Wie alle Gebärdensprachen ist auch die Deutsche Gebärdensprache eine visuell-motorische Sprache. Sie besitzt ein differenziertes Regelsystem, das sich
mit Hilfe von manuellen, sowie nicht-manuellen Mitteln ausdrückt. Ebenso wie die Lautsprachen unterliegen die Gebärdensprachen den gleichen sprachspezifischen Beschränkungen. In der Arbeit wird sowohl ihre grammatische Struktur und ihre Bildhaftigkeit dargestellt, als auch der Erwerb der Gebärdensprache - hinsichtlich Spracherwerb und Sprachverarbeitung - erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundzüge der Gebärdensprache
2.1. Modalität
2.2. Bildhaftigkeit
2.3. Die grammatischen Module
3. Erwerb von Gebärdensprachen
3.1. Die Spracherwerbsfähigkeit
3.2. Bilingualismus in zwei Modalitäten
3.3. Die kritische Phase des Spracherwerbs
3.4. Babbeln
3.5. Wörter und Gebärden
3.6. Kombinationen von Gebärdenwörtern
3.7. Erwerb der phonologischen Einheiten
3.7.1. Erwerb der Handformen
3.7.2. Erwerb der Ausführungsstellen
3.7.3. Erwerb des Fingeralphabets
3.7.4. Die Sprachverarbeitung
3.8. Erwerb des Wortschatzes
3.9. Die Autonomie des Sprachsystems
3.10. Studie von Ricke, Bettger & Klima (1995)
3.11. Vom Lexikon zur Grammatik
3.12. Grammatische Nutzung der Mimik
3.13. Frühe Überlegenheit in der Raumverarbeitung
4. Sprachliche Erfahrungen und Spracherwerb
5. Fazit:
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert den Spracherwerb von Gebärdensprache bei gehörlosen Kindern, vergleicht diesen mit dem Lautspracherwerb hörender Kinder und untersucht dabei die zugrundeliegenden Strukturen sowie Lernprozesse unter Berücksichtigung der kritischen Phase.
- Grundlegende linguistische Merkmale und grammatische Module der Gebärdensprache.
- Phasen und Meilensteine im Erwerb von Gebärden, Phonologie und Syntax.
- Die Rolle von Kognition und Spracherwerbsfähigkeit bei gehörlosen Kindern.
- Der Einfluss sprachlicher Erfahrungen (Input) auf den Erwerbsprozess.
- Vergleichende Analyse der Raumverarbeitung und Pronominalsysteme.
Auszug aus dem Buch
Die Autonomie des Sprachsystems
Im Erwerb von Personalpronomen gibt es zwei Hypothesen, die von Petitto (1987) über den Zusammenhang von Kognition und Sprache aufgestellt werden:
Hypothese 1: Das menschliche Sprachsystem ist lediglich eine Ausprägung eines allgemeinen kognitiven Systems. Folglich ist der Übergang von vorsprachlicher Kommunikation zur sprachlichen Kompetenz kontinuierlich.
Hypothese 2: Das menschliche Sprachsystem ist ein autonomes aufgabenspezifisches Modul des gesamten menschlichen Geistes. Der Übergang von vorsprachlicher Kommunikation zur sprachlichen Kompetenz ist diskontinuierlich.
Petitto belegte 1983 in einer empirischen Untersuchung eines Gebärdensprachelernenden, gehörlosen Kindes, wie sich dieses mit neun Monaten, durch Zeigen auf Personen und Gegenstände seiner Umwelt bezog, wie es hörende Kinder auch tun.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt die Situation gehörloser Menschen dar und führt in die wissenschaftliche Fragestellung zum Vergleich zwischen Gebärden- und Lautspracherwerb ein.
2. Grundzüge der Gebärdensprache: Beschreibt die visuell-motorische Modalität sowie die phonologischen, morphologischen und syntaktischen Ebenen der Gebärdensprache.
3. Erwerb von Gebärdensprachen: Analysiert detailliert die verschiedenen Stadien und Aspekte des kindlichen Spracherwerbs von der phonologischen Ebene bis hin zur Grammatik.
4. Sprachliche Erfahrungen und Spracherwerb: Erläutert die Unabhängigkeit des Erwerbs vom Input und die Fähigkeit von Kindern, selbstständig kohärente sprachliche Systeme zu entwickeln.
5. Fazit: Führt die Ergebnisse zusammen und betont die Vergleichbarkeit des Gebärdenspracherwerbs mit dem Lautspracherwerb innerhalb der kritischen Phase.
Schlüsselwörter
Gebärdensprache, Spracherwerb, Gehörlosigkeit, Linguistik, Phonologie, Morphologie, Syntax, kritische Phase, Personenkongruenz, Klassifikatoren, Pronominalsystem, Sprachverarbeitung, visuelle Modalität, Kindersprachenforschung, Grammatik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Spracherwerb gehörloser Kinder im Vergleich zu hörenden Kindern, um zu verstehen, ob sich Lernprozesse und zugrunde liegende Strukturen ähneln oder unterscheiden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die linguistischen Merkmale der Gebärdensprache, die Phasen des Spracherwerbs, der Einfluss der Umwelt (Input) sowie kognitive Aspekte der Sprachverarbeitung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es herauszufinden, wie gehörlose Kinder innerhalb der kritischen Phase eine leistungsfähige Grammatik aufbauen und welche Rolle die visuell-motorische Modalität dabei spielt.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Autorin stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, die verschiedene empirische Studien (z.B. von Petitto, Meier oder Volterra und Erting) zusammenführt und vergleichend auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der grammatischen Module der Gebärdensprache, den detaillierten Erwerbsprozess vom Babbeln bis zur komplexen Syntax und die Analyse der Rolle von sprachlichem Input.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Gebärdenspracherwerb, kritische Phase, visuelle Modalität, Sprachautonomie, Phonologie und Pronominalsystem.
Wie unterscheidet sich der Erwerb von Klassifikatoren bei gehörlosen Kindern?
Die Arbeit zeigt, dass der Erwerb von Klassifikatoren primär von der morphologischen Komplexität abhängt und nicht von der Ikonizität, was gegen ein bloßes Nachahmen bildhafter Strukturen spricht.
Welche Rolle spielt die Mimik in der Gebärdensprache?
Mimik dient nicht nur der affektiven Kommunikation, sondern hat eine klar strukturierte syntaktische Funktion, etwa zur Markierung von Fragesätzen oder Konditionalsätzen.
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- Tanja Vorderstemann (Author), 2002, Erwerb von Gebärdensprache. Eine Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15096