Diagnostizieren, Fördern, Beurteilen

Lernprozesse auslösen


Seminararbeit, 2010
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Bedingungsanalyse
2.1 Lernsituation
2.2 Beschreibung der Lerngruppe
2.3 Einzelne Schülerbeobachtungen

3 Durchführung der Unterrichtseinheit - Lernprozesse auslösen
3.1 Begründete Ziele und Zieltransparenz
3.2 Umsetzung und Implementierung geeigneter Instrumente und Maßnahmen
3.3 Prozess, Lernzuwachs und diagnostische Förderfunktion

4 Reflexion

5 Literaturverzeichnis

6 Anhang

1 Einleitung

Fragestellung, Vorgehensweise und Relevanz

„Lehrer sind von Berufs wegen verpflichtet, ihre Schüler laufend beim Lernen zu beobachten, das Lernverhalten zu analysieren, Fehler zu erkennen, Lernhilfen zu geben, um so zu einer Fehlerkorrektur anzuleiten.“1

In dieser Arbeit wird das Thema Lernprozesse auslösen behandelt. Die zentrale Fragestellung heißt:

„Lassen sich Lernvoraussetzungen und -prozesse der Schüler einer 5. Klasse anhand transparenter Beurteilungsmaßstäbe, wie Selbsteinschätzungs- und Beobachtungsbögen mit formativer Rückmeldung, systematisch und objektiv nach dem Förderkreislauf diagnostizieren, fordern und fördern?“

Im ersten Abschnitt werden die Lernsituation und die Zusammensetzung der Lerngruppe erörtert. Im Fokus steht dabei einerseits der Lernstand zu Beginn der Einheit, der mit Hilfe eines Selbsteinschätzungsbogens erhoben wurde. Andererseits werden auszugsweise Schüler beschrieben, deren Bögen als Anlage der Arbeit angefügt sind, um dem Leser das Interpretieren zu erleichtern und die Ergebnisse nachvollziehbar darzulegen.

Im folgenden Teil erfolgt die Beschreibung der Durchführung des Projekts. Dabei wird die Unterrichtseinheit nach dem Förderkreislauf skizziert, es werden geeignete Instrumente und Maßnahmen zur Realisierung des Vorhabens diskutiert und es werden der Prozess, Lernzuwachs und die diagnostische Förderfunktion aufgezeigt. Abschließend erfolgt die Vorstellung der Ergebnisse des Projekts. Außerdem nimmt der Autor kritisch Stellung zur Methode, dem Einsatz der Instrumente und gibt einen Ausblick auf die Weiterarbeit.

Wenn BECKER, Professor für Allgemeine Didaktik und Schulpädagogik, in obigem Eingangszitat dem Prozess des Beobachtens einen hohen Stellenwert einräumt, reiht er sich ein bei Autoren wie PARADIES, LINSER und GREVING, die Beobachtungsbögen, „(…) ergänzt (…) durch systematisch reflektierende Beobachtungen (…)“, als wichtige und grundlegende Diagnoseinstrumente zur objektiven Erhebung des Lernfortschritts empfehlen.2 Darin sind bereits die Relevanz des Untersuchungsgegenstandes und die Auswahl des Themas vorliegender Arbeit begründet, denn:

„Die Hauptursache für das schwache Abschneiden vieler Lernender ist die zu wenig ausgeprägte Diagnosekompetenz von Lehrern, denn wenn Lernrückstände nicht erkannt werden, können sie auch nicht abgebaut werden.“3

2 Bedingungsanalyse

2.1 Lernsituation

Gegenwärtig wird die XXX-Schule von einer kooperativen in eine integrierte Gesamtschule umgewandelt. Dieser Prozess wird noch knapp ein Jahr in Anspruch nehmen. Das Einzugsgebiet der Schule erstreckt sich über die gesamte Stadt Offenbach, wobei der überwiegende Teil der Schüler4 aus dem Stadtteil Lauterborn kommt. In diesem Gebiet ist die Sozialstruktur als problematisch zu bezeichnen.5 Annähernd 80 Prozent der Schüler weisen einen Migrationshintergrund auf. Infolgedessen können Verständigungsprobleme sprachlicher und kultureller Art auftreten.

2.2 Beschreibung der Lerngruppe

Die 5a der Schulform IGS unterrichte ich seit dem 2. des Halbjahr 2008 / 2009 eigenverantwortlich für drei Wochenstunden im Fach Gesellschaftslehre6. Die Klasse setzt sich aus 27 Schülern (13 w, 14 m) im Alter von 10 und 11 aus sieben Nationen zusammen.

Die Schüler werden seit Beginn der fünften Klasse gemeinsam unterrichtet. Das Sozialverhalten der Schüler ist unterschiedlich weit entwickelt. Die meisten Schüler sind mit den Regeln eines konstruktiven und gesellschaftsfähigen Umgangs vertraut. Sie respektieren zunehmend die Wünsche und Interessen anderer und gehen respektvoll, hilfsbereit und rücksichtsvoll miteinander um. Größtenteils pflegen sie einen ruhigen und freundlichen Umgangston, wodurch eine angenehme Unterrichtsatmosphäre möglich ist. Unterrichtsstörrungen kommen selten vor; wenn, dann in Form von unterrichtsfernen Gesprächen fünf bis sechs einzelner Schüler (s. u.).

Das Interesse und die Einstellung der Schüler zum Fach GL ist als hoch einzuschätzen, das zeigt sich einerseits an der hohen Beteiligung im Unterricht, andererseits daran, dass bei einer anonymen, schriftlichen Erhebung, die vor der Einheit erfolgte, viele Schüler angaben, das Fach gerne zu mögen. Die Klasse weist eine hohe Anzahl an beteiligten und fleißigen Schülern auf, die auch ihre Hausaufgaben regelmäßig erledigen. Im Hinblick auf das Arbeitsverhalten lässt sich festhalten, dass die Schüler einfache Aufgabenstellungen selbständig bewältigen. Allerdings fällt es den Schülern schwer, sich selbst zu organisieren. Aufgrund des teilweise eingeschränkten Wortschatzes können einige Schüler komplexe Sachverhalte nicht beschreiben. Außerdem mangelt es einigen Schülern an Lesekompetenz. Infolgedessen ist das Textverständnis und Erschließen von Inhalten noch nicht bei allen Schülern den Anforderungen, die an diese Klassenstufe gestellt werden, entsprechend ausgeprägt. Bei der Diagnose der Lernausgangslage zu Beginn der Unterrichtseinheit mit Hilfe von Selbsteinschätzungsbögen ergab sich ein stark divergierendes Bild. Das zeigt sich daran, dass sich die Schüler, bezogen auf ihr Vorwissen deutlich unterschieden. Während XXX (m) angab bereits über ein hohes Maß an Vorkenntnissen zu verfügen, war der Könnensstand von XXX (m) im mittleren Bereich anzusiedeln und das Wissen von XXX (w) zu den meisten Themen noch gering.7

Untersucht man die Vorkenntnisse der Klasse durch die Addition der Angaben aller Schüler im Selbsteinschätz- ungsbogen zu Beginn und kumuliert die Anzahl der Angaben der einzelnen Einschätzungen zu allen The- men, dann fällt auf, dass viele Schüler mit der Einheit Alpen bereits zum Teil vertraut sind. Denn die Klasse gab zu den 12 unterschiedlichen Merkmalsausprägungen (Lernzielen) immerhin 131 Nennungen ab - kenne mich schon „mittelmäßig“ aus und sogar 100 N. kenne ich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vorwissen zu Beginn r kumuliert.

2.3 Einzelne Schülerbeobachtungen

Zu den Leistungsträgern der Klasse zählen XXX (w), XXX (m), XXX (m), XXX (w) und XXX (m). Sowohl bei formativen und bewerteten Leistungserhebungen als auch durch kontinuierliche Mitarbeit zeichnen sich die Schüler positiv aus. Sie arbeiten zielstrebig und finden sich auch bei Aufgaben zurecht, deren Sachverhalte neu sind.

Darüber hinaus zählen XXX (w) und XXX (w) zu den starken Schülern. Im Unterschied zu den oben genannten Schülern sind sie jedoch überwiegend still und zurückhaltend. Durchschnittliche Leistungen erbringen die Schüler XXX (w), XXX (m), XXX (m) und XXX (w). Interessant ist, dass sich meine Meinung beispielsweise mit der Einschätzung von XXX8 (w) deckt. Diese Schüler sind in der Lage, einfache Fragen zu beantworten und Aufgaben, die sich wiederholen auszuführen. Außerdem sind sie stets bemüht, sich an stärkeren Schülern zu orientieren und ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen.

XXX (w), XXX (m), XXX (m) und XXX (w) fällt es schwer, dem Unterricht zu folgen. Sie weisen eine mangelnde Konzentrationsfähigkeit auf. XXX (w) tritt selbstbewusst auf und ist motiviert, vor allem in Formen offenen Unterrichts. Bei XXX (m), wurde eine LRS festgestellt, welche bei der Förderung und Leistungserhebung berücksichtigt wird.

Bei zwei männlichen Schülern weicht das Sozialverhalten stark ab. XXX (m) und XXX (m) neigen dazu, den Unterricht zu stören und nutzen jede Gelegenheit, die Aufmerksamkeit der anderen Schüler auf sich zu ziehen. Auf Ermahnungen reagieren die beiden Schüler konstruktiv und stellen das auffällige Verhalten meistens ein.

3 Durchführung der Unterrichtseinheit - Lernprozesse auslösen

3.1 Begründete Ziele und Zieltransparenz

Die Behandlung des Themas „Die Alpen - Nutzung eines Hochgebirges“ ist im Lehrplan der Realschule9 des Bundeslandes Hessen für die 5. Klasse mit einem Zeitrichtwert von 8 Stunden vorgesehen. Fachwissenschaftler und Erdkundedidaktiker schreiben als begründetes Oberziel für die Einheit fest:

„Den Schülerinnen und Schülern soll die Veränderung der Nutzung von geografischen Räumen verdeutlicht und erklärt werden. Sie sollen zu der Einsicht gelangen, dass und in welchem Ausmaß der Mensch sich selbst und seinen Lebensraum schafft. Ihnen sollen die Gefahren des Eingriffes in den Naturraum durch den Menschen verdeutlicht werden.“10

Von den Oberzielen lassen sich auf die einzelnen Unterrichtsstunden konkrete Feinziele und Lernziele ableiten. Folgende Tabelle spiegelt die Ziele und die Planung der Einheit nach dem Förderkreislauf wider.

Die Inhalte, wie Lernziele und Themen wurden außerdem nach kindgerechten Kriterien, wie Design und Sprache, in Form eines Selbsteinschätzungsbogens, der im Verlauf des Vorhabens im Besitz der Schüler verblieb, modifiziert. Dieser hatte neben der Funktion der Ermittlung des Lernstandes am Anfang und Ende der UE und somit dem Messen des Lernzuwachses die Aufgabe, den Schülern die Ziele und Inhalte der Einheit transparent zu machen und diente nach WINTER zur Orientierung und Bewertung.11 Außerdem zielte der Verfasser darauf ab, sowohl auf Seiten der Schüler - in Grundzügen - als auch auf Seiten der Lehrkraft, die Fähigkeit zum Diagnostizieren zu steigern und fasst an dieser Stelle den Diagnosebegriff weiter als Meyer, der diese Kompetenz ausschließlich auf die Lehrkräfte bezieht:

„Diagnosekompetenz bezeichnet die Fähigkeit von Lehrerinnen und Lehrern, nach festgelegten Kriterien angemessene Urteile über das Lern- und Leistungsverhalten ihrer Schülerinnen und Schüler abzugeben.“12

Auf die Durchführung wird in den folgenden Kapiteln eingegangen, an dieser Stelle sollen, wie bereits geschildert, nur die Ziele, Themen und Inhalte verdeutlicht werden.

[...]


1 BECKER, Georg, E., Durchführung von Unterricht. Handlungsorientierte Didaktik Teil II, Weinheim und Basel 1998, S. 115.

2 Vgl. PARADIES, Liane, LINSER, Hans Jürgen, GREVING, Johannes, Diagnostizieren, Fordern und Fördern, Berlin 2007, S. 85.

3 Ebd. S. 13.

4 Die Bezeichnung „Schüler“, „Lehrer“ etc. umfasst stets beide Genera, sowohl feminin als auch maskulin.

5 Dazu wird im aktuellen Sozialbericht der Stadt Offenbach Stellung genommen. http://www.offenbach.de/stepstone/data/pdf/52/0b/00/Sozialbericht2006.pdf [Zugriff: 15. Mai. 2009].

6 Das Unterrichtsfach der Gesellschaftslehre wird im weiteren Verlauf der Arbeit mit GL abgekürzt.

7 Vgl. Selbsteinschätzungsbögen „Wir erkunden die Alpen“ So schätze ich mich heute ein. Aus Gründen des Datenschutzes konnten die Bögen nur als Rohfassung angefügt werden.

8 Vgl. Ebd.

9 Vgl. Hessisches Kultusministerium (Hrsg.), Lehrpläne für den Bildungsgang Realschule - Erdkunde. S. 9. In der Regel wird in der IGS nach dem Lehrplan der Realschule unterrichtet.

10 Vgl. Ebd. S. 9.

11 Vgl. WINTER, Felix, Leistungsbewertung. Eine neue Lernkultur braucht einen anderen Umgang mit den Schülerleistungen, in: Grundlagen der Schulpädagogik, Bd. 49, Baltmannsweiler, 2004, S. 8 und vgl. Selbsteinschätzungsbögen „Wir erkunden die Alpen“ So schätze ich mich heute ein: (siehe Anhang, Anlage 8-10).

12 Vgl. MEYER, Hilbert, Was ist guter Unterricht?, Berlin 2004, S. 100.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Diagnostizieren, Fördern, Beurteilen
Untertitel
Lernprozesse auslösen
Hochschule
Studienseminar für GHRF Offenbach  (Studienseminar für Haupt- und Realschule (GHRF) in Offenbach)
Veranstaltung
DFB I
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V151209
ISBN (eBook)
9783640631148
ISBN (Buch)
9783640630844
Dateigröße
782 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Arbeit wurden exemplarisch jeweils ein Selbsteinschätzungs- und ein Beobachtungsbogen beigefügt. Namen der Schülerinnen und Schüler wurden aus Gründen des Datenschutzes durch XXX ersetzt.
Schlagworte
Zaugg, Förderkreis, DFB, Neue Lernkultur, Leistungsbeurteilung, Formative Rückmeldung, Beobachtungsbogen, Selbsteinschätzungsbogen, (Portfolio), (Lerntagebuch), (Kompetenzraster), Paradies, Winter
Arbeit zitieren
Jan Schönherr (Autor), 2010, Diagnostizieren, Fördern, Beurteilen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151209

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