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Alter Wein in neuen Schläuchen? Eine kulturhistorische Auseinandersetzung mit dem religiösen Pluralismus zwischen kollektivem Glauben und individualisierter Praxis

Title: Alter Wein in neuen Schläuchen?  Eine kulturhistorische Auseinandersetzung mit dem religiösen Pluralismus zwischen kollektivem Glauben und individualisierter Praxis

Term Paper , 2010 , 34 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Marion Röbkes (Author)

Sociology - Religion
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Summary Excerpt Details

Die unterschiedlichen Formen der Religion bzw. der Religiosität wurden in den vergangenen Jahrzehnten mit schlagkräftigen Begriffen belegt, wie z.B. 'unsichtbare Religion', 'Patchwork-Religion/-Religiosität', 'moderne/populäre Religion' und weitere mehr. Daneben behandeln zahlreiche Schriften diese Phänomene der Abwendung von den traditionellen Religionsformen und der Hinwendung zu 'neuen' Formen der Religionsausübung als diejenigen der 'postsäkularen' oder auch 'postkonfessionellen' Gesellschaft. Es stellt sich die Frage, ob ein solcher Blick nicht ungebührlich die Möglichkeit zur Transformation und Metamorphose des Religiösen in früheren Zeiten ausklammert. Zum einen wird die Phase der 'Aufklärung' dabei auf die Zeit nach der Renaissance reduziert, zum anderen Beschäftigung mit Religionskritik und Säkularisierung inhaltlich in die Zeit der letzten fünf Jahrhunderte verkürzt datiert. Seit der Antike liegen wissenschaftlich-naturkundliche, wie auch religionskritische Schriften vor, zudem erfolgte auch ein stetiger Wandel und Integrationsprozess des Religiösen, sei es durch Eingliederung der Kulte und Riten eroberter Völker in die Großreiche.
...
Die vorliegende Arbeit möchte sich daher mit den Fragen beschäftigen, in welcher Form bereits in den Zeiten vor der und bis zur 'europäischen Aufklärung' Krisen des Religiösen auftraten (s. 1.1, 1.2, 2.1, 2.2), in welcher Form schon seinerzeit Privatisierung der Religion stattgefunden hat (s. Pt. 1.2, 1.3, 2.1, 2.2, 2.5 ) und welchen historischen Werdegang die – so genannten postmodernen/ postkonfessionellen/ postsäkularen – Formen des Religiösen dabei angenommen haben (s. Pt. 1.2, 1.3, 1.4, 2.3, 2.4), zumindest beispielhaft auch im Hinblick auf die heute so genannte Esoterik. Dabei wird von der Grundannahme ausgegangen, dass sich Religionsformen aufgrund von symbolischen Distinktionskämpfen und symbolischer Herrschaft (in Anlehnung an die Theorie des religiösen Feldes bei BOURDIEU ) positionieren konnten und die Religionen daher im Zeitverlauf mitunter sichtbar bzw. unsichtbar wurden, aber trotz ihrer Unsichtbarkeit auch weiterhin vorhanden blieben. (Geringfügige Änderungen des Einleitungstextes für vorliegende Darstellung vorgenommen. Fußnoten des Hauptdokuments an dieser Stelle nicht übernommen.)

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Antike

1.1. Eine frühe Kritik der Religiosität und des Aberglaubens

1.2. Interpretatio Romana – 'Patchwork' der Kulte und der Religionen in der Antike

1.3. Orte der Verehrung und private Hausgötter

1.4. Astrologie, Magie und Weissagung

2. Mittelalter

2.1. Religionspluralismus in Zeiten der Krise

2.2. Häretische Bewegungen des Mittelalters

2.3. Volks- und Aberglauben

2.4. Die Entstehung und Umformung einer Divinationstechnik im Mittelalter

2.5. Private Beträume

3. Von den 'esoterischen' über die 'apokryphen Schriften' zur 'Esoterik' – eine jahrtausendelange Wanderung?

4. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den historischen Werdegang religiöser Transformationsprozesse von der Antike bis zum Mittelalter. Dabei wird hinterfragt, inwiefern heutige Phänomene der Individualisierung und Privatisierung von Religion bereits in früheren Epochen existierten und wie symbolische Distinktionskämpfe die Sichtbarkeit oder Unsichtbarkeit von Glaubensformen beeinflussten.

  • Kulturhistorische Analyse der Religionsentwicklung von der Antike zum Mittelalter
  • Die Rolle der Privatisierung und Individualisierung in religiösen Praktiken
  • Transformation religiöser Symbolik und die Dynamik von "Sichtbarkeit" und "Unsichtbarkeit"
  • Kontinuität und Wandel divinatorischer Techniken am Beispiel des Tarot
  • Theoretische Einordnung von Häresie und Religionspluralismus als Krisenphänomene

Auszug aus dem Buch

1.4. Astrologie, Magie und Weissagung

„Man kann die Antike nur unvollkommen verstehen, wenn man sich nicht mir ihrer „Folklore“, wie es heute heißt, beschäftigt. Früher sprach man abschätzig von „Aberglauben“, doch dieser sogenannte Irrglaube ist kulturhistorisch außerordentlich wichtig. [...] Man hat beharrlich die dunklen Seiten der antiken Kulturen, bei denen uns nicht ganz behaglich ist, beiseite geschoben. Irgendwie paßten Magie und Hexenwesen nicht in das humanistisch verklärte Gesamtbild von „Edler Einfalt, stiller Größe“. [...] Die in diesem Band zusammengestellten Zeugnisse beweisen, wie ich meine, daß Magie, Zauber- und Hexenwesen, der Glaube an Dämonen, Geister und Gespenster, die Technik des Verfluchens und anderes mehr durchaus ins tägliche Leben der Antike gehörten.“

– soweit LUCK in seinem Werk Magie und andere Geheimlehren in der Antike.

Betrachtet man sich nicht nur die heutigen Definitionsversuche dessen, was unter ‚Esoterik’ zu verstehen ist, so findet sich darin ein ‚Hotchpotch’ religiöser Ideen. Redet man von ‚neuen’ oder ‚modernen’ Religionen, meint damit die höchstens letzten zweihundert Jahre und schließt darin Formen wie Paganismus, Magie (Zauberei), Astrologie, Divination, wie auch den Wunderglauben oder Traumdeutung, um nur einige zu nennen, ein, wird dies historisch schlichtweg falsch, weil man die teilweise bis weit über dreitausendjährige Entwicklungsgeschichte dieser Techniken außer Acht lässt. Zumindest in den zuvor genannten Fällen handelt es sich um theoretische (mitunter mathematische) Modelle, Vorstellungen und praktische Rituale, die teils modifiziert, teils ursprünglich von der Antike bis in das 21. Jahrhundert hinein transportiert wurden.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel der Religiosität im westlichen Europa der letzten Jahrzehnte und führt in die zentralen Begriffe der Arbeit ein.

1. Die Antike: Dieses Kapitel analysiert die frühe Religionskritik, die Integration fremder Kulte und die Entstehung privater religiöser Praktiken in der antiken Welt.

2. Mittelalter: Der Abschnitt befasst sich mit den Spannungsfeldern zwischen Orthodoxie und Häresie, den Entwicklungen von Volksglauben sowie der Entstehung neuer Divinationstechniken.

3. Von den 'esoterischen' über die 'apokryphen Schriften' zur 'Esoterik' – eine jahrtausendelange Wanderung?: Dieses Kapitel untersucht die historische Entwicklung und den Begriffswandel des Esoterischen von der antiken Tradition bis zur modernen Kanonbildung.

4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Kontinuitäten religiöser Phänomene und plädiert für eine phasische Betrachtungsweise der Religionsgeschichte.

Schlüsselwörter

Religionspluralismus, Privatisierung, Individualisierung, Säkularisierung, Antike, Mittelalter, Häresie, Esoterik, Religionsgeschichte, Divination, Symbolik, Sichtbarkeit, Transformation, Kulturgeschichte, Glaubenspraxis

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht kulturhistorisch den Wandel und die Transformation von Religion von der Antike bis zum Mittelalter und setzt dies in Bezug zu heutigen spirituellen Strömungen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf Religionssoziologie, der Entwicklung von Privatisierungsformen der Religion, dem Umgang mit Häresie sowie der diachronen Analyse magischer und esoterischer Traditionen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, dass heutige postmoderne religiöse Formen auf einer jahrtausendealten Geschichte von Transformation und Anpassung basieren, anstatt isolierte moderne Phänomene zu sein.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verfolgt einen kulturwissenschaftlich-soziologischen Ansatz, der durch eine literaturgestützte historische Analyse religiöser Praktiken und Konzepte untermauert wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die antiken Ursprünge der Religionskritik und häuslichen Frömmigkeit sowie die mittelalterliche Dynamik von Abspaltungsprozessen, Magie und der Tradierung von Geheimlehren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Säkularisierung, Individualisierung, Privatisierung, Häresie und die Transformation von Religion im Zeitverlauf geprägt.

Wie bewertet die Autorin die heutige Säkularisierungsdebatte?

Sie kritisiert, dass in aktuellen Debatten oft die 'longue durée' fehlt und plädiert für eine zyklische Betrachtungsweise statt einer linearen Theorie der Säkularisierung.

Welche Rolle spielt das Tarot im Kontext der Arbeit?

Das Tarot dient als anschauliches Beispiel für die diachrone Entwicklung divinatorischer Techniken und die Transformation ihrer Symbolik vom Mittelalter bis in die Neuzeit.

Warum sind die '14 Nothelfer' für die Argumentation relevant?

Sie dienen als Beispiel für die Metamorphose von Inhalten, bei der medizinische oder naturwissenschaftliche Aspekte in einen rituellen religiösen Kontext verschoben wurden.

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Details

Title
Alter Wein in neuen Schläuchen? Eine kulturhistorische Auseinandersetzung mit dem religiösen Pluralismus zwischen kollektivem Glauben und individualisierter Praxis
College
University of Hagen  (Institut für Soziologie)
Course
Modul 5e: Kulturelle Orientierungen und Individualisierung
Grade
1,0
Author
Marion Röbkes (Author)
Publication Year
2010
Pages
34
Catalog Number
V149350
ISBN (eBook)
9783640600472
ISBN (Book)
9783640600359
Language
German
Tags
Religiosität Säkularisierung unsichtbare Religion Patchwork-Religion Tarot Interpretatio Romana Interpretatio Graeca Krisen des Religiösen Privatisierung Tragaltar Sakralisierung Individualisierung Antike Asebie Religionskritik Cicero Euthyphron De natura deorum Agnostizismus Sedisvakanz Sedisvakantismus Interpretatio Germanica Astrologie Magie Geniuskult Religionspluralismus Häresie Divination Esoterik Exoterik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marion Röbkes (Author), 2010, Alter Wein in neuen Schläuchen? Eine kulturhistorische Auseinandersetzung mit dem religiösen Pluralismus zwischen kollektivem Glauben und individualisierter Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149350
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