Das Modell einer Deliberativen Demokratie auf Basis des Diskurses von Jürgen Habermas unterscheidet sich grundlegend von der Demokratieform, die in der Bundesrepublik Deutschland existent ist. In einer repräsentativen Demokratie mit über 60 Millionen Wählern steht das Volk oft am Rande des politischen Systems. Ein Diskurs in der BRD scheint schwierig. Volksabstimmungen, die politische Beschlüsse wieder in die Hand des Volkes legen, sind oft mit enormen Problemen versehen, wie es aktuelle Abstimmungen in der Schweiz zeigen. Hier wurde der demokratische Beschluss des souveränen Volkes weltweit stark kritisiert und somit wurde auch die Legitimation der Staatsform Demokratie angezweifelt. Habermas versucht jedoch mit der Deliberation die Beschlüsse des politischen Systems wieder stärker in die Hand des Volks zu legen. Oft wird den Medien die Aufgabe der Willensbildung zugewiesen - gerade in einer Massengesellschaft. Für Habermas sind jedoch auch Massenmedien keine Orte diskursiver Willensbildung, da es mit ihnen nur eine einseitige Information gibt. Jürgen Habermas beschrieb seine Idee vom Ideal einer funktionierenden Demokratie in dem Buch „Faktizität und Geltung“. Seine Entwicklungen in der Diskursethik will Habermas in die Deliberative Demokratie übertragen, um sie so für die reale politische Welt nutzbar zu machen. Habermas kritisiert die bestehenden Verhältnissen und das Zustandekommen von politischen Entscheidungen, da diese das Volk ausklammern. Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der Rechtmäßigkeit in Habermas Demokratiemodell und untersucht die Voraussetzungen und die Chancen für eine praktische Umsetzung seiner Ideen in der heutigen Bundesrepublik Deutschland. Dazu soll im zweiten Kapitel dieser Arbeit die Demokratietheorie von Jürgen Habermas im Hinblick auf ihre Legitimation und insbesondere die Rolle der Zivilgesellschaft betrachtet werden. Im dritten Kapitel soll das System von Jürgen Habermas auf eine mögliche Anwendbarkeit auf die Verhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland kritisch untersucht werden. Hürden, Gefahren und Lösungsstrategien werden hier berücksichtigt und erklärt. Die Seminararbeit schließt mit einem pointierten Fazit und einem Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Demokratietheorie von Jürgen Habermas
2.1 Jürgen Habermas
2.2 Diskurs und Deliberative Demokratie
2.3 Legitimation und Zivilgesellschaft
3. Die BRD und die Deliberation
3.1 Hürden und mögliche Anwendbarkeit
3.2 Lösungsvorschläge
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit des Modells der deliberativen Demokratie nach Jürgen Habermas auf das politische System der Bundesrepublik Deutschland. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die theoretischen Anforderungen an einen herrschaftsfreien Diskurs und eine aktive Zivilgesellschaft in der realen politischen Praxis der BRD umgesetzt werden können, welche Hürden dabei bestehen und durch welche Strategien die Legitimation politischer Entscheidungen gestärkt werden kann.
- Grundlagen der Diskursethik und deliberativen Demokratie bei Habermas
- Die Rolle der Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit im demokratischen Willensbildungsprozess
- Kritische Analyse der Umsetzbarkeit des Habermas'schen Modells in der modernen Massengesellschaft
- Potenziale digitaler Partizipation und Volksabstimmungen zur Stärkung der demokratischen Legitimation
Auszug aus dem Buch
3.1 Hürden und mögliche Anwendbarkeit
Die kognitiven Zumutungen an die Bürger sind in allen deliberativen Theorien ziemlich hoch. Eine starke Zivilgesellschaft ist nach Habermas' Theorie das wichtigste Bindeglied zwischen politischer Peripherie und politischem Zentrum. In diesem Kapitel soll untersucht werden, ob eine Deliberative Demokratie auch in der Bundesrepublik Deutschland umsetzbar wäre und welche Hürden sich einer Realisierung in den Weg stellen würden. Laut Umfragen verliert die Demokratie an Zustimmung. Die Menschen sind mit der Politik nicht zufrieden, die Wahlbeteiligung sinkt seit Jahren. Viele Leute sind enttäuscht und fühlen sich von ihren Vertretern nicht ausreichend repräsentiert. Die Politik hat sich immer mehr von den Bürgern in eine andere Welt abgetrennt. Nicht das Volk herrscht, sondern Berufspolitiker, die oft überhaupt nichts von den Sorgen und Nöten ihrer Wähler wissen. Das Vertrauen in die Parteien ist sehr gering, und damit auch das Vertrauen in die Staatsform. Um diese Missstände zu beseitigen ist eine Politisierung der Gesellschaft notwendig. Entscheidungen müssen durch öffentliche Diskurse erschaffen werden. Doch ist dies in Deutschland überhaupt zu realisieren? Man kann festhalten, dass einige Diskursregeln auch Regeln für eine funktionierenden, demokratische Gesellschaft sind. Allerdings ist dies meist nur theoretisch der Fall. Die Herrschaftsfreiheit im Diskurs von Habermas lässt sich in der Praxis jedenfalls nicht realisieren. Niemand ist in der Lage ohne Zwänge zu sprechen oder zu handeln. Hier ist eher eine Art Idealvorstellung gemeint und es gilt: Der Weg ist das Ziel. Die Debatten, die im deutschen Parlament stattfinde könnten an einen Diskurs erinnern. Jedoch ist die Abstimmung dann wiederum nicht diskursiv, wenn sie den zeitlichen Rahmen für weitere Argumente abschneidet und so dem Grundsatz einer zwanglosen Diskussion widerspricht und somit Grenzen setzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, dass sich das Modell der deliberativen Demokratie von der aktuellen repräsentativen Form der BRD unterscheidet und stellt die Absicht der Untersuchung dar.
2. Die Demokratietheorie von Jürgen Habermas: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Diskursbegriffs, der idealen Sprechsituation sowie die Bedeutung der Zivilgesellschaft für die Legitimation politischer Macht.
3. Die BRD und die Deliberation: Hier wird kritisch untersucht, inwieweit die hohen Anforderungen der Theorie an die Praxis der Bundesrepublik Deutschland angepasst werden können, wobei Hindernisse sowie digitale Lösungsansätze diskutiert werden.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert, dass das Modell zwar theoretisch überzeugend ist, aber ein grundlegendes Umdenken und eine stärkere politische Partizipation der Bevölkerung in Deutschland voraussetzt.
Schlüsselwörter
Jürgen Habermas, Deliberative Demokratie, Diskurs, Zivilgesellschaft, Legitimation, Politische Partizipation, Öffentlichkeit, Ideale Sprechsituation, Herrschaftsfreiheit, Politische Willensbildung, BRD, Demokratie, Internet, Volksabstimmung, Politikverdrossenheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Demokratiemodell von Jürgen Habermas und analysiert, wie dessen Fokus auf deliberativen Diskursen auf die heutige Bundesrepublik Deutschland angewendet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Fokus stehen die Diskursethik, die Bedingungen für eine herrschaftsfreie Kommunikation, die Rolle der Zivilgesellschaft sowie die Grenzen und Möglichkeiten politischer Partizipation.
Welches Ziel verfolgt der Autor?
Das primäre Ziel ist es, die Chancen und Hürden einer praktischen Umsetzung deliberativer Ideale im deutschen politischen System zu beleuchten und Wege zur Stärkung der Legitimation zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Arbeit, die auf einer theoretischen Analyse der Schriften von Habermas und deren Anwendung auf aktuelle gesellschaftliche Gegebenheiten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Habermas'schen Theorie sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Praxis in der BRD, inklusive der Behandlung von Hindernissen und Lösungsstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Deliberative Demokratie, Diskurs, Legitimation, Zivilgesellschaft, Partizipation und politische Öffentlichkeit.
Warum hält Habermas klassische Massenmedien für unzureichend für einen Diskurs?
Für Habermas ermöglichen Massenmedien nur eine einseitige Information, statt eines herrschaftsfreien Austauschs, was einem diskursiven Willensbildungsprozess entgegensteht.
Welche Rolle spielt das Internet in den Lösungsvorschlägen der Arbeit?
Das Internet wird als potenzielle Chance für eine elektronische Demokratie gesehen, die Transparenz erhöhen, Online-Diskussionen ermöglichen und die politische Partizipation, insbesondere bei jungen Menschen, fördern kann.
- Citation du texte
- Florian Schaffer (Auteur), 2010, Legitimität und Anwendbarkeit auf das heutige System der BRD von Jürgen Habermas' 'Deliberativer Demokratie', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150930