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Der Einsatz von Neuen Medien in der Faust-Inszenierung von Sebastian Baumgarten

Title: Der Einsatz von Neuen Medien in der Faust-Inszenierung von Sebastian Baumgarten

Term Paper , 2009 , 12 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Sebastian Standke (Author)

Theater Studies, Dance
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„"Was ich auch tat", so zitiert das Programmheft des Nationaltheaters Weimar Goethe während seiner Arbeit am "Faust", "ich entfernte ihn mehr vom Theater, als dass ich ihn heran gebracht hätte." Und einige Seiten später fragt der Schriftsteller Ludwig Bechstein: "Ist Faust [...] für die Bühne geschrieben? Soll es gegeben werden? Kann es gegeben werden?" Seine Antwort: "Faust ist ein Torso, ein riesenhaftes Fragment; zu groß um eingegrenzt werden zu können in den engen Raum der Bühne.““

Das Zitat Bechsteins könnte durchaus ausschlaggebend gewesen sein für die Arbeitsweise der Regie Sebastian Baumgartens in seiner „Faust“-Inszenierung: Nicht der Stoff muss reduziert, sondern der „enge Raum der Bühne“ erweitert werden. Baumgarten verfolgte diesen Gedanken konsequent durch den enormen Einsatz von Neuen Medien, wofür die Presse sowie das Publikum teilweise stürmischen Applaus zollte, aber auch harte Kritik mit modernen Schlagwörtern wie „reines Medientheater“ und „Reizüberflutung“ auszuteilen
vermochte.
Dieser Thematik möchte ich mich in dieser Hausarbeit neutral und objektiv widmen, insbesondere unter dem Aspekt der folgenden, von mir aufgestellten These:

Der Zwiespalt in der Kritik gegenüber den Einsatz von Neuen Medien in Baumgartens „Faust“-Inszenierung besteht nicht in der Flut von Reizen, sondern in der gesteigerten Interaktionsmöglichkeit des Publikums durch die Neuen Medien.

In dieser Ausarbeitung werde ich folgendermaßen vorgehen: Zu Beginn werde ich eine Definition für Neue Medien aufbauen, worauf sich meine gesamte Analyse beziehen wird. An Hand dieser Begriffsdefinition werde ich die verschiedenen Nutzweisen der Neuen Medien in „Faust“ aufzeigen, worauf dann die unterschiedlichen Wirkungsweisen auf das Publikum folgen – erst speziell auf einen ausgewählten Abschnitt einer Szene fixiert, dann noch ergänzend auf die gesamte Inszenierung selbst. Als Fazit folgt ein Resümee, wo ich den Wahrheitsgehalt eben dieser abschließend zu bestimmen versuchen werde mit Hilfe der
ersten These von Erika Fischer-Lichte (aus „Einleitende Thesen zum Aufführungsbegriff“), welche ich mit Baumgartens „Faust“ in Beziehung setzen werde, da sie sich insbesondere mit der Interaktion beschäftigt, wodurch sich hoffentlich wichtige Endergebnisse für oder gegen meine These ergeben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyse

2.1 Der Begriff der Neuen Medien

2.2 Nutzung der Neuen Medien in „Faust“

2.3 Wirkungsweisen der Neuen Medien auf das Publikum

2.3.1 aggressiv-aktive Neue Medien – Szene „Verführungskiste“

2.3.2 teils-aktive Neue Medien – Inszenierung allgemein

3. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Einsatz Neuer Medien in Sebastian Baumgartens „Faust“-Inszenierung und analysiert, inwiefern diese technischen Mittel nicht nur als ästhetisches Gestaltungselement dienen, sondern gezielt die Interaktionsmöglichkeiten des Publikums erweitern und dessen Rolle innerhalb des Theaterraums transformieren.

  • Definition und Kategorisierung Neuer Medien im Theaterkontext
  • Quantitative Analyse der Mediennutzung in der Inszenierung
  • Differenzierung in "aggressiv-aktive" und "teils-aktive" Medieneinsätze
  • Untersuchung der Wirkung medialer Perspektivwechsel auf das Zuschauererleben
  • Analyse der Interaktion zwischen traditioneller Bühne und digitaler Vermittlung

Auszug aus dem Buch

2.3.1 aggressiv-aktive Neue Medien – Szene „Verführungskiste“

Die Szene „Verführungskiste“ ist ein Paradebeispiel für die aggressiv-aktiven Neuen Medien: In einem Ausschnitt von zehn Minuten und 20 Sekunden (auf der DVD: 00:58:16 bis 01:08:36) findet man vier Videoprojektionen sowie vier Tonspuren in höchst unterschiedlichen Variationen.

Zu Beginn (00:58:16 bis 00:58:26) erscheinen als Hintergrundprojektion die Wörter „Cursus Kleine Welt | 3. Verführungskiste | (Garten)“. Dieser dreigeteilte Schriftzug am Anfang einer Szene dient dem Publikum zur Verdeutlichung des chronologischen, momentanen Standpunkts der Aufführung. Es werden drei Informationen offensichtlich klar: 1. Es wird unterschieden zwischen „Cursus Kleine Welt“ (stehend für den ersten Teil des Stücks und Goethes „Faust I“) und „Cursus Große Welt“ (stehend für den zweiten Teil des Stücks und Goethes „Faust II“). 2. Bei dem Muster „Nummer. Titel“ wird die momentane Szene des jeweiligen Cursus angegeben. Hier lassen sich noch weitere, allerdings versteckte Informationen finden, nämlich oftmals persönliche Interpretationen und Metaphern des Regisseurs Baumgarten: In diesem Fall wird das Wortspiel Verführungskiste in der Szene später als Verführungs-Kiste metaphorisch verdeutlicht. Der gebildete, erhabene Faust wird dem aus eher ärmlichen Verhältnissen stammenden Gretchen viele verschiedene Kisten schenken, um sie materiell zu verführen und damit für sich zu gewinnen. Dies ist ein höchst interaktiver Aspekt, da je nach Auffassungsgabe und Aufmerksamkeitsspanne des Zuschauers er zwei unterschiedliche Ebenen von Humor erfahren kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der „Faust“-Inszenierung durch Sebastian Baumgarten ein und stellt die These auf, dass die Kritik primär durch die durch Medien gesteigerte Interaktionsmöglichkeit des Publikums und nicht durch bloße Reizüberflutung begründet ist.

2. Analyse: Das Kapitel definiert den Begriff der Neuen Medien und quantifiziert deren Einsatz in der Inszenierung, um anschließend zwischen verschiedenen funktionalen Medientypen zu unterscheiden.

2.1 Der Begriff der Neuen Medien: Auf Basis universitärer Seminarergebnisse wird eine Arbeitsdefinition erarbeitet, die Neue Medien als interaktive, digital verarbeitende Systeme kennzeichnet.

2.2 Nutzung der Neuen Medien in „Faust“: Mittels einer detaillierten DVD-Analyse wird statistisch belegt, wie häufig visuelle und auditive Medien in der Inszenierung präsent sind und wie diese in 'aggressiv-aktive' und 'teils-aktive' Kategorien unterteilt werden.

2.3 Wirkungsweisen der Neuen Medien auf das Publikum: Dieses Kapitel untersucht die spezifischen Auswirkungen der Medieneinsätze auf die Zuschauerwahrnehmung und deren Interaktion mit dem Bühnengeschehen.

2.3.1 aggressiv-aktive Neue Medien – Szene „Verführungskiste“: Anhand dieser Schlüsselszene wird demonstriert, wie Projektionen und Tonspuren den Zuschauer zur Interaktion zwingen und seinen Blickwinkel steuern.

2.3.2 teils-aktive Neue Medien – Inszenierung allgemein: Es wird erläutert, wie Technik wie Computer und Mikrofone einerseits dekorativ wirken, andererseits aber als Steuerungsinstrumente der Bühnenereignisse fungieren.

3. Fazit: Das Fazit bestätigt die Ausgangsthese, indem es aufzeigt, dass die Unmöglichkeit, die Grenze zwischen Autonomie und Fremdbestimmung klar zu ziehen, das zentrale Spannungsfeld für das Publikum bildet.

Schlüsselwörter

Faust, Sebastian Baumgarten, Neue Medien, Medientheater, Interaktion, Regieanalyse, Aufführungsanalyse, Zuschauererfahrung, Bühnenraum, digitale Inszenierung, Reizüberflutung, Fremdbestimmung, Theaterwissenschaft, Performance, audiovisuelle Gestaltung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den massiven Einsatz moderner Medientechnik in der „Faust“-Inszenierung von Sebastian Baumgarten und deren Auswirkungen auf das Theatererlebnis.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Themenfelder umfassen die Definition Neuer Medien, die statistische Auswertung ihrer Verwendung in der Aufführung sowie die daraus resultierende Interaktionsdynamik zwischen Bühne und Zuschauer.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage prüft, ob die kontroverse Kritik an der Inszenierung auf eine gestiegene Interaktionsmöglichkeit des Publikums durch Neue Medien zurückzuführen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine detaillierte, zeitgenaue Analyse einer DVD-Aufzeichnung der Aufführung sowie auf medientheoretische Definitionen und Ansätze zur Aufführungsanalyse.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinition, die quantitative Erfassung der Medieneinsätze und eine qualitative Untersuchung der Wirkungsweisen, unterteilt in 'aggressiv-aktive' und 'teils-aktive' Medien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Medientheater, Interaktivität, Zuschauerrolle, Faust-Inszenierung und Regiestil.

Was unterscheidet 'aggressiv-aktive' von 'teils-aktiven' Neuen Medien?

Aggressiv-aktive Medien sind permanent präsent und zwingen dem Zuschauer Informationen auf, während teils-aktive Medien wie Mikrofone oder Computer aktiv bedient werden müssen, um ihre Wirkung zu entfalten.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Publikumsreaktion?

Der Autor schließt, dass das Unbehagen vieler Zuschauer aus dem Verlust ihrer traditionellen, passiven Beobachterrolle resultiert, da sie durch die Technik in die Figurenkonstellation hineingezogen werden.

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Details

Title
Der Einsatz von Neuen Medien in der Faust-Inszenierung von Sebastian Baumgarten
College
University of Hildesheim  (Institut für Medien und Theater)
Course
Einführung in die Dramen- und Aufführungsanalyse
Grade
1,7
Author
Sebastian Standke (Author)
Publication Year
2009
Pages
12
Catalog Number
V147891
ISBN (eBook)
9783640577057
ISBN (Book)
9783640576586
Language
German
Tags
Theater Neue Medien Neue Medien Faust Baumgarten Sebastian Sebastian Baumgarten Fischer Lichte Erika Erika Fischer-Lichte Fischer Lichte Mephisto Goethe Interaktion Zuschauer Publikum
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Standke (Author), 2009, Der Einsatz von Neuen Medien in der Faust-Inszenierung von Sebastian Baumgarten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/147891
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