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Die Europäische Währungsunion als Gefangenendilemma

Eine spieltheoretische Untersuchung zum Stabilitäts- und Wachstumspakt

Title: Die Europäische Währungsunion als Gefangenendilemma

Diploma Thesis , 2006 , 89 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christof Wockenfuß (Author)

Politics - Topic: European Union
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Summary Excerpt Details

Weshalb missachten viele Regierungen systematisch die Kriterien des „Stabilitäts- und Wachstumspaktes“ der Euro-Zone? Die vorliegende Schrift beantwortet diese Frage auf der Grundlage der „ökonomischen Theorie der Politik“. Hierzu wird ein einfaches spieltheoretisches Modell der europäischen Währungsunion vorgestellt. Demnach wäre ordnungspolitisch nicht eine „Flexibilisierung“, sondern im Gegenteil eine Verschärfung des Stabilitäts- und Wachstumspakts anzustreben. Andernfalls wäre mit einer übermäßigen Verschuldung insbesondere durch kleinere Länder der Eurozone zu rechnen – mit dann allerdings höchst unerwünschten und für die Eurozone insgesamt bedrohlichen Folgen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. EINLEITUNG

II. THEORETISCHER HINTERGRUND

1. Der Rational-Choice-Ansatz als politikwissenschaftliche Theorie

1.1 Ideengeschichtliche Entwicklung

1.2 Grundthesen der Rational-Choice-Theorie

1.3 Individuelles Rationalverhalten und kollektive Folgen

1.4 Zusammenfassung

2. Die Spieltheorie und die Analyse interdependenter Entscheidungen

2.1 Bestandteile spieltheoretischer Modelle

2.1.1 Spieler, Regeln und Strategien

2.1.2 Herleitung individueller Präferenzordnungen für die Spielstände

2.2 Kooperative und nicht-kooperative Spiele

2.2.1 Das Gefangenendilemma als nicht-kooperatives Spiel

2.2.2 Interdependenzen und deren Auswirkungen auf die Präferenzordnungen

2.2.3 Ergebnis des nicht-kooperativen Spiels und kollektive Bewertung

2.2.4 Kooperationsmöglichkeiten zur Überwindung eines Nash-Gleichgewichts

2.3 Zusammenfassung

III. EIN SPIELTHEORETISCHES MODELL DER EUROPÄISCHEN WÄHRUNGSUNION

1. Die Haushaltspolitik einer einzelnen, rationalen Regierung

1.1 Die haushaltpolitischen Empfehlungen makroökonomischer Schulen

1.2 Die Defizit-Politik einer einzelnen, rationalen Regierung

1.2.1 Regierungen als kollektive, rationale Akteure

1.2.2 Handlungsrelevante Zustimmungsgewinne und Zustimmungsverluste

1.2.3 Bestimmung des rationalen Haushaltsdefizits

1.2.4 Auswirkungen des Konjunkturverlaufs auf das rationale Defizit

1.3 Zusammenfassung

2. Rationale Haushaltspolitik in der europäischen Währungsunion

2.1 Die europäische Währungsunion als Gefangenendilemma

2.1.1 Spieler, Regeln und Strategien

2.1.2 Darstellung der Interdependenzen im Modell

2.1.3 Herleitung individueller Präferenzordnungen

2.1.4 Ergebnis des nicht-kooperativen Spiels und kollektive Bewertung

2.2 Die europäische Währungsunion als kooperatives Spiel

2.2.1 Veränderung der Spielregeln durch Kooperation

2.2.2 Darstellung einer rationalen, kollektiven Selbstbindung im Modell

2.2.3 Herleitung individueller Präferenzordnungen

2.2.4 Ergebnis des kooperativen Spiels und kollektive Bewertung

2.3 Zusammenfassung

IV. EMPIRISCHE ÜBERPRÜFUNG DER AUSSAGEN DES MODELLS

1. Die Haushaltspolitik europäischer Regierungen vor Inkrafttreten der dritten Stufe der Währungsunion

1.1 Programmatische Positionen zur Haushalts- und Konjunkturpolitik

1.1.1 Zutreffende Prognosen des Modells

1.1.2 Einschränkungen

1.2 Die Defizit-Politik europäischer Regierungen

1.2.1 Zutreffende Prognosen des Modells

1.2.2 Einschränkungen

1.3 Zusammenfassung

2. Die Haushaltspolitik europäischer Regierungen seit Inkrafttreten der dritten Stufe der Währungsunion

2.1 Die europäische Währungsunion als potentielles Gefangenendilemma

2.1.1 Plausible Aussagen des Modells

2.1.2 Einschränkungen

2.2 Die europäische Währungsunion als bedingt kooperatives Spiel

2.2.1 Die Funktionsweise des Stabilitäts- und Wachsumtspaktes

2.2.2 Die Wirkung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes

2.3 Zusammenfassung

V. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Missachtung des Stabilitäts- und Wachstumspakts in der europäischen Währungsunion durch eine spieltheoretische Analyse, um zu erklären, warum rationale Regierungen Defizitkriterien verletzen.

  • Grundlagen des Rational-Choice-Ansatzes in der Politikwissenschaft.
  • Anwendung spieltheoretischer Modelle auf die Haushaltspolitik der Mitgliedsstaaten.
  • Interpretation der Währungsunion als Gefangenendilemma.
  • Empirische Überprüfung des Modells an Daten zur Haushaltspolitik europäischer Regierungen.
  • Analyse der Wirksamkeit des Stabilitäts- und Wachstumspakts als kollektive Selbstbindung.

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Spieler, Regeln und Strategien

Treten in der Realität Wechselwirkungen zwischen individuellen Verhaltensweisen auf, so sind meist eine Vielzahl von Akteuren beteiligt. Zwar ist es ohne weiteres möglich, mathematische Modelle mit sehr vielen Akteuren zu entwickeln, stattdessen lassen sich reale Situationen jedoch oft auch auf eine Konstellation aus zwei Spielern reduzieren. Dies ist dann der Fall, wenn für alle Akteure die gleichen „Regeln“, d.h. die gleichen speziellen Annahmen bezüglich ihrer Präferenzen und ihrer Handlungsalternativen, gelten. Dann nämlich lässt sich exemplarisch das Verhalten zweier konstruierter, repräsentativer Akteure untersuchen, deren Verhaltensmuster für alle weiteren, im Modell nicht dargestellten Akteure ebenso gelten sollen.

Man könnte beispielsweise im Falle von zwölf Anwohnern einer Straße, die in ihren Vorgärten jeweils einen Apfelbaum verschiedener Sorten angepflanzt haben, annehmen, dass jeder gern von den Apfelsorten der anderen kosten würde. Andererseits wird niemand wollen, dass von seinem eigenen Baum zuviel geerntet wird, so dass ihm selbst nichts mehr bleibt. Da für diese zwölf Nachbarn im Prinzip die gleiche Interessenlage gilt, könnte sich eine spieltheoretische Analyse auf die Untersuchung des Verhaltens zweier repräsentativer Nachbarn (A und B) beschränken.

Bei der Zahl der möglichen Handlungsalternativen lässt sich analog vorgehen. Die Nachbarn könnten beispielsweise vereinbaren, dass jeder das Recht hat, von jedem fremden Baum genau einen Apfel zu ernten, um die Sorte zu probieren. In der Realität könnte nun jeder der Nachbarn darauf verzichten, dieses Recht wahrzunehmen. Es wäre auch möglich, wie vereinbart den einen Apfel zu ernten, oder aber zwei, drei, vier oder noch mehr Äpfel von bestimmten Bäumen zu pflücken. Vor dieser Wahl stehen alle Nachbarn. Diese Alternativen lassen sich jedoch auch vereinfacht als Variationen der Strategien „die Ein-Apfel-Regel einhalten“ (+) und „die Ein-Apfel-Regel missachten“ (-) darstellen.

Aus einer Konstellation aus zwei Spielern (A und B) und zwei möglichen Strategien (+ und -) ergeben sich vier mögliche Spielstände: Beide Spieler könnten sich erstens an die Vereinbarung halten (A+; B+) oder sie zweitens missachten (A-; B-). Außerdem könnte sich drittens der erste daran halten, während der zweite sie missachtet (A+; B-) oder – viertens – umgekehrt (A-; B+).

Zusammenfassung der Kapitel

I. EINLEITUNG: Darstellung der politischen Konflikte um die Einhaltung des Maastrichter Defizitkriteriums und Einleitung der spieltheoretischen Fragestellung.

II. THEORETISCHER HINTERGRUND: Einführung in die Rational-Choice-Theorie sowie die Spieltheorie als Instrumente zur Analyse interdependenter Entscheidungen.

III. EIN SPIELTHEORETISCHES MODELL DER EUROPÄISCHEN WÄHRUNGSUNION: Entwicklung eines Modells, das die Haushaltsentscheidungen rationaler Regierungen unter den Bedingungen der Währungsunion beschreibt.

IV. EMPIRISCHE ÜBERPRÜFUNG DER AUSSAGEN DES MODELLS: Abgleich der Modellprognosen mit der tatsächlichen Haushaltspolitik europäischer Regierungen vor und seit Einführung der Währungsunion.

V. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Modellergebnisse und der Rolle des Stabilitäts- und Wachstumspakts als Problemlöser.

Schlüsselwörter

Rational-Choice-Theorie, Spieltheorie, Gefangenendilemma, europäische Währungsunion, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Haushaltspolitik, Haushaltsdefizit, Nash-Gleichgewicht, Pareto-Optimum, kollektive Selbstbindung, Fiskalpolitik, Konvergenzkriterien, Politische Ökonomie, ökonomische Modellbildung, Europäische Zentralbank.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Diplomarbeit untersucht die Haushaltspolitik der Mitgliedsstaaten der europäischen Währungsunion aus einer politikwissenschaftlichen Perspektive unter Verwendung spieltheoretischer Methoden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Mittelpunkt stehen die rationalen Anreizstrukturen von Regierungen, das Verhalten in interdependenten Entscheidungssituationen und die Effektivität vertraglicher Selbstbindungen wie dem Stabilitäts- und Wachstumspakt.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, eine spieltheoretische Erklärung dafür zu finden, warum Regierungen in der Währungsunion ein systemisches Anreizproblem haben, das häufig zur Überschreitung von Defizitgrenzen führt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt den deduktiven Rational-Choice-Ansatz und darauf aufbauend spieltheoretische Modelle, ergänzt durch eine qualitative empirische Überprüfung mittels historischer Wirtschaftsdaten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Es wird zunächst ein theoretisches Modell entwickelt, das die Haushaltsentscheidungen rationaler Akteure unter verschiedenen Rahmenbedingungen simuliert, bevor dieses Modell anhand realer Wirtschaftsdaten validiert wird.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Gefangenendilemma, Nash-Gleichgewicht, Haushaltsdisziplin, kollektive Selbstbindung und die Analyse des ökonomischen Handelns von Regierungen.

Wie unterscheidet sich die Haushaltspolitik in der Währungsunion von der nationalen Politik?

In der Währungsunion können Regierungen die negativen Folgen exzessiver Defizite (wie Zinsanstiege oder Währungsaufwertungen) über die gemeinsame Währung teilweise auf andere Mitgliedsstaaten abwälzen, was den Anreiz zur Verschuldung erhöht.

Ist der Stabilitäts- und Wachstumspakt nach Ansicht des Autors ein ideales Instrument?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Pakt weder in seiner ursprünglichen noch in seiner reformierten Fassung die theoretischen Kriterien einer optimalen kollektiven Selbstbindung erfüllt, da er u.a. keine automatischen und sanktionsbewehrten Mechanismen enthält.

Können politische Ideologien den Anreiz zum Defizit beeinflussen?

Obwohl Parteien programmatisch unterschiedliche Positionen (keynesianisch vs. stabilitätsorientiert) vertreten, zeigt das Modell, dass der institutionelle Druck der Wiederwahl innerhalb der Währungsunion für alle Regierungen ähnliche Anreize zur Verschuldung schafft.

Welche Rolle spielt die Zeitverzögerung bei Sanktionen?

Die lange Dauer des Sanktionsverfahrens im Pakt macht den Mechanismus für amtierende Regierungen, die in kurzen Legislaturperioden denken, weitgehend ineffektiv und damit wenig abschreckend.

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Details

Title
Die Europäische Währungsunion als Gefangenendilemma
Subtitle
Eine spieltheoretische Untersuchung zum Stabilitäts- und Wachstumspakt
College
University of Passau  (Philosophische Fakultät)
Grade
1,0
Author
Christof Wockenfuß (Author)
Publication Year
2006
Pages
89
Catalog Number
V149921
ISBN (eBook)
9783640608430
ISBN (Book)
9783640608171
Language
German
Tags
Europäische Währungsunion Gefangenendilemma Eine Untersuchung Stabilitäts- Wachstumspakt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christof Wockenfuß (Author), 2006, Die Europäische Währungsunion als Gefangenendilemma, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149921
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