Diese Seminararbeit untersucht die griechische Staatsschuldenkrise, die seit 2010 die Europäische Union und den Euro vor große Herausforderungen stellte. Die Arbeit beleuchtet, ob die Krise durch Griechenlands eigenes Fehlverhalten oder durch äußere Umstände und Praktiken innerhalb der EU verursacht wurde. Dabei werden historische Aspekte der Integration Griechenlands in die EU sowie die Handlungen der Akteure während der Krise analysiert. Verschiedene Expertenmeinungen, darunter die von Yanis Varoufakis und Giorgos Chondros, werden gegenübergestellt, um die wechselseitigen Ursachen der Krise zu bewerten.
Gliederung
1 Themeneinführung
2 Vorbetrachtung: Die Integration Griechenlands in die Europäische Gemeinschaft
3 Die griechische Staatsschuldenkrise
3.1 Exkurs: Schuldenbekämpfung in der Europäischen Union – Die Akteure
3.2 Ursachen der Krise
3.3 Das Handeln der Akteure während der Krise
4 Abschließende Bemerkungen
5 Literatur – und Quellenverzeichnis
5.1 Literaturverzeichnis
5.2 Quellenverzeichnis
5.3 Internetressourcen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen der griechischen Staatsschuldenkrise ab 2010 und analysiert, inwieweit das Land für seine wirtschaftliche Lage selbst verantwortlich ist oder ob die Strukturen der europäischen Integration und die Interventionen der sogenannten "Troika" entscheidend zum Krisenverlauf beitrugen.
- Historische Einordnung der Integration Griechenlands in die EG/EU.
- Analyse der Rolle supranationaler Institutionen und der Rettungsmechanismen (ESFS/ESM).
- Gegenüberstellung unterschiedlicher Expertenmeinungen zur Schuldenfrage.
- Bewertung des Handelns der Akteure und der Auswirkungen der Sparprogramme.
- Untersuchung von strukturellen Problemen wie der Schattenwirtschaft und Fiskalpolitik.
Auszug aus dem Buch
3.3 Das Handeln der Akteure während der Krise
Nachdem nun versucht wurde, das Mittel zwischen tatsächlicher Schuld der Griechen und Einfluss der EU – abhängigen Faktoren zu finden, kann man weiterhin das Handeln der Akteure in der Zeit ab 2010 betrachten, um Varoufakis‘ These , nämlich ob Griechenland in eine „Schuldknechtschaft“ gezwungen wurde, zu bewerten.
Im Oktober 2009 sah sich die griechische Regierung dazu gezwungen, die Staatsverschuldung auf 12,7 % nach oben zu revidieren. In der Folge wird die Kreditwürdigkeit des Landes herabgestuft, was wiederrum Spekulationen auf einen Staatsbankrott Raum gab. Dadurch gab auch die Gemeinschaftswährung nach und die Eurogruppe sah sich gezwungen zu intervenieren, da sonst die Eurostabilität in Gefahr geraten würde.47 Vor der Krise wurden teilweise Stimmen laut, die meinten, dass die EU – Staaten Griechenland die Hilfe verweigern würden. Allerdings verstummten diese Stimmen schnell, als im Frühjahr 2010 „die Risikoprämien [, wie sie auch auf Griechenland abgeschlossen wurden,] auf portugiesische und spanische Staatsanleihen […] in die Höhe geschossen“48 waren. Dieses Szenario hätte zur Folge gehabt, dass die Budgetdefizite dieser Länder weiter gestiegen wären. Dadurch würden dann ebenfalls die Zinsen auf geliehenes Kapital teurer und die EU - Staaten, die dann letztlich die Finanzierung durchführen müssten, „hätten mit wesentlich größeren Summen einspringen müssen.“49. Damit wurde das griechische Problem zum europäischen Problem.
Das erste Hilfspaket aus dem Frühjahr 2010 beinhaltete 110 Milliarden Euro „bilaterale Kredite der Euro – Staaten und des IWF.“50. Hiermit beginnt, was Yanis Varoufakis in seinem Werk „Die ganze Geschichte – Meine Auseinandersetzung mit Europas Establishment“ metaphorisch als Kampf „eines kleinen, bankrotten Landes, das es mit den europäischen Goliaths aufnimmt, um aus dem Schuldengefängnis herauszukommen […]“51 bezeichnet. Die Kredite aus dem ersten Hilfspaket hatten eine Laufzeit von 30 Jahren und müssen erst ab 2020 getilgt werden. Hinsichtlich der Verzinsung der Kredite und auch der Laufzeit kamen die EU – Staaten Griechenland bereits stark entgegen.52 Da Griechenland zu dem Zeitpunkt der Kreditvergabe „Bankrott“ war, kündigte die griechische Regierung strenge „Maßnahmen und Einschnitte[…] bei den öffentlichen Ausgaben, also […] die Kürzung von Löhnen und Renten, sowie die Erhöhung der indirekten Steuern an“53.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Themeneinführung: Die Einleitung stellt die Fragestellung auf, ob die griechische Staatsschuldenkrise durch die europäische Integration bedingt oder durch das Land selbst verschuldet war.
2 Vorbetrachtung: Die Integration Griechenlands in die Europäische Gemeinschaft: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Beitritt Griechenlands zur EG und zeigt auf, dass das Land schon früh mit strukturellen, wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte.
3 Die griechische Staatsschuldenkrise: Der Hauptteil analysiert die Akteure wie die Troika, die Ursachen der Krise, inklusive der Rolle der Schattenwirtschaft und Fiskalpolitik, sowie die konkreten Interventionsmaßnahmen während der Krisenjahre.
4 Abschließende Bemerkungen: Das Fazit beantwortet die Forschungsfrage und kommt zu dem Schluss, dass die Schuld nicht allein der Integration zuzuschreiben ist, sondern ein wechselseitiges Versagen vorliegt.
Schlüsselwörter
Griechische Staatsschuldenkrise, Europäische Integration, Eurozone, Troika, Fiskalpolitik, Rettungspakete, IWF, EZB, Schattenwirtschaft, Staatsbankrott, Schuldfrage, Wirtschaftsreformen, Rettungsmechanismen, Finanzkrise, Verschuldung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Ursachen und den Verlauf der griechischen Staatsschuldenkrise vor dem Hintergrund der europäischen Integration und nationaler wirtschaftlicher Faktoren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit untersucht die historische Integration Griechenlands in die EG, die Rolle der Troika, die fiskalischen Probleme Griechenlands sowie die Auswirkungen der Hilfs- und Sparpakete.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, ob die Staatsschuldenkrise primär eine Folge der europäischen Integration oder auf ein Fehlverhalten der griechischen Regierung zurückzuführen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse, den Vergleich von Expertenmeinungen sowie die Auswertung statistischer Daten zum Wirtschaftsverlauf.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der supranationalen Akteure, eine Untersuchung der Ursachen der Krise – wie Investitionspolitik und Schattenwirtschaft – sowie eine detaillierte Betrachtung des Handelns der Akteure ab 2010.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Griechische Staatsschuldenkrise, Europäische Integration, Fiskalpolitik, Eurozone, Troika und Rettungspakete.
Welche Rolle spielte die "Schattenwirtschaft" in der Krise?
Die Schattenwirtschaft, inklusive systematischer Steuerhinterziehung, entzog dem griechischen Staat essenzielle Steuereinnahmen und trug somit maßgeblich zur Anhäufung des Schuldenbergs bei.
Wie bewertet die Arbeit die These von Yanis Varoufakis bezüglich des "Schuldengefängnisses"?
Die Arbeit gelangt zu dem Schluss, dass Griechenland zwar in einer schwierigen Lage war, sich jedoch durch eigene politische Entscheidungen und fehlende Reformbereitschaft in dieses "Schuldengefängnis" begeben hat, aus dem es sich ohne externe Hilfe nicht hätte befreien können.
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- Anonym (Autor), 2020, Die griechische Staatsschuldenkrise. Folge der europäischen Integration oder selbst verschuldet?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1487888