Kaum eine Steuer in Deutschland ist steuersystematisch so kritisch zu sehen wie die Gewerbesteuer. Im Kontext geforderter Unternehmenssteuerreformen werden hier aktuelle Lösungsansätze vorgestellt und kritisch bewertet.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Das deutsche Gewerbesteuersystem
2.1. Darstellung des aktuellen Gewerbesteuersystems
2.2. Kritik an der Gewerbesteuer
2.3. Die Anforderungen an eine Gewerbesteueralternative
3. Die Reformkonzepte zur Gewerbesteuer
3.1. Eigenständige Kommunalsteuern
3.1.1. Darstellung der Kommunalsteuerkonzepte
3.1.1.1. Die kommunale Wertschöpfungssteuer
3.1.1.2. Kommunale Betriebssteuer nach Jarass/Obermaier
3.1.2. Betriebswirtschaftliche Beurteilung der vorgenannten Konzepte
3.2. Beteiligungsmodelle
3.2.1. Darstellung der Beteiligungskonzepte
3.2.1.1. Das Beteiligungsmodell des Karl-Bräuer-Institut
3.2.1.2. Reformkonzept des BDI und des VCI
3.2.1.3. Reformkonzept des Ifo-Instituts
3.2.2 Betriebswirtschaftliche Beurteilung der vorgenannten Konzepte
3.3. Umsatzsteuerliche Konzepte
3.3.1. Darstellung der umsatzsteuerlichen Konzepte
3.3.2. Betriebswirtschaftliche Beurteilung der vorgenannten Konzepte
4. Vergleich der Konzepte miteinander
5. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert das deutsche Gewerbesteuersystem sowie verschiedene Reformkonzepte aus betriebswirtschaftlicher Perspektive, mit dem Ziel, ein idealtypisches Alternativmodell zu identifizieren, das Entscheidungsneutralität gewährleistet.
- Kritische Würdigung des aktuellen Gewerbesteuersystems
- Ableitung betriebswirtschaftlicher Anforderungen an Alternativmodelle
- Vergleichende Analyse von Kommunalsteuer-, Beteiligungs- und Umsatzsteuerkonzepten
- Bewertung der Standort- und Wettbewerbsneutralität der Reformvorschläge
Auszug aus dem Buch
2.2. Kritik an der Gewerbesteuer
Die Hebesatzautonomie der Gemeinden führt zu einer breiten Streuung der Hebesätze von 0 v.H. bis über 500 v.H., was wiederum zu einer steuerlichen Beeinflussung der Vergleichbarkeit von Standorten untereinander führt, da standortspezifisch eine unterschiedlich starke Belastung mit Gewerbesteuer zu erwarten ist. Mittlerweile haben einige Unternehmen bewusst Teilbereiche in Gemeinden mit niedrigen Hebesätzen oder Hebesätzen von 0 v.H. auslagert. Jedoch hat der Gesetzgeber mittlerweile mit dem Steuervergünstigungsabbaugesetz reagiert und versucht die Attraktivität dieser „Steueroasen“ zu mindern.
Für international agierende Unternehmen wirkt sich die Gewerbesteuer dahingehend negativ aus, dass im Gegensatz zur Umsatzsteuer, beim grenzüberschreitenden Warenverkehr keine Erstattung der Gewerbesteuer vorgesehen ist und somit versucht werden muss, die daraus resultierenden Kosten auf den ausländischen Abnehmer zu überwälzen. Somit verzerrt die Gewerbesteuer den internationalen Wettbewerb und diskriminiert deutsche Unternehmen.
Im Gegensatz zur Einkommen- und Körperschaftsteuer ist die Gewerbesteuer nicht nach Doppelbesteuerungsabkommen anrechnungsfähig. Dies führt dazu, dass in bestimmten Konstellationen, inländische Unternehmen im Vergleich zu nicht gewerbesteuerpflichtigen in- oder ausländischen Unternehmen benachteiligt werden. Des Weiteren stellt dies ein Hindernis für ausländische Unternehmen dar, da deren deutsche Betriebesstätten zwar der Gewerbesteuer unterliegen, jedoch weder eine Anrechnung nach Doppelbesteuerungsabkommen, noch eine pauschalierte Anrechnung nach § 35 EstG möglich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Einleitung in die Problematik des deutschen Gewerbesteuersystems und Definition des Ziels der Untersuchung.
2. Das deutsche Gewerbesteuersystem: Darstellung und kritische Analyse des Ist-Zustandes sowie Ableitung von Anforderungen an eine Alternative.
3. Die Reformkonzepte zur Gewerbesteuer: Detaillierte Vorstellung und betriebswirtschaftliche Bewertung verschiedener Reformansätze wie Kommunalsteuern, Beteiligungs- und Umsatzsteuerkonzepte.
4. Vergleich der Konzepte miteinander: Gegenüberstellung der vorgestellten Reformmodelle hinsichtlich ihrer betriebswirtschaftlichen Wirkungen.
5. Zusammenfassung: Abschließende Bewertung der Ergebnisse und Fazit zur Eignung der untersuchten Konzepte.
Schlüsselwörter
Gewerbesteuer, Reformkonzepte, Wertschöpfungssteuer, Kommunalsteuer, Beteiligungsmodell, Umsatzsteuer, Rechtsformneutralität, Finanzierungsneutralität, Standortneutralität, Wettbewerbsneutralität, Doppelbesteuerung, Unternehmensbesteuerung, Gewerbesteuergesetz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der betriebswirtschaftlichen Analyse und Bewertung des deutschen Gewerbesteuersystems sowie der Untersuchung verschiedener Reformkonzepte zur Modernisierung der Steuer.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Kritik am aktuellen Gewerbesteuersystem, die Anforderungen an neutrale Steuersysteme und der Vergleich verschiedener Reformansätze wie Wertschöpfungssteuern und Umsatzsteuerzuschläge.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das bestehende Gewerbesteuersystem zu charakterisieren, die Kritikpunkte aus betriebswirtschaftlicher Sicht zu beleuchten und Kriterien für ein ideales Alternativmodell abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine betriebswirtschaftliche Würdigung vorgenommen, die auf einer theoretischen Analyse und einem Vergleich der verschiedenen Reformkonzepte unter Berücksichtigung von Neutralitätskriterien basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das aktuelle System, die spezifischen Kritikpunkte, die Anforderungen an eine Alternative sowie detaillierte Reformvorschläge (Kommunalsteuern, Beteiligungsmodelle, Umsatzsteuermodelle) dargestellt und bewertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Gewerbesteuer, Rechtsformneutralität, Standortwettbewerb, Wertschöpfungssteuer und Unternehmensbesteuerung beschreiben.
Wie wirkt sich die Hebesatzautonomie auf den Standortwettbewerb aus?
Die Hebesatzautonomie führt zu einer steuerlichen Beeinflussung der Vergleichbarkeit von Standorten und kann einen Standortwettbewerb zwischen den Kommunen auslösen, da Unternehmen gezielt Standorte mit niedrigeren Hebesätzen wählen.
Warum schneiden die umsatzsteuerlichen Konzepte im Vergleich gut ab?
Sie bieten eine hohe Rechtsformneutralität und vermeiden durch die Verankerung in internationalen Abkommen zur Vermeidung von Doppelbesteuerung viele der bei der Gewerbesteuer kritisierten Wettbewerbsverzerrungen.
- Quote paper
- Dennis Koob (Author), 2003, Konzepte zur Reform der Gewerbesteuer in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15122