Wollen heutige Lehrer die Leistungen ihrer Schüler zeitgemäß, gerecht und nachvollziehbar sowohl messen als auch bewerten, stehen sie vor einer großen Herausforderung. Es gilt eine Brücke zu schlagen zwischen zwei schier unvereinbaren Bereichen. So soll auf der einen Seite der Schüler mehr in den Vordergrund rücken, der Unterricht „offen“, „handlungsorientiert“, die Arbeit „frei“ und „interdisziplinär“ sein und auf der anderen Seiten sich die Produkte dieser Arbeit in ein normiertes, striktes und universell gültiges Bewertungskorsett einfügen lassen.Dass bei diesem Unterfangen keine Harmonie zu erzeugen ist, liegt auf der Hand, so müssen doch die Lehrer gewissermaßen mit neuen Fahrzeugen alte Wege befahren. Um diesem Problem Abhilfe zu schaffen, ist es unabdingbar, den neuen Lehr- und Lernmethoden ebenso unkonventionelle Formen der Leistungsmessung und –bewertung an die Seite zu stellen. Es geht also nicht darum die bisherigen Messinstrumente und Bewertungsmethoden zu verwerfen, sondern darum die bestehende Praxis zu optimieren , die „alten Wegen“, um nochmals mit dem Straßenmotiv zu sprechen, auszubessern.
Vor diesem Hintergrund ist die Frage nach neuen Formen der Messung und Bewertung von Schülerleistungen eine wichtige und dringend zu beantwortende Frage. Die vorliegende Arbeit verfolgt daher das Ziel sowohl über die derzeitige Bewertungssituation im deutschen Bildungssystem, besonders im Berliner System, zu informieren als auch Möglichkeiten und Chancen neuer Bewertungsmethoden aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Der Ist- Zustand
2.1 Was heißt Leistung und woran misst sie sich?
2.2 Wie wird bewertet?
3. Probleme bei der Messung und Bewertung von Schülerleistungen
3.1 Welche Probleme stellen sich bei der Messung von Schülerleistungen?
3.2 Was stört die Leistungsbeurteilung, welche Fehlerquellen gibt es?
4. Möglichkeiten und Chancen einer optimierten Leistungsmessung und –bewertung
4.1 Transparenz (Messung und Bewertung)
4.2 Beobachtung (Selbst- und Fremdbeobachtung)
5. Nachwort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen der Leistungsmessung und -bewertung im modernen schulischen Kontext, insbesondere im Hinblick auf den Übergang von einer reinen Input-Orientierung hin zu einer kompetenzorientierten Pädagogik. Ziel ist es, sowohl den aktuellen Ist-Zustand kritisch zu beleuchten als auch konkrete Möglichkeiten und Chancen für eine transparente und faire Bewertungspraxis aufzuzeigen.
- Herausforderungen des Kompetenzbegriffs in der schulischen Praxis
- Problematiken der traditionellen Leistungsmessung und Fehlerquellen bei der Bewertung
- Bedeutung der Transparenz in Mess- und Bewertungsmethoden
- Ansätze zur Förderung von Selbstbeobachtung bei Schülern
- Rolle des Philosophieunterrichts als Erprobungsfeld für Reformen
Auszug aus dem Buch
3.1 Welche Probleme stellen sich bei der Messung von Schülerleistungen?
Grundsätzlich muss jede Messung von Leistung in jedwedem Prüfungsbereich den allgemeinen Gütekriterien genügen, die da sind:
a) Validität (Was wird gemessen?)
b) Objektivität (Wie wird gemessen?
c) Reliabiliät (Wie oft wird gemessen?)
Selbstverständlich sind Klausuren keine wissenschaftlichen Studien, sondern haben pragmatischen Nutzen in einer konkreten Situation. Und doch dürfen diese Gütekriterien bei der Erstellung von Prüfungsaufgaben, seien sie auch „nur“ für den praktischen Rahmen „Schule“ konzipiert, nicht außer Acht gelassen werden.
Stellt ein Philosophielehrer bspw. eine Aufgabe zum „guten Willen“ bei Kant, hat die „Grundlegung der Metaphysik der Sitten“ aber gar nicht in seinem Unterricht behandelt, sondern nur vereinzelte Passagen aus der „Kritik der reinen Vernunft“ gelesen und gibt er zudem während der Klausur einzelnen Schülern Hilfestellung und erweitert plötzlich die Aufgabenstellung, so hat er gegen alle drei Gütekriterien verstoßen und seine Klausur verdient nicht mehr im Geringsten das Prädikat: „Test“.
Viele Probleme bei der Messung und demzufolge auch bei der Bewertung von Schülerleistungen gehen nicht zuletzt auf dieses Konto.
Im seltensten Fall setzen sich die Lerngruppen aus gleich leistungsstarken, bzw. –schwachen Schülern zusammen. Die meisten Lerngruppen sind also heterogen, sei es in Bezug auf das Verhältnis der Geschlechter untereinander, die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, die verschiedenen Begabungsgrade usw. Wenn für solche Gruppen Messungen der Lernleistungen durchgeführt werden, und das ist die alltägliche Praxis, auch im Philosophieunterricht, so stellt sich dem Prüfenden unweigerlich die Frage der Chancengleichheit. Wie kann ein Messinstrument entworfen werden mit dem Schüler unterschiedlicher „lernspezifischer Couleur“ gemeinsam auf ihren individuellen Leistungsstand hin geprüft werden sollen?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Das Kapitel thematisiert die Diskrepanz zwischen modernen, offenen Unterrichtsformen und traditionellen, starren Bewertungskriterien und fordert eine Optimierung der Bewertungspraxis.
2. Der Ist- Zustand: Hier wird der Wandel von der Input- zur Output-Orientierung und die Herausforderung des Kompetenzbegriffs im deutschen Schulwesen sowie die verschiedenen Bezugsnormen der Leistungsbewertung erläutert.
3. Probleme bei der Messung und Bewertung von Schülerleistungen: Dieses Kapitel analysiert die klassischen Gütekriterien der Leistungsprüfung und identifiziert zentrale Fehlerquellen wie den Halo-Effekt oder den Einfluss von Vorinformationen.
4. Möglichkeiten und Chancen einer optimierten Leistungsmessung und –bewertung: Der Fokus liegt hier auf Wegen zu mehr Transparenz durch Fehlerkodierung und die Einbindung der Schüler durch Selbstbeobachtung sowie den Einsatz von Portfolios.
5. Nachwort: Das Fazit unterstreicht die Verantwortung der Lehrkräfte und schlägt vor, den Philosophieunterricht als Erprobungsfeld für eine transparente und kooperative Bewertungskultur zu nutzen.
Schlüsselwörter
Leistungsbewertung, Kompetenzorientierung, Transparenz, Schülerleistung, Gütekriterien, Philosophieunterricht, Input-Orientierung, Output-Orientierung, Fehlerquellen, Selbstbeobachtung, Portfolios, Lerntagebücher, Schulentwicklung, Leistungsgesellschaft, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Herausforderung, Schülerleistungen in einer zunehmend kompetenzorientierten Schullandschaft gerecht, zeitgemäß und transparent zu bewerten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Leistung, die Probleme traditioneller Bewertungskonzepte, die Rolle der Kompetenzentwicklung sowie Methoden zur Verbesserung der Transparenz und Schülerbeteiligung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Status quo der Bewertungssituation zu analysieren und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Lehrer durch moderne Instrumente eine passgenaue und faire Bewertung sicherstellen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse unter Einbeziehung relevanter pädagogischer Fachliteratur, Rahmenlehrpläne und praktischer Fallbeispiele, um Optimierungspotenziale aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Wandel vom Input- zum Output-Modell, spezifische Fehlerquellen bei der Korrektur sowie praktische Ansätze wie Fehlerkodierung und der Einsatz von Portfolios detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kompetenzorientierung, Transparenz, Leistungsbewertung, Gütekriterien und pädagogische Prozessorientierung geprägt.
Warum wird gerade der Philosophieunterricht als Beispiel herangezogen?
Der Philosophieunterricht wird als ideal erachtet, da er durch seine metalinguistische Arbeit und den Fokus auf das Wesen der Dinge einen besonderen Rahmen bietet, um auch über die Grundlagen der Notengebung selbst zu reflektieren.
Welche Bedeutung kommt der Selbstbeobachtung der Schüler zu?
Selbstbeobachtung und Instrumente wie Lerntagebücher dienen dazu, Schüler aktiv in den Bewertungsprozess einzubinden, ihre Eigenverantwortung zu stärken und den Lernprozess nachvollziehbar zu machen.
- Quote paper
- Vera Fischer (Author), 2007, Leistungsmessung und Bewertung schriftlicher Arbeiten im Philosophieunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150235