Ansätze zur europäischen Vergesellschaftung

Das kosmopolitische Europa, die flüssige Moderne und das Konzept der europäischen Identität


Seminararbeit, 2010

15 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I) Einleitung

II) Beck & Grande: Das kosmopolitische Europa
1.Kosmopolitismus
2. Das kosmopolitsche Europa
3. Auflösung der Nationalstaaten durch reflexive Modernisierung

III.) Das Konzept der "flüchtigen Moderne" nach Zygmunt Bauman im Zusammenhang mit europäischer Vergesellschaftung
1. Der Ansatz der “flüssigen Moderne” bei Zygmunt Bauman
2. Veränderte Raum-Zeit Beziehungen
3. Die neue Suche nach Gemeinschaft
4. Der Umgang mit "dem Fremden und Andersartigen" bei Zygmunt Bauman
4.1 Gewünschter Umgang mit dem Fremden nach Zygmunt Bauman
4.2 Der Umgang mit dem Fremden im europäischen Kontext
4.3 Jenseits des Nationalstaats

IV) Die Europäische Identität
1. Grundlagen einer europäischen Identität:
2.EUROBAROMETER-Untersuchungen

V) Zusammenfassung

VI) Schluß

Literaturverzeichnis

I) Einleitung

Europa ist ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Dabei stellt die europäische Integration auf gesellschaftlicher Basis eine besondere Herausforderung dar. Während die wirtschaftliche und politische Europäisierung bis heute schon relativ weit fortgeschritten ist- es gibt schon lange einen gemeinsamen Wirtschaftsraum Europa, seit einigen Jahren eine gemeinsame Währung, ein europäisches Parlament und eine Verfassung, hinkt die gesellschaftliche Integration Europas noch hinterher. Laut der Untersuchungen des "EUROBAROMETER" fühlen sich die meisten europäischen Bürger zuerst als Bürger ihrer Nation und erst in zweiter Präferenz als Bürger Europas- wenn überhaupt. Die gesellschaftliche Umwälzung in Richtung europäische Integration soll im Folgenden anhand von drei gesellschaftlichen Ansätzen beleuchtet werden: Dem Ansatz des kosmopolitischen Europas von Ulrich Beck & Edgar Grande, dem Konzept der "Flüchtigen Moderne" nach Zygmunt Bauman, das die Vergesellschaftung in der Postmoderne im allgemeinen beleuchtet sowie dem Konzept einer europäischen Identität. Alle drei Ansätze stellen flexibile, normative Ansätze dar, bei denen der Umgang mit Differenz, Andersartigkeit und "dem Fremden" eine wichtige Rolle spielt.

Da das Konstrukt Europa sehr stark im Wandel ist, verwende ich den Begriff "Vergesellschaftung" mehr als "Gesellschaft", um dem Prozesscharakter des Phänomens gerecht zu werden.

II) Beck & Grande: Das kosmopolitische Europa

Für Beck und Grande stellt sich die Frage “wie kann..(..) eine neue Art von Gesellschaft und Politik entdeckt und begründet werden- nach innen, nach außen aufbauend auf den historisch gewachsenen Formen der Nationalität , aber diese öffnend, erweiternd? “[1] Die europäische Integration soll durch eine gesellschaftliche und politische Integration durch Kosmopolitisierung erfolgen.

Dafür sollen laut Beck & Grande die Grundbegriffe des Sozialen und Politischen aus der “nationalen Ortodoxie” herausgelöst und vor dem Hintergrund eines zusammen gewachsenen Europas neu definiert werden. So ist bei dem Konzept des euorpäischen Kosmopolitismus nicht eine Vereinheitlichung im Sinne eines europäischen Nationastaats gemeint.

1. Kosmopolitismus

Was kann man unter Kosmopolitismus zu verstehen? Der Begriff des Kosmopolitismus soll bei Beck & Grande für eine besondere Form des gesellschaftlichen Umgangs mit kultureller Andersartigkeit stehen.[2]

Dabei läßt sich der Begriff von anderen Arten des Umgangs mit Andersartigkeit wie der universalistischen und nationalistischen Gleichartigkeit und dem postmodernen Partikularismus unterscheiden. Das Besondere des Kosmpolitismus im Unterschied zu anderen gesellschaftlichen Konzepten liegt darin, das gesellschaftliche Verschieden-und Andersartigkeit nicht in einem hierarchischen Verhältnis gesehen wird. Es gibt so keine dominante Gruppe oder Ethnie. Die Voraussetzungen des Kosmopolitismus sind universale, institutionalisierte Normen,unter denen verschiedenen Religionen und Ethnien gleiche Rechte eingeräumt werden können. Beim Kosmopolitismus wird die Andersartigkeit als Maxime gesetzt und überaus postitiv betrachtet- und dies sowohl innerhalb des sozialen Gebildes als auch nach außen. Der Kosmopolitismus beruht auf dem Prinzip des “Sowohl-als-auch”. Das bedeutet, es gibt eine supranationale Dimension, aber die Nationalstaaten bleiben parallel dazu bestehen. Das Fremde wird nicht als bedrohlich, desintegrierend, fragmentierend, sondern als bereichernd erfahren und bewertet. Der Kosmopolitismus kann sogar egoistisch betrachtet werden: es ist ein Vorteil, etwas “Fremdes” kennenzulernen, so erfahre ich mehr über mich selbst.[3]

Der Kosmopolitismus spielte auch schon früher in Europa immer dann eine wichtige Rolle, wenn Europa vor wichtigen Umwälzungsprozessen stand. “Der Kosmopolitismus kombiniert die Wertschätzung von Differenz und Andersartigkeit mit den Bemühungen, neue demokratische Formen der politischen Herrschaft jenseits der Nationalstaaten zu konzepieren.[4]

2. Das kosmopolitsche Europa

" Die Idee eines kosmopolitischen Europa ist zugleich radikal neu und steht in der Kontinuität europäischen Denkens und europäischer Politik."[5] Europa wäre nicht Europa ohne seine Diversität. Der europäische Integrationsprozess hatte, im Gegensatz zu anderen Formen regionaler Integration von Anbeginn an ein kosmopolitisches Momentum. So darf der europäische Kosmopolitismus nicht einfach mit Supranationalismus gleichgesetzt werden.[6] Supranationalismus im europäischen Zusammenhang würde einen "europäischer Nationalstaat" bedeuten. Diesen Weg hat Europa jedoch nicht eingeschlagen, denn die europäischen Nationalstaaten haben sich ihrer Auflösung widersetzt. Ein Zusammen-und Gegenwirken von Supranationalismus und Intergouvenementalismus resultierte im Kosmopolitismus.

Das kosmopolitische Konzept von Beck und Grande kann als einen dritten Weg zur Annäherung an das soziale Gebilde Europa verstanden werden, zwischen einem Föderalstaatlichen Europa und dem Konzept "einer Mehrzahl von Nationalstaaten". Weder ein heterogenes Europa mit vielen Differenzen, noch ein homogenes Europa wird hier angenommen, sondern ein kosmpolitisches Europa mit starker Betonung auf heterogene Aspekte.

Das Konzept des kosmopolitischen Europas ist ein utopischer Blick auf die Anerkennung des kulturell Anderen, die aber für die europäische Integration essenziell ist. Zentrales Defizit des kosmopolitischen Europas sei jedoch, so Beck und Grande, dass es bisher nicht von unten, also vom Bürger selbst gebaut und getragen wird. Es fehlt ein gemeinsamer Konsens, " ein Pendant zur nationalen Öffentlichkeit auf EU-Ebene".[7]

3. Auflösung der Nationalstaaten durch reflexive Modernisierung

Die Theorie der reflexiven Modernisierung arbeitet mit einer Unterscheidung zwischen Erster und Zweiter Moderne. Im Rahmen der Theorie der reflexiven Modernisierung wird Europa als "Teil eines umfassenderen Epochenbruchs in der Entwicklung moderner Gesellschaften begriffen werden. Es bilden sich Strukturen einer neuen, transnational verflochtenen Gesellschaft heraus, die aus dem "Container des Nationalstaats ausbricht.[8] Der Nationalstaat als Basisinstitution der Moderne wird transformiert und herausgefordert und führt zu neuen Formen transnationalen Regierens. Dabei wird der Nationalstaat nicht gänzlich ersetzt oder verdrängt, sondern in internationale Organisationen und Regime eingebunden und bleibt parallel bestehen. So entsteht laut Beck & Grande ein "Sowohl -als- auch" Europa , eine Gesellschaft, ein Empire zusammgesetzter Staaten.[9] So ist der fortschreitendende europäischer Kosmopolitismus laut Beck & Grande auch ein Konzept fortschreitender Modernisierung.

[...]


[1] Beck & Grande, 2004. S. 15

[2] vgl. Beck& Grande S. 25

[3] Beck& Grande S. 28

[4] vgl.Beck & Grande S.25

[5] Beck & Grande S. 36

[6] vgl. Beck & Grande. S. 37

[7] vgl.http://www.cap-lmu.de/aktuell/events/2004/beck-symposium.php

[8] Bekc &Grande S.55

[9] vgl. Beck & Grande. S. 57

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Ansätze zur europäischen Vergesellschaftung
Untertitel
Das kosmopolitische Europa, die flüssige Moderne und das Konzept der europäischen Identität
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Sowi )
Note
2
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V149878
ISBN (eBook)
9783640609765
ISBN (Buch)
9783640609994
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Europa
Arbeit zitieren
Sonja Uhl (Autor), 2010, Ansätze zur europäischen Vergesellschaftung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149878

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