Ziel dieser Ausarbeitung ist das Aufzeigen der wesentlichen Diskussionspunkte des IASB-Teilprojekts „impairment of financial assets“ mit Konzentration auf die Defizite der geltenden Vorschriften, der Wahl des künftigen Wertminderungsmodells sowie möglichen Schnittmengen zur bankaufsichtsrechtlichen Behandlung von Kreditverlusten. Nach einer kurzen Skizzierung des Ablaufs des Projekts sollen die bislang geltenden Regelungen zur Bilanzierung von Kreditforderungen behandelt und auf wesentliche Kritikpunkte eingegangen werden. Im Anschluss wird mit dem „expected cash flow“, dem „fair value“ und dem „dynamic provisioning“ Modell verschiedene innerhalb des IASB diskutierte Konzepte vorgestellt und über ihre Vor- und Nachteile zum aktuellen Modell erläutert. Zum Abschluss soll mit der bankaufsichtsrechtlichen Behandlung zur Kreditverlustsorge innerhalb von Basel 2 ein weiterer Diskussionspunkt beschrieben und Unterschiede zur externen Rechnungslegung erörtert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ablauf des Teilprojekts „impairment of financial assets“
3. Bilanzierung von Kreditrisiken nach IAS 39
3.1 Darstellung und Kritikpunkte der Bilanzierung im Rahmen der Kategorie „loans and receivables“
3.2 Darstellung und Kritikpunkte der Bilanzierung im Rahmen von „available-for-sale“ und „at fair value through profit and loss“
4. Wesentliche Diskussionspunkte um alternative Wertminderungsmodelle
4.1 Abbildung von Kreditverlusten über das „expected cashflow“ Modell
4.2 Abbildung von Kreditverlusten über das „fair value“ Modell
4.3 Abbildung von Kreditverlusten über das „dynamic provisioning“ Modell
4.4 Vergleich der einzelnen Wertminderungsmodelle
5. Diskussionsbezüge zur bankaufsichtsrechtlichen Behandlung
6. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die kritische Diskussion um die Kreditrisikovorsorge nach IAS 39 vor dem Hintergrund der Finanzkrise. Ziel ist es, die Defizite der geltenden „incurred loss“-Methodik aufzuzeigen, alternative Wertminderungsmodelle wie das „expected cashflow“-Konzept zu bewerten und Schnittmengen zur bankaufsichtsrechtlichen Behandlung nach Basel 2 herauszuarbeiten.
- Kritik an der aktuellen „incurred loss“-Bilanzierung
- Vergleich alternativer Wertminderungsmodelle
- Analyse des „expected cashflow“-Modells
- Prozyklische Effekte von Rechnungslegungsnormen
- Harmonisierung von Rechnungslegung und Bankenaufsicht
Auszug aus dem Buch
4.1 Abbildung von Kreditverlusten über das „expected cashflow“ Modell
Nach den bisherigen Regeln in Bezug auf „loans and receivables“ werden Kreditverluste erst nach dem Vorfall eines „loss events“ ausgelöst, z.B. bei erstmaligem Verzug von Zinsleistungen durch einen Kunden. Mit dem „expected cashflow“ Modell wird mit der Berücksichtigung von erwarteten Verlusten ein anderer Weg beschritten.
Hinsichtlich der Erstbewertung ergeben sich keine Unterschiede zum „incurred loss“ Modell, d.h. der finanzielle Vermögenswert wird mit den Anschaffungskosten zzgl. Transaktionskosten bilanziert. Wesentliche Änderungen zum bisherigen Konzept sind jedoch bei der Betrachtung der zukünftigen Cashflows, die über homogene Portfolios betrachtet werden, zu erkennen. Das Kreditinstitut hat die zukünftigen Cashflows von Portfolios mit dem bestmöglichen Schätzwert („best estimate“) zu bewerten und ermittelt mit den erwarteten Auszahlungen den Effektivzins bei Zugang.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Kritik an der Kreditrisikovorsorge nach IAS 39 und führt in die Notwendigkeit einer Neuregelung im Rahmen des IASB-Teilprojekts „impairment of financial assets“ ein.
2. Ablauf des Teilprojekts „impairment of financial assets“: Dieses Kapitel erläutert die Genese des IASB-Projekts sowie die reformpolitischen Ziele zur Reduktion von Komplexität und Bilanzierungswahlrechten.
3. Bilanzierung von Kreditrisiken nach IAS 39: Es wird die geltende Bilanzierungspraxis für unverbriefte Kreditforderungen analysiert, wobei insbesondere die Kategorien „loans and receivables“ sowie „available-for-sale“ betrachtet werden.
4. Wesentliche Diskussionspunkte um alternative Wertminderungsmodelle: Hier werden theoretische Ansätze wie das „expected cashflow“-, „fair value“- und „dynamic provisioning“-Modell detailliert hinsichtlich ihrer Auswirkung auf Kreditverluste untersucht.
5. Diskussionsbezüge zur bankaufsichtsrechtlichen Behandlung: Das Kapitel vergleicht die Ansätze der Rechnungslegung mit den aufsichtsrechtlichen Eigenkapitalvorschriften nach Basel 2 und identifiziert Möglichkeiten zur Harmonisierung.
6. Schlussbemerkung: Die Arbeit resümiert, dass das „expected cashflow“-Modell eine Verbesserung gegenüber dem „incurred loss“-Prinzip darstellt und eine stärkere Angleichung an aufsichtsrechtliche Normen effizienzsteigernd wirken würde.
Schlüsselwörter
Kreditrisikovorsorge, IAS 39, Impairment, Incurred Loss, Expected Cashflow, Fair Value, Dynamic Provisioning, Finanzkrise, Bankenaufsicht, Basel 2, Rechnungslegung, Prozyklizität, Wertberichtigung, Kreditforderungen, IASB.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der problematischen Bilanzierung von Kreditrisiken nach den derzeitigen internationalen Rechnungslegungsstandards (IAS 39) und der Suche nach zukunftsfähigen Alternativen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Kritik an der „incurred loss“-Methode, der Vergleich neuer Wertminderungsmodelle und die Schnittstellen zur bankaufsichtsrechtlichen Behandlung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Schwächen des aktuellen Standards aufzuzeigen und zu prüfen, inwieweit alternative Modelle wie das „expected cashflow“-Modell eine sachgerechtere Darstellung ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deduktive Analyse unter Einbeziehung von Standards, Diskussionspapieren des IASB sowie Fachliteratur und veranschaulicht die Modelle anhand von Szenario-Beispielen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Kategorien der Bilanzierung, diskutiert drei alternative Wertminderungsmodelle und stellt diese in den Kontext regulatorischer Anforderungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kreditrisikovorsorge, IAS 39, Impairment, Expected Cashflow, Prozyklizität und Basel 2 sind die prägenden Begriffe der Untersuchung.
Wie unterscheidet sich das „expected cashflow“-Modell vom bisherigen „incurred loss“-Konzept?
Während beim „incurred loss“-Konzept eine Wertminderung erst bei Eintritt eines konkreten Schadensereignisses erfolgt, erlaubt das „expected cashflow“-Modell eine frühzeitige Berücksichtigung erwarteter Verluste basierend auf statistischen Werten.
Warum wird die „fair value“-Bewertung in der Arbeit kritisch hinterfragt?
Die Arbeit zeigt auf, dass die „fair value“-Bewertung zwar marktgerecht ist, aber die Prozyklizität des Bankensystems verstärkt und bei mangelnder Handelsabsicht wenig aussagekräftige Ergebnisse liefert.
Welchen Einfluss hat das „dynamic provisioning“-Modell auf die Ergebnisvolatilität?
Es wirkt glättend auf das Zinsergebnis, da in guten Zeiten Rückstellungen gebildet werden, die in Abschwungphasen das Ergebnis entlasten können.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Bankenaufsicht?
Der Autor plädiert für eine Harmonisierung der Rechnungslegungsvorschriften mit den Regeln von Basel 2, um Doppelarbeiten bei der Risikoberechnung zu vermeiden.
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- Diplom-Ökonom Florian Becker (Autor), 2009, Impairment of Financial Assets, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147130