Die Seminararbeit untersucht soziologische, technische und diachrone Aspekte der Fotografie anhand zweier Publikationen und stellt diese einander Gegenüber. Sie gibt einen Überblick über die einige zentrale Debatten der Fotografie wie die Legitimation der Fotografie als Kunstform oder die Rezeption und Produktion von Fotografien.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Vorgehen
2 Pierre Bourdieus (Hrsg.) „Eine illegitime Kunst“
2.1 Fotoclubs; Ästheten versus Technizisten
2.2 Pressefotografie
2.3 Werbefotografie
2.4 Legitimationsdebatte
2.5 Werdegang und Herkunft
3 Michel Frizots (Hrsg.) „Neue Geschichte der Fotografie“
3.1 Künstlerische Ambitionen; Die Versuchung der schönen Künste
3.2 Zeitzeugen
3.3 Presse, Werbung und Verlagswesen
3.4 Riten und Bräuche: Fotografie als Erinnerungsstück
3.5 Fotoateliers
3.6 Medien und Drucktechniken
4 Gegenüberstellung
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit vergleicht soziologische und historische Perspektiven auf die Fotografie, indem sie Pierre Bourdieus Werk zur "illegitimen Kunst" einem diachronen Ansatz in Michel Frizots "Neuer Geschichte der Fotografie" gegenüberstellt. Ziel ist es, die unterschiedlichen Herangehensweisen zu analysieren und ein umfassendes Bild der technischen, soziologischen und diachronen Aspekte der Fotografie zu zeichnen.
- Soziologische Untersuchung von Fotoclubs und den sozialen Identitäten der Fotografen.
- Die Funktion und Rhetorik der Pressefotografie im Wandel der Zeit.
- Die psychologische Konstruktion von Bedeutung in der Werbefotografie.
- Fotografie als kulturelles Erinnerungsstück und Mittel zur Dokumentation von Lebensläufen.
- Die technische Entwicklung und ihr Einfluss auf die Professionalisierung und Legitimation des Fotografenberufs.
Auszug aus dem Buch
2.1 Fotoclubs; Ästheten versus Technizisten
Das Kapitel „Ästhetische Ambitionen und gesellschaftliche Ansprüche“ von Robert Castel und Dominique Schnapper beschäftigt sich mit der Institution Fotoclub. Die Fotografie stellt in Castel und Schnappers soziologischen Betrachtungen ein Mittel zur sozialen Integration dar. Die Mitglieder von Fotoclubs versuchen u.a. die Fotografie von der Institution Familie abzukoppeln. Man verspottet die traditionelle Familienfotografie sogar. In den Fotoclubs ist die Fotografie niemals Selbstzweck, sondern stützt sich auf ein System von Normen, das der Kunst und andererseits der Technik zugehört. Der Status der Fotografie in den Fotoclubs lässt sich als ein Oszillieren zwischen Nachahmung der Malerei und Technizismus – dem systematischen Ausschöpfen der technischen Möglichkeiten – beschreiben. Nach diesem Muster teilen Castel/Schnapper die Fotoclubs prototypisch in zwei Gruppen auf: Die Ästheten und die Technizisten. Beide Gruppen versuchen ihre Praxis über eine Reihe von Negationen zu rechtfertigen: Die Ästheten befürchten ihre Tätigkeit zur reinen Technik herabgewürdigt zu sehen und suchen ihre Bestätigung in der Beschäftigung mit künstlerischen Fragen. Die Entwicklung eines individuellen Stils steht im Vordergrund. Die Fotografien sollen die Persönlichkeit des Fotografen erkennen lassen. Die ästhetische Qualität einer Fotografie liegt für die Ästheten nicht in der ästhetischen Perfektion selbst sondern in ihrer Übertragung in die fotografische Sprache: Daher werden Fotografien mit dokumentarischem, satirischem, didaktischem, romantischem, sentimentalem und zu klischiertem Inhalt abgelehnt. Durch diese massiven Restriktionen soll die Fotografie mit grösseren Schwierigkeiten verbunden sein und dadurch als Kunst, der Malerei ebenwürdig, anerkannt werden. Die Technik als Mittel zur Herausbildung einer neuen Ästhetik wird abgelehnt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Vorgehen: Vorstellung der beiden Hauptwerke von Bourdieu und Frizot sowie der methodischen Zielsetzung der vergleichenden Analyse.
2 Pierre Bourdieus (Hrsg.) „Eine illegitime Kunst“: Analyse soziologischer Aspekte der Fotografie, unterteilt in die Gruppen der Ästheten und Technizisten, Presse- und Werbefotografie sowie die allgemeine Legitimationsdebatte.
3 Michel Frizots (Hrsg.) „Neue Geschichte der Fotografie“: Untersuchung der diachronen Entwicklung des Mediums unter Berücksichtigung künstlerischer Ambitionen, des Fotojournalismus und technischer Fortschritte.
4 Gegenüberstellung: Synthese der Erkenntnisse durch den direkten Vergleich der soziologischen Sichtweise Bourdieus mit der historischen und technischen Perspektive von Frizots Autoren.
Schlüsselwörter
Fotografie, Bourdieu, Frizot, Fotoclubs, Ästheten, Technizisten, Pressefotografie, Werbefotografie, Legitimationsdebatte, Kriegsfotografie, Fotoateliers, Soziologie, Kunstgeschichte, Erinnerungsstück, Bildästhetik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht zwei grundlegende Publikationen über Fotografie: „Eine illegitime Kunst“ (Bourdieu) und die „Neue Geschichte der Fotografie“ (Frizot), um die Diskrepanz zwischen soziologischen und historischen Ansätzen aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der sozialen Einordnung der Fotografie, ihrer Funktion als Erinnerungsmedium, ihrer Rolle in der Presse und Werbung sowie der professionellen Identität von Fotografen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein kritisches Verständnis für die soziologischen, technischen und diachronen Aspekte der Fotografie zu vermitteln, indem die Herangehensweisen zweier bedeutender fotohistorischer Standardwerke miteinander verglichen werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die kritische Zusammenfassungen beider Werke erstellt und deren Kernargumente gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Besprechung von Bourdieus soziologischen Untersuchungen (u.a. Fotoclubs, Presse/Werbung) und Frizots historisch-technischer Analyse der Fotografieentwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Fotografie, Soziologie, Legitimation, Ästhetik, Pressefotografie und Fotoatelier charakterisiert.
Wie unterscheiden sich die Ansätze von Ästheten und Technizisten?
Ästheten lehnen reine Technik ab und suchen ihre Bestätigung in künstlerischen Fragen sowie individuellem Stil, während Technizisten sich auf das Handwerk und die Beherrschung des Apparats konzentrieren.
Welche Rolle spielt die Werbefotografie laut Lagneau?
Die Werbefotografie fungiert nicht primär als Produktverkauf, sondern als Konstruktion von Bedeutung für den Konsumenten, wobei der Verkauf von Lebensgefühlen im Vordergrund steht.
Wie hat sich die Bedeutung der Porträtfotografie in Fotoateliers gewandelt?
Vom anfänglich statischen "Totenstarr-Porträt" entwickelte sich das Atelier zum "Laboratorium der Identität", in dem Fotografierte ihre Wirkung durch Posen und Inszenierungen aktiv mitgestalten konnten.
- Citation du texte
- Simon Meier (Auteur), 2008, Synchrone und diachrone Aspekte der Fotografie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151912