Die Arbeits- und Organisationspsychologie als eine Anwendungsdisziplin innerhalb der Psychologie befasst sich unter anderem mit der Gestaltung von Arbeit. Der Kern dieses Bereichs bezieht sich darauf, Arbeit „menschengerecht“ zumachen.Damit ist zusammenfassend gemeint, Arbeit so an die Eigenschaften des Menschen anzupassen, dass deren Ausführung für die Beschäftigten frei von Gefährdungen für die Gesundheit und im günstigsten Fall sogar förderlich für die Persönlichkeit ist (Ulich,2005).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Beschreibung des Untersuchungsfeldes der Behindertenarbeit
2.2 Begriffsbestimmungen und Erklärungsmodelle zur Beschreibung der Wirkung von Arbeit
2.2.1 Das Belastungs-Beanspruchungs-Konzept
2.2.2 Das Auftrags-Auseinandersetzungs-Konzept
2.3 Definitionen und grundlegende Befunde zu Spielräumen
2.4 Entscheidungsspielraum als Ausgangspunkt selbstgesteuerten Handelns
2.5 Die Rolle von Spielräumen in Bezug auf die Wirkung von Arbeit
2.5.1 Das „Job Demand/Job Decision Latitude“-Modell
2.5.2 Das Vitamin-Modell
2.5.3 Der Salutogenese-Ansatz
3 Fragestellung und Hypothesen
3.1 Ableitung der Fragestellung
3.2 Hypothesen
3.2.1 Entscheidungsspielraum als Gesamtkonstrukt in der Arbeitssituation
3.2.1.1 Haupteffekte der Arbeitsanforderungen und des Moderators Entscheidungsspielraum
3.2.1.2 Interaktionseffekte zu Entscheidungsspielraum als Gesamtkonstrukt
3.2.2 Inhaltliche Aspekte des Entscheidungsspielraums
3.2.2.1 Haupteffekte der inhaltlichen Facetten des Entscheidungsspielraums
3.2.2.2 Interaktionseffekte der inhaltlichen Facetten des Entscheidungsspielraums
4 Methoden
4.1 Beschreibung des Unternehmens
4.1.1 Klientel, Angebot und Ziele der Berlin gGmbH
4.1.2 Organisationsstruktur der Berlin gGmbH
4.1.3 Beschäftigte und Personalbemessung
4.2 Datenerhebung
4.2.1 Stichprobenauswahl
4.2.2 Methodisches Vorgehen bei der Datenerhebung in der Pilotphase
4.2.2.1 Screening Psychischer Arbeitsbelastungen – Person
4.2.2.2 Screening Psychischer Arbeitsbelastungen – Wirkungen
4.2.2.3 Frankfurter Skalen zur Emotionsarbeit
4.3 Operationalisierungen der Konstrukte
4.3.1 Entscheidungsspielraum
4.3.1.1 Erfassung des Entscheidungsspielraums
4.3.1.2 Erfassung inhaltlicher Facetten des Entscheidungsspielraums
4.3.2 Risikobehaftete Arbeitssituationen, Belastende Ausführungsbedingungen, Emotionale Dissonanz
4.3.3 Operationalisierung der negativen Beanspruchungsfolgen
4.4 Kontrollvariablen
4.5 Statistische Auswertungen
4.5.1 Begründung der Verfahrensauswahl
4.5.2 Überprüfung der Kontrollvariablen und statistische Voruntersuchungen
4.5.3 Hypothesenprüfung mittels moderierter linearer Regression
4.5.3.1 Voraussetzungen der multiplen linearen Regression
4.5.3.2 Überprüfung der Haupteffekte
4.5.3.3 Überprüfung der Interaktionshypothesen
4.5.4 Signifikanzniveau, Elektronische Datenauswertung
5 Ergebnisse
5.1 Beschreibung der Stichprobe
5.1.1 Rücklauf
5.1.2 Alter und Geschlecht
5.1.3 Arbeitszeit, Arbeitsverhältnis, Schichtarbeit
5.1.4 Betriebszugehörigkeit, Tätigkeitsdauer, Ausbildungsstand
5.1.5 Unterschiede zwischen verschiedenen Einrichtungen und Einrichtungstypen
5.2 Deskriptive Ergebnisse der Arbeitsanalyse
5.2.1 Profil der Arbeitsanalyse
5.2.2 Emotionale Dissonanz
5.2.3 Psychophysische Beschwerden
5.3 Faktorenanalytische Bestätigung und deskriptive Beschreibung der inhaltlichen Facetten des Entscheidungsspielraums
5.4 Überprüfung der möglichen Kontrollvariablen
5.5 Überprüfung der Voraussetzungen zur Hypothesenprüfung
5.5.1 Stärke und Richtung der Zusammenhänge zwischen den Arbeitsmerkmalen untereinander sowie mit den psychophysischen Beschwerden
5.5.1.1 Arbeitsmerkmale und psychophysische Beschwerden
5.5.1.2 Interkorrelationen der Anforderungen
5.5.1.3 Interkorrelationen zwischen den Moderatoren
5.5.1.4 Zusammenhänge zwischen den Anforderungen und den Moderatorvariablen
5.5.2 Form der Zusammenhänge zwischen den Arbeitsmerkmalen und den psychophysischen Beschwerden
5.5.3 Überprüfung der Normalverteilung der Residuen
5.5.4 Homoskedastizität
5.6 Überprüfung der Hypothesen
5.6.1 Entscheidungsspielraum als Gesamtkonstrukt und Anforderungen der Arbeitssituation zur Vorhersage psychophysischer Beanspruchungsfolgen
5.6.1.1 Haupteffekte
5.6.1.2 Interaktionseffekte
5.6.2 Spezifische Facetten von Entscheidungsspielraum und Anforderungen der Arbeitssituation zur Vorhersage psychophysischer Beanspruchungsfolgen
5.6.2.1 Haupteffekte spezifischer Facetten von Entscheidungsspielraum
5.6.2.2 Interaktionseffekte von Entscheidungsspielraum bezogen auf Arbeitsinhalte, Zeiteinteilung und die Art und Weise der Arbeitserledigung
6 Diskussion
6.1 Diskussion der Methodik
6.1.1 Untersuchungsdesign
6.1.2 Stichprobe
6.1.3 Instrumente und Operationalisierungen
6.1.3.1 Objektive vs. subjektive Erhebung der betrachteten Variablen
6.1.3.2 Subjektive Einschätzungen von Arbeitsmerkmalen und Persönlichkeitsmerkmale
6.1.3.3 Operationalisierungen der Arbeitsmerkmale
6.1.3.4 Auswahl und Operationalisierung der abhängigen Variablen
6.1.3.5 Gemeinsame Methodenvarianz
6.1.4 Statistische Verfahren
6.2 Diskussion der gefundenen Ergebnisse
6.2.1 Form der Zusammenhänge zwischen einzelnen Facetten von Entscheidungsspielraum und psychophysischen Beschwerden
6.2.2 Haupteffekte der Arbeitsanforderungen
6.2.3 Haupteffekte des Entscheidungsspielraums als Gesamtkonstrukt sowie dessen inhaltliche Facetten
6.2.4 Interaktionseffekte zu Entscheidungsspielraum als Gesamtkonstrukt
6.2.5 Interaktionseffekte zu inhaltlichen Facetten des Entscheidungsspielraums
6.2.5.1 Emotionale Dissonanz x Entscheidungsspielraum (Zeiteinteilung)
6.2.5.2 Belastende Ausführungsbedingungen x Entscheidungsspielraum (Art und Weise der Arbeitserledigung)
6.3 Grenzen der Arbeit, Implikationen für zukünftige Forschung
6.4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die Rolle des Entscheidungsspielraums als Moderator in der Beziehung zwischen Arbeitsanforderungen und negativen gesundheitlichen Beanspruchungsfolgen im Feld der Behindertenarbeit. Ziel ist es, widersprüchliche Befunde der bisherigen Forschung zu klären, indem die Linearität der Zusammenhänge sowie spezifische, inhaltliche Facetten des Entscheidungsspielraums (Arbeitsinhalte, Zeiteinteilung, Art und Weise der Erledigung) differenziert betrachtet werden.
- Rolle des Entscheidungsspielraums als Moderator
- Einfluss von Arbeitsanforderungen (z.B. Emotionale Dissonanz) auf psychophysische Beschwerden
- Analyse inhaltlicher Facetten des Entscheidungsspielraums
- Untersuchung linearer und nicht-linearer Zusammenhänge
- Anwendung des "Job Demand/Job Decision Latitude"-Modells auf die Behindertenarbeit
Auszug aus dem Buch
2.3 Definitionen und grundlegende Befunde zu Spielräumen
Spielräume werden nicht allein in der Arbeits- und Organisationspsychologie untersucht. Auch in vielen anderen Bereichen, etwa in der Allgemeinen Psychologie, wurden Erkenntnisse gewonnen, die auch für den arbeitspsychologischen Kontext Bedeutung haben. Besonders in der Sozial- und Lernpsychologie sind Konzepte entstanden, die unter dem Ausdruck „Kontrolltheorien“ zusammengefasst werden können. Beispiele hierfür sind etwa die Theorien zur „Kontrollüberzeugung“ (Rotter, 1966), zu „Erlernter Hilflosigkeit“ (Seligman, 1975), oder zur „Selbstwirksamkeit“ (Bandura, 1977). All diesen Überlegungen ist gemeinsam, dass Kontrolle als ein Phänomen verstanden wird, welches sowohl durch äußerliche als auch durch dispositionelle Faktoren bestimmt ist (Ganster & Fusilier, 1989). Auch wenn bei diesen Ansätzen der situative Kontext mit berücksichtigt wird, stehen die personellen Dispositionen im Vordergrund.
Aus der Motivationspsychologie stammt die Annahme, dass Menschen ein intrinsisches Grundbedürfnis nach Kontrolle besitzen (de Charms, 1968, zitiert nach Ganster & Fusilier, 1989). Darüber hinaus zeigen weitere Befunde, dass die bloße Möglichkeit, zwischen verschiedenen Alternativen eine Wahl treffen zu können, das Selbstwertgefühl steigert (White, 1959, zitiert nach Ganster & Fusilier, 1989) sowie stressfolgen-reduzierend wirkt. Diese Annahmen ließen sich durch Experimente bestätigen, bei denen Probanden stressgenerierenden Bedingungen ausgesetzt waren.
Glass, Reim und Singer (1971) fanden zum Beispiel, dass Personen unter Lärmexposition und ohne die Möglichkeit diesen Reiz zu beeinflussen, stärkere physiologische Stressreaktionen (operationalisiert über den Hautleitwert) zeigten als Probanden, die dem gleichen Lärm ausgesetzt waren, jedoch Möglichkeiten zur Verfügung hatten, diesen zu reduzieren (ohne diese tatsächlich zu nutzen). Auch in Bezug auf andere Stressoren und andere abhängige Variablen konnte der stressreaktions-reduzierende Effekt von Kontrollmöglichkeiten belegt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung der Arbeitsgestaltung für die Gesundheit der Beschäftigten und stellt die zentrale Fragestellung zur moderierenden Rolle des Entscheidungsspielraums in der Behindertenarbeit vor.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über bestehende Modelle zur Wirkung von Arbeit (z.B. Belastungs-Beanspruchungs-Konzept, Karasek-Modell, Vitamin-Modell) und definiert zentrale Konstrukte zu Spielräumen.
3 Fragestellung und Hypothesen: Hier werden basierend auf der Literaturrecherche die konkreten Hypothesen für die empirische Untersuchung abgeleitet, wobei sowohl ein Gesamtkonstrukt als auch inhaltliche Facetten des Entscheidungsspielraums betrachtet werden.
4 Methoden: Das Kapitel beschreibt die Auswahl des Unternehmens (Berlin gGmbH), die Stichprobe, die Erhebungsinstrumente (SPA, FEWS) sowie die statistischen Verfahren zur Hypothesenprüfung.
5 Ergebnisse: Die Ergebnisse präsentieren die deskriptiven Analysen und die Hypothesenprüfungen mittels moderierter linearer Regression, wobei die Haupteffekte und Interaktionseffekte ausführlich dargestellt werden.
6 Diskussion: Die Diskussion reflektiert die methodischen Aspekte, interpretiert die Ergebnisse im Kontext der Forschungsliteratur, beleuchtet die Grenzen der Arbeit und leitet Implikationen für Forschung und Praxis ab.
Schlüsselwörter
Arbeits- und Organisationspsychologie, Entscheidungsspielraum, Behindertenarbeit, Arbeitsanforderungen, psychophysische Beanspruchung, Emotionsarbeit, Emotionale Dissonanz, Moderatorhypothese, lineare Regression, Salutogenese, Ressourcen, Arbeitsgestaltung, Belastungs-Beanspruchungs-Konzept, Methodenvarianz, Arbeitsanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern der Entscheidungsspielraum von Beschäftigten in der Behindertenarbeit den Zusammenhang zwischen spezifischen Arbeitsanforderungen und gesundheitlichen Beanspruchungsfolgen abmildern (moderieren) kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung fokussiert sich auf die Arbeitswelt der Behindertenhilfe, die psychologischen Konzepte des Entscheidungsspielraums, die Belastungs-Beanspruchungs-Forschung sowie die Emotionsarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Klärung der widersprüchlichen Befundlage in der Literatur zur moderierenden Rolle von Entscheidungsspielräumen, insbesondere durch die differenzierte Betrachtung inhaltlicher Facetten statt nur eines abstrakten Gesamtkonstrukts.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin führt eine Arbeitsanalyse mittels standardisierter Fragebögen (wie dem "Screening Psychischer Arbeitsbelastungen" (SPA) und den "Frankfurter Skalen zur Emotionsarbeit" (FEWS)) durch und wertet die Daten mittels moderierter linearer Regressionsanalysen aus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden nach einer theoretischen Einbettung die Methoden der Datenerhebung in der Berlin gGmbH erläutert und anschließend die empirischen Ergebnisse zu den aufgestellten Hypothesen im Detail dargestellt und statistisch geprüft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Entscheidungsspielraum, Behindertenarbeit, psychophysische Beanspruchung, Emotionale Dissonanz, Arbeitsanforderungen und Moderatoreffekte.
Warum ist die Behindertenarbeit als Untersuchungsfeld besonders geeignet?
Die Behindertenarbeit zeichnet sich durch ein spezifisches Anforderungsmuster (z.B. emotionale Regulation, Risikobehaftetheit) bei gleichzeitiger Relevanz von Handlungsspielräumen aus, was sie prädestiniert für die Prüfung von Wechselwirkungen zwischen Belastung und Ressource.
Welches Ergebnis wird bezüglich des Entscheidungsspielraums als "Gesamtkonstrukt" erzielt?
In den untersuchten Daten konnten für das allgemeine Gesamtkonstrukt des Entscheidungsspielraums keine signifikanten Haupteffekte auf die Beanspruchungsfolgen nachgewiesen werden, weshalb die entsprechende Hypothese verworfen wurde.
Welche Erkenntnis ergibt sich aus der Untersuchung der inhaltlichen Facetten?
Die Differenzierung in inhaltliche Facetten (Arbeitsinhalte, Zeiteinteilung, Art und Weise) zeigte, dass bestimmte spezifische Moderatoreffekte, etwa bei der Interaktion zwischen emotionaler Dissonanz und der Zeiteinteilung, differenzierte Ergebnisse liefern, die in einem Gesamtkonstrukt verdeckt geblieben wären.
- Citar trabajo
- Matthias Becker (Autor), 2009, Entscheidungsspielraum als Moderator zwischen Arbeitsanforderungen und ihren gesundheitlichen Folgen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151290