Diese Masterarbeit untersucht die Implementierung von Mehrsprachigkeit bei Unterstützter Kommunikation im Förderschwerpunkt der Geistigen Entwicklung. Ziel der Forschung war es, ob und mit welchen Methoden und Strategien, mehrsprachige Schüler*innen bei der Nutzung Unterstützer Kommunikation aufgefangen werden, um eine effektive Kommunikation zu ermöglichen. Die Studie basiert auf einer quantitativen Vorerhebung und einer anschließenden qualitativen Analyse aus verschiedenen Förderschulen des Freistaates Thüringen mittels Interviews mit Lehrkräften. Die Ergebnisse zeigen, dass vor Allem der Einsatz symbolisch-visueller Hilfsmittel und nicht-elektronische Kommunikationsformen zum Tragen kommen. Elektronische Hilfsmittel, wie Tablets, finden eher selten Verwendung und diese auch meist in deutscher Ausgabesprache. Darüber hinaus wird deutlich, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Eltern unverzichtbar ist, um individuelle sprachliche Bedürfnisse zu berücksichtigen und zu fördern. Die Erhebung unterstreicht, dass, obwohl es Umsetzungserfolge und -bemühungen gibt, diese noch gesteigert werden müssen. Zukünftige Forschungen sollten darauf abzielen, flächendeckend zu untersuchen, inwiefern die Umsetzung verbessert werden kann um diesen Schüler*innen im schulischen und lebensweltlichen Alltag gerecht zu werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung
2.1.1 Herkunft und Terminologie
2.1.2 Schüler*innenbild des Förderschwerpunktes
2.1.3 Beschulung
2.2 Unterstütze Kommunikation
2.2.1 Kommunikation
2.2.2 Definition
2.2.3 Zielgruppen für Unterstützte Kommunikation
2.2.4 Relevanz im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung
2.3 Multilingualismus / Mehrsprachigkeit
2.3.1 Begrifflichkeit
2.3.2 Relevanz im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung
3 Aktueller Forschungsstand
4 Empirische Datenerhebung
4.1 Fragestellung
4.2 Online-Umfrage
4.2.1 Gütekriterien
4.2.2 Probandenauswahl
4.2.3 Erhebungsinstrument
4.2.4 Durchführung
4.2.5 Ergebnisse
4.3 Experteninterviews
4.3.1 Gütekriterien qualitativer Forschung
4.3.2 Probandenauswahl
4.3.3 Transkriptionsregeln nach Dresing und Pehl
4.3.4 Kategorienbildung der qualitativen Inhaltsanalyse
4.3.5 Ergebnisse
5 Diskussion
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Masterarbeit untersucht die Implementierung von Mehrsprachigkeit bei der Unterstützten Kommunikation im Förderschwerpunkt der Geistigen Entwicklung. Ziel der Forschung ist es zu ermitteln, ob und mit welchen Methoden mehrsprachige Schüler*innen unterstützt werden, um eine effektive Kommunikation zu gewährleisten und schulische sowie lebensweltliche Teilhabe zu fördern.
- Analyse theoretischer Grundlagen zur Unterstützten Kommunikation und Mehrsprachigkeit.
- Erfassung des aktuellen Forschungsstandes zur multilingualen Förderung bei geistiger Behinderung.
- Empirische quantitative Befragung von Lehrkräften an Thüringer Förderschulen.
- Qualitative Analyse durch Experteninterviews mit Lehrkräften.
- Diskussion von Herausforderungen und Entwicklungsvorschlägen in der Schulpraxis.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Kommunikation
Im allgemeinen Verständnis werden Kommunikation, Sprache und Sprechen oftmals als gleichwertige Synonyme verwendet und nicht ausreichend differenziert genug betrachtet. Fakt ist jedoch, dass Sprache und Sprechen als wichtige Elemente und Teilgebiete von Kommunikation angesehen werden und Kommunikation als solches viel mehr als diese beiden Elemente beinhaltet (Wilken, 2018). Folglich ist Kommunikation die Gesamtheit aller „Verhaltensweisen und Ausdrucksformen, mit denen wir mit anderen Menschen bewusst oder unbewusst in Beziehung treten“ (Wilken, 2018, S. 11).
Kommunikation bedeutet also, dass nicht nur das Sprechen mit einer Person als einzige Form anzusehen ist, sondern über eine Vielzahl anderer und zusätzlicher Kanäle stattfindet. Vegetative Erscheinungen, wie Blässe oder Röte, Schwitzen oder erschwerte Atmung können ebenso Informationen vermitteln und kommunizieren, wie interpersonelle Distanziertheit und Nähe. Ebenso ist es möglich über einfache Gesten und Mimik Emotionen und andere Inhalte zu vermitteln, welche jedoch situativ und kulturell eingeordnet werden müssen. Auch die Körperhaltung der Person in einer Kommunikationssituation stellt sich als kommunikatives Medium dar.
Auch wenn Kommunikation nicht ausschließlich von Sprache lebt, ist es nicht von der Hand zu weisen, dass Sprache auch als eines der wichtigsten Teilhabeinstrumente angesehen wird und ihr einer besonderen Bedeutung zugewiesen wird. Sprache bekommt deshalb eine spezielle Bedeutung, da sie spezifisch für den Menschen als Kommunikationsmittel dient. Sie ist vor allem grundlegend für die Verarbeitung von Wahrgenommenem und dessen Bedeutung. Mit Sprache bewerten und vergleichen wir Sinneseindrücke, die folglich abgespeichert und wieder abgerufen werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Relevanz von Kommunikation als Grundlage für soziale Teilhabe und die zunehmende Bedeutung von Mehrsprachigkeit im schulischen Kontext des Förderschwerpunktes Geistige Entwicklung.
2 Theoretische Grundlagen: Legt das theoretische Fundament zu den Bereichen Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung, Unterstützte Kommunikation und Mehrsprachigkeit dar.
3 Aktueller Forschungsstand: Analysiert die Verbindung von Mehrsprachigkeit und Unterstützter Kommunikation und identifiziert einen fortlaufenden, monolingual geprägten Schulalltag, der wenig Rücksicht auf sprachliche Diversität nimmt.
4 Empirische Datenerhebung: Dokumentiert den methodischen Prozess der Masterarbeit, bestehend aus einer quantitativen Online-Umfrage und einer anschließenden qualitativen Expertenbefragung an Thüringer Förderschulen.
5 Diskussion: Interpretiert die gewonnenen Ergebnisse im Hinblick auf die Forschungsfragen und reflektiert kritisch über die Limitationen der Untersuchung unter Berücksichtigung der geografischen und personellen Umstände.
6 Fazit: Fasst zusammen, dass Mehrsprachigkeit im Bereich der Unterstützten Kommunikation in Thüringen zwar technisch und methodisch auffindbar, jedoch kein flächendeckend implementiertes Phänomen ist, mit gleichzeitig hohem Handlungsbedarf.
Schlüsselwörter
Mehrsprachigkeit, Unterstützte Kommunikation, geistige Entwicklung, Förderschule, Inklusion, Kommunikation, Thüringen, Sonderpädagogik, Multilingualismus, Lehrkräfte, Schülerschaft, Bildungsbericht, Barrierefreiheit, Sprachbarrieren, Förderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie die sprachliche Vielfalt (Mehrsprachigkeit) von Schüler*innen im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung im schulischen Alltag bei der Nutzung Unterstützter Kommunikation berücksichtigt und umgesetzt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zentral sind die Schnittmengen zwischen der Unterstützten Kommunikation (Techniken und Hilfsmittel zur Überwindung von Lautspracheinschränkungen) und dem wachsenden Phänomen der Mehrsprachigkeit in deutschen Förderschulen.
Wie lautet die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob und in welcher Weise Mehrsprachigkeit bei der Unterstützten Kommunikation an Thüringer Schulen im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung umgesetzt wird und welche Herausforderungen dabei bestehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden wurden angewendet?
Es wurde ein zweistufiges empirisches Design gewählt: eine quantitative Online-Umfrage zur Status-quo-Erhebung an Lehrkräften sowie eine qualitative Expertenbefragung (leitfadengestützte Interviews), um vertiefende Einblicke in die Umsetzungspraxis zu erhalten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende theoretische Einleitung, eine Analyse des aktuellen Forschungsstandes sowie eine detaillierte Auswertung der empirischen Datenerhebung inklusive einer Kategorienbildung zur Praxisrelevanz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Mehrsprachigkeit, Unterstützte Kommunikation, Geistige Entwicklung, Inklusion und der Förderschulkosmos.
Inwieweit spielt die Elternarbeit bei der Umsetzung eine Rolle?
Die Arbeit identifiziert die Elternarbeit als einen kritischen Erfolgsfaktor, weist aber zugleich auf die Herausforderungen hin, die mit der Kommunikation an die meist nicht-deutschsprachigen Eltern verbunden sind.
Welche Rolle spielen technische Hilfsmittel im Vergleich zu nicht-elektronischen Formen?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Schulpraxis zurzeit stark auf symbolbasierte, nicht-elektronische Formen zurückgreift, während der Einsatz komplexer elektronischer Sprachcomputer oder Tablets tendenziell seltener erfolgt.
Wie beurteilen die Lehrkräfte die Förderung von Mehrsprachigkeit?
Obwohl 70% der Befragten Vorteile in einer multilingualen Ausrichtung sehen, wird die praktische Umsetzung häufig durch strukturelle Ressourcenmängel und zeitliche Belastungen behindert.
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- Erik Rodewald (Autor), 2024, Mehrsprachigkeit in der Schule, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1521767