Leben in Parallelwelten - Zu Hatice Akyün "Einmal Hans mit scharfer Soße – Leben in zwei Welten"


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2006
6 Seiten

Leseprobe

Dr. Mehmet Metin

Leben in Parallelwelten

Berlin, Köln, Frankfurt und andere Städte sind inzwischen Zuhause viele Migranten geworden.

Während des Kaiserreiches entstand in Deutschland bzw. Berlin eine grosse Zahl deutsch-türkischer Vereinigungen und verschiedener Illustrierten mit der Absicht, die beiden unterschiedlichen Kulturen einander näher zu bringen, damit die beiden Länder sich besser verstehen.

Vor dem Ersten Weltkrieg in den zwanziger Jahren erschienen viele umfangreiche Publikationen, die die türkische Situation sowohl wirtschaftlich als auch geographisch genau analysierten. Verträge zwischen Deutschland und der Türkei wurden abgeschlossen, und die Türkei wurde für Deutschland ein wichtiger Handelspartner.

Man bemühte sich damals von offizieller und privater Seites, Kulturunterschiede zu verstehen und abzubauen. Von daher stammt sogar im Jahre 1917 die Idee einer türkischen Schule "komisch und unglaublich". Der gemeinsam geführte und verlorene Erste Weltkrieg hat die Mehrheit der türkischen Bevölkerung mit den deutschen verbunden. Das wurde auf deutscher Seite ganz schnell vergessen

In den 90er Jahren hat sich in Deutschland von der Öffentlichkeit zunächst unbemerkt eine Parallelöffentlichkeit etabliert, eine türkische Öffentlichkeit, die Informationsbedürfnisse zunehmend an türkischen Zeitungen und Fernsehprogrammen orientiert. Die in Deutschland erscheinenden acht türkischen Tageszeitungen erreichen mittlerweile eine Gesamtauflage von über 350.000 Exemplaren. Mehr als 80 % der türkischen Haushalte in Deutschland geben am Ende der 90er Jahre an, ausschließlich türkisches Fernsehen zu konsumieren.[1]

Die türkische Minderheit spielt in der deutschen Medienwirklichkeit kaum eine Rolle. Globale, bilaterale und innergesellschaftliche ökonomische Integration, die ökonomischen Zwänge, vermochten keine gleichzeitige Entwicklung eines kulturellen Dialoges herbeizuführen. So haben sich kommunikative Parallelwelten herausgebildet, die sich seltsam fremd gegenüberstehen. Cem Özdemir stellt fest:

„Die Kommunikation zwischen den Menschen unterschiedlicher Herkunft, der öffentliche und veröffentlichte Diskurs über die deutsch-türkischen Beziehungen ist eigentümlich gestört. In der Tat muss man angesichts solcher Kommunikationsstörungen ein Scheitern der Vermittler und der vermittelnden Medien konstatieren - auf beiden Seiten.“.[2]

[...]


[1] A. Tolun, Virtuelle Parallelwelten. In: Zeitschrift für Kulturaustausch, Jg. 47. 1997. S.136-137

[2] C. Özdemir, Mit den Füßen in Deutschland und dem Kopf in der Türkei. In: Zeitschrift für Kulturaustausch. Jg. 47.1997. S.107.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Leben in Parallelwelten - Zu Hatice Akyün "Einmal Hans mit scharfer Soße – Leben in zwei Welten"
Autor
Jahr
2006
Seiten
6
Katalognummer
V151979
ISBN (eBook)
9783640638604
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ich habe den Text für eine Tagung als Vortrag gehalten. Dr. Mehmet Metin
Schlagworte
Leben, Parallelwelten, Hatice, Akyün, Einmal, Hans, Soße, Welten
Arbeit zitieren
Mehmet Metin (Autor), 2006, Leben in Parallelwelten - Zu Hatice Akyün "Einmal Hans mit scharfer Soße – Leben in zwei Welten", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151979

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