Der Einsatz von Neuen Medien in der Faust-Inszenierung von Sebastian Baumgarten


Hausarbeit, 2009

12 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse bis
2.1 Der Begriff der Neuen Medien
2.2 Nutzung der Neuen Medien in „Faust“
2.3 Wirkungsweisen der Neuen Medien auf das Publikum bis
2.3.1 aggressiv-aktive Neue Medien – Szene „Verführungskiste“ bis
2.3.2 teils-aktive Neue Medien – Inszenierung allgemein

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„"Was ich auch tat", so zitiert das Programmheft des Nationaltheaters Weimar Goethe während seiner Arbeit am "Faust", "ich entfernte ihn mehr vom Theater, als dass ich ihn heran gebracht hätte." Und einige Seiten später fragt der Schriftsteller Ludwig Bechstein: "Ist Faust [...] für die Bühne geschrieben? Soll es gegeben werden? Kann es gegeben werden?" Seine Antwort: "Faust ist ein Torso, ein riesenhaftes Fragment; zu groß um eingegrenzt werden zu können in den engen Raum der Bühne.““[1]

Das Zitat Bechsteins könnte durchaus ausschlaggebend gewesen sein für die Arbeitsweise der Regie Sebastian Baumgartens in seiner „Faust“-Inszenierung: Nicht der Stoff muss reduziert, sondern der „enge Raum der Bühne“ erweitert werden. Baumgarten verfolgte diesen Gedanken konsequent durch den enormen Einsatz von Neuen Medien, wofür die Presse sowie das Publikum teilweise stürmischen Applaus zollte, aber auch harte Kritik mit modernen Schlagwörtern wie „reines Medientheater“ und „Reizüberflutung“ auszuteilen vermochte.

Dieser Thematik möchte ich mich in dieser Hausarbeit neutral und objektiv widmen, insbesondere unter dem Aspekt der folgenden, von mir aufgestellten These:

Der Zwiespalt in der Kritik gegenüber den Einsatz von Neuen Medien in Baumgartens „Faust“-Inszenierung besteht nicht in der Flut von Reizen, sondern in der gesteigerten Interaktionsmöglichkeit des Publikums durch die Neuen Medien.

In dieser Ausarbeitung werde ich folgendermaßen vorgehen: Zu Beginn werde ich eine Definition für Neue Medien aufbauen, worauf sich meine gesamte Analyse beziehen wird. An Hand dieser Begriffsdefinition werde ich die verschiedenen Nutzweisen der Neuen Medien in „Faust“ aufzeigen, worauf dann die unterschiedlichen Wirkungsweisen auf das Publikum folgen – erst speziell auf einen ausgewählten Abschnitt einer Szene fixiert, dann noch ergänzend auf die gesamte Inszenierung selbst. Als Fazit folgt ein Resümee, wo ich den Wahrheitsgehalt eben dieser abschließend zu bestimmen versuchen werde mit Hilfe der ersten These von Erika Fischer-Lichte (aus „Einleitende Thesen zum Aufführungsbegriff“), welche ich mit Baumgartens „Faust“ in Beziehung setzen werde, da sie sich insbesondere mit der Interaktion beschäftigt, wodurch sich hoffentlich wichtige Endergebnisse für oder gegen meine These ergeben.

Zur simpleren Überprüfung der von mir angegebenen Daten werde ich auf die DVD-Aufzeichnung zurückgreifen, um Zeitspannen zu benennen.

2. Analyse

2.1 Der Begriff der Neuen Medien

Bei meiner Definition von Neuen Medien möchte ich mich auf vergangene universitätsinterne Seminarergebnisse stützen. Dr. Christiane Schmidt – ehemalige Lehrbeauftragte im Bereich der Allgemeinen Pädagogik an der Universität Hildesheim – leitete im Sommersemester 2005 ein Seminar unter dem Titel „Gender und neue Medien“ und versuchte hierbei eine Arbeitsdefinition aufzustellen, an welcher ich mich anlehne.

Medien sind nach ihr „apersonale Träger und Vermittler von Information und Kommunikation“, der Zusatz Neu hingegen bezieht sich auf die moderne Technik: Neue Medien sind Medien, welche auf neuere, elektrotechnische Entwicklungen (insbesondere diejenigen, welche durch eine Verknüpfung durch interaktive Benutzungsschnittstellen von Computern mit anderen technischen Geräten die Möglichkeit der digitalisierenden Verarbeitung, Bearbeitung, Speicherung und Vermittlung von visuellen und akustischen Daten darbieten) basierend arbeiten, wobei sie interaktiv arbeiten – somit soll ihr Nutzer die Möglichkeit besitzen, in mediale Systeme eingreifen und die Informationen (mit-)bestimmen zu können.

2.2 Nutzung der Neuen Medien in „Faust“

Visuelle als auch auditive Neue Medien werden in der Inszenierung von Baumgarten exzessiv eingesetzt. Projektoren und der Computer selbst (in all seinen Bestandteilen wie auch Monitor und Tastatur) sind die Hauptträger im visuellen, Mikrofone (mit und ohne Mikrofon-Ständer) und aufgenommene Tonspuren (Lieder, Musik, gesprochene Abschnitte oder Sätze) dagegen die im auditiven Bereich.

Exzessiv ist hierbei quantitativ begründet: Dank einer DVD des Schauspielhauses Hannover und gründlicher Analyse eben dieser konnte ich mir notieren, dass es allein in der ersten Spielstunde lediglich zehn Minuten und zwölf Sekunden ohne jeglichen auffälligen Einsatz Neuer Medien gab, dafür aber wurden – oftmals gleichzeitig –

50 Minuten und 41 Sekunden für Projektionen (Erklärung: zwischen 00:37:10 und 00:38:28 wurde Helena noch zusätzlich zu einer Hintergrundprojektion auf der unteren Bühnenseite projiziert),

29 Minuten und 51 Sekunden für den Computer (davon aber nur eine Minute und neun Sekunden aktiv),

31 Minuten und 56 Sekunden für die Mikrofone (davon aber nur fünf Minuten und zwei Sekunden aktiv) sowie

25 Minuten und 59 Sekunden für die Tonspuren (zwischen 00:37:05 und 00:38:28 existierten zeitgleich zwei unterschiedliche Tonspuren) aufgewendet.

Statistisch gesehen bedeuten diese Fakten, dass in 17 Prozent der Spielzeit sich der Zuschauer nur auf die Schauspieler konzentrieren kann, in 83 Prozent dagegen wirken Neue Medien noch zusätzlich ein.

[...]


[1] Vgl. http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/757667.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der Einsatz von Neuen Medien in der Faust-Inszenierung von Sebastian Baumgarten
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Institut für Medien und Theater)
Veranstaltung
Einführung in die Dramen- und Aufführungsanalyse
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
12
Katalognummer
V147891
ISBN (eBook)
9783640577057
ISBN (Buch)
9783640576586
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theater, Neue Medien, Neue, Medien, Faust, Baumgarten, Sebastian, Sebastian Baumgarten, Fischer, Lichte, Erika, Erika Fischer-Lichte, Fischer Lichte, Mephisto, Goethe, Interaktion, Zuschauer, Publikum
Arbeit zitieren
Sebastian Standke (Autor), 2009, Der Einsatz von Neuen Medien in der Faust-Inszenierung von Sebastian Baumgarten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147891

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