Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der Gottesvorstellung bei Kindern im Kontext einer konfessionslosen Umgebung, basierend auf den Rostocker Langzeitstudien von Anna-Katharina Szagun. Im Mittelpunkt steht die Definition und Wechselwirkung von Gottesverständnis und Gottesbeziehung. Diese Studie hinterfragt traditionelle, lineare Modelle religiöser Entwicklung und vergleicht die gewonnenen Erkenntnisse mit dem Stufenmodell von Oser und Gmünder. Darüber hinaus werden die Ergebnisse der Langzeitstudien auf ihre Relevanz für die religionspädagogische Praxis geprüft, um effektive didaktische Konzepte zu entwickeln, die den vielfältigen religiösen Hintergründen der Schüler:innen gerecht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rostocker Langzeitstudien Dem Sprachlosen Sprache verleihen und Religiöse Heimaten
2.1 Ziel & Vorgehen
2.2 Ergebnisse
3. Stufen des religiösen Urteils bei Oser & Gmünder
3.1 Stufentheorie
3.2 Versuch einer empirischen Verifizierung
4. Vergleich der Ergebnisse der Rostocker Langzeitstudien mit dem Stufenmodell
4.1 Differenzen (& Gemeinsamkeiten)
4.2 Gründe für Differenzen
5. Religionspädagogische Schlussfolgerungen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert kritisch das traditionelle strukturgenetische Stufenmodell religiöser Entwicklung von Oser und Gmünder im Lichte der Rostocker Langzeitstudien von Anna-Katharina Szagun. Ziel ist es, die Diskrepanzen zwischen der stufenweisen, kognitiv orientierten Theorie und den empirischen Befunden bei Kindern aus mehrheitlich konfessionslosen Kontexten herauszuarbeiten und daraus notwendige Konsequenzen für eine zeitgemäße Religionspädagogik abzuleiten.
- Kritische Auseinandersetzung mit entwicklungspsychologischen Stufenmodellen religiöser Entwicklung.
- Untersuchung von Gottesvorstellungen bei Kindern in säkularen, mehrheitlich konfessionslosen Kontexten.
- Bedeutung von kreativen, nicht-begrifflichen Erhebungsmethoden für die Erschließung kindlicher Theologie.
- Religionspädagogische Implikationen zur Förderung von religiöser Kommunikationsfähigkeit und Lebensrelevanz.
Auszug aus dem Buch
2.1 Ziel & Vorgehen
Die Rostocker Langzeitstudien Dem Sprachlosen Sprache verleihen und Religiöse Heimaten hatten zum Ziel, eine Forschungslücke im Bereich der religiösen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu bearbeiten. Die bisherigen empirischen Forschungen waren nämlich hauptsächlich in christlichen Kontexten betrieben worden. Dort sind Kinder, was ihr Gotteskonzept angeht, inhaltlich-konfessionell vorgeprägt, was u.U. anthropomorphe und personale Gottesvorstellungen begünstigen und eine entwicklungstheoretische Modellbildung verfälschen kann. „Zur Entwicklung der Gottesbilder von Kindern aus mehrheitlich konfessionslosem Kontext liegen hingegen kaum Untersuchungen vor, Langzeitstudien fehlen ganz. Die Frage, ob in Untersuchungen zu Tage getretene Übereinstimmungen von Gotteskonzepten bei Kindern stärker entwicklungstheoretisch oder sozialisationstheoretisch zu erklären seien, ist offen.“ Es wurde also versucht, vorschnelle Annahmen aufgrund von bereits bestehenden Modellen zurückzustellen und ergebnisoffen die Gotteskonzepte einer Stichprobe von Kindern, die aus einem mehrheitlich konfessionslosen Kontext kommen, nämlich aus Ostdeutschland, „im Wechselspiel mit lebensweltlichen und biografischen Faktoren“ zu untersuchen.
Insgesamt wurden in beiden Studien die religiösen Entwicklungsverläufe von 55 Kinder aus zwei Rostocker Schulen über 4-8 Jahre begleitet und erfasst. Die untersuchte Altersspanne erstreckte sich von 6 bis 18 Jahren. Zusätzlich wurden weitere 30 Kinder für 1-3 Jahre begleitet. Es handelt sich also um eine qualitative, entwicklungspsychologische Längsschnittstudie, deren Ziel die Nachzeichnung von individuellen, religiösen Bildungsverläufen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definition des Begriffs Gottesvorstellung und Darlegung der Relevanz einer empirisch fundierten religionspädagogischen Auseinandersetzung mit kindlichen Glaubenskonzepten in säkularen Kontexten.
2. Rostocker Langzeitstudien Dem Sprachlosen Sprache verleihen und Religiöse Heimaten: Vorstellung des Ziels und der qualitativen methodischen Vorgehensweise der Studie, die unter anderem kreative Materialien wie Collagen zur Erhebung kindlicher Gottesbilder nutzt.
3. Stufen des religiösen Urteils bei Oser & Gmünder: Komprimierte Darstellung des strukturgenetischen Stufenmodells religiöser Entwicklung nach Oser und Gmünder inklusive dessen formaler Prämissen und empirischer Begründung.
4. Vergleich der Ergebnisse der Rostocker Langzeitstudien mit dem Stufenmodell: Kritische Analyse, inwieweit die Rostocker Befunde die Universalität und die theoretischen Voraussetzungen des Stufenmodells widerlegen.
5. Religionspädagogische Schlussfolgerungen: Ableitung praktischer Konsequenzen für den Religionsunterricht, insbesondere die Notwendigkeit visualisierender Methoden und die Förderung ganzheitlicher religiöser Kommunikationsfähigkeit.
6. Fazit: Zusammenfassende Bestätigung, dass das traditionelle Stufenmodell für konfessionslose Kontexte nicht haltbar ist und ein Paradigmenwechsel hin zu individuelleren Sichtweisen erforderlich bleibt.
Schlüsselwörter
Gottesvorstellung, Kindertheologie, Rostocker Langzeitstudien, Oser und Gmünder, religiöse Entwicklung, sozialisationstheoretischer Ansatz, Konfessionslosigkeit, Religionspädagogik, Materialcollage, religiöse Kommunikationsfähigkeit, empirische Forschung, Kindliche Religiosität, Strukturgenetisches Modell.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht und bewertet die Gültigkeit des traditionellen Stufenmodells religiöser Entwicklung (Oser & Gmünder) anhand der Ergebnisse der Rostocker Langzeitstudien, die Kindertheologie in einem säkularen, mehrheitlich konfessionslosen Kontext erforscht haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind religiöse Entwicklungsprozesse bei Kindern, die Bedeutung von Sozialisation, der Vergleich zwischen deduktiven Stufenmodellen und induktiver qualitativer Forschung sowie die religionspädagogische Praxis in säkularen Umfeldern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass Kinder nicht in homogene Entwicklungsstufen eingeordnet werden können und dass die traditionellen Paradigmen der religiösen Kindesentwicklung kritisch revidiert werden müssen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in den herangezogenen Studien verwendet?
Die Rostocker Langzeitstudien nutzen qualitative, entwicklungstheoretisch orientierte Längsschnittmethoden, insbesondere visuelle Ausdrucksformen wie Materialcollagen, die es ermöglichen, auch nicht-verbale oder noch nicht bewusst artikulierbare Gotteskonzepte darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Prämissen von Oser und Gmünder, die Ergebnisse der Rostocker Erhebungen, den detaillierten Vergleich der Unvereinbarkeiten sowie konkrete religionspädagogische Schlussfolgerungen für die Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Besonders prägend sind: Gottesvorstellung, Rostocker Langzeitstudien, Oser und Gmünder, Konfessionslosigkeit, Kindertheologie und religiöse Sozialisation.
Warum konnte das Stufenmodell von Oser und Gmünder bei den Rostocker Kindern kaum bestätigt werden?
Die Kinder aus dem konfessionslosen Kontext zeigten bereits in jungen Jahren komplexe und nicht-anthropomorphe Gotteskonzepte, was der Annahme einer universalen, altersabhängigen und stufenweisen Entwicklung des religiösen Urteils widerspricht.
Welche Rolle spielen visualisierende Methoden in der Kindertheologie laut der Arbeit?
Visualisierende Methoden wie Materialcollagen dienen als „visuelle Metaphern“, die Kindern einen Raum bieten, abstrakte oder widersprüchliche Gottesbilder auszudrücken, die sie verbaliter noch nicht kommunizieren könnten.
- Quote paper
- Katharina Schröders (Author), 2018, Entwicklung der Gottesvorstellung bei Kindern. Analyse der Rostocker Langzeitstudien und religionspädagogische Implikationen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1494902