Diese Arbeit befasst sich mit der modernen Einordnung der Kochbücher in das mittelalterliche Wissenschaftssystem und überprüft die verschiedenen Forschungsansätze exemplarisch anhand des ältesten deutschen Kochbuchs, dem „Bůch von gůter spise“ (ca.1448).
Deshalb wird zunächst auf die mittelalterliche Fachliteratur in deutscher Sprache und ihre Einteilung nach den verschiedenen Fachgebieten im Allgemeinen eingegangen, dann im Besonderen auf die Einordnung der Kochbücher. Diese Einordnung wird dann durch eine detaillierte Betrachtung des ältesten deutschen Kochbuches nachvollzogen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Fachliteratur
2. Das mittelalterliche Wissenschaftssystem – die artes-Reihen
3. Eingliederung der Kochkunst und der Kochbücher in die artes mechanicae
3.1 Die Kochkunst in der Einteilung des Hugo von St. Victor
3.2 Moderne Ansätze
Exkurs: Medizin, Diätetik, Humoralpathologie
4. Daz bch von gter spise
4.1 Zur Überlieferungssituation deutschsprachiger mittelalterlicher Kochbücher
4.2 Michael de Leone
4.3 Das Leonebuch
4.4 Aufbau und Inhalt
4.5 Von gter spise
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die moderne wissenschaftliche Einordnung mittelalterlicher Kochbücher in das damalige Wissenschaftssystem. Exemplarisch wird dies anhand des ältesten deutschen Kochbuchs, dem „Büch von güter spise“ (ca. 1448), analysiert, wobei die Arbeit die Hypothese hinterfragt, ob Kochbücher primär als medizinische oder als haushaltsökonomische Literatur zu klassifizieren sind.
- Mittelalterliches Wissenschaftssystem und die artes-Reihen
- Stellung der Kochkunst innerhalb der artes mechanicae
- Analyse des „Daz bûch von gûter spise“ im Kontext der Leonesammlung
- Diätetik und Humoralpathologie im Verhältnis zur Kochkunst
- Soziologische und ökonomische Bedeutung der frühneuzeitlichen Kochbuchliteratur
Auszug aus dem Buch
4.5 Von gûter spise
Die Gerichte die im „bûch von gûter spise“ zubereitet werden sind alle sehr herrschaftlich. Es werden Unmengen kostbarer Zutaten, neben den importierten Gewürzen vor allem Mandeln und Reis, die aus dem Mittelmeerraum importiert werden müssen und Wild, das lange Zeit dem Adel vorbehalten war, verwandt. Die Gerichte werden aufwendig zubereitet: Die Zutaten werden oft so klein zerrieben, dass man sie kaum erkennt; 26 Speisen werden sogar mit Safran, Brotrinde, Veilchen oder Rosen gefärbt. Gar nicht zu reden von den aufwendigen Schaugerichten am Ende des Buches. Einfache Speisen der täglichen Ernährung wie etwa Suppen, die im „Kochbüchlein aus Tegernsee“ belegt sind, fehlen völlig. Solche Gerichte und wohl auch ein solches Kochbuch dienten durchaus als Statussymbol, denn „[n]icht die soziale Rangstufe, sondern alleine die finanzielle Liquidität bestimmt am Ausgang des Mittelalters Luxus und Reichhaltigkeit der Tafel.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung der modernen Einordnung mittelalterlicher Kochbücher ein und stellt das untersuchte Fallbeispiel, das „Büch von güter spise“, vor.
1. Fachliteratur: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Fachliteratur im mittelalterlichen Kontext und ordnet sie als wichtigen Forschungsgegenstand der Germanistik ein.
2. Das mittelalterliche Wissenschaftssystem – die artes-Reihen: Es wird das antike System der freien Künste erläutert und aufgezeigt, wie mittelalterliche Theoretiker versuchten, praktische Tätigkeiten in die artes mechanicae zu integrieren.
3. Eingliederung der Kochkunst und der Kochbücher in die artes mechanicae: Das Kapitel untersucht die theoretischen Grundlagen der Kochkunst bei Hugo von St. Victor und diskutiert moderne Forschungsansätze zur fachlichen Zuordnung.
4. Daz bch von gter spise: Dieser zentrale Abschnitt beleuchtet detailliert die Überlieferungsgeschichte, den Urheber Michael de Leone, den Aufbau der Handschrift sowie den inhaltlichen Status der Rezepte als Luxusspeisen.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass das untersuchte Kochbuch primär der Haushaltslehre (Ökonomik) und nicht der medizinischen Fachliteratur zuzuordnen ist.
Schlüsselwörter
Mittelalterliche Kochbücher, Daz bûch von gûter spise, Michael de Leone, Artes mechanicae, Fachliteratur, Humoralpathologie, Diätetik, Haushaltslehre, Ökonomik, Ernährungskultur, Spätmittelalter, Literaturwissenschaft, Handschriftenkunde, Hofhaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Einordnung mittelalterlicher Kochbücher in das zeitgenössische Wissenschaftssystem und hinterfragt deren Bedeutung innerhalb der mittelalterlichen Literatur.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der mittelalterlichen Fachliteratur, der Systematik der sieben freien Künste (artes), der Diätetik sowie der Analyse einer spezifischen Sammelhandschrift.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob mittelalterliche Kochbücher eher als medizinische Werke oder als Bestandteil der Haushaltslehre (Ökonomik) zu interpretieren sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine exemplarische Analyse anhand des ältesten deutschen Kochbuchs durch, kombiniert mit einer Literatur- und Quellenanalyse der mittelalterlichen Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einbettung der artes mechanicae und eine detaillierte Fallstudie zum „Büch von güter spise“ und dessen Besitzer Michael de Leone.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Kochkunst, artes mechanicae, Diätetik, Haushaltslehre und mittelalterliche Fachliteratur beschreiben.
Warum ist das „Büch von güter spise“ für die Forschung relevant?
Als ältestes erhaltenes Kochbuch in deutscher Sprache dient es als zentrales Zeugnis für die frühe kulinarische Literatur und deren Einbindung in private Sammelhandschriften.
Wie bewertet der Autor die Beziehung zwischen Kochkunst und Medizin?
Der Autor erkennt zwar einen Zusammenhang an, argumentiert jedoch, dass Kochbücher primär der praktischen Haushaltsführung und nicht der medizinischen Krankheitsbehandlung dienten.
- Citation du texte
- Marco Heiles (Auteur), 2009, Zur Einordnung der Kochbücher in die artes-Reihe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147217