Das Buch im Fernsehen - Was können Literatursendungen leisten?


Essay, 2010

9 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Das Massenmedium Fernsehen erreicht den Großteil der Bevölkerung in Deutschland. Fast jeder besitzt einen Fernseher und schaltet diesen täglich im Schnitt für 2 bis 3 Stunden ein.[1] Jeden Tag zu einem Buch griffen im Jahr 2008 jedoch nur 8% der deutschen Bevölkerung.[2] Was passiert, wenn man das Buch via Fernseher in die Haushalte bringt? Kann das Fernsehen zu Literaturrezeption anregen?

Im Folgenden soll zunächst erarbeitet werden, was eine Literatursendung leisen soll und kann und inwiefern sie die Zielgruppe und das weniger lesefreudige Publikum, auf das ein Fokus gelegt werden soll, ansprechen kann. Im Anschluss werden drei verschiedene Literaturformate und ihre Leistung für das Fernsehpublikum exemplarisch vorgestellt. Im Schlussteil folgt ein Resumée und Ausblick über Literaturformate im Fernsehen.

Derzeit versuchen sich etwa 12 Literatursendungen in Deutschland daran, dem Publikum das Lesen schmackhaft zu machen. Ein erstes Problem von Literatur im Fernsehen hat nichts mit den Sendungen an sich zu tun, sondern ergibt sich aus den Sendezeiten der Literaturmagazine. Diese werden in ihrer Mehrzahl auf einen Sendeplatz gelegt, der deutlich nach der Prime Time zwischen 20 und 23 Uhr liegt. Die meisten Zuschauer haben also bereits weggeschaltet, wenn beispielsweise „druckfrisch“ mit Denis Scheck um 23:35 Uhr über die Bildschirme flimmert. Ein zufälliges Einschalten beim Zappen ist bei solchen Sendezeiten eher unwahrscheinlich. Es ist zu vermuten, dass gerade werktags die arbeitende Bevölkerung bereits das Bett aufgesucht hat, wenn auf den öffentlich-rechtlichen Sendern über Bücher gesprochen wird. Und hier ist auch schon ein weiteres Problem genannt: lediglich die öffentlich-rechtlichen Sender haben überhaupt Literatursendungen im Programm, wenn man einmal vom Kulturmagazin „10 vor 11“ bei RTL absieht, dass dort jedoch mehr geduldet als geliebt wird.

Doch was muss eine Literatursendung leisten, damit sie das Publikum trotz des späten Programmplatzes anspricht und sich gegen zahllose Unterhaltungsformate durchsetzt? Jürgen Lodemann stellt fest, dass das Desinteresse an Literatur im Fernsehen derart groß ist, dass bereits Programmankündigungen, die die Vokabeln „Literatur“ oder „Bücher“ enthielten, die Zuschauer zum Umschalten brächten.[3] Dies mag tatsächlich so sein. Aber woran liegt das? Sind die Sendeformate für das Publikum nicht unterhaltend genug? Dem Unterhaltungswert wird schließlich die höchste Priorität für Fernsehsendungen zugemessen. Oder wenden sich die Sendungen nur an ein akademisches Publikum, das von Haus aus ein Interesse an Literatur mitbringt?

Ein wesentlicher Punkt bei der Ansprache von allen sozialen Schichten ist bei der Umsetzung der Sendungen zu suchen. Die reinste Form der Präsentation von Literatur sieht Hubert Winkels in der Lesung eines Textes durch den Autor.[4] Für das Fernsehformat gibt es wohl auch keine langweiligere Präsentation. Die Zuschauer sind es gewöhnt, dass während einer Sendung etwas passiert, Menschen sich unterhalten, Trailer eingespielt werden etc. Bei einer Lesung wäre die Gefahr des Umschaltens noch um ein Vielfaches erhöht. Eine Lesung eignet sich mehr für das Radio, wo der Konsument auch nur auf das Hören eingestellt ist und keine visuelle Stimulierung erwartet. Allgemein muss man sich meiner Meinung nach bei Literatursendungen von dem Anspruch verabschieden, Literatur in ihrer reinsten Form zu präsentieren. Denn dies ist nur durch die eigene Rezeption möglich.

Literatursendungen können dagegen Anregung liefern, dafür müssen sie aber verschiedene Voraussetzungen mitbringen, damit sie überhaupt eingeschaltet werden. Sie dürfen beispielsweise kein großes Vorwissen voraussetzen, sondern sollten in jeder Sendung aufs Neue einen Einstieg ermöglichen. „Literatur jeder Provenienz sollte nicht so dargestellt werden, daß der Zuschauer ein germanistisches Seminar absolviert oder sich durch ständige Lektüre von Literatur-Beilagen großer Zeitungen vorgebildet haben müßte, um einen Einstieg in die Darbietung zu finden.“[5] Der Zuschauer sollte also einen einfachen Zugang zur Sendung finden können. Viele Fachbegriffe und Verweise auf Fachliteratur sind dabei störend. Die Präsentation sollte in einer Alltagssprache erfolgen, die leicht verständlich und für jeden nachvollziehbar ist. Literaturkritik im Fernsehen muss auch grundsätzlich anders vorgehen als dies in Zeitungen und Zeitschriften der Fall ist. Lediglich einen Kritiker vor die Kamera zu setzen, der seine Rezension vorliest, hat ähnlich wenig Unterhaltungswert wie eine Autorenlesung und würde wohl dazu führen, dass die Zuschauer zukünftig zwar den Kritiker kennen, von dem Buch jedoch nichts in Erinnerung behalten.

[...]


[1] Wie lange schauen Sie werktags Fernsehen?

[2] Lesen in Deutschland 2008

[3] Vgl. Lodemann, Jürgen: Literatur im Fernsehen – geht denn das? S. 27.

[4] Vgl. Winkels, Hubert: Leselust und Bildermacht. Über Literatur, Fernsehen und neue Medien. S. 45.

[5] Von Wehrenalp, Erwin Barth: Schluss mit den „Reservaten“! S. 12.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Das Buch im Fernsehen - Was können Literatursendungen leisten?
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Literatur und Medien
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
9
Katalognummer
V149636
ISBN (eBook)
9783640608546
ISBN (Buch)
9783640608812
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literatur, Fernsehen, Medien, Literatursendung, Buch, Rezensionen
Arbeit zitieren
Anne Mey (Autor), 2010, Das Buch im Fernsehen - Was können Literatursendungen leisten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149636

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Buch im Fernsehen - Was können Literatursendungen leisten?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden