Der Ansatz dieser Arbeit basiert auf dem Konzept der lieux de mémoire von Pierre Nora. In Deutschland wurden hieraus von Etienne Francois und Hagen Schulze die "Erinnerungsorte" entwickelt. Es soll darum gehen, die Berliner Karl-Marx-Allee als ein Bauensemble mit einem Überschuß an symbolischer Bedeutung und als Kristallisationskern des kollektiven Gedächtnisses zu beschreiben, eben als Erinnerungsort. Die Arbeit ist chronologisch aufgebaut. Der Schwerpunkt liegt auf den 1950er Jahren, in denen der Nimbus und Symbolgehalt der Allee als Wahrzeichen für den sozialistischen Anspruch der DDR entsteht. Im folgenden Kapitel wird ein kurzer Blick auf die neue Allee geworfen, den zweiten Bauabschnitt, der in den 1960er Jahren entsteht. Es soll untersucht werden, welche symbolische Aufladung dieser Teil erfährt, inwiefern er im kollektiven Gedächtnis verankert ist und ob er überhaupt zum Erinnerungsort Karl-Marx-Allee dazugehört. Abschließend geht es um die Wahrnehmungsverschiebungen in der Nachwendezeit. Vorangestellt werden einige Überlegungen dazu, wie sich das Ende der DDR auf Identität und Erinnerung ihrer Bewohner auswirkte. Mit der Konzentration auf eine ostdeutsche Perspektive wird der Frage nachgegangen, welche Bedeutung die Allee im kollektiven Gedächtnis der verschiedenen Generationen hat und welchen Beitrag sie zur Identitätsstiftung leisten kann.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Stalinallee der 1950er Jahre
- Das Selbstverständnis der jungen DDR im Spiegel der Architektur
- Symbol für den „Aufbau des Sozialismus“
- Nutzung der Allee in der Propaganda
- Reaktionen auf die Allee im Westen
- Die Karl-Marx-Allee der 1960er Jahre
- Die Ereignisse um den 17. Juni 1953
- Der neue Teil löst die alte Allee ab
- Neue Allee neue Zeit?
- Warum die neue Allee nicht im kollektiven Gedächtnis verankert ist
- Die Karl-Marx-Allee in der Nachwendezeit
- Keine gemeinsame Erinnerung
- Erinnerungen dreier Generationen
- Sanierung der Allee - Erhalt des Erinnerungsortes
- Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Karl-Marx-Allee als Erinnerungsort und untersucht die symbolische Bedeutung dieses Bauensembles im kollektiven Gedächtnis. Der Fokus liegt dabei auf den 1950er Jahren, in denen die Allee als Wahrzeichen für den sozialistischen Anspruch der DDR entstand.
- Die Architektur der Stalinallee als Ausdruck des Selbstverständnisses der jungen DDR
- Die Rolle der Allee in der Propaganda der DDR
- Die Wahrnehmung der Allee im Westen
- Die Verbindung der Allee mit den Ereignissen um den 17. Juni 1953
- Die Entwicklung der symbolischen Bedeutung der Allee in der Nachwendezeit
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt das Konzept der lieux de mémoire ein und stellt die Karl-Marx-Allee als Erinnerungsort vor. Es wird auf die Vielschichtigkeit der Erinnerung an die Allee hingewiesen und die Bedeutung der ost- und westdeutschen Wahrnehmung hervorgehoben.
Das Kapitel über die Stalinallee der 1950er Jahre beleuchtet die Architektur als Ausdruck des Selbstverständnisses der jungen DDR. Es analysiert die Symbolik der Architektur und die Rolle der Allee als politisches Bekenntnis zur Sowjetunion. Außerdem wird die Nutzung der Allee in der Propaganda und die Reaktionen im Westen untersucht.
Das Kapitel über die Karl-Marx-Allee der 1960er Jahre befasst sich mit den Veränderungen nach dem Bau des zweiten Abschnitts der Allee. Es analysiert die symbolische Aufladung des neuen Teils und untersucht, inwiefern er im kollektiven Gedächtnis verankert ist.
Das Kapitel über die Karl-Marx-Allee in der Nachwendezeit betrachtet die Wahrnehmungsverschiebungen nach dem Ende der DDR. Es geht auf die Frage ein, welche Bedeutung die Allee im kollektiven Gedächtnis der verschiedenen Generationen hat und welchen Beitrag sie zur Identitätsstiftung leisten kann.
Schlüsselwörter
Erinnerungsort, Karl-Marx-Allee, Stalinallee, sozialistischer Realismus, DDR, kollektives Gedächtnis, Propaganda, Architektur, Identität, Ostdeutschland, Westdeutschland, Nachwendezeit.
Häufig gestellte Fragen
Was macht die Karl-Marx-Allee zu einem "Erinnerungsort"?
Sie gilt als Kristallisationskern des kollektiven Gedächtnisses mit einem Überschuss an symbolischer Bedeutung für die Geschichte der DDR.
Welche Rolle spielte die Architektur der Stalinallee in den 1950er Jahren?
Die Architektur war ein Wahrzeichen für den sozialistischen Anspruch der DDR und wurde massiv für staatliche Propaganda genutzt.
Warum ist der zweite Bauabschnitt (1960er Jahre) weniger im Gedächtnis verankert?
Die Arbeit untersucht, warum dieser modernere Teil der Allee eine geringere symbolische Aufladung erfuhr als der monumentale erste Abschnitt.
Wie wird die Allee in der Nachwendezeit wahrgenommen?
Es gibt Wahrnehmungsverschiebungen; die Allee dient heute als Identifikationspunkt für verschiedene Generationen von Ostdeutschen.
Welchen Einfluss hatten die Ereignisse des 17. Juni 1953 auf den Ort?
Die Allee ist untrennbar mit dem Volksaufstand verbunden, was ihre symbolische Bedeutung als Ort des Widerstands und der staatlichen Macht gleichermaßen prägt.
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- Julia Wolke (Autor), 2007, Erinnerungsort Karl-Marx-Allee, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147382