Die Funktion des Flötenmädchens beim Symposion von 530 bis 500 v. Chr.


Hausarbeit, 2009

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das Flotenmadchen beim Symposion
1. Der „formelle“ Akt
2. Sexuelle Anbahnung

III. Wandel der intimen Symposionsdarstellung

IV. Resumee

V. Literaturverzeichnis

VI. Abbildungsverzeichnis

VII. Tafeln

I. Einleitung

Das Symposion wurde im Zeitraum von 530 bis 500 v. Chr. auf viele verschiedene Weisen gefeiert. Dabei gab es keine offensichtlich zeremonielle Struktur, beispiels- weise mit einem Eroffnungsakt oder spezifischen regularisierten Momenten. Im Vordergrund stand das gemeinsame Verbringen der Zeit, wobei eine solche Fest- lichkeit ausschlieBlich wohlhabenden Mannern[1] aus Athen vorbehalten war. Da fur solch ein Symposion nicht nur Raumlichkeiten, Speisen, Wein, sondern auch Unter- haltungskunstler oder sogar Geschirr[2] bezahlt werden mussten, ist davon auszuge- hen, dass die Gastgeber eines solchen Mahls die notigen finanziellen Mittel beses- sen haben mussen und der oberen Schicht athener Burger entstammten.[3] Obwohl es jedoch keine quasi zeremonielle Abfolge beim Zelebrieren des Symposions gab, so gibt es immer wiederkehrende Merkmale, die zu einem Symposion dazu gehoren. Betrachtet man die uberlieferten Quellen des oben genannten Zeitraumes, so stellt man wie bereits erwahnt fest, dass das Symposion fur wohlhabende Athener be- stimmt war. Eine Ausnahme bildeten die Unterhaltungskunstler oder Sklaven, wel- che durchaus weiblich sein durften. Innerhalb der Forschung werden diese Tanze- rinnen, Musikerinnen oder eben auch das im Folgenden zu untersuchende Flotenmadchen weitestgehend unter dem Begriff der „Hetare“ gefuhrt. Dies scheint jedoch vor allem fur den Zeitraum vor 490 v. Chr. problematisch zu sein, da der Begriff „hetaira“ hier noch im ursprunglichen Sinne „Gefahrtin“ bedeutet, „ohne das damit explizit die Gespielin eines Mannes gemeint ist,“[4] die durch Gaben ange- worben wird. In der archaischen Lyrik sowie den Keramiken fehlt eine solche Gruppenbezeichnung fur Frauen, die die Merkmale und Eigenheiten von Hetaren der klassischen Zeit aufweisen, weshalb im Folgenden den Terminus „Hetare“ nicht synonym fur das Flotenmadchen verwenden werde. Im Verlauf meiner Hausarbeit mochte ich mich mit dem Phanomen des Flotenmadchens im Zeitraum von 530 bis 500 v. Chr. beschaftigen und am Beispiel verschiedener Keramiken ihre Funktion beim Symposion darlegen, sowie einen Wandel in der Darstellung um das Jahr 500 v. Chr. aufweisen.

II. Das Flotenmadchen beim Symposion

1. Der ,,formelle“ Akt

Unterhaltungskunstlerinnen mit unterschiedlichen Instrumenten stellen ein typi- sches Attribut der Symposionskultur zwischen 530 und 500 v. Chr. dar.[5] Diese Frauen waren in der Regel Sklavinnen oder Fremde, keinesfalls aber freie Athene- rinnen, „da dies fur die Lagernden eine Unvorstellbarkeit darstellte.“[6] Besonders oft unter diesen Musikerinnen ist das Flotenmadchen zu finden, das um 520/19 v. Chr. diverse Vasen ziert, wobei es durchaus denkbar ist, dass sie bereits ab dem Jahr 525 zum Bestandteil eines solchen Symposions gehorte.[7] Das Aufgebot einer solchen Flotenspielerin war nicht zwingend Aufgabe des Gastgebers, sondern es war ge- nauso ublich, dass Gaste diese mitgebracht haben.[8] Die Hauptfunktion dieses Flo- tenmadchens war es, die Symposionsteilnehmer beim Gelage mit Musik auf der Doppelflote (auloi) zu begleiten (Abb. 1). Manchmal wechselten diese das Instru­ment und griffen zur Leier.[9] Durch die Verknupfung von Tanz, Flotenspiel und ero- tischen Vorfuhrungen,[10] sollten die Teilnehmer zum „Sich-selber-in-den-Rausch- bewegen“ angeregen werden,[11] was jedoch von Symposion zu Symposion variiierte. Die Teilnahme des Flotenmadchens beschrankte sich in der Anfangsphase des Symposions auf ihre musikalische Funktion. Auf der Abbildung ist sie von einem Chiton und/oder Mantel umhullt dargestellt. Zu den Symposiasten besteht (vorerst) kein Korperkontakt. Oft folgte nach dem Symposion ein komos, der schon vor den Symposionsszenen auf Keramiken zu finden ist, auf denen Komasten, von der Flo- tenmusik einer einzelnen Musikantin begleitet, umherstreifen. Es ist sehr wahr- scheinlich, dass anfangs eine Flotenspielerin, spater sogar mehrere Flotenmadchen, wahrend der gesamten Phase (525-500 v. Chr), einen wesentlichen Bestandteil des Symposions darstellten und durch Musik und tanzartige Bewegungen die Sympo­siasten in einen Rausch versetzten, wobei auch dem Weinkonsum eine erhebliche Bedeutung zukam. So stand in den anfanglichen Symposien das „sich berauschen“ mit Musik und Wein im Vordergrund und entwickelte sich hin zum komos als Ho- hepunkt des Abends, bei dem sich samtliche Glucksgefuhle entluden, was nicht sel- ten in sexuellen Orgien endete.

Zu Beginn des Abends und im Symposion besaB das Flotenmadchen die Funktion des Berauschens der Sinne der Symposionsteilnehmer. Doch im fortgeschrittenen Stadium des Festes anderte sich ihre Tatigkeit; spatestens beim Hohepunkt des Abends, bei dem das Flotenmadchen in den sexuellen Akt involviert wurde.[12] Zu- sammenfassend ist zu sagen, dass beim Symposion und zu Anfang des Komos die Musik des Flotenmadchens die Befriedigung der Teilnehmer darstellte. Beim Hohe- punkt des Abends wandelte sich ihre Funktion, sodass das Flotenmadchen selbst zum Zweck der Befriedigung wurde.

Die Flotenspielerin hatte beim Symposion die Aufgabe einer Unterhaltungskunstle- rin[13] und diente in dem Untersuchungszeitraum nicht primar zur sexuellen Befriedi­gung, sondern zur Betorung der Sinne. Obwohl Motive, die ein Symposion mit ei- nem ganzlich bekleideten und stehend musizierenden Flotenmadchen erst um 520/19 v. Chr. diverse Vasen zieren, so kann man dennoch davon ausgehen, das in der Phase von 525 bis 500 Symposien in solch einer Form gangig waren. Sie stand den Symposiasten sowohl beim Gelage sowie dem oft darauf folgenden Kosmos durch ihre musikalische Darbietungen zur Verfugung. Es ist davon auszugehen, dass das Flotenmadchen am Symposion teilnahm, um das Symposion mit dem Flo- tenspiel zu begleiten. Doch ist auch ersichtlich, dass diese Frauen zur Unterhaltung der Symposiasten auch zur Leier griffen um sich letztenendes sich schlieBlich „zu einem Symposiasten aufs Lager zu begeben.“[14]

[...]


[1] Es gibt auch Symposien deren Teilnehmer nur Frauen sind. Vgl. hierzu Reinsberg, S.112-114; Peschel, S. 70-74.

[2] Hartmann geht davon aus, dass es in der klassischen Zeit ublich war, dass jeder Teilnehmer durch eine Weinspende oder auch das Mitbringen eines Kunstlers etwas zum Symposion beisteuerte. Vgl. Hartmann, S. 140-141; fur die Zeit vor 500 gibt es jedoch keine Anzeichen fur einen solchen Brauch. Es ist eher davon auszugehen, dass die angelaufenen Kosten durch den Veranstalter getragen wurde.

[3] Vgl. Peschel, S. 84.

[4] Vgl. Hartmann, S. 142; Erst in der klassischen Zeit wandelt sich der Hetarenbegriff, wobei es dann zu den Aufgaben einer Hetare gehorte, „den jeweiligen Mann zu seiner Verfugung zu begleiten, [...] eine willige Gefahrtin [darzustellen], die Kumpanin seiner Zecherei und Objekt seiner sexuellen Willkur [zu sein].“ Vgl. Reinsberg, S. 90.

[5] Vgl. Peschel, S. 38.

[6] Hartmann, S. 141.

[7] Peschel bezeichnet diese als „Standart-Symposion“. Vgl. hierzu Ebd., S. 84.

[8] Vgl. Peschel, S. 41.

[9] Vgl. Peschel, S. 38.

[10] Vgl. Peschel, S. 44; Eine solche erotische Darbietung findet sich auf der Abb. 7, bei der eine Flotenspielerin mit Hilfe einer auf dem Kopf stehenden Spitzamphora masturbiert. Dass es sich um eine Flotenspielerin handelt, verdeutlichen die Floten in ihren Handen. Sie hat sich ihres Chitons entledigt, ihr Haar hat sich durch die Darbietung aus der Binde gelost und breitet sich uber ihren Schultern aus. Ein Halsband, sowie ihre Schlangenarmbander tragt sie immer noch.

[11] Vgl. Peschel, S. 41.

[12] Vgl. Peschel, S. 84

[13] Diese Aufgabe konnte sich auch auf den oft darauf folgenden Komos ausweiten, vgl. hierzu Abb. 4.

[14] Peschel, S. 38.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Funktion des Flötenmädchens beim Symposion von 530 bis 500 v. Chr.
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Seminar I - Institut für Altertumskunde)
Veranstaltung
Einführungsseminar Wein, Knaben und Gesang - Der Griechische Adel
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V149646
ISBN (eBook)
9783640604838
ISBN (Buch)
9783640605057
Dateigröße
765 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hetäre, Flötenmädchen, Symposion, Komasten, Kosmos, Kline, Symposiasten, Hetaroi, Akt, 530, 500, Antike, Hetaira, Auloi, Flötenspielerin, Sexualakt, Geschlechtsakt, sexuelle Dienste, Symposionsdarstellung, Tanzkomos, Komos, Orgie, Gelage, Trinkgelage
Arbeit zitieren
Martin Rybarski (Autor), 2009, Die Funktion des Flötenmädchens beim Symposion von 530 bis 500 v. Chr., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149646

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