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Selbsterhaltung unter Lagerstress - Überleben im Gulag

Title: Selbsterhaltung unter Lagerstress - Überleben im Gulag

Term Paper , 2010 , 16 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Jan Andrejkovits (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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Mit dem Tod von Josef Stalin am 5. März 1953 endete auch seine grausame Gewaltherrschaft. In den folgenden Jahren öffneten sich die Lagertore des Gulags , eines gigantischen Lagersystems in der Sowjetunion, für eine Vielzahl von Häftlingen. Das waren Überlebende aus einer Parallelwelt von Schreckensorten, in denen das Regime seine angeblichen und tatsächlichen Feinde gefangen hielt, erniedrigte und in einer besonderen Mangelsituation durch Repressionen und schwere Zwangsarbeit unterdrückte. Wie es Häftlingen auf verschiedene Art und Weise gelang die extremen Bedingungen dieser Lager zu überleben, wird in den folgenden Kapiteln dargestellt. Ausgehend von der modernen Verhaltensforschung, die als Psychobiologie unterschiedliche Verhaltensformen untersucht, wird in Kapitel zwei menschliches Erhaltungsverhalten unter Stress beschrieben. Anhand der Forschungsliteratur von Richard Lazarus und Klaus Immelmann wird geschildert, wie sich Stress auf den Menschen auswirkt und welche Möglichkeiten das Individuum hat, mit belastenden Situationen fertig zu werden. In Kapitel drei wird die extreme Stresssituation des Lagerlebens im Gulag gezeigt, wie die Häftlinge entrechtet und ihrer Freiheit beraubt, schwierigsten Lebensbedingungen ausgesetzt waren. Durch den erheblichen Mangel in allen Bereichen, verbunden mit schwerer körperlicher Belastung, gelangte der menschliche Organismus oft an die Grenzen seiner Belastbarkeit oder versagte, indem der Häftling starb. Unter diesen Umständen war das Überleben primäres Ziel vieler Häftlinge, mitunter um jeden Preis. Welche Möglichkeiten und Verhaltensweisen es dabei gab, wird in Kapitel vier dargestellt.Da sich die Häftlingsgesellschaft aus verschiedenen Menschentypen zusammensetzte, gab es auch unterschiedliche Bewältigungsformen und Überlebensstrategien. In den besonderen Belastungssituationen des Lagerlebens wurde das Handeln vieler Häftlinge vom vorrangigen Bedürfnis nach Selbsterhaltung bestimmt. Die Sicherung der Nahrungsgrundlage und die Schonung der körperlichen Ressourcen waren Voraussetzungen für das Überleben und rückten in den Mittelpunkt aller Bestrebungen. Es entstand eine Lagerwelt mit eigenen Regeln und Verhaltensformen, in der fast jegliches Handeln dem Gebot der Selbsterhaltung untergeordnet war, wo aber auch Formen gegenseitiger Hilfe Überleben ermöglichten.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Menschliches Erhaltungsverhalten unter Stress

2.1 Entstehung von Stress

2.2 Aktive Stressbewältigung

3. Das stalinistische Lager als extreme Stresssituation

3.1 Entmenschlichung

3.2 Mangel

3.3 Zwangsarbeit

4. Lagerstress und Überlebensstrategien

4.1 Häftlingsgesellschaft

4.2 Individualverhalten

4.3 Sozialverhalten

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die psychobiologischen und sozialen Mechanismen, die es Häftlingen im stalinistischen Gulag ermöglichten, unter extremen Bedingungen des Lagerstress zu überleben. Ziel ist es, jene von den Insassen beeinflussbaren Faktoren zu identifizieren, die zur Selbsterhaltung beitrugen, ohne dabei die Gesamtmacht des Repressionsapparates zu ignorieren.

  • Psychobiologische Grundlagen von Stress und Bewältigungsstrategien (Coping)
  • Die Auswirkungen des stalinistischen Lagersystems auf den menschlichen Organismus
  • Differenzierung der Häftlingsgesellschaft und hierarchische Strukturen
  • Individuelle Anpassungsformen und der ökonomische Umgang mit Ressourcen
  • Soziale Netzwerke und Solidarität als Überlebensfaktor

Auszug aus dem Buch

4.1 Häftlingsgesellschaft

Die Lager beherbergten unterschiedliche Kategorien von Verfolgten. Neben kriminellen Gesetzesbrechern waren es die erklärten und tatsächlichen Gegner des stalinistischen Regimes, die als „Volksfeinde“ in verschiedenen Verhaftungswellen die Lager füllten. Zum Teil stabilisierte sich das Lagersystem aus der Häftlingsgesellschaft selbst. Nur an den Knotenpunkten des Ablaufs kam es zu Eingriffen durch die Lagergewalt. Durch den Einsatz einer Häftlingsselbstverwaltung wurden die Kriminellen und Politischen gegeneinander ausgespielt, indem Kriminelle bevorzugt mit Privilegien ausgestattet und über die „unzuverlässigen“ Politischen gesetzt wurden. Sie besetzten die begehrten Posten in der Lagerverwaltung und wurden als Funktionshäftlinge „Pridurki“ genannt. Das war an erster Stelle die Küche, die Herrschaft über die Nahrung. Aber auch die Paketverwaltung, die Kleiderkammer und das Krankenrevier waren Schaltstellen mit Einfluss auf das Überleben.

Da es aber an Fachkräften unter den Kriminellen mangelte, wurden im Interesse der Erfüllung ökonomischer Vorgaben auch Politische als Pridurki in der Produktion eingesetzt. Der Brigadier hatte Einfluss auf die Schwere der Arbeit, den Einsatzort und die Normabrechnung, was wiederum für die Selbsterhaltung wichtig war. Der Anteil an Pridurkis bei den überlebenden Lagerinsassen war sehr hoch, bei Langzeithäftlingen schätzt Alexander Solschenizyn diesen auf neun Zehntel.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den Rahmen der Untersuchung, definiert den Fokus auf die Selbsterhaltungsmöglichkeiten der Häftlinge und führt in die methodische Herangehensweise anhand der Psychobiologie und historiographischer Quellen ein.

2. Menschliches Erhaltungsverhalten unter Stress: Dieses Kapitel behandelt die theoretischen Grundlagen der Stressreaktion und unterscheidet zwischen passivem Erdulden und aktiver Stressbewältigung nach wissenschaftlichen Modellen von Lazarus und Cannon.

3. Das stalinistische Lager als extreme Stresssituation: Hier werden die spezifischen Belastungsfaktoren des Gulag – insbesondere Entmenschlichung, chronischer Mangel und Zwangsarbeit – als extreme Stressoren analysiert, die den menschlichen Organismus an seine Grenzen brachten.

4. Lagerstress und Überlebensstrategien: Das Kapitel untersucht, wie Häftlinge innerhalb einer komplexen Häftlingsgesellschaft durch Individual- und Sozialverhalten, Hierarchieaufstieg oder Solidarität Strategien entwickelten, um den Lagerstress zu bewältigen.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Überleben im Gulag von einer Kombination aus individuellen Ressourcen, der Anpassung an die Lagerlogik und – bei manchen – sozialer Intelligenz abhing.

6. Literaturverzeichnis: Das Verzeichnis listet sämtliche verwendeten literarischen Quellen und Forschungsliteratur auf.

Schlüsselwörter

Gulag, Selbsterhaltung, Lagerstress, Stressbewältigung, Coping, Zwangsarbeit, Häftlingsgesellschaft, Pridurki, Staling, Historiographie, Überlebensstrategie, Entmenschlichung, Sowjetunion, Psychobiologie, Hunger.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie Häftlinge im stalinistischen Gulag-System trotz extremer, lebensbedrohlicher Bedingungen Überlebensstrategien entwickelten und ihre Selbsterhaltung sicherten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die psychobiologischen Grundlagen von Stress, die Analyse der Lagerbedingungen als extreme Stressoren sowie die soziologische Betrachtung der Häftlingsgesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die spezifischen Faktoren zu identifizieren, die unter den gegebenen Zwangsumständen von den Häftlingen beeinflussbar waren und aktiv zur Verbesserung ihrer Überlebenschancen genutzt wurden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die psychobiologische Theorie (u.a. von Richard Lazarus und Hans Selye) als analytischen Rahmen, um historische Berichte und Forschungsliteratur zum Gulag auszuwerten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung menschlichen Erhaltungsverhaltens, die Beschreibung der Lagerbedingungen als Stresssituation sowie die detaillierte Analyse der individuellen und sozialen Überlebensstrategien der Häftlinge.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gulag, Selbsterhaltung, Stressbewältigung, Zwangsarbeit und Überlebensstrategien charakterisiert.

Welche Rolle spielten die sogenannten "Pridurki" für das Überleben im Lager?

Pridurki waren Funktionshäftlinge, die durch ihre Positionen in der Lagerverwaltung (z.B. Küche, Lager) direkten Einfluss auf die Verteilung lebenswichtiger Ressourcen hatten, was ihre Überlebenschancen signifikant erhöhte.

Warum hatten Frauen laut der Untersuchung im Gulag oft bessere Überlebenschancen?

Frauen hatten oft einen geringeren Energiebedarf als Männer und konnten zudem aufgrund traditioneller Geschlechterrollen oder spezifischer weiblicher Ressourcen ihre Anpassung an die Lagerbedingungen teilweise erfolgreicher gestalten.

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Details

Title
Selbsterhaltung unter Lagerstress - Überleben im Gulag
College
Humboldt-University of Berlin  (Geschichtswissenschaften, Osteuropa)
Course
Der GULag. Die Geschichte des sowjetischen Lagersystems (1917-1956).
Grade
1,7
Author
Jan Andrejkovits (Author)
Publication Year
2010
Pages
16
Catalog Number
V149219
ISBN (eBook)
9783640596478
ISBN (Book)
9783640596744
Language
German
Tags
Gulag Stalin Lager Stress Sowjetunion Überleben Coping Selbsterhaltung Stalinismus Diktatur Arbeitslager
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jan Andrejkovits (Author), 2010, Selbsterhaltung unter Lagerstress - Überleben im Gulag, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149219
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