In dieser Arbeit werden Pflegeroboter als neue Medientechnologie analysiert. Es wird die Forschungsfrage beantwortet, ob Roboter in der Pflege ethisch vertretbar sind und inwiefern die Technologie in der Praxis eingesetzt werden kann.
Im medizinischen Bereich und im Pflegebereich wird viel Zeit und Energie in die Forschung von intelligenten Robotersystemen investiert. Dies hat hohe Priorität, da es aufgrund der demographischen Entwicklung immer mehr ältere Menschen gibt, die dementsprechend Pflege benötigen. In dreißig bis vierzig Jahren wird das Gesundheitssystem zudem erneut auf die Probe gestellt, da sich dann die Babyboomer-Generation in einem pflegebedürftigen Alter befindet. Für diese große Anzahl an Patienten sind jedoch nicht entsprechend viele Pfleger vorhanden. Hinzu kommt die hohe Berufsaussteigerquote in den Pflegeberufen. Roboter sollen die Mitarbeiter in der Pflege unterstützen und es ihnen möglich machen, sich auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren, nämlich auf die soziale Interaktion mit den Pflegebedürftigen.
Doch damit gehen auch unzählige ethische Fragestellungen und Probleme einher, die nicht außer Acht gelassen werden sollten. Auf der einen Seite gibt es die Perspektive der Forscher, die zeigt, was alles potenziell technisch möglich ist. Auf der anderen Seite könnte diese neue Technologie ohne die kritische ethische Reflektion und Diskussion jedoch möglicherweise falsch eingesetzt werden und mehr Nachteile als Vorteile bringen.
Zunächst wird in dieser Arbeit damit begonnen, die relevanten Begriffe zu definieren und voneinander abzugrenzen. Anschließend wird der aktuelle Forschungsstand wiedergegeben. Im vierten Kapitel werden die Phasen und Probleme, die bei der Einführung eines neuen Mediums auftreten, aufgezeigt. Häufig wird dieses zunächst mit vielen negativen Assoziationen verbunden, bis es allmählich akzeptiert wird. Zu Beginn der Einführung eines neuen Mediums ist es zudem zunächst unklar, welche Funktion es erfüllen wird. Die gewonnenen Erkenntnisse werden im Anschluss auf die Technologie der Roboter bezogen. Im darauffolgenden Kapitel werden die ethischen Probleme und Fragen, die diese Technologie aufwirft, identifiziert und zusammengetragen. Schließlich wird analysiert, wie die Technologie mit diesen Problemen umgeht und abschließend ein Urteil über den möglichen Einsatz in der Praxis gefällt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen und Begriffserklärungen
2.1. Roboter
2.2. Pflegeroboter
2.3. Roboter in der Pflege
3. Aktueller Forschungsstand
4. Enkulturation einer neuer Medientechnologie
4.1. Phasen bei der Einführung neuer Medien
4.1.1. Einführungsphase
4.1.2. Etablierungsphase
4.2. Akzeptanz von Robotern als neuer Medientechnologie
5. Identifikation ethischer Probleme
5.1. Autonomie von Pflegerobotern
5.2. Wegfall menschlicher Arbeitskräfte und Fähigkeiten
5.3. Privatsphäre, Datenschutz, Verantwortung
5.4. Achtung der Menschenwürde
6. Umgang der Roboter mit den genannten Problemen und Einsatzfähigkeit
6.1. Umgang mit Autonomie
6.2. Umgang mit dem Wegfall menschlicher Pflegekräfte und Fähigkeiten
6.3. Umgang mit Privatsphäre, Datenschutz, Verantwortung
6.4. Umgang mit der Achtung der Menschenwürde
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert Pflegeroboter als neue Medientechnologie vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und der damit verbundenen Herausforderungen im Gesundheitswesen. Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, ob Roboter in der Pflege ethisch vertretbar sind und unter welchen Bedingungen die Technologie in der Praxis sinnvoll eingesetzt werden kann.
- Medientheoretische Einordnung der Enkulturation der Robotik.
- Diskussion ethischer Problemfelder wie Autonomie, Datenschutz und Menschenwürde.
- Analyse des aktuellen Entwicklungs- und Einsatzstandes von Pflegerobotersystemen.
- Kritische Bewertung von Chancen und Risiken bezüglich des menschlichen Pflegepersonals.
Auszug aus dem Buch
4.1.1. Einführungsphase
In der Einführungsphase wird das neue Medium entwickelt und setzt sich anschließend erst einmal nur bei einer begrenzten Gruppe an Menschen durch. Diese Gruppe besteht aus medientechnologischen Eliten, wie beispielsweise Bastlern, Technikern und Ingenieuren, die sich für das neue Medium begeistern und an den technischen Aspekten interessiert sind. Sie sind dem neuen Medium gegenüber euphorisch und haben überzogenen Erwartungen an seine Funktionalität. (vgl. Leschke 2003, 70)
Jede Medientechnik hat sogenannte soziale Träger, die sich mit dem Medium identifizieren und sich für dessen Etablierung einsetzen. In der Einführungsphase sind die medientechnologischen Eliten die sozialen Träger des Mediums auf technischer Ebene.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die demographische Notwendigkeit für Pflegeroboter und definiert das Ziel, deren ethische Vertretbarkeit und Praxiseinsatz zu analysieren.
2. Definitionen und Begriffserklärungen: Differenziert zwischen Robotern im Allgemeinen, speziellen Pflegerobotern und dem breiteren Feld der Roboter in der Pflege.
3. Aktueller Forschungsstand: Gibt einen Überblick über existierende Technologien wie Transport- und Desinfektionsroboter sowie Prototypen wie den Care-O-bot.
4. Enkulturation einer neuer Medientechnologie: Überträgt die Medientheorie der Enkulturation auf Robotersysteme und beschreibt die Phasen von der euphorischen Einführung zur Etablierung.
5. Identifikation ethischer Probleme: Systematisiert ethische Konfliktbereiche, darunter Autonomie, Auswirkungen auf Fachkräfte, Datenschutz und die Wahrung der Menschenwürde.
6. Umgang der Roboter mit den genannten Problemen und Einsatzfähigkeit: Erörtert Lösungsansätze für die zuvor identifizierten Probleme und bewertet die praktische Einsatzfähigkeit der Technologie.
7. Fazit: Führt die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass ein pauschales Urteil nicht möglich ist, da der Einsatz von Assistenzsystemen differenziert betrachtet werden muss.
Schlüsselwörter
Pflegeroboter, Robotik, Ethik, Medientechnologie, Autonomie, Maschinenethik, Pflege, Demographie, Datenschutz, Assistenzroboter, Enkulturation, Mensch-Maschine-Interaktion, Pflegekräfte, Technikfolgenabschätzung, Digitalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Pflegerobotik als neue Medientechnologie und bewertet deren ethische Aspekte sowie die Auswirkungen auf den Pflegealltag.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die medientheoretische Einordnung von Robotern, ethische Probleme in der Pflege, Datenschutz, Autonomie von Maschinen und die Interaktion zwischen Mensch und Roboter.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage ist, ob Roboter in der Pflege ethisch vertretbar sind und inwiefern sie in der Praxis eingesetzt werden können, ohne die Patienten oder Pflegekräfte zu entwürdigen oder zu überfordern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die medientheoretische Einordnung von Innovationsprozessen, um eine ethische Bewertung der Pflegerobotik vorzunehmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Grundlagen, eine medientheoretische Betrachtung, die Identifikation spezifischer ethischer Probleme und eine kritische Diskussion der Lösungsmöglichkeiten für diese Probleme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Pflegeroboter, Ethik, Autonomie, Pflege, Datenschutz und Mensch-Maschine-Interaktion charakterisieren.
Wie unterscheidet der Autor zwischen den Rollen von Pflegerobotern?
Der Autor unterscheidet zwischen reinen Assistenzsystemen, die repetitive Aufgaben übernehmen, und komplexeren Systemen (Unterhaltungs- oder Telepräsenzrobotern), die durch Interaktion soziale Bindungen oder Täuschungsprobleme hervorrufen können.
Wie bewertet die Arbeit den Einsatz von Telepräsenzrobotern bei Demenzpatienten?
Der Einsatz wird sehr kritisch gesehen, da das Risiko der Täuschung besteht; eine Anwesenheit menschlicher Pflegekräfte ist laut Autor zur Auflösung der verdeckten Adressaten zwingend erforderlich.
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- Anonym (Author), 2020, Ethische Analyse der Medientechnologie. Roboter in der Pflege, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1502533