Das internationale System der Gegenwart ist gekennzeichnet durch eine Vielfalt von Akteuren, Prozessen und Strukturen. Neben den Nationalstaaten und ihren Regierungen sind als Handlungsträger gesellschaftliche Gruppen und wirtschaftliche Verbände vorzufinden.
Die geistige Bewältigung jener Vielfalt „ist nicht möglich ohne vorgefasste oder systematisch ausgewählte gedankliche Filter, Ordnungs- und Erklärungsschemata, welche die Fülle des Wahrgenommenen überschaubar machen. Im wissenschaftlichen Erkenntnisprozess sind Theorien jene gedanklichen Konstrukte, die es uns ermöglichen, die vorgefundene Komplexität zu reduzieren, zu ordnen und schließlich zu erklären. Formal sind Theorien Sätze von Aussagen, die in einem logischen Zusammenhang stehen und die beanspruchen, der Wirklichkeit in überprüfbarer oder nachvollziehbarer Weise strukturell zu entsprechen. Sie dienen einer wissenschaftlichen Untersuchung als analytischer Bezugsrahmen, ermöglichen eine begrifflich-systematische Ordnung der Daten und befähigen dazu, aus den gewonnenen Ergebnissen Schlüsse zu ziehen.“
Kurzgefasst sind Theorien als Sets von Aussagen zu verstehen, die zueinander in angehbaren Beziehungen stehen.
Anhand dieser Definition lässt sich zwar erkennen, dass es verschiedene Theorien gibt, die es uns erleichtern, einen politischen Zusammenhang zu verstehen, es ist jedoch nicht nachvollziehbar, inwieweit jene auf die verschiedensten Untersuchungsgegenstände anwendbar sind.
Aufgabe dieser Hausarbeit soll es daher sein, anhand eines Praxisbeispiels (Irak-Konflikt) die Reichweite von Theorien zu untersuchen. Dabei werde ich mich auf die Theorien „Neorealismus“ und „Institutionalismus“ beschränken.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Vorstellung der Theorien „Neorealismus“ und „Institutionalismus“
2.1 Der Neorealismus
2.2 Der Institutionalismus
3 Praxisbeispiel: Der Irak-Konflikt und die Rolle der UNO
3.1 Vorstellung des Praxisbeispiels
3.1.1 Darstellung des Konfliktes
3.1.2 Die Vereinigten Staaten und ihr Verhalten zur UNO
3.2 Betrachtung des Konfliktes aus „neorealistischer“ Perspektive
3.3 Betrachtung des Konfliktes aus „institutionalistischer“ Perspektive
4 Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des Irak-Konflikts die Reichweite und Anwendbarkeit zweier zentraler Theorien der internationalen Politik: des Neorealismus und des Institutionalismus.
- Vergleich des neorealistischen und institutionalistischen Paradigmas
- Analyse des Irak-Konflikts als Praxisbeispiel
- Untersuchung der Rolle der UNO im Kontext nationaler Interessen
- Kritische Reflexion über die Erklärungskraft politischer Theorien
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Darstellung des Konfliktes
Die Entscheidung, gegen den Irak Krieg zu führen, um ihn zu entwaffnen und Saddam Hussein zu entmachten, hat ihren Ursprung am Beginn der 90er Jahre. Mit dem Krieg zur Befreiung Kuwaits und der damaligen Frage nach der Zukunft Saddams begann auch die politische Willensbildung über die Strategie seiner Entmachtung. „Es stellt sich immer wieder die Frage, warum das Weiße Haus sich nicht schon 1991 zu einem Einmarsch in Bagdad entschlossen hat. [...] Die Anschläge vom 11.9.2001 auf das World Trade Center sowie das Pentagon scheinen das auslösende Moment gewesen zu sein.“
Wichtig bei der Betrachtung des Irak-Konfliktes ist, dass die `Koalition der Willigen` einen Angriffskrieg gegen den Irak führte, dessen völkerrechtliche Legitimation bis heute umstritten ist (dazu mehr unter 3.1.2). Die Argumente – das Saddam-Regime besitze Massenvernichtungswaffen, es gebe Verbindungen zum Al-Qaida-Terrornetzwerk, der Irak bedrohe die USA und seine Nachbarn – konnten nicht überzeugen. Schließlich lautete die Begründung der Bush-Administration, der Irak müsse demokratisiert werden. Symbolisch für die Motive der USA beim Regimewechsel im Irak steht auch folgendes Ereignis: Die amerikanischen Truppen schützten zwar das Erdölministerium, ließen es aber zu, dass das irakische Nationalmuseum geplündert werden konnte.
Für sein Vorhaben suchte Bush die Unterstützung der UNO (das deutet darauf hin, dass die USA den Eindruck eines militärischen Unilateralismus vermeiden wollen; die USA streben vielmehr nach einem Multilateralismus „American style“, d. h. sie suchen nach Partnern, aber nicht um jeden Preis). Während die UNO den militärischen Angriff auf das Taliban-Regime in Afghanistan noch als einen Akt der Selbstverteidigung nach Art. 51 der UN-Charta (Resolution 1368) legitimierte, wurde der Versuch seitens der amerikanischen Regierung, eine Legitimation der militärischen Maßnahmen gegen das Regime Saddam Husseins im UN-Sicherheitsrat zu erlangen (Resolution 1441), von den anderen Staaten zunächst zurückgewiesen und an eine weitere Resolution geknüpft.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Komplexität internationaler Beziehungen ein und begründet die Auswahl des Neorealismus und Institutionalismus zur Analyse des Irak-Konflikts.
2 Vorstellung der Theorien „Neorealismus“ und „Institutionalismus“: Dieses Kapitel erläutert die Grundannahmen beider Theorien, wobei der Neorealismus als anarchisches Selbsthilfesystem und der Institutionalismus als kooperationsfördernder Ansatz dargestellt werden.
3 Praxisbeispiel: Der Irak-Konflikt und die Rolle der UNO: Der Irak-Konflikt dient als Fallstudie, um das Verhalten der USA im Verhältnis zur UNO sowie die Anwendbarkeit der zuvor vorgestellten theoretischen Konzepte zu prüfen.
4 Zusammenfassung und Schlussfolgerung: Das Fazit resümiert, dass keine der beiden Theorien den Konflikt vollständig erklären kann, wobei der Neorealismus in diesem Fall ein stärkeres Erklärungsmuster liefert.
Schlüsselwörter
Neorealismus, Institutionalismus, Irak-Konflikt, UNO, Internationale Beziehungen, Anarchie, Souveränität, Kooperation, Völkerrecht, Sicherheitspolitik, Balance-of-Power, Multilateralismus, US-Außenpolitik, Machtpotential, Konfliktanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwieweit die Theorien des Neorealismus und des Institutionalismus geeignet sind, komplexe internationale Konflikte wie den Irak-Krieg zu erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Rolle internationaler Organisationen, die Struktur des internationalen Systems und die außenpolitische Entscheidungsfindung der USA.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Untersuchung der Reichweite dieser beiden Theorien anhand eines spezifischen Praxisbeispiels.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor wählt ein deduktives Vorgehen, bei dem theoretische Merkmale auf das Praxisbeispiel angewendet werden, um deren Erklärungskraft zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung, die Darstellung des Irak-Konflikts und die anschließende theoretische Analyse aus beiden Perspektiven.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Neorealismus, Institutionalismus, Irak-Konflikt und das Spannungsfeld zwischen nationaler Sicherheit und internationaler Kooperation.
Inwiefern spielt der Neorealismus eine Rolle bei der Erklärung des Krieges?
Der Neorealismus wird herangezogen, um das Handeln der USA als rationale Machtpolitik in einem anarchischen System ohne übergeordnete Instanz zu deuten.
Warum wird der Institutionalismus als „optimistischer“ als der Neorealismus bezeichnet?
Institutionalisten glauben an die Wirksamkeit internationaler Institutionen zur Förderung kooperativer Lösungen, während Neorealisten Kooperation in Sicherheitsfragen als riskant und unwahrscheinlich betrachten.
Wie bewertet der Autor die Rolle der UNO im Irak-Konflikt?
Die UNO wird als gescheiterte Sanktionsinstanz betrachtet, die jedoch im Vorfeld zumindest als Diskussionsplattform für die verschiedenen Staaten fungierte.
- Citation du texte
- Christina Täubert (Auteur), 2005, Der Irak-Konflikt und die Rolle der UNO – Darstellung der Reichweite von Theorien am Beispiel des Neorealismus und des Institutionalismus , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147632