Seit der Finanzkrise stellt sich die Frage, aus welchem Grund die Auswirkungen der Krise in den USA größere Spuren als in Deutschland hinterlassen haben. Selbst auf dem Höhepunkt der Krise waren die deutschen Immobilienfinanzierer noch in der Lage Kredite zu vergeben. Gründe für diese Möglichkeit waren in besonderem Umfang die Vergabe des Realkredits und die damit verbundene Eigenkapitalunterlegung nach Basel II, die zu einem geringeren Risiko bei gewerblichen Immobilien geführt haben.
Eine Immobilienfinanzierung von gewerblichen Immobilien erfordert hohe Investitionsvolumen und bindet das eingesetzte Kapital auf lange Zeit. Daher reichen die Eigenmittel eines Investors in der Regel nicht aus, um eine Immobilie zu realisieren. Auch wenn genügend Eigenkapital vorhanden wäre, könnten im Einzelfall verschiedene Aspekte (u. a. steuerliche) für eine Fremdfinanzierung sprechen.
Um die Finanzierungslücke zwischen geplanter Investitionssumme und dem vorhandenen Eigenkapital zu schließen, bieten sich eine Vielzahl von Finanzierungsalternativen an. Neben dem Realkredit etablieren sich auch innovative Finanzierungsinstrumente, welche sowohl auf Nachfrage- als auch auf Anbieterseite entstanden sind. Insofern ist eine erfolgreiche Immobilieninvestition von der Auswahl des individuellen und richtigen Finanzierungskonzeptes abhängig. In dieser Hausarbeit soll der Realkredit als wesentlicher Bestandteil einer Immobilienfinanzierung vorgestellt werden. Im Folgenden wird dabei zuerst die private und gewerbliche Immobilienfinanzierung erläutert, um dann auf die Charakteristika des Realkredits einzugehen. Danach werden die Bedeutung des Realkredits für die gewerbliche Immobilienfinanzierung verdeutlicht und die aktuellen Entwicklungen in der Immobilienfinanzierung angesprochen. In dem letzten Abschnitt der Hausarbeit werden abschließend die Auswirkungen von Basel II in Bezug auf den Realkredit und auf die gewerbliche Immobilienfinanzierung dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Realkredit als wesentlicher Bestandteil der Immobilienfinanzierung
2.1 Private Immobilienfinanzierung
2.2 Gewerbliche Immobilienfinanzierung
3 Charakteristika des Realkredits
3.1 Die Entstehung des Realkredits
3.2 Die Definition des Realkredits
3.3 Merkmale des Realkredits
3.3.1 Hypothek und Grundschuld
3.3.2 Fristigkeits- und Tilgungsmodalitäten
3.3.3 Wertermittlung
3.3.4 Kreditgeber
4 Bedeutung des Realkredits für die gewerbliche Immobilienfinanzierung
4.1 Bedeutung des Realkredits für den Kunden
4.2 Bedeutung des Realkredits für das Kreditinstitut
4.3 Hinwendung der Immobilienfinanzierung zum Kapitalmarkt
5 Auswirkungen von Basel II auf die Immobilienfinanzierung
5.1 Kreditrisiko-Standardansatz (KSA)
5.2 IRB-Ansatz
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Realkredit als zentrales Instrument der Immobilienfinanzierung in Deutschland, insbesondere im Kontext gewerblicher Projekte. Dabei wird analysiert, wie sich dieses traditionelle Finanzierungskonzept angesichts neuer Anforderungen durch Basel II und veränderter Marktbedingungen behauptet.
- Grundlagen und Definitionen des Realkredits
- Bedeutung der dinglichen Sicherheiten (Hypothek/Grundschuld)
- Unterscheidung zwischen privater und gewerblicher Immobilienfinanzierung
- Einfluss der Eigenkapitalunterlegung nach Basel II auf das Kreditgeschäft
- Vergleich zwischen Standardansatz (KSA) und internem Ratingansatz (IRB)
Auszug aus dem Buch
3 Charakteristika des Realkredits
Unter dem Realkredit wird häufig die traditionelle Form der Finanzierung verstanden, worunter im Allgemeinen das grundpfandrechtlich gesicherte Darlehen im erstrangigen und im nachrangigen Finanzierungsraum zählt. Dieses Finanzierungskonzept ist heute noch die am häufigsten angewandte Finanzierungsmethode in Deutschland.
Durch diese Darlehen können 70 bis 75% der Herstellungskosten einer Immobilie abgesichert werden. Dieser Prozentsatz entspricht meist einer bis zu 60% des Beleihungswertes erstrangig abgesicherten Hypothekenfinanzierung und einem 20%igen Nachrangdarlehen, welches üblicherweise durch zusätzliche Sicherheiten und die Bonität des Kreditnehmers abgesichert wird. Die Grenzen der traditionellen Finanzierung (Realkredit) ergeben sich durch den Deckungsumfang, welcher durch das Einkommen und den Wert der Sicherheiten festgelegt wird.
Da in der jüngsten Vergangenheit einerseits das Problem auftrat, die geplanten Projekte ausschließlich mit den vorhandenen Eigenmittelressourcen der Projektentwickler zu finanzieren und andererseits das Risiko der Bank als Kreditgeber zunahm, ohne das diese am Gewinn oder den unternehmerischen Entscheidungen beteiligt waren, wurden alternative Finanzierungskonzepte entwickelt. Diese Konzepte haben in Deutschland mittlerweile eine gewisse Verbreitung gefunden. Im Folgenden wird allerdings nur auf den Realkredit eingegangen, da dieser in der Praxis immer noch die häufigste Verwendung findet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Realkredits für die deutsche Immobilienwirtschaft ein und erläutert den Aufbau der Untersuchung mit Fokus auf die Auswirkungen von Basel II.
2 Der Realkredit als wesentlicher Bestandteil der Immobilienfinanzierung: Dieses Kapitel differenziert zwischen privaten und gewerblichen Immobilienfinanzierungen und ordnet den Realkredit in das allgemeine Finanzierungsumfeld ein.
3 Charakteristika des Realkredits: Hier werden die Entstehung, Definition sowie die wesentlichen Merkmale des Realkredits, wie Grundpfandrechte, Tilgung und Wertermittlung, detailliert analysiert.
4 Bedeutung des Realkredits für die gewerbliche Immobilienfinanzierung: Das Kapitel beleuchtet den Nutzen des Realkredits für Kunden und Kreditinstitute sowie die zunehmende Hinwendung zum Kapitalmarkt.
5 Auswirkungen von Basel II auf die Immobilienfinanzierung: Es wird untersucht, wie die neuen Eigenkapitalanforderungen die Risikobewertung bei Immobilienkrediten verändern und welche Auswirkungen dies auf den Standard- sowie den IRB-Ansatz hat.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die zukünftige Rolle des Realkredits im Kontext von Basel II und innovativen Finanzierungsstrukturen.
Schlüsselwörter
Realkredit, Immobilienfinanzierung, Basel II, Grundpfandrecht, Hypothek, Grundschuld, Beleihungswert, Kreditrisiko, Eigenkapitalunterlegung, IRB-Ansatz, Gewerbeimmobilien, Kreditwirtschaft, Finanzierungslücke, Rating, Zinsbindung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Realkredit als wichtigem Finanzierungsinstrument für Immobilien in Deutschland und analysiert dessen Rolle unter Berücksichtigung regulatorischer Änderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Funktionsweise des Realkredits, seine Besicherung durch Grundpfandrechte sowie die Auswirkungen der Basel II-Vorgaben auf die Kreditvergabe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Bedeutung und die Charakteristika des Realkredits bei gewerblichen Immobilieninvestitionen zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie Basel II die Refinanzierung und Risikobewertung beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine fundierte Literatur- und Dokumentenanalyse, um den rechtlichen und bankfachlichen Rahmen des Realkreditwesens darzulegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den Definitionen, Merkmalen (wie Wertermittlung und Kreditgeber), der ökonomischen Bedeutung für Kunden und Institute sowie den verschiedenen Ansätzen zur Eigenkapitalunterlegung nach Basel II.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Realkredit, Immobilienfinanzierung, Basel II, Grundpfandrechte, Beleihungswert und Ratingverfahren.
Welche Rolle spielt die Schneider-Affäre in diesem Kontext?
Die Schneider-Affäre dient im Anhang als historisches Beispiel für die Risiken, die durch eine unzureichende Prüfung und Nachlässigkeit bei der Beleihungswertermittlung entstehen können.
Warum ist die Unterscheidung zwischen dem Standardansatz und dem IRB-Ansatz wichtig?
Die Wahl des Ansatzes beeinflusst maßgeblich, wie viel Eigenkapital eine Bank für einen Realkredit unterlegen muss, was wiederum Auswirkungen auf die Zinskonditionen für den Kreditnehmer hat.
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- Falk Christian Suer (Author), 2010, Merkmale und Bedeutung des Realkredits für die gewerbliche Immobilienfinanzierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147852