Die Bedeutung der Bäckereien bei der Ernährung der Bevölkerung am Beispiel Pompejis


Seminararbeit, 1998

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bedeutung der Bäckereien für die Ernährung der Bevölkerung
2.1. Die Entwicklung der gewerblichen Bäckerei in Rom
2.2. Ausstattung und Arbeitsweise römischer Bäckereien
2.2.1. Die Ausstattung der Bäckereien von Pompeji
2.2.2. Die Arbeitsweise einer römischen Bäckerei
2.3. Wohnverhältnisse und Möglichkeiten der Selbstversorgung in den römischen Städten
2.4. Die Lage der Bäckereien im Stadtgebiet von Pompeji

3. Zusammenfassung

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wenn man über die Bedeutung der Bäckereien bzw. des Brotes in der römischen Welt nachdenkt, fällt vielen sicherlich zunächst der Ausspruch ein, „panem et circensis“, „Brot und Spiele“, seien alles, wessen das römische Volk bedürfe. Doch diese Aussage stammt aus einer Satire Juvenals[1] und ist daher nicht unbedingt dazu geeignet, den Stellenwert der Bäckereien im täglichen Leben der damaligen Zeit zu bewerten.

Leider liefern die literarischen Quellen kaum verwertbare Informationen zu diesem Thema. Daher ist man hauptsächlich auf archäologische Quellen angewiesen, die jedoch für Thematiken der Alltagsgeschichte einen hervorragenden und beeindruckenden Fundort bieten. Die Ausgrabungen des 79 n.Chr. durch einen Vulkanausbruch zerstörten Pompejis erbrachten für viele Aspekte des Alltagslebens der römischen Bevölkerung interessante Informationen, über man ansonsten nichts erführe. Das tagtägliche Leben der Stadt wurde durch den Ascheregen, der Tod und Verderben brachte, konserviert und kam so unverfälscht, wie sonst nirgends, auf uns. So bietet sich Pompeji auch für die hier behandelte Fragestellung an.

Doch es gibt Einschränkungen. Es muss berücksichtigt werden, dass die Auswertung der archäologischen Funde Pompejis vor allem Erkenntnisse für die Zeit des 1. Jahrhunderts n.Chr. liefert. Die Zeit davor und besonders natürlich danach bleibt im Dunkeln. Auch sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass die Ergebnisse aus Pompeji nicht unbedingt auf das gesamte römische Imperium übertragbar sind. Trotz alle dem liefern die in Pompeji gefundenen baulichen Überreste, die Wandmalereien und auch die vielen epigraphischen Funde Einblicke in das tägliche Alltagsleben der Menschen einer römischen Stadt.

Aufbauend auf der Dissertation von Betty Jo Mayeske „Bakeries, bakers and bread at Pompeii. A study in social and economic history“ von 1972 soll im Folgenden die Bedeutung der Bäckereien bei der Ernährung der römischen Bevölkerung untersucht werden. Dabei wird auf die Ausstattung und Arbeitsweise der Bäckereien einzugehen sein, sowie auf den Vertrieb der Produkte und auf die Verteilung der Bäckereien im Stadtgebiet. Auch müssen die Wohnverhältnisse und die damit verbundenen Möglichkeiten zur Selbstversorgung der einzelnen Haushalte berücksichtigt werden. Vorweg soll kurz anhand weniger literarischer Quellen auf die Entwicklung der gewerblichen Bäckerei eingegangen werden.

2. Die Bedeutung der Bäckereien für die Ernährung der Bevölkerung

2.1. Die Entwicklung der gewerblichen Bäckerei in Rom

Brot war nicht immer das Hauptnahrungsmittel der römischen Bevölkerung. Lange Zeit ernährte sich der größte Teil des Volkes von einem, aus Getreidemehl hergestellten Brei, der puls genannt wurde. Dazu aß man vor allem Gemüse und Käse.[2] Plinius d. Ältere (23-79 n.Chr.) z.B. schreibt, die Römer hätten für eine lange Zeit von Getreidebrei gelebt, nicht von Brot.[3] Das wenige Brot, das verzehrt wurde, stellte man selbst her.

Die Entstehung des gewerbsmäßigen Bäckereiwesens in Rom ist anhand der Quellen nicht eindeutig zu ermitteln. Plinius gibt an, dass es bis zur Zeit des Krieges mit Perseus II. von Makedonien (3. Makedonischer Krieg 171-168 v.Chr.) in Rom keine Bäcker gegeben habe, sondern dass die Bürger ihr Brot bis dahin selbst hergestellt hätten.[4] In den Komödien des Plautus (251-184 v.Chr.) wird jedoch bereits mehrfach eine wohl professionell betriebene Bäckerei erwähnt.[5] Somit muss man das Entstehen des Bäckereihandwerks in die Zeit zwischen dem 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. datieren. Sicher scheint jedoch zu sein, dass es ab dem 2. Jahrhundert v.Chr. schnell an Bedeutung zunahm.

2.2. Ausstattung und Arbeitsweise römischer Bäckereien

2.2.1. Die Ausstattung der Bäckereien von Pompeji

Die Brotherstellung hat sich trotz der Industrialisierung bis in die heutige Zeit nicht grundlegend verändert. Der Hauptbestandteil des Brotes, das Getreide, muss zu Mehl gemahlen werden und dann mit verschiedenen Zutaten wie Wasser, Salz, Gewürzen und ggf. einem Triebmittel zu einem Teig verarbeitet werden, der schließlich gebacken wird. Man kann also vermuten, dass auch antike Bäckereien über Tröge zum Ansetzen des Teiges und über Backöfen verfügten, sowie über Hilfsmittel wie z.B. Brotschieber. Anders als in späteren Zeiten waren die römischen bzw. zumindest die pompejischen Bäckereien aber auch autark, was die Mehlherstellung betraf.

Von den einunddreißig von Mayeske untersuchten Bäckereien, verfügten zwanzig über Getreidemühlen und zwar immer drei oder vier Mühlen pro Bäckerei.[6] Die Mühlsteine bestanden aus harter, poröser, grauschwarzer Lava. Der untere feststehende, glockenförmige Teil, die meta, ruhte auf einem runden, gemauerten Fundament mit einem größeren Durchmesser als dem unteren Teil der meta und einer kleinen Ummauerung bzw. einem hölzernen Überbau zum Auffangen des gemahlenen Getreides. Der bewegliche Teil, der catillus, war sanduhrförmig, der obere Teil diente gleichzeitig als Trichter zum Einfüllen des Getreides. Zur Verlängerung der Lebensdauer einer Getreidemühle konnte man den catillus umdrehen. An seiner engsten Stelle waren in eisernen Pfannen mit Hilfe von Zapfen Holzstangen befestigt, mit denen der catillus gedreht wurde. Die Mühlen wurden entweder durch Menschenkraft ( mola trusatilis ) oder von einem Pferd oder Esel ( mola asinaria ) angetrieben, wobei sich die letztere Mühlenart immer mehr durchsetzte.

Als unverzichtbarer Bestandteil gehörte zu den Bäckereien der Backofen ( furnus ). Die aufwendigeren Backöfen der größeren Backereien besaßen eine Feuerstelle, deren Boden aus mit Kalkmörtel verbundenen Ziegelsteinen bestand. Darunter befand sich zur Vermeidung von Hitzeverlusten eine dicke Sandschicht. Über dem Boden erhob sich ein konisches Gebäude aus Ziegelsteinstücken, das auf einem Mäuerchen ruhte. Während des Backvorganges wurde das Ofenloch mit einem eisernen Schieber verschlossen. Ein Kamin sorgte für ausreichend Zug. Die gesamte Konstruktion war auf einem gemauerten Fundament aufgebaut, das z.T. gewölbt war und so Raum für die Lagerung von Brennholz bot.[7]

Ein zur Zeit des Vesuvausbruches in Betrieb befindlicher Backofen, in dem sich 81 verkohlte Brotlaibe befanden, gibt eine Ahnung von der Kapazität der Öfen.[8]

Zur weiteren Ausstattung einer pompejischen Bäckerei gehörten, wie zu erwarten, Backtröge zum Mischen des Teiges, aber einige Bäckereien verfügten auch über Knetmaschinen. Dabei wurden in einem runden, steinernen Trog mit einem Durchmesser von 45-60 cm an einem hölzernen Mittelstab befestigte Holzflügel zwischen feststehenden Stangen hindurchbewegt bzw. -gedreht.[9] Desweiteren gab es Tische zum Formen der Brotlaibe, langstielige Schieber, Siebe, Wassergefäße und Messbehälter. Vieles davon ist jedoch, da es aus vergänglichem Material war, nicht erhalten geblieben.

[...]


[1] Iuv., Satiren X, 81: ...; nam qui dabat olim imperium, fasces, legiones, omnia, nunc se continet atque duas tantum res axius optat, panem et circenses.

[2] Vgl. Blanck, Privatleben der Griechen und Römer, S. 94; Weeber, Alltag im Alten Rom, S. 67, S. 162.

[3] Plin. NH XVIII 83: Pulte autem, non pane, vixisse longo tempore Romanos manifestum,

[4] Ebd., XVIII 107: Pistores Romae non fuere ad Persicum usque bellum annis ab urbe condita super DLXXX. Ipsi panem faciebant Quirities, mulierumque id opus maxime erat, sicut etiam nunc im plurimis gentium.

[5] Vgl. Mayeske, Bakeries, S. 2-4, sowie eine Liste der Textstellen bei Plautus in Anm. 3, S. 3; siehe auch: Zimmer, Römische Berufsdarstellungen, S. 20-21.

[6] Eine der Bäckereien verfügte sogar über fünf Getreidemühlen.

[7] Zum Aufbau und zur Technik der Getreidemühlen und Backöfen siehe Etienne, Pompeji, S. 146-150; Mayeske, Bakeries, S. 11-13, 22, 23-26.

[8] Vgl. Mayeske, Bakeries, S. 46.

[9] Eine Abbildung siehe bei Etienne, Pompeji, S. 150, Abb. 11.

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Details

Titel
Die Bedeutung der Bäckereien bei der Ernährung der Bevölkerung am Beispiel Pompejis
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,7
Autor
Jahr
1998
Seiten
14
Katalognummer
V150671
ISBN (eBook)
9783640618507
ISBN (Buch)
9783640618613
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bäckereien, Pompeji, Ernährung, Antike, Römisches Reich
Arbeit zitieren
M.A. Martina Kleinau (Autor), 1998, Die Bedeutung der Bäckereien bei der Ernährung der Bevölkerung am Beispiel Pompejis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150671

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