Die Apologie de Raimond Sebond bildet das zwölfte Kapitel des zweiten Buches der Essais von Michel de Montaigne. Dieses Kapitel ist das längste und zugleich bedeutendste Kapitel der Essais. Es befindet sich exakt in der Mitte der drei Bände der Essais, was auf seine außerordentliche Stellung hinweist. Die Apologie de Raimond Sebond steht in direkten Bezug zur Theologia naturalis des katalanischen Theologen Raimond Sebond, die Montaigne 1569 übersetzt hat. Montaigne schreibt in den Jahren 1573-1580 die Verteidigungsrede für Sebond, bei der er auf zwei Kritikpunkte an der Theologia naturalis eingeht.
Im ersten Schritt meiner Arbeit wird der Begriff der Apologie erklärt und dargestellt welche Bedeutung der Apologie in den Essais Montaignes zukommt.
Der zweite Schritt soll Montaignes Verteidigung für Raimond Sebond beschreiben, wobei in diesem Schritt auf die zwei Kritikpunkte an der Theologia naturalis eingegangen wird. Dafür wird es in einem dritten Schritt wichtig sein, die Menschenbilder Montaignes und Sebonds in Bezug zu Gott genauer zu betrachten und auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu untersuchen.
Die Erkenntnisse dieser ersten drei Schritte führen abschließend zu der Frage, ob Montaignes Apologie wirklich einer Verteidigungsschrift für Sebond nachkommt und inwiefern er auf die beiden Kritikpunkte eingeht.
Im Rahmen dieser Arbeit und der Untersuchung des Menschenbildes von Montaigne, wird ebenso auf dessen Ansichten zu Gott, Glaube und Wissenschaft eingegangen, um die in dieser Hausarbeit gestellte Fragestellung zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Definition Apologie
2.2 De Sebond à Montaigne- von der Theologia naturalis zur Apologie de Raimond Sebond
2.3 Das Menschenbild nach Sebond und Montaigne
2.4 Montaignes Apologie- wirklich eine Verteidigung ?
3. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die kritische Auseinandersetzung Michel de Montaignes mit der "Theologia naturalis" des Theologen Raimond Sebond in seinem berühmten Kapitel "Apologie de Raimond Sebond". Dabei geht der Autor der Forschungsfrage nach, inwiefern das Kapitel tatsächlich als Verteidigungsschrift für Sebonds Thesen fungiert oder ob Montaigne den Text für seine eigene philosophische Erkenntniskritik und Wissenschaftsskepsis instrumentalisiert.
- Analyse des Begriffs der Apologie und seiner theologischen sowie historischen Bedeutung.
- Untersuchung des Verhältnisses zwischen der "Theologia naturalis" von Sebond und der "Apologie" von Montaigne.
- Gegenüberstellung der Menschenbilder von Sebond (Anthropozentrismus) und Montaigne (Skepsis).
- Kritische Beleuchtung der Rolle von Vernunft, Wissenschaft und göttlicher Gnade.
- Dekonstruktion des Charakters der "Apologie" als Verteidigungsrede.
Auszug aus dem Buch
2.3 Das Menschenbild nach Sebond und Montaigne
Betrachtet man den Aufbau der Apologie de Raimond Sebond, erkennt man, dass Montaigne dem Menschenbild bzw. dem Verhältnis Mensch-Gott, Mensch-Umwelt, sehr viel Beachtung zukommen lässt. Jaume Casals Pons unterteilt die Apologie in sechs Teile. Der erste Teil beschreibt die beiden Vorwürfe an der Theologia naturalis, der zweite Teil zielt auf ein Studium der Natur ab, wobei Montaigne den Vergleich Mensch-Tier anstellt. Im dritten Teil der Verteidigung für Sebond steht die Wissenschaft im Mittelpunkt der Betrachtung, der vierte Teil stellt den Adressatenbezug dar, und geht auf den Pyrrhonismus ein. In den letzten beiden Partien der Apologie geht es Montaigne darum, die Schwäche der menschlichen Wissenschaft aufzuzeigen und auch so die Schwäche der menschlichen Vernunft darzulegen, um in einem letzten Schritt zu dem Schluss zu gelangen, dass der Mensch keinerlei Erkenntnis und Stabilität erreichen kann ohne Gott.
L'homme est par essence temporel; il n'arrive jamais à atteindre ni connaissance assurée, ni la moindre stabilité. C'est un être qui passe. Dieu seul est peut-être appelé „être“ à juste titre. [...] L'homme est une chose vile et abjecte qui ne peut s'élèver au-dessus de l'humanité que lorsque Dieu, de manière exceptionnelle, lui prête la main.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der "Apologie de Raimond Sebond" als zentrales Kapitel der "Essais" ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich des wahren Charakters der Verteidigungsschrift.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert begriffliche Definitionen, vergleicht Sebonds Werk mit Montaignes Rezeption, untersucht die gegensätzlichen Menschenbilder und dekonstruiert den Verteidigungscharakter des Textes durch eine detaillierte Auseinandersetzung mit Montaignes Skepsis.
3. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass das Kapitel keine echte Verteidigung Sebonds darstellt, sondern vielmehr ein eigenständiges Werk der Erkenntniskritik und Philosophie ist, das den menschlichen Anthropozentrismus hinterfragt.
Schlüsselwörter
Montaigne, Raimond Sebond, Apologie de Raimond Sebond, Theologia naturalis, Menschenbild, Erkenntniskritik, Skeptizismus, Pyrrhonismus, göttliche Gnade, Anthropozentrismus, Wissenschaftskritik, Essais, Gottesbeweis, Philosophie, Vernunft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch das zwölfte Kapitel des zweiten Buches der "Essais" von Michel de Montaigne, um zu klären, ob es sich dabei tatsächlich um eine Verteidigungsschrift für den Theologen Raimond Sebond handelt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Menschenbilder der beiden Autoren, das Verhältnis von Glaube und Vernunft, die Rolle der Erkenntniskritik sowie die methodische Herangehensweise Montaignes an die "Theologia naturalis".
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu untersuchen, ob Montaignes Text eine ernsthafte Verteidigung der Thesen Sebonds darstellt oder ob dieser den Text zur Darstellung seiner eigenen skeptischen Weltsicht nutzt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit folgt einer strukturierten Analyse der Primärquelle ("Apologie"), vergleicht diese mit dem Werk Sebonds und stützt die Argumentation auf literaturwissenschaftliche Sekundärquellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Es werden der Begriff der Apologie definiert, die historische Entstehung des Verhältnisses von Sebond zu Montaigne beleuchtet, die jeweiligen Menschenbilder gegenübergestellt und der Verteidigungscharakter des Werkes einer eingehenden Prüfung unterzogen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Erkenntniskritik, Anthropozentrismus, Skepsis, Gott-Mensch-Verhältnis und den philosophischen Kontext der "Essais" beschreiben.
Wie unterscheidet sich Montaignes Menschenbild von dem Sebonds?
Sebond sieht den Menschen als das wichtigste Geschöpf Gottes, nahezu direkt nach Gott platziert; Montaigne hingegen betrachtet den Menschen als eine "gestürzte Kreatur", die ohne göttliche Gnade keinerlei Stabilität oder Erkenntnis erreichen kann.
Was meint Montaigne mit seiner "Wissenschaftskritik"?
Montaigne kritisiert den menschlichen Drang, alles rational erklären zu wollen, insbesondere Gott; er hält diesen Versuch für eitel und verweist darauf, dass wahre Erkenntnis allein auf göttlicher Gnade beruht.
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- Katharina Weiß (Author), 2009, Montaignes 'Apologie de Raimond Sebond' - eine Verteidigungsschrift?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147033