Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Linguistics

Sprachverfall oder Sprachwandel? Entwicklungen des Genitivs vom Althochdeutschen bis Heute

Title: Sprachverfall oder Sprachwandel? Entwicklungen des Genitivs vom Althochdeutschen bis Heute

Term Paper (Advanced seminar) , 2020 , 18 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: J. Tomić (Author)

German Studies - Linguistics
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die Zukunft der deutschen Sprache wird oft mit dem Begriff "Verfall" in Verbindung gebracht, insbesondere wenn es um die Jugendsprache, Anglizismen und den Genitiv geht. Diese Hausarbeit untersucht die These des Sprachverfalls anhand der sprachhistorischen Entwicklung des Genitivs. Zunächst wird das Genitivattribut analysiert, um die Unterschiede zwischen Dialekt-, Umgangs- und Standardsprache aufzuzeigen. Anschließend wird die Entwicklung und der Schwund des Genitivobjekts von Althochdeutsch bis heute betrachtet, wobei sprachinterne und -externe Faktoren berücksichtigt werden. Schließlich wird der präpositionale Genitiv untersucht, insbesondere die Grammatikalisierung bestimmter Präpositionen und die sprachliche Unsicherheit bei der Kasuswahl. Abschließend wird diskutiert, ob ein Genitivschwund tatsächlich als Sprachverfall zu werten ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Genitivattribut

3. Das Genitivobjekt

3.1 Sprachexterne Ursachen für den Abbau des Genitivobjekts

3.2 Sprachinterne Ursachen für den Abbau des Genitivobjekts

4. Der präpositionale Genitiv

6. Bibliografie

Zielsetzung & Forschungsthemen

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Genitivs im Deutschen, um der verbreiteten laienlinguistischen Annahme eines drohenden Sprachverfalls entgegenzutreten oder diese wissenschaftlich einzuordnen. Dabei wird analysiert, ob und in welchen funktionalen Bereichen (Attribut, Objekt, präpositionaler Gebrauch) tatsächlich ein Schwund zu verzeichnen ist oder ob es sich um einen natürlichen Sprachwandel handelt, der durch soziolinguistische Faktoren und eine Stigmatisierung des Dativs beeinflusst wird.

  • Historische Entwicklung des Genitivattributs und Entstehung von Ersatzformen
  • Ursachen für den Rückgang des Genitivobjekts (inner- und außergrammatisch)
  • Grammatikalisierungsprozesse bei präpositionalen Genitiven
  • Soziolinguistische Bewertung und Stigmatisierung von Kasusvarianten wie dem Dativ
  • Differenzierung zwischen Sprachverfall und natürlichem Sprachwandel

Auszug aus dem Buch

3.2 Sprachinterne Ursachen für den Abbau des Genitivobjekts

Im Laufe der Jahrhunderte hat der (Objekt-) Genitiv einige seiner wichtigsten Funktionen verloren. Die (grammatischen) Ursachen für den Rückgang des adverbalen Genitivs konnten bisher nicht gänzlich geklärt werden, was hauptsächlich daran liegt, dass nicht alle Funktionen des Genitivobjekts nachvollzogen werden können (Leiss 1990: 1406). Dennoch werden im folgenden einige für den Schwund des Genitivobjekts ausschlaggebende Faktoren bzw. Funktionen vorgestellt.

In älteren Sprachstufen des Deutschen lässt sich kein signifikanter Unterschied zwischen dem Genitiv und Akkusativ feststellen, der Genitiv drücke vor allem Pauschalität und Unbestimmtheit aus (Leiss 1990: 1407). Die beiden Kasus unterschieden sich lediglich in semantischer Hinsicht (Fleischer/Schallert 2011: 92). Der Genitiv hatte eine partitive Lesart, für welche Fleischer/Schallert (2011: 92) ein Beispiel aus Hartmanns von der Aue Iwein anbringen:

(23) er az daz brot vn tranc dazv. / eîns wazzers daz er hangende vant. / in eîne eîmber bi der want.

Das Satzglied „az daz brot“ steht im Akkusativ, es handelt sich um ein Akkusativobjekt. Im Gegensatz dazu steht „tranc dazv eîns wazzers“ im Genitiv, es handelt sich um einen adverbalen Genitiv. Der Akkusativ tritt auf, wenn die Verbalhandlung vollständig abgeschlossen wird; der Genitiv dagegen wird verwendet, wenn die Verbalhandlung das Objekt nur zum Teil betrifft (Fleischer/Schallert 2011: 92). Der semantische Unterschied liegt also darin, dass das Brot vollständig aufgegessen wurde, während vom Wasser noch etwas übrig geblieben ist. Dieses Phänomen wird als partitiver Genitiv bezeichnet (Fleischer/Schallert 2011: 92). In der heutigen Sprachstufe des Deutschen gibt es diese Lesart des Genitivobjekts nicht mehr. Sie kommt höchstens noch rudimentär in adnominaler Funktion vor (ein Glas guten Weines) (Fleischer/Schallert 2011: 92).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Debatte um den vermeintlichen Sprachverfall ein und erläutert die methodische Herangehensweise, um die Entwicklung des Genitivs vom Althochdeutschen bis heute zu untersuchen.

2. Das Genitivattribut: Das Kapitel behandelt die Verbreitung und Funktion des adnominalen Genitivs sowie dessen Verdrängung durch Periphrasen wie die von-Periphrase oder den possessiven Dativ in der Umgangssprache.

3. Das Genitivobjekt: Hier wird der starke Rückgang des Genitivobjekts seit dem Alt- und Mittelhochdeutschen analysiert und mit inner- sowie außergrammatischen Faktoren in Verbindung gebracht.

3.1 Sprachexterne Ursachen für den Abbau des Genitivobjekts: Dieser Abschnitt erläutert, wie das Genitivobjekt seinen Status als alltägliches Phänomen verlor und zu einem Stilmittel für gehobene Sprache oder juristische Kontexte aufstieg.

3.2 Sprachinterne Ursachen für den Abbau des Genitivobjekts: Dieses Kapitel untersucht den Verlust grammatischer Funktionen wie der partitiven Lesart und der Aspektkategorie, die den Untergang des adverbalen Genitivs begünstigten.

4. Der präpositionale Genitiv: Der Abschnitt analysiert den unerwarteten Zuwachs an Genitivrektionen bei bestimmten Präpositionen sowie die Rolle der Grammatikalisierung und der sprachlichen Unsicherheit der Sprechenden.

6. Bibliografie: Das Verzeichnis listet sämtliche Internetquellen und wissenschaftliche Fachliteratur auf, die für die Untersuchung herangezogen wurden.

Schlüsselwörter

Genitiv, Sprachwandel, Sprachverfall, Genitivattribut, Genitivobjekt, Adverbaler Genitiv, Präpositionaler Genitiv, Grammatikalisierung, Kasusalternation, Dativ, Historische Linguistik, Periphrase, Aspektkategorie, Soziolinguistik, Sprachliche Unsicherheit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Entwicklung und dem aktuellen Status des Genitivs im Deutschen, um die Frage zu klären, ob ein echter Sprachverfall vorliegt oder ein natürlicher Wandel stattfindet.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Untersuchung konzentriert sich auf drei Hauptbereiche: das Genitivattribut, das Genitivobjekt sowie den präpositionalen Genitiv unter Berücksichtigung historischer und soziolinguistischer Aspekte.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die zentrale Frage lautet, ob man von einem realen Genitivschwund sprechen kann und ob das Deutsche in Bezug auf den Kasusgebrauch einen tatsächlichen Sprachverfall erleidet.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert auf einer philologischen Auswertung bestehender Forschungsliteratur, Monografien und Korpusanalysen zur historischen Syntax, ergänzt durch die Diskussion soziolinguistischer Studien.

Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil analysiert die systematische Verdrängung des Genitivs in der Umgangssprache, die funktionalen Gründe für den Abbau des Genitivobjekts sowie Grammatikalisierungsprozesse bei Präpositionen.

Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?

Die wesentlichen Begriffe sind Genitiv, Sprachwandel, Kasusrektion, Grammatikalisierung und der soziolinguistische Konflikt zwischen dem Genitiv als "Bildungskasus" und dem Dativ als vermeintliche „Faulheit“.

Warum wird das Genitivobjekt in der heutigen Sprache als "geschwollen" wahrgenommen?

Es hat seinen Status als alltägliches Ausdrucksmittel verloren und ist seit der frühen Neuzeit zu einem "Nischenkasus" geworden, der vor allem in juristischen oder religiösen Texten verwendet wird und daher feierlich oder artifiziell wirkt.

Welche Rolle spielt die Stigmatisierung bei der Verwendung des Dativs?

Die Stigmatisierung des Dativs – oft als Zeichen mangelnder Bildung oder Intelligenz interpretiert – führt dazu, dass Sprecher den Genitiv aus einer soziolinguistisch beeinflussten Wahl heraus häufiger verwenden, um klug zu wirken.

Excerpt out of 18 pages  - scroll top

Details

Title
Sprachverfall oder Sprachwandel? Entwicklungen des Genitivs vom Althochdeutschen bis Heute
College
University of Wuppertal
Grade
1,7
Author
J. Tomić (Author)
Publication Year
2020
Pages
18
Catalog Number
V1478658
ISBN (PDF)
9783389035979
ISBN (Book)
9783389035986
Language
German
Tags
sprachverfall sprachwandel entwicklungen genitivs althochdeutschen heute
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
J. Tomić (Author), 2020, Sprachverfall oder Sprachwandel? Entwicklungen des Genitivs vom Althochdeutschen bis Heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1478658
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  18  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint