1. Einleitung
„Singen ist das Fundament zur Music in allen Dingen.
Wer die Composition ergreifft, muß in seinen Sätzen singen.
Wer auf Instrumenten spielt, muß des Singens kündig seyn.
Also präge man das Singen jungen Leuten fleißig ein.“
(Georg Philipp Telemann)
Wenn man auf der Straße eine Umfrage darüber machen würde, was den jeweiligen Personen als erstes einfällt, wenn sie an ihren Musikunterricht in der Schule denken, würden die Antworten sicherlich mehrheitlich das Singen beinhalten. Und das, obwohl die Rolle bzw. die Bedeutung des Singens im schulischen Musikunterricht in der Geschichte des Musikunterrichts bis heute einem ständigen Wandel unterworfen ist, der von Diskussionen und Neuerungen geprägt wird. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der Untersuchung der Rolle des Singens. Hierbei soll deutlich werden, inwiefern die geschichtlichen Hintergründe der Vergangenheit immer wieder die darauf folgenden Vorgehensweisen beim Singen in der Schule beeinflusst und gekennzeichnet haben.
Im Folgenden möchte ich einen Überblick über diese ganzen Veränderungen innerhalb der Geschichte über die aktuellen Rahmenplänen des Musikunterricht bis hin zu einem neuen Konzept des heutigen Musikunterrichts geben und diese erläutern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
3. Singen im Musikunterricht – ein historischer Überblick
3.1. Die Anfänge
3.2. Die Kestenbergreform
3.3. Die Situation in NS-Deutschland
3.4. Die Zeit nach 1945
3.5. Kritik Adornos und ihre Folgen
3.6. Entwicklung ab 1975
3.7. Gründe für den Vorrang von Lied und Singen
4. Singen im Musikunterricht heute
4.1. Die Situation des Singens in den heutigen Lehrplänen
4.2. Erweiterter Musikunterricht: Die Musikklasse
Beispiel: Die Chorklasse
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und den gegenwärtigen Stellenwert des Singens im schulischen Musikunterricht, um aufzuzeigen, wie sich pädagogische Ansätze und Rahmenbedingungen im Zeitverlauf gewandelt haben.
- Historische Analyse der Rolle des Singens von den Anfängen bis heute.
- Untersuchung der Auswirkungen gesellschaftspolitischer Umbrüche auf den Schulgesang.
- Definition und Einordnung des Konzepts "erweiterter Musikunterricht".
- Evaluation der Chorklasse als modernes Modell zur Stärkung der Musikpraxis.
- Analyse der aktuellen Lehrpläne unter dem Aspekt der Bedeutung des Singens.
Auszug aus dem Buch
3.3. Die Situation in NS-Deutschland
Der Vorrang des Emotionalen im Singen ermöglichte den Nationalsolzialisten viele der erlebnisbetonten Singaktivitäten für ihre Zwecke umzubiegen und das Singen im NS-Staat zu einem zentralen Bereich manipulativer Massenbeeinflussung zu machen (vgl. Gundlach 1994,S.252).
„NS-Pädagogen wie Ernst Krieck und Richard Eichenhauer bestätigen übrigens ausdrücklich, dass auch die musikalische Jugendbewegung dem Nationalismus den Boden bereitet hat“ (Lemmermann 1978, S.42).
Die Schulliederbücher sind entsprechend gefüllt mit patriotischen Liedern sowie Kampf-und Feierlieder der NS-Bewegung, das Kirchenlied verschwindet ganz aus den Liederbüchern (vgl. Lemmermann 1978, S. 43). Außerdem wurden überlieferte Volkslieder textlich, d.h. politisch manipuliert oder auch bestimmte Strophen aussortiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der persönlichen Relevanz des Singens im Musikunterricht und Erläuterung der Zielsetzung der Arbeit.
2. Begriffsklärung: Definition der für die Arbeit zentralen Begriffe "erweiterter Musikunterricht" und "Musikklasse".
3. Singen im Musikunterricht – ein historischer Überblick: Chronologische Aufarbeitung der Bedeutung des Singens von kirchlichen Wurzeln über die Reformpädagogik bis zur kritischen Phase nach 1945.
4. Singen im Musikunterricht heute: Analyse des aktuellen Status des Singens in Lehrplänen und Vorstellung des modernen Modells der Chorklasse.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Entwicklung sowie Ausblick auf das Potenzial der Chorklasse für die Zukunft des Musikunterrichts.
Schlüsselwörter
Singen, Musikunterricht, Musikerziehung, Kestenbergreform, Schulmusik, Chorklasse, Klassenmusizieren, Musikpädagogik, Lehrplan, Volkslied, Jugendmusikbewegung, Singbewegung, Musikpraxis, Musikklasse, Schulliederbücher.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle des Singens im schulischen Musikunterricht und dessen Wandel von der Vergangenheit bis in die Gegenwart.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt historische Epochen der Musikpädagogik, die ideologische Beeinflussung durch politische Systeme sowie moderne Konzepte des erweiterten Musikunterrichts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den historischen Kontext des Singens aufzuzeigen und zu evaluieren, wie sich dieser auf heutige Unterrichtskonzepte wie die Chorklasse auswirkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische und analytische Untersuchung auf Basis von Fachliteratur, Lehrplänen und musikpädagogischen Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der historischen Entwicklung seit dem 18. Jahrhundert, der Rolle im NS-Staat sowie der aktuellen Verankerung des Singens in den hessischen Lehrplänen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Singen, Musikunterricht, Chorklasse, Musikpädagogik und Klassenmusizieren definiert.
Wie wurde das Singen im Nationalsozialismus instrumentalisiert?
Das Singen wurde durch den Fokus auf emotionale Erlebnisse für manipulative Massenbeeinflussung genutzt, wobei Liederbücher politisch manipuliert und das Kirchenlied verdrängt wurden.
Welche Vorteile bietet die Chorklasse nach Bähr?
Die Chorklasse stärkt die Musikpraxis, fördert ein positives Schulklima und trägt zur Steigerung der sozialen Kompetenzen sowie der Konzentrationsfähigkeit der Schüler bei.
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- Sandra Wackenhut (Author), 2008, Singen im Musikunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146887