Die UNESCO – eine von 16 rechtlich selbstständigen Sonderorganisationen der Vereinten Nationen – bietet eine umfassende Anzahl an Maßnahmen zur Bekanntgabe von bedeutenden Kulturstätten, da sie das Ziel verfolgt, durch Zusammenarbeit zwischen den Völkern zur Wahrung des Friedens und der Sicherheit auf der Welt beizutragen. Seit den Sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts arbeitet die UNESCO auch mit den arabischen Emiraten zusammen, welche erst 1972 Mitgliedstaat wurden. Es fand eine zwischenstaatliche Konferenz über Kulturpolitik in den arabischen Staaten statt, die die Rolle der islamisch‐arabischen Kultur in Vergangenheit und Gegenwart dokumentieren sollte. Die arabisch‐islamische Welt und Europa stehen seit Jahrhunderten mit unterschiedlicher Intensität in kulturellem Austausch. Besonders Spanien ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, da fast 800 Jahre arabische Herrschaft einen großen Beitrag zur Kulturentwicklung dieser Nation leistete. Spaniens kulturelle Diversität zeichnet sich besonders durch künstlerisch‐architektonischen Reichtum sowie überliefertes Brauchtum und Spracheinfluss der arabischen Kultur aus. Dadurch ist es mit 41 eingetragenen Denkmälern (nach Italien) das Land mit der zweithöchsten Anzahl von Welterbestätten auf der Welt.
Die Verschmelzung jener zwei Kulturen ist längst in dem kulturellen Bewusstsein Europas verankert, so dass es sich lohnt, noch einmal einzelne Aspekte zu betrachten und einen neuen Fokus darauf zu legen. Aus diesem Grund soll in vorliegender Arbeit nicht nur auf die (Kultur‐)Geschichte der arabischen Herrschaft Spaniens und ihr materielles Erbe, sondern auch auf die immateriellen Kulturauswirkungen aus dieser Zeit eingegangen werden.
Zunächst stellen sich selbstverständlich einige grundsätzliche Fragen: Wie kam die arabische Kultur nach Spanien und warum hat die Autorin sich Granada im speziellen ausgesucht? Weiterhin ist zu klären, warum Granada und ein Teil seiner Bauten zum Weltkulturerbe ernannt wurden und welche Bedingungen erfüllt werden müssen, um auf die Welterbeliste gesetzt zu werden.
Im Anschluss daran soll untersucht werden, wie sich immaterielles Erbe definiert und welche Rolle es bezüglich der arabischen Kultureinwirkungen in Spanien spielt.
Letztlich stellt sich Frage, wie die UNESCO mit diesen immateriellen Relikten Spaniens umgeht und welche Schlussfolgerungen sich daraus ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Das spanische und weltliche Kulturerbe
2. Geschichtlicher Hintergrund: Al-Andalus
3. Materielles Weltkulturerbe in Andalusien
3.1 UNESCO-Standard: Definitionen und Konditionen
3.2 Granada
3.2.1 Das Albaicín
3.2.2 Die Alhambra
3.2.3 Der Generalife
3.3 Der Aufnahmeprozess zum Weltkulturerbe
3.4 Weitere Maßnahmen
4. Immaterielles Weltkulturerbe Spaniens
4.1. Definition und Kriterien
4.2 Immaterielles arabisches Erbe
4.2.1 Arabismen in der spanischen Sprache
4.2.2 Brauchtum: Tanz und Poesie
4.3 Das immaterielle Erbe von Al-Andalus im Blickfeld der UNESCO
5. Das Problem des Eurozentrismus und die internationale Bedeutung der sprachlich-kulturellen Symbiose von Al-Andalus
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das arabische Erbe Andalusiens im Kontext des materiellen und immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Dabei wird analysiert, wie historische Stätten in Granada wie die Alhambra geschützt werden und inwieweit immaterielle kulturelle Einflüsse wie Sprache, Poesie und Flamenco im internationalen Kontext bewertet sowie durch die UNESCO anerkannt werden.
- Kulturgeschichte der arabischen Herrschaft in Spanien
- UNESCO-Kriterien für materielles Weltkulturerbe am Beispiel Granadas
- Bedeutung von arabischen Spracheinflüssen (Arabismen) im Spanischen
- Kulturelle Symbiose von Al-Andalus in Poesie und Musik (Flamenco)
- Eurozentrismus in der internationalen Erbe-Bewertung
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Die Alhambra
In seiner Kurzgeschichtensammlung über die Alhambra schwärmte der amerikanische Schriftsteller Washington Irving im Jahr 1829: "Es ist unmöglich, diesen so völlig orientalischen Schauplatz zu betrachten, ohne die fernen Anklänge an die arabische Märchenwelt zu fühlen und fast zu erwarten, daß der weiße Arm irgendeiner geheimnißvollen Prinzessin von dem Balkon winke oder ein schwarzes Auge durch das Gitter blicke."
Wie schon erwähnt (siehe Kapitel 2), wurde die Alhambra ("Die rote Burg") während der langjährigen maurischen Herrschaft Mitte des 13. Jahrhunderts geschaffen. Sie wird nicht nur als der älteste, sondern auch als besterhaltenster arabischer Palast seiner Zeit bezeichnet. Die auf einer Anhöhe liegende und die Stadt Granada überragende Burg (umschlossen von Mauern von mehr als 2 km Länge) war Sitz der letzten muslimischen Könige in Spanien. Auf dem rötlichen Hügel der Alhambra befinden sich die alte "Alcazaba" (Festung) aus dem 9. Jahrhundert und die Nasridenpaläste. Im ummauerten Bereich der Alcazaba, dem neben den Torres Bermejas ältesten Abschnitt, steht der Turm Torre de la Vela. Die Nasridenpaläste verfügen über zahlreiche Nebengebäude, die miteinander durch die Innenhöfe Patio de los Arrayanes, dem Hof der Alberca und dem berühmten Patio de los Leones (Löwenhof) verbunden sind. Letzterer "[...] ist mit Blumenbeeten ausgelegt und von leichten arabischen Arkaden von durchbrochener Goldarbeit umgeben, welche von leichten weißen Marmorsäulen getragen werden. Eher Eleganz als Größe charakterisiert die Architektur hier wie in allen anderen Teilen des Palastes".
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das spanische und weltliche Kulturerbe: Einführung in die Rolle der UNESCO und den Stellenwert Spaniens als Nation mit einer hohen Anzahl an Welterbestätten durch den historischen arabischen Einfluss.
2. Geschichtlicher Hintergrund: Al-Andalus: Historischer Abriss der maurischen Invasion und der kulturellen sowie politischen Entwicklung des Reiches Al-Andalus bis zur Reconquista.
3. Materielles Weltkulturerbe in Andalusien: Erläuterung der UNESCO-Kriterien für Welterbe und detaillierte Untersuchung der Bauten in Granada (Albaicín, Alhambra, Generalife) hinsichtlich ihrer Aufnahme und Erhaltung.
4. Immaterielles Weltkulturerbe Spaniens: Analyse der Definitionen des immateriellen Erbes und dessen Anwendung auf sprachliche sowie kulturelle arabische Einflüsse in Spanien, wie Arabismen und Musiktraditionen.
5. Das Problem des Eurozentrismus und die internationale Bedeutung der sprachlich-kulturellen Symbiose von Al-Andalus: Kritische Reflexion über eurozentrische Tendenzen in der UNESCO-Arbeit und die Bedeutung der interkulturellen Koexistenz im historischen Al-Andalus als Symbol für Toleranz.
Schlüsselwörter
UNESCO, Weltkulturerbe, Andalusien, Granada, Alhambra, Albaicín, Al-Andalus, Immaterielles Kulturerbe, Arabismen, Spanische Sprache, Flamenco, Eurozentrismus, Interkulturalität, Reconquista, Kulturaustausch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beleuchtet das arabische Erbe in Andalusien und analysiert, wie dieses sowohl als materielles als auch als immaterielles Kulturerbe von der UNESCO erfasst und bewertet wird.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Publikation behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Geschichte von Al-Andalus, der Architektur von Granada, linguistischen Einflüssen der arabischen Sprache sowie der Anerkennung von Musik- und Poesietraditionen.
Was ist das primäre Forschungsziel der Autorin?
Das Ziel ist es, den kulturellen Reichtum des arabischen Erbes in Spanien aufzuzeigen und zu untersuchen, wie die UNESCO mit diesen materiellen und immateriellen Relikten umgeht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine kulturhistorische Analyse unter Einbeziehung von UNESCO-Richtlinien, historischen Fachquellen und tagesaktuellen Berichten zur Erhaltung von Kulturgütern.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Im Hauptteil werden die architektonischen Stätten in Granada, die Kriterien für den Weltkulturerbe-Status sowie die Bedeutung der arabischen Einflüsse auf Sprache und Brauchtum in Südspanien untersucht.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit am besten beschreiben?
Wichtige Begriffe sind Welterbe, Granada, Al-Andalus, Immaterielles Kulturerbe, arabische Kultureinflüsse und interkulturelle Symbiose.
Warum wird das Albaicín-Viertel in der Untersuchung kritisch betrachtet?
Das Viertel wird thematisiert, da es trotz seines Weltkulturerbe-Status mit Herausforderungen wie baulichem Verfall und Kritik an der städtischen Instandhaltungspolitik zu kämpfen hat.
Welche Rolle spielt der Eurozentrismus bei der UNESCO-Arbeit laut der Autorin?
Die Arbeit weist auf den Vorwurf hin, dass die UNESCO eurozentrisch handeln könnte, da ein Großteil der Welterbestätten in Europa liegt, diskutiert jedoch auch positive Ansätze zur Aufnahme islamischer Manuskripte in das "Memory of the World"-Register.
- Quote paper
- Ida Blick (Author), 2010, Von der Alhambra bis zum Flamenco – Das arabische Erbe Andalusiens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150705