Mädchen und Jungen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht

Ausarbeitung zum Themenschwerpunkt „Geschlechterbewusste Erziehung“


Hausarbeit, 2007

8 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Geschlechtsspezifische Interessen- und Leistungsdifferenzen

2. Problembereiche und Erklärungsansätze

3. „Sinnstiftender Mathematikunterricht“

4. Abschließende Bemerkungen zum Thema

Literaturverzeichnis

„Es ergibt also diese Betrachtung dasselbe, was die tägliche Erfahrung lehrt, dass die Weiber in der Regel ohne Anlage für die Mathematik sind. Gewöhnlich sind die Weiber nicht nur unfähig, mathematische Beziehungen aufzufassen, sondern sie empfinden auch eine Art Abscheu gegen alles Zahlenmäßige. Damit hängt wohl auch die weit verbreitete Unpünktlichkeit zusammen. In gewissem Sinne kann man sagen, das Mathematische ist der Gegensatz des Weiblichen.“

(Möbius 1900, 84, zitiert nach Jahnke-Klein 2001, 3)

1. Geschlechtsspezifische Interessen- und Leistungsdifferenzen

Nach der PISA-Studie von 2000 bestehen nach wie vor Geschlechterunterschiede in Schülerleistungen, wobei sich im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich eher die Jungen als überlegen erweisen. Die Größe der Unterschiede variiert dabei je nach Teilgebiet, was eine differenzierte Betrachtung der Stärken und Schwächen von Jungen und Mädchen erforderlich macht.

Mädchen haben ihren Leistungsschwerpunkt bei technischen Aufgaben und bei Aufgaben mit innermathematischem Kontext, die Jungen beim rechnerischen Modellieren und bei der Mathematisierung von Situationen, wenn mehrere Lösungsansätze denkbar sind. Der Vorteil der Jungen ist außerdem bei Aufgaben zum Problemlösen besonders ausgeprägt sowie bei Aufgaben mit den Anforderungen, Faktenwissen anzuwenden. In der Arithmetik allgemein, bei der Interpretation von Grafiken und Diagrammen, beim Ziehen von Schlussfolgerungen aus gegebener Information sowie beim Verbalisieren naturwissenschaftlicher Schlussfolgerungen sind nur geringe Geschlechterunterschiede zu verzeichnen.

Im nationalen Naturwissenschaftstest ist ein Leistungsvorteil zugunsten der Jungen im Fach Physik besonders ausgeprägt und auch in der Chemie erreichen die Jungen bessere Ergebnisse. Die höheren Testwerte der Mädchen im Bereich Biologie sind nicht signifikant. (vgl. Stanat & Kunter 2001, 249 & 256 f.)

2. Problembereiche und Erklärungsansätze

Für diese geschlechtsspezifischen Interessen- und Leistungsdifferenzen im MINT[1] -Bereich gibt es vielfältige Erklärungsansätze, die in einem komplexen (Kausalitäts-)Zusammenhang stehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen (http://lehrerfortbildung-bw.de/themen/gender/vortrag_mathe_pc/)

Meiner Meinung nach sind die entscheidenden Aspekte in den Sozialisationseinflüssen und damit eng zusammenhängend in den Selbstkonzepten der Schüler/-innen zu sehen. Während der Sozialisation werden Geschlechterrollenstereotype erworben, die „typisch männliche“ und „typisch weibliche“ Eigenschaften und Fähigkeiten vorschreiben. Dabei kommt es zu einer Stereotypisierung des MINT-Bereiches als männliche Domäne. Zum einen mangelt es an weiblichen Rollenmodellen (z.B. Lehrkräften) in diesem Bereich, so dass Schüler/-innen im unmittelbaren Umfeld Vorbilder fehlen. Zum anderen beeinflussen die geringere Einschätzung und die geringeren Erwartungen sowohl der Lehrer/-innen als auch der Eltern an die Schülerinnen deren Interesse und Leistungsbereitschaft. (vgl. Jahnke-Klein 2001, 15 ff.)

Von großer Bedeutung sind zudem die geschlechtsspezifischen Selbstkonzepte, besonders im Hinblick auf die eigene Leistungseinschätzung im Fach Mathematik. Jungen entwickeln ein deutlich höheres Selbstvertrauen und neigen dazu, ihre mathematischen Leistungen zu überschätzen. So glauben besonders jüngere Schüler an eine „naturgegebene“ mathematische Befähigung. Jungen verfügen zudem über bessere Bewältigungsstrategien für ihre Misserfolge. Sie tendieren dazu, ihre Misserfolge in Mathematik auf eigene Faulheit, unglückliche Umstände und unzulängliche Lehrer/-innen zurückzuführen. (vgl. Jahnke-Klein 2001, 43 ff. & 152 ff.)

Mädchen hingegen unterschätzen ihre Leistungen im MINT-Bereich eher. Insbesondere Schülerinnen der höheren Jahrgangsstufen glauben, dass ihnen Mathematik nicht liegt. Dies hängt damit zusammen, dass sie oft in Widerspruch zu ihrer Geschlechtsrolle geraten, wenn sie sich für den als männlich geltenden MINT-Bereich interessieren, was besonders mit dem Eintritt in die Adoleszenz deutlich wird. Weil sowohl die Erwartungen (von Eltern und Lehrern) an die Mädchen geringer sind, als auch Mathematik und Naturwissenschaften als unweiblich gelten, distanzieren sich die Schülerinnen von diesen Fächern und verlieren zunehmend das Vertrauen in ihre Kompetenz. Die Attributionsforschung hat außerdem herausgestellt, dass Mädchen Misserfolge häufig auf mangelnde eigene Begabung und ihre Erfolge auf Glück zurückführen.

„Ich führe meine Note vor allem zurück auf: weil ich manchmal Glück habe und ich habe aufgepasst und ich habe mich angestrengt.“ (Schülerin der Klasse 6 mit der Note 2)

Nicht einmal durch gute Noten lassen sich Mädchen von der Überzeugung fehlender mathematischer Begabung abbringen. (vgl. Jahnke-Klein 2001, 50 ff. & 149 f.)

Sowohl die Annahme einer naturgegebenen mathematischen Begabung als auch die einer mathematischen Minderbegabung haben die Tendenz zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. In beiden Fällen beeinflusst die Vorannahme das Verhalten im Mathematikunterricht und die Erfolgszuversicht, was sich schließlich in der tatsächlichen Erfolgswahrscheinlichkeit niederschlägt. (vgl. Jahnke-Klein 2001, 153 ff.)

Ein weiterer Problembereich liegt im Mathematikunterricht selbst. Der deutsche Mathematikunterricht ist idealtypisch durch eine rezeptive Lehrauffassung gekennzeichnet, mit der das weit verbreitete „fragend-entwickelnde“ Unterrichtsverfahren zusammenhängt. (vgl. Jahnke-Klein 2001, 63 ff. & 74 ff.) Jungwirth hat auf der Grundlage eigener Untersuchungen die Schlussfolgerung gezogen, dass Jungen sich bereitwilliger auf den gängigen Interaktionsstil in einem solchen Unterricht einlassen und erfolgreicher damit umgehen. (vgl. Jungwirth 1995, 60)

[...]


[1] MINT: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Mädchen und Jungen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht
Untertitel
Ausarbeitung zum Themenschwerpunkt „Geschlechterbewusste Erziehung“
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
8
Katalognummer
V148008
ISBN (eBook)
9783640586998
ISBN (Buch)
9783640586509
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschlechterbewusste Erziehung;, geschlechtergerechter Unterricht
Arbeit zitieren
Katrin Bekermann (Autor), 2007, Mädchen und Jungen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148008

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