Die Thematik der Fehlzeitenreduzierung hat sowohl aus sozialen als auch wirtschaftlichen Gründen Dauerkonjunktur. Besonders in der letzten Zeit sind Probleme und Risiken des Wirtschaftsstandorts Deutschland in das öffentliche Interesse gerückt. Dabei werden die hohen Lohn- und Lohnnebenkosten als wesentliche Belastung der Konkurrenzfähigkeit deutscher Produkte und Dienstleistungen genannt. Weiterhin beanspruchen deutsche Mitarbeiter im Vergleich zu ihren europäischen und besonders ihren außereuropäischen Kollegen die meisten Urlaubstage und weisen zudem die höchsten Fehlzeiten auf. Dabei ist zunehmend erkennbar, dass motivierte und engagierte Mitarbeiter den Hauptteil zur Wertschöpfung beitragen und einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellen. Somit ist die Erhaltung und Entwicklung der Leistungsfähigkeit und der Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter nicht nur Ausdruck sozialer Unternehmens-verantwortung, sondern vielmehr eine ökonomische Notwendigkeit.
Außerdem ist es in Zeiten des flächendeckenden Personalabbaus von besonderer Bedeutung die Gesundheit der noch verbleibenden Mitarbeiter zu erhalten, zu verbessern und Krankheiten zu vermeiden helfen.
Ziel der vorliegenden Praxisarbeit ist es, Grundlagen des Gesundheitsmanagements und des rechtlichen Handlungsrahmens des Arbeitsgebers darzustellen sowie ein Modell eines integrierten betrieblichen Gesundheitsmanagement vorzustellen. Weiterhin sollen ausgewählte Instrumente erläutert, derzeitige Vorgehensweisen und der Krankenstand analysiert und Schwachstellen diesbezüglich aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen des Gesundheitsmanagements
2.1 Grundbegriffe
2.2 Ursachen von Fehlzeiten
2.3 Ziele des betrieblichen Gesundheitsmanagement
3 Rechtlicher Handlungsrahmen
3.1 Fragerecht des Arbeitgebers
3.2 Kündigung bei Krankheit
3.3 Sicherheit und Gesundheitsschutz
4 Reduzierung von Fehlzeiten durch Gesundheitsmanagement
4.1 Modell eines integrierten betrieblichen Gesundheitsmanagements
4.1.1 Behindertenvertretung
4.1.2 Betriebsarzt
4.1.3 Arbeits- und Gesundheitsschutz
4.2 Ausgewählte Instrumente des betrieblichen Gesundheitsmanagements
4.2.1 Das Rückkehrgespräch
4.2.2 Der Gesundheitszirkel
4.2.3 Krankenstatistik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, ein umfassendes Verständnis für die Grundlagen des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) und den rechtlichen Handlungsrahmen des Arbeitgebers zu schaffen, um daraus Strategien zur effektiven Reduzierung von Fehlzeiten in Unternehmen abzuleiten.
- Grundlagen und Definitionen des betrieblichen Gesundheitsmanagements
- Rechtliche Rahmenbedingungen für Arbeitgeber bei Krankheit und Gesundheitsschutz
- Ursachenanalyse von krankheitsbedingten Fehlzeiten
- Modellentwicklung eines integrierten betrieblichen Gesundheitsmanagements
- Instrumente zur praktischen Umsetzung des BGM im Unternehmen
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Das Rückkehrgespräch
Eine Analyse im Jahr 1996 ergab, dass Rückkehrgespräche in der betrieblichen Praxis 29,4% der Fehlzeitenreduktion abgedeckt haben. Dabei handelt es sich um Gespräche bei denen die Ursachen für das krankheitsbedingte Fernbleiben vom Arbeitsplatz besprochen werden. Rückkehrgespräche verfolgen die Absicht Ursachen von FZ zu ermitteln und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, dem AN Interesse und Wertschätzung zu bekunden und das Arbeitsklima sowie die Kommunikation zu verbessern. Das Rückkehrgespräch, welches zu den zentralen Maßnahmen zur Anwesenheitsverbesserung gehört, lässt sich nach unterschiedlichen Zielgruppen und Zielrichtungen differenzieren.
Viele Unternehmen führen nach jeder Abwesenheit ein solches Gespräch. Dies nimmt dem Rückkehrgespräch das Image „Druckmittel, Jagd auf Kranke“. Weiterhin sollte das Gespräch keinen vorrangig disziplinarischen Charakter haben, sondern fürsorglich ausgerichtet sein. Immerhin soll es ein Instrument gesundheitsgerechter Personalführung und keine Strafmaßnahme darstellen. Im Folgenden sollen krankheitsbedingte Rückkehrgespräche näher erläutert werden.
Mit solchen Rückkehrgesprächen werden im Allgemeinen drei Ziele angestrebt. Zum einen soll dem zurückkehrenden Mitarbeiter die Wiederaufnahme der Arbeit erleichtert werden indem er über Vorkommnisse während seiner Abwesenheit informiert wird und zum anderen soll geklärt werden, ob ein ursächlicher Zusammenhang zwischen krankheitsbedingter FZ und der Arbeitssituation besteht. Folgend sollen die arbeitsbezogenen Ursachen soweit wie möglich beseitigt werden. Außerdem soll der AN erfahren, dass seine Abwesenheit bemerkt und er vermisst wurde. Dieses Gespräch zwischen AN und unmittelbarem Vorgesetzten sollte zeitnah, das heißt in der Regel am Tag der Wiederaufnahme der Arbeit, geführt werden. Sie sind mit einem standardisierten Verfahren durchzuführen. Dies bedeutet, dass ein Gespräch nach jeder krankheitsbedingter Abwesenheit geführt und das
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung erläutert die ökonomische und soziale Relevanz der Fehlzeitenreduzierung für den Wirtschaftsstandort Deutschland und definiert das Ziel der Arbeit, ein integriertes Gesundheitsmanagementmodell vorzustellen.
2 Grundlagen des Gesundheitsmanagements: Dieses Kapitel definiert BGM als nachhaltige Strategie zur Steuerung betrieblicher Prozesse und unterscheidet zwischen verschiedenen Arten von Fehlzeiten.
3 Rechtlicher Handlungsrahmen: Es werden die gesetzlichen Grenzen für den Arbeitgeber im Umgang mit krankheitsbedingten Fehlzeiten, insbesondere das Fragerecht und die Kündigungsmöglichkeiten bei Krankheit, detailliert erörtert.
4 Reduzierung von Fehlzeiten durch Gesundheitsmanagement: Hier werden Modelle und Instrumente wie das Rückkehrgespräch oder der Gesundheitszirkel vorgestellt, mit denen Unternehmen aktiv auf den Krankenstand Einfluss nehmen können.
Schlüsselwörter
Betriebliches Gesundheitsmanagement, BGM, Fehlzeitenreduzierung, Krankenstand, Arbeitsunfähigkeit, Absentismus, Rückkehrgespräch, Gesundheitszirkel, Arbeitsschutzgesetz, Kündigungsschutz, Arbeitsbedingte Erkrankungen, Mitarbeiterführung, Personalführung, Gesundheitsförderung, Arbeitssicherheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) als Strategie zur Senkung von krankheitsbedingten Fehlzeiten und deren ökonomischen sowie sozialen Auswirkungen auf Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen des BGM, die rechtlichen Rahmenbedingungen wie das Fragerecht bei Krankheit und die praktische Umsetzung durch spezifische Management-Instrumente.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, ein Modell eines integrierten betrieblichen Gesundheitsmanagements zu präsentieren und praxisrelevante Instrumente zur Analyse und Reduzierung des Krankenstandes aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse und die Auswertung von arbeitsrechtlichen sowie betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen für das Gesundheitsmanagement.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden rechtliche Pflichten, die verschiedenen Ansätze zur Fehlzeitenanalyse sowie konkrete Maßnahmen wie Rückkehrgespräche und Gesundheitszirkel detailliert erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind BGM, Fehlzeiten, Arbeitsunfähigkeit, Absentismus, Rückkehrgespräch und Gesundheitszirkel.
Wie definiert die Autorin den Unterschied zwischen medizinisch bedingtem Krankenstand und Absentismus?
Die Autorin unterscheidet zwischen arbeitsunfähigkeitsbedingten Fehlzeiten und motivationsbedingtem Absentismus, wobei sie betont, dass BGM vor allem dort ansetzen kann, wo die Arbeitssituation Fehlzeiten beeinflusst.
Welche Rolle spielt die Behindertenvertretung innerhalb des BGM-Modells?
Sie fungiert als Interessenvertretung, die behindertengerechte Arbeitsplatzgestaltung fördert und bei der Integration und Qualifizierung betroffener Mitarbeiter unterstützt.
Warum ist das Rückkehrgespräch kein reines Disziplinierungsinstrument?
Die Autorin betont, dass das Gespräch primär der Wertschätzung und der Klärung arbeitsbezogener Ursachen dienen sollte, um das Gesundheitsmanagement positiv und präventiv zu gestalten.
Welche Bedeutung kommt dem Betriebsarzt zu?
Der Betriebsarzt agiert als Berater und Gesundheitsmanager, der bei arbeitsmedizinischen Fragen unterstützt, jedoch keine Krankmeldungen überprüft oder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellt.
- Quote paper
- B.A. Julia Huber (Author), 2009, Reduzierung von Fehlzeiten durch betriebliches Gesundheitsmanagement, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151345