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Selbstbestimmung durch Hygiene. Die Rolle des Scheidenspülers "Hygieia" in der Geschichte der Kontrazeption

Titel: Selbstbestimmung durch Hygiene. Die Rolle des Scheidenspülers "Hygieia" in der Geschichte der Kontrazeption

Hausarbeit , 2023 , 27 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Katja Laukemann (Autor:in)

Medizin - Geschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Scheidenspüler "Hygieia" aus dem 19. und 20. Jahrhundert, beworben als unverzichtbares Hygiene- und Verhütungsmittel, steht im Mittelpunkt dieser Untersuchung. Diese Arbeit beleuchtet die Geschichte der Gynäkologie, in der männliche Ärzte das Wissen über den weiblichen Körper dominierten, und wie sich dieses Wissen auf die Selbstbestimmung der Frauen auswirkte. Unter der Perspektive der Intersektionalitätsforschung werden die sozialen und kulturellen Faktoren analysiert, die den Zugang und die Nutzung von Verhütungsmitteln beeinflussten. Dabei wird untersucht, wie Bildung, finanzielle Lage, Moralvorstellungen und soziale Stellung die Möglichkeiten zur selbstbestimmten Empfängniskontrolle prägten. Durch die Analyse des Scheidenspülers "Hygieia" und zeitgenössischer Hygiene- und Eheratgeber sowie der Statistiken des Bundesamts für Bevölkerungsforschung aus den 1950er Jahren, wird aufgezeigt, inwieweit der Scheidenspüler eine Möglichkeit zur Selbstbestimmung der Frau darstellte und welche sozialen Implikationen damit verbunden waren. Die Arbeit zielt darauf ab, die historische Einordnung und Bedeutung von Verhütungsinstrumenten und deren Einfluss auf die Selbstbestimmung und Gesundheit von Frauen zu verstehen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Methodik

III. „Hygieia- der selbsttätige Spülapparat“- Objektbetrachtung

1. Objektbeschreibung

2. Provenienz

IV. Der Scheidenspülapparat als Möglichkeit für die Frau?

1. Empfängnisverhütung um 1950: Möglichkeiten und Diskurs

1.1 Kontrazeptiva

1.2 Hygienediskurs

2. Lebensräume der Frau um 1950

3. Zum kontemporären Verständnis des Scheidenspülapparats

4. Was bedeutet Hygieia- der selbsttätige Spülapparat für Frauen?

V. Fazit

VI. Quellen

1. Quellenverzeichnis

2. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Scheidenspülapparat „Hygieia“ als historisches Objekt, um zu analysieren, inwieweit dieses Produkt Frauen in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine Form der Selbstbestimmung bei der Kontrazeption ermöglichte oder durch gesellschaftliche sowie patriarchale Strukturen in ihrer Lebensrealität eingeschränkt waren.

  • Historische Objektanalyse des Scheidenspülers „Hygieia“
  • Wechselspiel zwischen Verhütungsdiskurs und Hygienediskurs
  • Einfluss sozioökonomischer Faktoren auf die Lebensrealität von Frauen um 1950
  • Die Rolle von Gesundheitsratgebern und ärztlichen Diskursen zur Kontrazeption
  • Intersektionalitätsforschung in Bezug auf die soziale Positionierung der Frau

Auszug aus dem Buch

Die Rolle des Scheidenspülers als Mittel zur Selbstbestimmung

Zunächst muss betrachtet werden, dass sich der Scheidenspüler vor allem durch seine, mit anderen Scheidenspülern und Irrigatoren verglichen, unscheinbare Verpackung auszeichnet. Damit konnte dieser nicht nur leicht verstaut, sondern auch versteckt werden. Die abgeriebenen Ecken der Schachtel könnten einen weiteren Hinweis auf die Aufbewahrung in engen Plätzen oder das Mitnehmen auf Reisen geben (Abb.2). Auch der geringe Wohnraum und der daher wahrscheinlich eher spärliche Platz in der Wohnung könnte als Ursache der Abnutzung gesehen werden. Zudem ließ das Leben mit vielen Personen auf geringem Raum kaum die Möglichkeit, seine privaten Angelegenheiten auch privat zu halten, besonders im Hinblick auf die gemeinsam lebende Verwandtschaft und dem aufkommenden Untermietertum. Auch die Möglichkeit jegliche Wassergefäße zur Anwendung zu verwenden, machen sowohl im eigenen Haushalt als auch auf Reisen die Verwendung einfach und flexibel. Dies bedeutet, dass der Scheidenspüler auch hinsichtlich des gegen Ende der 50er Jahre aufkommenden Massentourismus eingesetzt werden konnte. Mit der Reisetauglichkeit wird zudem auch in der Broschüre des Scheidenspülers geworben.

Allerdings muss angemerkt werden, dass der Zustand des Scheidenspülers nicht auf eine häufige Anwendung hinweist oder von einer besonders sauberen Reinigung ausgegangen werden kann. Sowohl in der Sammlung des Museums für Schwangerschaft und Verhütung Wien als auch im Deutschen Hygiene Museum Dresden lassen sich Geräte desselben Modells und ähnlichem Zustand finden. Die verbreitete Mehrzahl der Geräte des Modells kann für die Beliebtheit oder auch den einfachen Zugang zum Scheidenspüler sprechen. Besonders da der Hersteller ein Vertrieb für hygienische Artikel war, ist ein Verkauf in einer Apotheke wahrscheinlich. Damit stellt Hygieia eine sichere Tarnung des Verhütungsmittel Scheidenspüler dar.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Geburtenkontrolle und die historische Bedeutung des Scheidenspülers „Hygieia“ ein.

II. Methodik: Hier wird der methodische Ansatz nach Annette Cremer zur Objektanalyse sowie der Leitfaden von Viccy Coltman zur Untersuchung historischer Artefakte dargestellt.

III. „Hygieia- der selbsttätige Spülapparat“- Objektbetrachtung: In diesem Kapitel erfolgt eine detaillierte physische Beschreibung sowie die Herleitung der Provenienz des untersuchten Scheidenspülers.

IV. Der Scheidenspülapparat als Möglichkeit für die Frau?: Dieses Kapitel analysiert den damaligen Verhütungsdiskurs, die Lebensumstände von Frauen der 1950er Jahre und bewertet das Produkt als mögliches Medium zur frauenspezifischen Selbstbestimmung.

V. Fazit: Das Fazit fasst die Ambivalenz des Produkts zusammen, das zwar ein Stück Autonomie versprach, jedoch in ein patriarchales System eingebettet blieb.

VI. Quellen: Dieses Kapitel listet die verwendeten Primär- und Sekundärquellen sowie das Abbildungsverzeichnis auf.

Schlüsselwörter

Hygieia, Scheidenspülapparat, Kontrazeption, Geburtenkontrolle, 1950er Jahre, Frauengeschichte, Objektanalyse, Patriarchat, Sexualität, Intersektionalitätsforschung, Verhütung, Hygienediskurs, Medizingeschichte, Bundesrepublik Deutschland, Selbstbestimmung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das historische Verhütungsmittel „Hygieia- der selbsttätige Spülapparat“ und analysiert dessen Rolle im Kontext der weiblichen Selbstbestimmung in der Bundesrepublik Deutschland um das Jahr 1950.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die materielle Kulturforschung, die Geschichte der Empfängnisverhütung, den soziokulturellen Wandel der 1950er Jahre sowie die Untersuchung patriarchaler Strukturen in der Medizin und im Eheleben.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es zu ergründen, ob und wie der Scheidenspülapparat „Hygieia“ Frauen eine Möglichkeit zur selbstbestimmten Kontrazeption bot, unter Berücksichtigung der sozialen Rahmenbedingungen jener Zeit.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt einen kulturwissenschaftlichen Ansatz zur Objektanalyse basierend auf Annette Cremer, ergänzt durch einen methodischen Leitfaden von Viccy Coltman, sowie eine historische Diskursanalyse von Quellen wie Gesundheits- und Eheratgebern.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte physische Objektbeschreibung, eine Einbettung in den damaligen Verhütungs- und Hygienediskurs, eine Analyse der sozioökonomischen Lebensräume der Frau um 1950 sowie eine kritische Hinterfragung des Kontrazeptionsverständnisses.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Hygieia, Scheidenspülapparat, Kontrazeption, Lebensrealität der Frau, 1950er Jahre, Objektforschung und patriarchale Machtverhältnisse.

Warum war der Verkauf von Kontrazeptiva laut Arbeit schwierig?

Die Arbeit betont, dass Kontrazeptiva in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts oft entweder vollständig verboten waren oder nur stark eingeschränkt und teils offiziell unter dem „Tarnmantel“ als Hygieneartikel in Apotheken oder Drogerien erworben werden konnten.

Welche Rolle spielt die Broschüre des „Hygieia“-Geräts für die Argumentation?

Die Broschüre dient als zentrales Dokument, um sowohl die Vermarktungsstrategie des Herstellers zu analysieren als auch das angestrebte Idealbild der Frau und die Vermittlung technischer Anweisungen kritisch zu hinterfragen.

Wie beeinflusste der Wohnraum die Verhütungspraxis?

Aufgrund des ausgeprägten Wohnungsmangels nach dem Zweiten Weltkrieg fehlte vielen Familien oft die Privatsphäre, was die diskrete Anwendung von Verhütungsmitteln erschwerte und die Lebensumstände der Frauen zusätzlich einschränkte.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Selbstbestimmung durch Hygiene. Die Rolle des Scheidenspülers "Hygieia" in der Geschichte der Kontrazeption
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Geschichte und Ethik der Medizin)
Veranstaltung
Geschichte der Schwangerschaft und Geburt im 19. und 20. Jahrhundert
Note
1,7
Autor
Katja Laukemann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2023
Seiten
27
Katalognummer
V1474172
ISBN (PDF)
9783389050682
ISBN (Buch)
9783389050699
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte der Verhütungsmittel Medizingeschichte Intersektionalität Frauengeschichte
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Katja Laukemann (Autor:in), 2023, Selbstbestimmung durch Hygiene. Die Rolle des Scheidenspülers "Hygieia" in der Geschichte der Kontrazeption, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1474172
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Leseprobe aus  27  Seiten
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