Diese Arbeit beschäftigt sich mit der mittelalterlichen Vorstellung von Schönheit, ihrer Rezeption aus der Antike und ihrer Funktion und Wirkung in der mittelalterlich höfischen Kultur und Literatur am Beispiel des „Erec“ von Hartmann von Aue. Dabei soll im Vorfeld ein Schönheitsbegriff entwickelt werden, der als Grundlage für die Analyse des Textes dient und letztlich auf seine Gültigkeit hin überprüft werden soll.
Zentrale Frage ist also die, nach der Wirkung der mittelalterlich ästhetischen Betrachtungsweise auf die höfische Epik.
Um diese Frage beantworten zu können, gilt es herauszufinden, welche Be-deutung die Schönheit im Mittelalter hatte, was die Frage der Herkunft impli-ziert. Beides ist Inhalt des folgenden Kapitels.
Inhaltsverzeichnis
1 FRAGESTELLUNG UND ZIELSETZUNG
2 DIE SCHÖNHEIT UND IHRE GESCHICHTE
2.1 ZWISCHEN ANTIKER UND BIBLISCHER TRADITION
2.2 DIE SCHÖNHEIT IN DER HÖFISCHEN EPIK
3 DAS WIRKEN DER SCHÖNHEIT IM „EREC“
3.1 DIE KONGRUENZ VON SCHÖNHEIT UND KRAFT
3.2. SCHÖNHEIT UND LUXURIA
3.2.1 Das Verligen in Karnant
3.2.2 Die erste Grafenaventiure
3.2.3 Joie de la court
3.3 GÜLTIGKEIT DES AUSGANGSSCHEMAS
4 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die mittelalterliche Vorstellung von Schönheit, ihre Wurzeln in der antiken und christlichen Tradition sowie ihre spezifische Funktion und ambivalente Wirkung innerhalb der höfischen Epik am Beispiel des Epos „Erec“ von Hartmann von Aue.
- Mittelalterlicher Schönheitsbegriff im Kontext von Antike und Christentum
- Wechselwirkungen zwischen Schönheit, Tugend und der Todsünde Luxuria
- Bedeutung der Schönheit für die ritterliche Kampfeskraft und Ehre
- Analyse des „Erec“ als Exempel für ein Modell der Schönheitswirkung
- Das Spannungsfeld zwischen der Frau als Symbol der Reinheit oder der Verführung
Auszug aus dem Buch
Die erste Grafenaventiure
Auf der Aventiurefahrt, die ohne die negative Wirkung der Schönheit Enites nicht nötig gewesen wäre, ist das Aussehen der Protagonistin Ursprung neuer Herausforderungen.
Nach der Überwindung des Verligens und den überstandenen Räuberabenteuern kommen Erec und Enite in die Stadt eines Grafen, um sich dort von den Strapazen ihrer Reise zu erholen. Als sie in der Stadt auf den Grafen treffen, wird dieser durch „die korrumpierende Wirkung der Liebesleidenschaft“ (Bumke 2006, 42) zu unedlem Handeln angetrieben. „nû begunde den grâven riuwen, und gedâhte wider sînen triuwen, daz er die vrouwen verliez, daz er si im niht nemen enhiez." (Aue 2007, V. 3668 - 3671). Dabei war der Graf ursprünglich ein rechtschaffener Mann, aber „(…) als in der vrouwen schoene twanc(…)“ war das „(…)wider dem rehte, (…)“ (Aue 2007, V. 3673 und 3678).
Es findet ein Wechsel der Identität dieser Figur von -Gut zu Böse- statt, verursacht durch die negative Wirkung der Schönheit. (Vgl. Bumke 2006, 42)
Das, was Bumke als Eva-Schema bezeichnet, also die Frau als Verführerin, ist sowohl in der ersten Grafenaventiure als auch bei dem Verligen in Karnant Grund für das Fehlverhalten des Mannes. Er ist nicht tatsächlich schuld an seinem Handeln, es ist vielmehr die Schönheit, die ihn nicht mehr Herr seiner Sinne sein lässt und zu seinem unzüchtigen Denken und Handeln führt. Durch den Verfall seiner Tugendhaftigkeit ergreift die Luxuria Besitz von ihm. Eine Entfernung von den Tugenden ist gleichsam eine Entfernung von Gott.
Zusammenfassung der Kapitel
1 FRAGESTELLUNG UND ZIELSETZUNG: Einleitung in die Thematik der mittelalterlichen Ästhetik und Darlegung der zentralen Forschungsfrage zur Wirkung von Schönheit in der höfischen Epik.
2 DIE SCHÖNHEIT UND IHRE GESCHICHTE: Untersuchung der antiken und biblischen Ursprünge des Schönheitsbegriffs sowie dessen Transformation und Rezeption innerhalb der höfischen Literatur.
3 DAS WIRKEN DER SCHÖNHEIT IM „EREC“: Anwendung des theoretischen Rahmens auf Hartmanns „Erec“, wobei die Ambivalenz der Schönheit als Tugend oder Laster im Zentrum steht.
4 FAZIT: Resümee über die Komplexität des Schönheitsbegriffs und die Erkenntnis, dass eine differenzierte Betrachtung für das Verständnis des „Erec“ unerlässlich ist.
Schlüsselwörter
Schönheit, Mittelalter, Hartmann von Aue, Erec, Höfische Epik, Minne, Luxuria, Tugend, Gott, Enite, Antike, Christentum, Ästhetik, Kongruenz, Eva-Schema
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie der Schönheitsbegriff im Mittelalter verstanden wurde und welche Rolle er in der höfischen Literatur spielt, insbesondere im Epos „Erec“ von Hartmann von Aue.
Welche zentralen Themenfelder werden beleuchtet?
Im Zentrum stehen die antiken und biblischen Traditionen der Ästhetik, die höfische Minne, die Rolle der Frau sowie das Spannungsfeld zwischen Tugend und der Todsünde der Luxuria.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, wie die ästhetische Betrachtungsweise des Mittelalters auf die höfische Epik wirkte und ob eine positive oder negative Konnotation der Schönheit zu entsprechenden Handlungsfolgen für die Protagonisten führt.
Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die durch historische Quellen (Antike, Scholastik, christliche Ikonographie) fundiert ist und ein erarbeitetes Schema zur Schönheitswirkung auf den Primärtext anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Herleitung der Schönheitsbegriffe und eine detaillierte Textanalyse des „Erec“, in der Szenen wie das „Verligen in Karnant“ oder „Joie de la court“ unter dem Aspekt der Schönheit untersucht werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe sind Schönheit, Minne, Luxuria, Kongruenz von Schönheit und Kraft, das sogenannte Eva-Schema sowie der Bezug zum Göttlichen als moralischer Instanz.
Was besagt das im Text erwähnte „Eva-Schema“?
Das Eva-Schema beschreibt die literarische Tendenz, die Frau als Verführerin darzustellen, die den an sich tugendhaften Ritter von seinen Pflichten ablenkt und ihn zur Todsünde der Luxuria verleitet.
Wie korreliert im „Erec“ Schönheit mit der Kampfeskraft?
Hartmann von Aue stellt eine Abhängigkeit dar: Die Schönheit einer tugendhaften Frau verleiht dem Ritter neue Kraft, während unmäßige oder sündhafte Schönheit zu moralischer Schwäche und damit zum Scheitern im Kampf führt.
- Citation du texte
- Peter Maring (Auteur), 2009, Das Wirken der Schönheit im Erec Hatmanns von Aue, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148670