Im Kontext des zunehmenden Fachkräftemangels und der steigenden Bedeutung von Auszubildenden für Unternehmen verfolgt diese Bachelor-Thesis das Ziel, die Informationsbeschaffungswege von künftigen Schulabgänger*innen in Bezug auf Ausbildungsplätze und Unternehmen zu untersuchen. Es wurde in diesem Bezug ebenfalls erkannt, dass die Coronapandemie den Fachkräftemangel und die Suche nach Auszubildenden weiter verschärft hat. Der übergeordnete Fokus liegt daher bei dem Verständnis der Candidate Journey dieser Zielgruppe, insbesondere im Hinblick auf die Relevanz und den Einfluss der entsprechenden Touchpoints. Ziel der Arbeit ist es, konkrete Erkenntnisse zu generieren, die es Unternehmen ermöglichen, ihre Rekrutierungsstrategien an den identifizierten Touchpoints auszurichten und gezielt Präsenz zu zeigen. Zudem sollen die Erkenntnisse als Grundlage für eine empirische Untersuchung dienen.
Der Fachkräftemangel hat nahezu alle Unternehmensbereiche erreicht. Daher sind Unternehmen (dies beinhaltet im Rahmen dieser Arbeit auch staatliche und zwischenstaatliche Einrichtungen, sowie Hochschulen und Universitäten) verstärkt auf der Suche nach Auszubildenden. Die Herausforderung besteht darin, effektive Touchpoints zu potenziellen Auszubildenden herzustellen. Anders ausgedrückt, es geht darum, die Identifikation und Bedeutung dieser Touchpoints im Hinblick auf künftige Schulabgänger*innen zu erkennen. In der heutigen digitalen Zeit gibt es neben den traditionellen Kanälen wie Ausbildungsmessen, Anzeigen in Printmedien, der Bundesagentur für Arbeit und Unternehmenskarriereportale auch zahlreiche soziale Medien wie Instagram, TikTok und Facebook als Plattformen, auf denen Unternehmen präsent sind und gezielte Werbung schalten können. Darüber hinaus haben sich berufsorientierte soziale Netzwerke wie XING und LinkedIn etabliert auf welchen Unternehmen auch gezielt nach passenden Kandidaten suchen und diese proaktiv kontaktieren können. Diese Kanäle werden durch Jobbörsen wie Stepstone.de oder Monster.de sowie spezielle Plattformen für Ausbildungsplätze wie beispielsweise Azubiyo.de ergänzt. Die hier dargestellten Informationskanäle sind nicht vollständig und sollen einen Überblick über die Vielfalt der Informationsmöglichkeiten aufzeigen. Ergänzt werden diese Kanäle noch mit der Informationsweitergabe durch Familienangehörige und Bekannte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung, Forschungsfrage
1.2. Zielsetzung und methodischer Lösungsansatz
1.3. Aufbau der Arbeit
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Candidate Journey
2.2. Candidate Experience
2.3. Touchpoints
3. Stand der Forschung
3.1. Candidate Experience Studie im Jahr 2014
3.2. Digital Candidate Journey Studie 2019/2020
3.3. Candidate Experience Studie im Jahr 2020
3.4. HR Report 2021
4. Vorschlag zu einer empirischen Studie
4.1. Ziele einer Studie
4.2. Methodik und Design
4.3. Inhalt der quantitativen Befragung
4.3.1. Demografische Merkmale
4.3.2. Geografische Merkmale
4.3.3. Kenntnisse und Nutzung von Touchpoints
4.3.4. Bewertung der Touchpoints
4.3.5. Präferenzen bezüglich der Kommunikation
4.3.6. Einflussfaktoren zur Entscheidungsfindung
4.3.7. Branchen und Interessensgruppen
4.3.8. Zukünftige Erwartungen
4.3.9. Offene Fragen
4.4. Inhalt der qualitativen Befragung
4.4.1. Erfahrung mit verschiedenen Touchpoints
4.4.2. Informationsbeschaffung
4.4.3. Wahrnehmung und Bewertung der Kommunikation
4.4.4. Einfluss der Candidate Experience auf die Entscheidung
4.4.5. Erwartungen und Bedürfnisse
4.4.6. Vorschläge zur Verbesserung
4.4.7. Einfluss demografischer und geografischer Merkmale
5. Diskussion der Notwendigkeit einer empirische Studie
5.1. Ziele und Ausrichtung
5.2. Methodik und Design
5.3. Inhalt der quantitativen Befragung
5.4. Anpassung an Präferenz- und Technologiewandel
5.5. Die Rolle von Familienangehörigen, Bekannten und Lehrkräften
6. Schlussbetrachtung
6.1. Zusammenfassung
6.2. Einschränkungen
6.3. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelor-Thesis untersucht die Informationsbeschaffungswege zukünftiger Schulabgänger*innen, um ein tieferes Verständnis für die Candidate Journey zu entwickeln und Unternehmen konkrete Handlungsempfehlungen für effektive Rekrutierungsstrategien in Zeiten des Fachkräftemangels an die Hand zu geben.
- Analyse der Candidate Journey und Candidate Experience von Schulabsolventen.
- Identifikation und Bewertung relevanter digitaler und traditioneller Kontaktpunkte (Touchpoints).
- Untersuchung des Einflusses externer Faktoren wie Familie und Lehrkräfte auf die Berufswahl.
- Entwicklung eines methodischen Forschungsdesigns für zukünftige empirische Studien.
- Optimierung von Rekrutierungsprozessen durch zielgruppenspezifische Kommunikation.
Auszug aus dem Buch
2.1. Candidate Journey
Die historische Entwicklung der Candidate Journey reicht bis ins Jahr 1999 zurück und hat ihren Ursprung in der Customer Journey Map, die im Zuge des Acela Hochgeschwindigkeitsbahnprojekts vorgestellt wurde. Dieser Grundstein bestätigte zum ersten Mal die Auffassung, dass eine Dienstleistung in die Phasen vor, während und nach der Nutzung unterteilt werden kann. Auf diese Weise können die spezifischen Auswirkungen jeder Phase auf Kund*innen separat betrachtet werden. (vgl. HCI International et al. 2014, S. 551)
Die Evolution des Konzepts der Candidate Journey unterscheidet sich insofern vom Prinzip der Customer Journey, als dass der Fokus auf den Jobsuchenden und nicht auf der Kundschaft liegt. Die Gestaltung der Candidate Journey orientiert sich jedoch maßgeblich an der Customer Journey. Hauptziel ist es, nicht nur überzeugend, sondern auch einzigartig zu sein, um Bewerbende für die zu besetzende Stelle im Unternehmen zu gewinnen. Die Analogie zur Customer Journey impliziert, dass ähnliche Elemente, die bei der Gestaltung der Customer Journey berücksichtigt werden, auch für die Candidate Journey von Bedeutung sind. Es ist daher wichtig, den gesamten Bewerbungsprozess so zu gestalten, dass er nicht nur informativ, sondern auch positiv und überzeugend erlebt wird. Die Anwendung der Prinzipien der Customer Journey in der Candidate Journey gewährleistet eine effektive Vermittlung von Informationen und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck. Zudem hebt sie die Attraktivität der zu besetzenden Position hervor. (vgl. Wisotzky 2023, S. 51)
Die zeitgenössische Konzeption der Candidate Journey unterteilt sich differenziert in mehrere Phasen. Sie basiert auf einem dreistufigen Modell in Analogie zur zuvor erläuterten Customer Journey Map. Dieses Modell spiegelt die drei Hauptphasen der Candidate Journey wider, nämlich vor der Bewerbungsphase, während der Bewerbungsphase und nach der Bewerbungsphase, die wiederum als korrespondierende Abbildung zur Customer Journey Map fungieren. Um einen detaillierten Einblick in den gesamten Bewerbungsprozess zu ermöglichen, wird jede Hauptstufe in feinere Unterphasen gegliedert. (vgl. Reuter und Junge 2020, Abb. 16.1)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet den Fachkräftemangel und die Notwendigkeit für Unternehmen, Ausbildungsplätze zielgruppengerecht über relevante Touchpoints innerhalb einer Candidate Journey zu vermarkten.
2. Theoretische Grundlagen: Erläuterung der Konzepte Candidate Journey, Candidate Experience und der Bedeutung einzelner Touchpoints im Rekrutierungskontext im Vergleich zur analogen Customer Journey.
3. Stand der Forschung: Kritische Analyse bestehender Studien, wie der Candidate Experience Studie 2014 oder der Digital Candidate Journey Studie 2019/2020, zur Informationsnutzung durch die Zielgruppe.
4. Vorschlag zu einer empirischen Studie: Ein methodischer Leitfaden zur Erhebung von Daten mittels qualitativer und quantitativer Instrumente, um ein tiefgreifendes Verständnis der Zielgruppe zu erlangen.
5. Diskussion der Notwendigkeit einer empirische Studie: Erörterung, warum die gewonnenen Erkenntnisse eine flexible und zielgruppenorientierte Strategieanpassung im Recruiting zwingend erforderlich machen.
6. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Erkenntnisse, Reflexion der methodischen Einschränkungen und ein Ausblick auf zukünftige Forschungsnotwendigkeiten.
Schlüsselwörter
Candidate Journey, Candidate Experience, Touchpoints, Fachkräftemangel, Auszubildende, Personalmarketing, Rekrutierung, Informationsbeschaffung, Empirische Studie, Zielgruppenanalyse, Employer Branding, Recruiting-Prozess, Digitalisierung, Berufsorientierung, Ausbildungsplätze
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Optimierung des Rekrutierungsprozesses von Unternehmen im Hinblick auf künftige Schulabgänger*innen durch ein besseres Verständnis deren Bewerberreise.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung der Candidate Journey, die Analyse des aktuellen Stands der Forschung sowie die Entwicklung methodischer Ansätze zur Erfassung der Zielgruppenbedürfnisse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, die Informationsbeschaffungswege zukünftiger Auszubildender zu analysieren, um daraus Handlungsempfehlungen für eine effektivere Rekrutierungsstrategie abzuleiten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine literaturbasierte Analyse aktueller wissenschaftlicher Theorien sowie auf eine qualitative Inhaltsanalyse existierender Studien zum Thema Candidate Experience.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Auseinandersetzung mit existierenden Forschungsstudien und den detaillierten Entwurf eines Vorschlags für eine neue empirische Untersuchung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Candidate Journey, Candidate Experience, Touchpoints, Rekrutierung und Fachkräftemangel.
Warum ist die Unterscheidung zwischen direkten und indirekten Touchpoints so wichtig?
Da direkte Touchpoints (wie Stellenanzeigen) aktiv durch Unternehmen steuerbar sind, während indirekte Touchpoints (wie Bewertungen oder Mundpropaganda) erst durch eine überzeugende Experience verdient werden müssen.
Welche Rolle spielen laut Arbeit Lehrkräfte und Familienangehörige bei der Berufswahl?
Diese Gruppen agieren als signifikante indirekte Einflussnehmer und vertrauensvolle Austauschpartner, deren Bedeutung für die Berufsorientierung junger Menschen als sehr hoch und stabil eingestuft wird.
- Quote paper
- Tobias Nimczick (Author), 2024, Fachkräfte in der Zukunft. Touchpoints und deren Bedeutung für künftige Schulabgänger, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1477017