dargelegt werden, die großen Einfluss auf den Wahlausgang hatten...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Wahlsystem der USA
2.1. Die historische Entwicklung
2.2. Der Ablauf der Wahlen heute
2.2.1. Die Vorwahlen
2.2.2. Die Nominierungsparteitage
2.2.3. Die Präsidentschaftswahlen
2.2.4. Die Arbeit des Electoral College
2.3. Kritik
3. Die entscheidenden Themen
3.1. Der Krieg im Irak
3.2. Die Finanz- und Wirtschaftskrise
3.3. Das Gesundheitssystem
3.4. Die Unbeliebtheit Bushs
3.5. Wandel gegen Erfahrung
4. Die Vorwahlen
4.1. Invisible Primaries
4.2. Iowa, New Hampshire und der Kampf um frühe Wahltermine
4.3. Die Vorwahlen der Demokraten
4.3.1. John Edwards' Kampagne
4.3.2. Hillary Clinton - im Porträt
4.3.3. Barack Obama - ein unwahrscheinlicher Aufstieg
4.3.3.1. Die Entstehung der "Obamania"
4.3.3.2. Sein Team
4.3.3.3. Popstar – und Kritik
4.3.4. Die ersten Einzelstaaten
4.3.5. Super Tuesday
4.3.6. Das lange Ringen
4.4. Die Vorwahlen der Republikaner
4.4.1. Die Kandidaten
4.4.2. John McCain – Die Geschichte eines Kämpfers
4.4.3. Die ersten Einzelstaaten
4.4.4. Super Tuesday
4.4.5. Die schnelle Entscheidung
5. Die Hauptwahlen
5.1. Drittkandidaten
5.2. Der Verlauf bis September
5.3. Die Wahl der Vizekandidaten
5.3.1. Obama – Biden
5.3.2. McCain – Palin
5.4. Die Finanzkrise als entscheidendes Thema
5.5. Die großen TV-Duelle
5.6. Die Wahlkampffinanzierung
5.7. Die Rolle der Medien
5.8. Die Rolle der Religion
5.9. Die heiße Phase
5.10. Wahltag
5.11. Auswertung der Wahlergebnisse
5.12. Bedeutung der Wahlen
5.13. Internationale Reaktionen
6. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den Präsidentschaftswahlkampf des Jahres 2008 in den USA, untersucht die Auswirkungen des amerikanischen Wahlsystems sowie die zentralen inhaltlichen Themen und Medieneinflüsse, die zum Erfolg von Barack Obama führten.
- Strukturelle Analyse des amerikanischen Wahlsystems (Vorwahlen & Electoral College)
- Einfluss der Finanzkrise und des Irakkriegs auf das Wahlverhalten
- Vergleichende Betrachtung der Kampagnen von Barack Obama und Hillary Clinton
- Untersuchung der Rolle der modernen Medien und Online-Mobilisierung
- Analyse der Bedeutung von Identitätsfragen, Religion und "Wandel"-Narrativen
Auszug aus dem Buch
4.3.3. Barack Obama – ein unwahrscheinlicher Aufstieg
Hillary Clintons direkter Kontrahent, Barack Obama war mehr oder weniger aus dem Nichts aufgetaucht, vermochte es aber durch sein Charisma einen so großen Eindruck auf die Menschen zu machen, dass ihm alles zuzutrauen war. Der kurze Zeitraum, in dem er sich von einem nur regional bekannten Senator zu einem Favoriten auf das Präsidentenamt entwickelte, aber nicht das einzig ungewöhnliche an Barack Obamas Geschichte.
Sein Vater war ein Kenianer, der als Sohn eines Ziegenhirten die Voraussetzungen und das Glück hatte, ein Stipendium an einer amerikanischen Universität zu erhalten, um mit dem erlangten Wissen nach Afrika zurückzukehren und Kenia zu einer schnelleren Entwicklung zu verhelfen. Als erster afrikanischer Student besuchte er ab 1959 die University of Hawaii. Dort lernte er eine junge Amerikanerin namens Ann Dunham kennen, heiratete sie 1961, als in vielen Teilen der USA die Ehe zwischen Schwarzen und Weißen noch verboten war, und sie zeugten Barack Hussein Obama II. Dessen Vater bekam ein weiteres Stipendium in Harvard und kehrte später nach Afrika zurück. Obamas Mutter und er blieben auf Hawaii, wo sie einen Indonesier heiratete mit dem sie 1967 nach Jakarta zog. Vier Jahre später kehrte ein elfjähriger Junge, der in seiner prägenden Phase Einblick in fremde Kulturen erlangt hatte, nach Hawaii zurück, um unter der Obhut seiner Großeltern eine renommierte Privatschule mit Auszeichnung abzuschließen. Die Tatsachen, dass sein Vater Moslem war, er in Jakarta eine muslimische Schule besucht hatte und dass sein zweiter Vorname Hussein war, sollten seine Gegner im Rahmen des Krieges gegen den Terror zu nutzen versuchen, um die Amerikaner in Angst vor einem Präsidenten Obama zu versetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung der Präsidentschaftswahl 2008 ein, die einen fundamentalen Wandel in der US-Politik markierte.
2. Das Wahlsystem der USA: Dieses Kapitel erläutert die verfassungsrechtlichen Grundlagen, das Electoral College und den historischen Entwicklungsprozess des amerikanischen Wahlsystems.
3. Die entscheidenden Themen: Hier werden die politisch dominanten Themen des Wahlkampfs wie der Irakkrieg, die Finanzkrise und das Gesundheitssystem sowie die Bedeutung von Wandel versus Erfahrung analysiert.
4. Die Vorwahlen: Dieser Abschnitt beschreibt detailliert den langwierigen Vorwahlprozess, inklusive der Strategien der demokratischen und republikanischen Kandidaten und der Dynamik der einzelnen Bundesstaaten.
5. Die Hauptwahlen: Dieses Kapitel behandelt die Schlussphase des Wahlkampfs, von der Nominierung der Vizekandidaten über die TV-Duelle und die Wahlkampffinanzierung bis hin zum Wahltag und den internationalen Reaktionen.
6. Resümee: Das Resümee fasst den Wahlsieg von Barack Obama als einen Schnittpunkt zwischen dem amerikanischen Traum und einem notwendigen politischen Wandel zusammen.
Schlüsselwörter
Präsidentschaftswahl 2008, Barack Obama, Hillary Clinton, John McCain, USA, Wahlsystem, Finanzkrise, Irakkrieg, Vorwahlen, Wahlkampf, Electoral College, Medien, Wandel, politische Analyse, Obamania
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine umfassende Analyse des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs des Jahres 2008, von der Vorwahlphase bis hin zum historischen Wahlsieg von Barack Obama.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise, der Irakkrieg, die Rolle der Medien bei der Wähler-Mobilisierung sowie die strategischen Unterschiede zwischen den Kandidaten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, wie Barack Obama trotz anfangs geringer politischer Erfahrung den Wandel zum zentralen Thema machen und einen neuartigen Wahlkampf führen konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Analyse medialer Berichterstattung, Internetquellen und publizierter Biografien, um das Entstehen und den Erfolg der Wahlkampagne zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Vorwahlen beider Parteien, die Betrachtung der Hauptwahlkampfphase und die Untersuchung spezifischer Faktoren wie Wahlkampffinanzierung und religiöse Einflüsse.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Change", "Obamania", "Swing States", "Electoral College" und "Wahlkampffinanzierung" definiert.
Wie bewertet der Autor den Einfluss der "Obamania"?
Die "Obamania" wird als ein Phänomen beschrieben, das durch charismatische Rhetorik und geschickte Nutzung digitaler Medien eine Massenbewegung auslöste, die weit über traditionelle Parteigrenzen hinausging.
Warum war der Ausgang der Vorwahlen bei den Demokraten so lange unklar?
Der Wettbewerb zwischen Barack Obama und Hillary Clinton war aufgrund starker gegensätzlicher Wählergruppen, unterschiedlicher Finanzierungskräfte und der Bedeutung der sogenannten Superdelegierten über Monate hinweg äußerst ausgeglichen.
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- Norman Jung (Autor), 2009, Die Präsidentschaftswahlen in den USA 2008: Eine Analyse, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146612