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Tugend, Wille und Vernunft - zum Verhältnis von virtus, voluntas und ratio in ausgewählten Schriften Wilhelm von Ockhams

Title: Tugend, Wille und Vernunft - zum Verhältnis von virtus, voluntas und ratio in ausgewählten Schriften Wilhelm von Ockhams

Term Paper (Advanced seminar) , 2010 , 28 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Bachelor of Arts (B.A.) Inga Bones (Author)

Philosophy - Philosophy of the Middle Ages (approx. 500-1350)
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Der spätmittelalterliche Theologe und Philosoph Wilhelm von Ockham, geboren um 1285 in Surrey (England) und 1347 in München gestorben, lebte in einer „Zeit der Umbrüche“, die er selbst entscheidend mitgestaltete. Ockham, dessen Name über die Grenzen
der Philosophie hinaus für das von ihm postulierte ontologische Sparsamkeitsprinzip – Ockham’s Razor – steht, war in vielerlei Hinsicht ein modernus, ein Vordenker und Erneuerer: Seine logischen und sprachanalytischen Untersuchungen läuten einen ersten „linguistic turn“ in der Philosophiegeschichte ein, was Frederick C. Copleston veranlasst, Ockhams Philosophie in der Nähe der modernen sprachanalytischen Tradition zu verorten:
„One may receive the impression that William of Ockham [...], in spite of his strong theological convictions, would have felt more or less at ease in a discussion group of present-day analytical philosophers.“
Im mittelalterlichen Universalienstreit nimmt Ockham eine nominalistische Position ein und wird so zu einer der zentralen Figuren der via moderna. Im Gegensatz zur via antiqua, für die neben einem Universalienrealismus Thomas von Aquins Synthese
aristotelischer Philosophie und christlicher Tradition gewissermaßen programmatisch ist, zeichnet sich der „moderne Weg“ durch eine stärkere Fokussierung auf Einzelprobleme und deren analytische Lösung aus: An die Stelle des kreativen und harmonisierenden Bemühens um ein umfassendes System tritt die kritische Analyse philosophischer und theologischer Problemstellungen.
Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit sind ausgewählte Schriften Ockhams zur Ethik. Mittelalterliche Texte zur Ethik sind stets, dies betont Sigrid Müller im einleitenden Kommentar zu den die Moralphilosophie Ockhams betreffenden Quaestiones, „vor dem
Hintergrund der Rezeption der Aristotelischen Nikomachischen Ethik zu lesen.“ Ebenso unerlässlich für das Verständnis eines spätmittelalterlichen Textes ist die Rezeption der thomasischen Schriften zu Theologie und Ethik. Bei der Erörterung zentraler Thesen der Ockham’schen Philosophie sollen deshalb sowohl Aristoteles’ Konzeption der Tugendethik als auch die Synthese des aristotelischen Erbes mit christlichem Gedankengut durch Thomas von Aquin berücksichtigt werden.
Ziel der Untersuchung ist es, Ockhams ethisch-theologische Überlegungen nachzuvollziehen und seine Position im Hinblick auf den philosophischen Kontext seiner Zeit zu
bestimmen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Eine „durch und durch“ kontingente Welt - die Freiheit Gottes und des Menschen

2.1 Die absolute und anordnungsgemäße Macht Gottes

2.2 Die Freiheit des Menschen

2.2.1 Was heißt hier Freiheit?

2.2.2 Besitzt der Mensch einen freien Willen?

3 Ockhams normative Ethik: Tugendlehre und Handlungstheorie

3.1 Handlung, Wille, Intention

3.2 Die Tugendlehre

3.2.1 Die fünf Stufen der sittlichen Tugend

3.2.2 Die Entstehung der Tugenden

4 Ockham – ein Voluntarist?

4.1 Die klassische Naturrechtslehre

4.2 War Ockham ein Voluntarist?

5 Schluss

Zielsetzung & Themen

Das Ziel der Untersuchung ist es, die ethisch-theologischen Überlegungen von Wilhelm von Ockham nachzuvollziehen und seine Position im Hinblick auf den philosophischen Kontext seiner Zeit zu bestimmen. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Ockham das Verhältnis zwischen göttlichem und menschlichem Willen charakterisiert und inwiefern er als Vertreter des Voluntarismus gelten kann.

  • Die Freiheit Gottes in Bezug auf die potentia absoluta und potentia ordinata.
  • Die menschliche Willensfreiheit und deren Bedeutung für Verantwortung und Moral.
  • Die Ockham’sche Tugendlehre und die Unterscheidung von fünf Stufen der sittlichen Tugend.
  • Die Analyse der Handlungstheorie und die Rolle der Intention für moralische Handlungen.
  • Der Vergleich mit der klassischen Naturrechtslehre nach Thomas von Aquin.

Auszug aus dem Buch

2.1 Die absolute und anordnungsgemäße Macht Gottes

Wilhelm von Ockham hebt die absolute Macht Gottes in einem Maße hervor, das auf eine grundsätzliche Verteidigung der christlichen Vorstellung eines jederzeit über die Möglichkeit des Eingreifens verfügenden Gottes gegenüber deterministischen Tendenzen schließen lässt: „To accept the theory of the world as necessarily emanating from God by successive stages would be to him unthinkable.“ 10 Die natürliche Ordnung, der Lauf des Geschehens, ist in keiner Weise notwendig; wir leben in einer durch und durch kontingenten Welt.11 Dennoch ist der Mensch nicht der „Willkürherrschaft“ Gottes ausgeliefert: Ockham unterscheidet sehr präzise zwischen Gottes absoluter und anordnungsgemäßer Macht, seiner potentia absoluta und potentia ordinata. Anhand ausgewählter Textstellen12 soll diese Unterscheidung im Folgenden erörtert werden.

Vor der eigentlichen Antwort auf die erste Quaestio des sechsten Quodlibet – der Frage, ob es in Gottes Macht steht, einen Menschen zu erlösen, der nicht das Sakrament der Taufe empfangen hat – stellt Ockham fest, „daß Gott gewisse Dinge nach seiner anordnungsgemäßen Macht tun kann und einige nach seiner absoluten Macht.“ 13 Gottes potentia ordinata ermächtigt ihn zum Handeln innerhalb der von ihm geschaffenen Ordnung, sie ist zu verstehen „im Blick auf die von [ihm; I.B.] angeordneten und erlassenen Gesetze.“14 Seiner potentia absoluta gemäß kann Gott „alles machen [...], was nicht impliziert, daß ein Widerspruch entstünde – unabhängig davon, ob [er; I.B.] angeordnet hat, daß er dies tun werde oder nicht.“ 15 Während also Gottes anordnungsgemäße Macht als eine Form der „freiwilligen Selbstbeschränkung“ Gottes innerhalb der von ihm etablierten Heilsordnung gedeutet werden kann, scheint er dennoch – qua potentia absoluta – über die Macht zu verfügen, sich über die von ihm angeordneten Gebote, die tatsächliche Seinswirklichkeit, hinwegzusetzen. Die Freiheit Gottes wird allein durch das Widerspruchsprinzip beschränkt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Person Wilhelm von Ockham und seinen historischen Kontext ein und definiert die zentralen Forschungsfragen zur Ethik.

2 Eine „durch und durch“ kontingente Welt - die Freiheit Gottes und des Menschen: Hier wird Ockhams Unterscheidung von Gottes absoluter und anordnungsgemäßer Macht sowie die menschliche Freiheit als Kontingenz behandelt.

3 Ockhams normative Ethik: Tugendlehre und Handlungstheorie: Das Kapitel analysiert, wie Wille und Intention moralische Handlungen bestimmen und erläutert Ockhams fünf Stufen der sittlichen Tugend.

4 Ockham – ein Voluntarist? : Dieses Kapitel vergleicht Ockhams Position mit der Naturrechtslehre von Thomas von Aquin und bewertet ihn als Vertreter der Divine-Command-Theory.

5 Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet Ockhams Denken als Verteidigung des Glaubens gegen teleologisch-nezessitaristische Tendenzen ein.

Schlüsselwörter

Wilhelm von Ockham, Ethik, Voluntarismus, Willensfreiheit, potentia absoluta, potentia ordinata, Tugendlehre, Handlungstheorie, Nominalismus, via moderna, moralische Qualität, rechte Einsicht, thomasische Naturrechtslehre, Kontingenz, Divine-Command-Theory.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die moralphilosophischen Positionen von Wilhelm von Ockham im spätmittelalterlichen Kontext und deren Verhältnis zu zeitgenössischen Debatten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Felder sind die Freiheit Gottes, der freie Wille des Menschen, die Struktur der Tugenden und die Einordnung Ockhams in den Voluntarismus.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es, Ockhams ethische Theorie zu rekonstruieren und zu klären, wie er die Freiheit des Willens in einer von Gott abhängigen, aber kontingenten Welt bestimmt.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Autorin verwendet eine philosophische Textanalyse ausgewählter Schriften Ockhams, ergänzt durch einen Vergleich mit der Naturrechtslehre von Thomas von Aquin.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der göttlichen Macht, der menschlichen Willensfreiheit, Ockhams Tugendlehre sowie die metaethische Einordnung als Voluntarist.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Ockham, Voluntarismus, Willensfreiheit, Tugendlehre, potentia absoluta und die Abgrenzung zur via antiqua.

Inwiefern unterscheidet sich Ockhams Tugendbegriff von dem des Aristoteles?

Während Aristoteles Tugenden als durch Gewohnheit erworben ansieht, betont Ockham stärker den Willen und die Intention und lässt unter bestimmten Bedingungen sogar tugendhaftes Handeln von Nicht-Christen zu.

Wie löst Ockham die Spannung zwischen absoluter göttlicher Macht und moralischer Verlässlichkeit?

Er unterscheidet zwischen der absoluten Macht Gottes und seiner anordnungsgemäßen Macht, durch die er sich an die von ihm selbst geschaffene Heilsordnung bindet.

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Details

Title
Tugend, Wille und Vernunft - zum Verhältnis von virtus, voluntas und ratio in ausgewählten Schriften Wilhelm von Ockhams
College
University of Stuttgart  (Institut für Wissenschaftstheorie und Technikphilosophie)
Course
HS Positionen der Ethik im Mittelalter
Grade
1,0
Author
Bachelor of Arts (B.A.) Inga Bones (Author)
Publication Year
2010
Pages
28
Catalog Number
V146997
ISBN (eBook)
9783640579266
ISBN (Book)
9783640579006
Language
German
Tags
Ockham Ockhams Razor Ethik Mittelalter Wilhelm von Ockham Occam Mittelalterliche Ethik Wille Gottes Willensfreiheit Naturrechtslehre Voluntarismus Divine Command Aquin Theologischer Voluntarismus Supernaturalismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bachelor of Arts (B.A.) Inga Bones (Author), 2010, Tugend, Wille und Vernunft - zum Verhältnis von virtus, voluntas und ratio in ausgewählten Schriften Wilhelm von Ockhams, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146997
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