Die vorliegende Abhandlung betrachtet die Einsatzmöglichkeiten von
Vorgehensmodellen zur Anforderungsgewinnung sowie den Abgleich von Anforderungen mit möglichen Commercial-Off-The-Shelf (COTS) Softwarepaketen. Im Fokus steht das von Carvallo, Franch und Quer (2008) entwickelte Requirements Engineering for COTS-based Software Systems (RECSS) Modell.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Einsatzpotentiale und Grenzen in der Praxis
3 Beurteilung und Empfehlung zur Erweiterung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit und die Grenzen des von Carvallo, Franch und Quer (2008) entwickelten Requirements Engineering for COTS-based Software Systems (RECSS) Modells, insbesondere im Kontext von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) unter Berücksichtigung moderner IT-Entwicklungen wie Cloud Computing und Software as a Service.
- Analyse des RECSS-Vorgehensmodells
- Eignung des Modells für KMU
- Einfluss von Cloud Computing und Software as a Service auf Auswahlprozesse
- Kritische Bewertung der Plattformstrategie-Betrachtung
- Entwicklung von Empfehlungen zur Erweiterung des Modells
Auszug aus dem Buch
2 EINSATZPOTENTIALE UND GRENZEN IN DER PRAXIS
Das Vorgehensmodell des Requirements Engineering for COTS-based Software Systems ist durch ein vierschrittigen Ablauf gekennzeichnet. In einem ersten Schritt wird die Systemumgebung mit allen Abhängigkeiten und Beziehungen zu weiteren Systemen der betrachteten Applikationsarchitektur erhoben (vgl. Winter / Schelp 2005; vgl. Hafner et al. 2004). Diese Informationen werden zentral in dem Environmental Pattern Repository hinterlegt. Zusätzlich werden ausgehend von dem allgemein anerkannten Qualitätsmodell der ISO/IEC 9126-1 den Elementen Kriterien zugordnet, die von diesen direkt beeinflusst werden können (vgl. Behkamal et al. 2009; vgl. Jung et al. 2004). Dabei erfolgt auch eine Beurteilung, wie die Kriterien die qualitative Kenngröße beeinflussen (vgl. Carvallo et al. 2008).
In der zweiten Phase wird die Anwendungsdomäne ausgehend von der allgemeinen Zieldefinition in einzelne Teilziele heruntergebrochen. Dies geschieht, bis die Teilziele das Abstraktionsniveau den Unterkategorien des ISO/IEC Standards 9126-1 entsprechen. Diese Teilziele werden daraufhin mit den Abhängigkeiten, die im Environmental Pattern Repository hinterlegt sind, verknüpft (vgl. Carvallo et al. 2008).
Im Rahmen der dritten Phase werden Qualitätsmodelle für die zuvor definierten Teilbereiche nach ISO/IEC Standards 9126-1 definiert. Dabei wird zwischen Umgebungs und Plattform Parametern unterschieden. Der Fokus liegt bei dem RECSS Vorgehensmodell auf den Plattform Parametern, da hier ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Vorgehensmodellen von den Autoren gesehen wird. In diesem Schritt werden verschiedene Plattformen für die einzuführende Software evaluiert. Die Bewertung erfolgt dabei in einer Zuordnung als positiven oder negativen Einfluss (vgl. Carvallo et al. 2008).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Zielsetzung der Arbeit dar, das RECSS-Modell hinsichtlich seiner Praxistauglichkeit und Anwendbarkeit für unterschiedliche Unternehmensgrößen kritisch zu hinterfragen.
2 Einsatzpotentiale und Grenzen in der Praxis: Hier wird der vierstufige Ablauf des RECSS-Modells detailliert erläutert und die methodischen Schwachstellen in Bezug auf Komplexität, Informationsbeschaffung und moderne Sourcing-Strategien analysiert.
3 Beurteilung und Empfehlung zur Erweiterung: Das Abschlusskapitel bewertet das Modell als gescheitert für den KMU-Einsatz in seiner aktuellen Form und schlägt Erweiterungen durch den Domänenansatz nach Leung und Leung vor.
Schlüsselwörter
RECSS, COTS, Softwareauswahl, Requirements Engineering, KMU, Plattformstrategie, Cloud Computing, SaaS, IT-Sourcing, Systemarchitektur, Qualitätsmodell, ISO/IEC 9126-1, Environmental Pattern Repository, Prozessmodell, Anforderungsanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das RECSS-Vorgehensmodell zur Auswahl von COTS-Software und bewertet kritisch, ob dessen Fokus auf Plattformstrategien in der heutigen Praxis, insbesondere für KMUs, sinnvoll anwendbar ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen Anforderungsmanagement, die Bewertung von Software-Plattformen, Sourcing-Modelle wie Cloud Computing und Software as a Service sowie die Herausforderungen bei der Systemauswahl.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ermitteln, ob das RECSS-Modell trotz des hohen Anspruchs an eine ganzheitliche Betrachtung in der Praxis handhabbar bleibt und wie es an aktuelle technologische Trends angepasst werden könnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine analytische Abhandlung, die auf dem Vergleich von Literatur zu Vorgehensmodellen (insbesondere Carvallo et al.) und der kritischen Reflexion technologischer Entwicklungen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die vier Phasen des RECSS-Modells, diskutiert die Komplexität bei der Plattformbewertung und zeigt auf, warum der Ansatz für kleine und mittelständische Unternehmen oft zu aufwendig ist.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen RECSS, COTS, Softwareauswahl, KMU, Plattformstrategie, Cloud Computing und Anforderungsmanagement.
Warum ist das RECSS-Modell laut Autor für KMUs oft ungeeignet?
Das Modell erhöht die Komplexität der Softwareauswahl durch eine geforderte Plattformbewertung so stark, dass der Aufwand den potenziellen Nutzen einer schnellen COTS-Einführung für kleinere Unternehmen übersteigt.
Welche Lösung schlägt der Autor zur Verbesserung von RECSS vor?
Der Autor schlägt vor, das Modell in der dritten Phase um den „domain based COTS selection method“-Ansatz von Leung und Leung zu erweitern, um eine automatisiertere Vorauswahl von Systemen zu ermöglichen.
- Quote paper
- Martin Semmann (Author), 2010, RECSS als ganzheitliches Vorgehensmodell zur Softwareauswahl, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147723