Das Massenmedium Fernsehen erreicht den Großteil der Bevölkerung in Deutschland. Fast jeder besitzt einen Fernseher und schaltet diesen täglich im Schnitt für 2 bis 3 Stunden ein. Jeden Tag zu einem Buch griffen im Jahr 2008 jedoch nur 8% der deutschen Bevölkerung. Was passiert, wenn man das Buch via Fernseher in die Haushalte bringt? Kann das Fernsehen zu Literaturrezeption anregen?
Im Folgenden soll zunächst erarbeitet werden, was eine Literatursendung leisen soll und kann und inwiefern sie die Zielgruppe und das weniger lesefreudige Publikum, auf das ein Fokus gelegt werden soll, ansprechen kann. Im An-schluss werden drei verschiedene Literaturformate und ihre Leistung für das Fernsehpublikum exemplarisch vorgestellt. Im Schlussteil folgt ein Resumée und Ausblick über Literaturformate im Fernsehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Literatur im Fernsehen als Herausforderung
3. Literaturkritik und ihre Funktion im Fernsehformat
4. Analyse ausgewählter Literatursendungen
4.1 druckfrisch
4.2 Lesen!
4.3 Was liest du?
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Literatursendungen im deutschen Fernsehen, das Interesse am Lesen bei einem breiten Publikum zu wecken und als Vermittler zwischen Buchmarkt und Zuschauer zu fungieren.
- Die Rolle und Funktion von Literaturkritik im Fernsehmedium.
- Herausforderungen durch Sendeplätze und Unterhaltungsansprüche.
- Vergleichende Analyse bekannter Formate wie "druckfrisch", "Lesen!" und "Was liest du?".
- Die Bedeutung von Zugänglichkeit und Unterhaltungswert für die Leseförderung.
Auszug aus dem Buch
Literaturkritik im Fernsehen
Doch kann man bei Literatursendungen überhaupt von Literaturkritik sprechen? Laut dem Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft ist „jede Art kommentierende, urteilende, denunzierende, werbende, auch klassifizierend orientierte Äußerung über Literatur“ als Literaturkritik zu benennen. Damit trifft die Definition auch auf jegliche Literatursendungen im deutschen Fernsehen zu. Doch was vermag diese Form der Literaturkritik zu leisten? Für Jörg Seelbach soll „Literaturkritik in jedem Medium […] in erster Linie so etwas wie Lesehilfe“ sein. Dem Zuschauer soll das Buch in der Sendung nicht erklärt werden, denn dies würde das Lesen vollkommen überflüssig machen.
Vielmehr sollten die Literatursendungen Anregungen dazu geben, sich selbst mit einem Buch auseinanderzusetzen und es sich selbst zu erarbeiten. Das Lesen als „einsame Begegnung von Kopf und Buch“ darf dem Zuschauer nicht erspart bleiben, denn darin liegt schließlich der Reiz des Lesens. Literatursendungen können als Appetitanreger fungieren, die Lust auch auf die Anstrengungen des Rezipierens von Lektüre machen. Außerdem können sie ein Wegweiser durch den Dschungel von jährlich 90.000 Neuerscheinungen sein oder wie Petra Kirchner es formuliert, „eine erste Begegnung zwischen Leser und Buch in der Buchhandlung: Der potentielle Leser wird über die Existenz des Buches informiert, er liest den Klappentext und einige Passagen aus dem Buch, um dann zu erkennen, ob ihn das Buch interessiert oder nicht“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Diskrepanz zwischen hoher Fernsehnutzung und vergleichsweise geringer Lesequote in Deutschland und skizziert das Anliegen, die Vermittlung von Literatur durch das Fernsehen zu untersuchen.
2. Literatur im Fernsehen als Herausforderung: Dieses Kapitel thematisiert die Schwierigkeiten wie ungünstige Sendezeiten und die Notwendigkeit, Literatur trotz des Unterhaltungsdrucks im Medium Fernsehen attraktiv zu präsentieren.
3. Literaturkritik und ihre Funktion im Fernsehformat: Hier wird diskutiert, ob und inwiefern Literatursendungen als Lesehilfe fungieren können, ohne das eigenständige Lesen durch zu tiefe Analysen zu ersetzen.
4. Analyse ausgewählter Literatursendungen: Dieser Teil bietet eine detaillierte Betrachtung der Sendungen "druckfrisch", "Lesen!" und "Was liest du?" unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Konzepte und Zielgruppen.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet Literaturformate im Fernsehen als wichtige Chance zur Leseförderung, die trotz geringer Quoten ihre Berechtigung hat.
Schlüsselwörter
Literaturvermittlung, Fernsehformate, Leseförderung, Literaturkritik, Medienwissenschaft, Buchmarkt, Fernsehpublikum, druckfrisch, Elke Heidenreich, Jürgen von der Lippe, Denis Scheck, Rezeption, Unterhaltungswert, Literaturmagazin, Lesekultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten und Grenzen, Literatur mittels Fernsehsendungen einem breiten Publikum näherzubringen und als Anreiz für das Lesen zu nutzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Darstellungsweisen von Literatur im Fernsehen, die Funktion von Literaturkritik in diesem Medium und der Spagat zwischen Unterhaltungswert und literarischem Anspruch.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, inwiefern das Fernsehen als Massenmedium dazu beitragen kann, die Literaturrezeption zu fördern und als „Lesehilfe“ für die Bevölkerung zu dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche Untersuchung, die auf Basis einer Literaturrecherche verschiedene Sendeformate exemplarisch analysiert und gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verortung von Literaturkritik im Fernsehen und die konkrete Analyse der drei Formate „druckfrisch“, „Lesen!“ und „Was liest du?“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Literaturvermittlung, Fernsehformate, Leseförderung, Literaturkritik, Rezeption und das Zusammenspiel von Unterhaltung und Information.
Wie unterscheidet sich "druckfrisch" von den anderen besprochenen Sendungen?
Während "druckfrisch" sich eher an ein bereits belesenes Publikum richtet und schnellen Überblick bietet, versuchen "Lesen!" und "Was liest du?" durch eine zugänglichere Sprache neue Zielgruppen anzusprechen.
Warum ist die Wahl des Sendeplatzes laut der Analyse so entscheidend?
Die meisten Literatursendungen werden außerhalb der Prime Time ausgestrahlt, was die Reichweite und die Chance auf ein zufälliges Einschalten („Zappen“) massiv einschränkt.
- Citar trabajo
- Anne Mey (Autor), 2010, Das Buch im Fernsehen - Was können Literatursendungen leisten?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149636