Von der Alhambra bis zum Flamenco – Das arabische Erbe Andalusiens

Ein Einblick in die Kulturgeschichte Spaniens sowie Konditionen und Ergebnisse der UNESCO


Seminararbeit, 2010
29 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das spanische und weltliche Kulturerbe

2. Geschichtlicher Hintergrund: Al-Andalus

3. Materielles Weltkulturerbe in Andalusien
3.1 UNESCO-Standard: Definitionen und Konditionen
3.2 Granada
3.2.1 Das Albaicin
3.2.2 Die Alhambra
3.2.3 Der Generalife
3.3 Der Aufnahmeprozess zum Weltkulturerbe
3.4 Weitere Maßnahmen

4. Immaterielles Weltkulturerbe Spaniens
4.1. Definition und Kriterien
4.2 Immaterielles arabisches Erbe
4.2.1 Arabismen in der spanischen Sprache
4.2.2 Brauchtum: Tanz und Poesie
4.3 Das immaterielle Erbe von Al-Andalus im Blickfeld der UNESCO

5. Das Problem des Eurozentrismus und die internationale Bedeutung der sprachlich-kulturellen Symbiose von Al-Andalus

Bilderverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Das spanische und weltliche Kulturerbe

Ob das Bauhaus und seine Stätten in Weimar, Schloss und Park von Versailles in Frankreich, Stonehenge in Großbritannien, das Friedensdenkmal in Japan, die Große Mauer in China oder auch die archäologische Landschaft der ersten Kaffeeplantagen im Südosten Kubas - alle haben sie etwas gemeinsam: Sie stehen auf der insgesamt 890 Denkmäler umfassenden Liste des Welterbes der UNESCO. Die Schönheit dieser Gebäudekomplexe und natürlichen Stätten fasziniert die ganze Welt und lässt jedes Jahr tausende Touristen dorthin "pilgern".

Die UNESCO[1] - eine von 16 rechtlich selbstständigen Sonderorganisationen der Vereinten Nationen - bietet eine umfassende Anzahl an Maßnahmen zur Bekanntgabe jener bedeutenden Kulturstätten, da sie das Ziel verfolgt, durch Zusammenarbeit zwischen den Völkern zur Wahrung des Friedens und der Sicherheit auf der Welt beizutragen[2]. Seit den Sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts arbeitet die UNESCO auch mit den arabischen Emiraten zusammen, welche erst 1972 Mitgliedstaat wurden. Es fand eine zwischenstaatliche Konferenz über Kulturpolitik in den arabischen Staaten statt, die die Rolle der islamisch-arabischen Kultur in Vergangenheit und Gegenwart dokumentieren sollte[3]. Die arabisch­islamische Welt und Europa stehen seit Jahrhunderten mit unterschiedlicher Intensität in kulturellem Austausch. Besonders Spanien ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, da fast 800 Jahre arabische Herrschaft einen großen Beitrag zur Kulturentwicklung dieser Nation leistete. Spaniens kulturelle Diversität zeichnet sich besonders durch künstlerisch-architektonischen Reichtum sowie überliefertes Brauchtum und Spracheinfluss der arabischen Kultur aus. Dadurch ist es mit 41 eingetragenen Denkmälern (nach Italien) das Land mit der zweithöchsten Anzahl von Welterbestätten auf der Welt[4].

Die Verschmelzung jener zwei Kulturen ist längst in dem kulturellen Bewusstsein Europas verankert, so dass es sich lohnt, noch einmal einzelne Aspekte zu betrachten und einen neuen Fokus darauf zu legen. Aus diesem Grund soll in vorliegender Arbeit nicht nur auf die (Kultur-)Geschichte der arabischen Herrschaft Spaniens und ihr materielles Erbe, sondern auch auf die immateriellen Kulturauswirkungen aus dieser Zeit eingegangen werden.

Zunächst stellen sich selbstverständlich einige grundsätzliche Fragen: Wie kam die arabische Kultur nach Spanien und warum hat die Autorin sich Granada im speziellen ausgesucht? Weiterhin ist zu klären, warum Granada und ein Teil seiner Bauten zum Weltkulturerbe ernannt wurden und welche Bedingungen erfüllt werden müssen, um auf die Welterbeliste gesetzt zu werden.

Im Anschluss daran soll untersucht werden, wie sich immaterielles Erbe definiert und welche Rolle es bezüglich der arabischen Kultureinwirkungen in Spanien spielt. Letztlich stellt sich Frage, wie die UNESCO mit diesen immateriellen Relikten Spaniens umgeht und welche Schlussfolgerungen sich daraus ergeben.

2. Geschichtlicher Hintergrund: Al-Andalus

Warum und auf welche Weise die arabische Kultur in das heutige Spanien gelangte, lässt sich sowohl geographisch als auch geschichtlich begründen. Die Straße (oder auch Meerenge) von Gibraltar verbindet das Mittelmeer mit dem Atlantik und trennt somit Nordafrika von Europa. Auf diesem Weg gelangten im Jahr 711 n.Chr. maurische[5] Truppen von Marroko nach Spanien. Im Juli desselben Jahres gewann das Invasionsheer im Süden Spaniens die Schlacht am Rio Guadalete gegen die zuvor ansässigen christlichen Westgoten. Im Zuge der Eroberung der Iberischen Halbinsel bis zum Jahr 719 nannten die arabischen Eroberer das eingnommene Gebiet "Al- Andalus". Die ethymologische Bedeutung des Begriffs ist umstritten. Sicher ist aber, dass die heutige Bezeichnung Andalusiens davon abzuleiten ist. Im Jahr 756 wurde in Al-Andalus das Emirat[6] von Cordoba gegründet, wodurch die Stadt zum Zentrum des selbständigen Reiches wurde. Das folgende Jahrhundert war geprägt von Fehden zwischen Christen und Muslimen sowie Streitigkeiten um zu hohe Steuern oder auch soziale und kulturelle Gleichberechtigung.

Trotz vieler Zerwürfnisse der einzelnen maurischen Stämme schritt die Islamisierung sowohl im Staatswesen als auch in Religion, Sprache und Wirtschaft fort. Unter Abd al-Rahmän II. wurden eine Hierarchie mit einem Sultan als Zentralgewalt nach dem Vorbild in Bagdad angeordnet, Arabisch als Hochsprache eingeführt. Im folgenden konvertierten zahlreiche Christen zum Islam und es wurden Moscheen in islamischer Architekturform gebaut, deren Stil sich auf nachfolgende andalusische Bauten auswirkte. Al-Andalus galt in jener Zeit als erstrangige Wirtschaftsmacht, was abgesehen von den oben genannten Aspekten als wichtiger Grund für die Blütezeit des Emirats von Cordoba Mitte des 9. Jahrhunderts genannt werden kann. Doch die Feindschaft unter einzelnen maurischen Stämmen blieb weiter bestehen. Den letzten Widerstand konnte anfang des 10. Jahrhunderts Abd al-Rahmän III. niederschlagen. Im Jahre 929 nahm er den Titel eines Kalifen an, das Emirat wurde zum "Kalifat von Cordoba" umbenannt. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts folgte eine große Anzahl von Feldzügen gegen die christlichen Reiche auf der iberischen Halbinsel. Jedoch war die Beendigung der inneren Auseinandersetzungen in Al- Andalus nur von kurzer Dauer. 1031 verkündeten die Adligen von Cordoba das Ende des Kalifats. Die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts zeichnet sich durch eine Zersplitterung in Kleinkönigreiche, sogenannte "taifas", aus, gefolgt von einigen Versuchen der Christen, die Kalifate zu stürzen. Von 1094 bis 1232 stand Al-Andalus zunächst unter der Herrschaft der Berberdynastie der Almoraviden und nachfolgend unter der der Almohaden. Die Einheit des muslimischen Westens zerbrach Mitte des 13. Jahrhunderts. Schon davor hatten die christlichen Königreiche begonnen, ihre Position auf der Halbinsel zu stärken und drangen tief in den Süden des Landes vor. Cordoba, Jaen und Sevilla wurden von Ferdinand III. erobert. Der Sultan Muhammad Yüsuf ben Nasri 'Alhamar' (von der muslimisch-maurischen Dynastie der Nasriden) bemächtigte sich im Gegenzug 1237 Granadas, um es zum Zentrum seines Königreiches zu machen. Auf einem Berg wurde der beeindruckendste Fürstenpalast jener Zeit errichtet: Die Alhambra.

1462 besetzte das Königreich Kastilien Gibraltar; nur sieben Jahre danach erfolgte die Heirat von Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon, um die christliche Macht zu bündeln[7]. 1485 begann das nun vereinigte Spanien mit der Eroberung des Sultanats, während die Muslime ihre Kräfte in einem Bürgerkrieg erschöpften. 1492 musste Granada kapitulieren und die Ära der "Reconquista"[8] der katholischen Könige ging zu Ende. Die kulturellen Auswirkungen jener Zeit gelten jedoch bis heute. Die künstlerisch-architektonische Vielfältigkeit dieser Nation ist bemerkenswert.

3. Materielles Weltkulturerbe in Andalusien

Auch wenn im Zusammenhang mit dem arabischen Einfluss auf die spanische Geschichte schon der Begriff "Weltkulturerbe" gefallen ist, so ist zunächst zu klären, was jene Bezeichnung (in materieller Hinsicht) bedeutet. Geprägt und definiert wurde der Terminus von der UNESCO.

3.1 UNESCO-Standard: Definitionen und Konditionen

Im Oktober 1972 kam die Generalkonferenz der UNESCO zu ihrer 17. Tagung in Paris zusammen, um das Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt zu beschließen. In jenem Übereinkommen in Artikel 1 des Punkt 1 vereinbarte man die Begriffsbestimmung des Kultur- und Naturerbes:

"Im Sinne dieses Übereinkommens gelten als "Kulturerbe"

Denkmäler: Werke der Architektur, Großplastik und Monumentalmalerei, Objekte oder Überreste archäologischer Art, Inschriften, Höhlen und Verbindungen solcher Erscheinungsformen, die aus geschichtlichen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Gründen von außergewöhnlichem universellem Wert sind;

Ensembles: Gruppen einzelner oder miteinander verbundener Gebäude, die wegen ihrer Architektur, ihrer Geschlossenheit oder ihrer Stellung in der Landschaft aus geschichtlichen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Gründen von außergewöhnlichem universellem Wert sind;

Stätten: Werke von Menschenhand oder gemeinsame Werke von Natur und Mensch sowie Gebiete einschließlich archäologischer Stätten, die aus geschichtlichen, ästhetischen, ethnologischen oder anthropologischen Gründen von außergewöhnlichem universellem Wert sind."[9]

[...]


[1] United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur), siehe Homepage der Deutschen UNESCO- Komission

[2] Vgl. Homepage der Deutschen UNESCO-Komission

[3] Vgl. Dyroff 1979, S. 5f

[4] Siehe Welterbeliste der UNESCO

[5] Berberstämme (Nomaden) aus Nordafrika, die von den Arabern islamisiert wurden

[6] Provinz die durch einen arabische Prinzen (Emir) verwaltet wird

[7] Vgl. Guichard, 2002

[8] Rückeroberung

[9] Übereinkommen der Welterbekonvention 1972 der UNESCO

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Von der Alhambra bis zum Flamenco – Das arabische Erbe Andalusiens
Untertitel
Ein Einblick in die Kulturgeschichte Spaniens sowie Konditionen und Ergebnisse der UNESCO
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Volkskunde/Kulturgeschichte)
Veranstaltung
Seminar UNESCO - Der Umgang mit dem immateriellen kulturellen Erbe
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
29
Katalognummer
V150705
ISBN (eBook)
9783640620715
ISBN (Buch)
9783640620142
Dateigröße
675 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unesco, Alhambra, Spanien, Andalusien, Kultur, Weltkulturerbe, Immateriell, Araber, Almohaden, Flamenco, Romanistik, Volkskunde, Kulturgeschichte, Ethnologie, Granada
Arbeit zitieren
Ida Blick (Autor), 2010, Von der Alhambra bis zum Flamenco – Das arabische Erbe Andalusiens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150705

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Von der Alhambra bis zum Flamenco – Das arabische Erbe Andalusiens


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden