Die Ästhetische Theorie - Adornos fragmentarisches, eigentliches Hauptwerk - beschreibt einen Paradigmewechsel in der Kunstphilosophie. Dabei wechselt auch der Künstler wieder in den Mittelpunkt. Ästhetik ist vielmehr Erhabenheit; als sinnlicher Genuss und Konsum. Macht, Totalität und der Verlust dessen spielen eine wichtige Rolle und zeigen auf kritische Weise, Strukturen unsere modernen, als auch früheren Gesellschaft.
Durch den Zugang zur Kunst, über einen gesellschaftskritischen Weg, wird auch die Gesellschaft durch die Kunst wieder stärker thematisiert, genau wie der schmale Grad zwischen Kunst und "Kitsch". Doch wie schaut es dadurch mit der Stellunf des Künstlers aus? Und was bedeutet dies für die (moderne) Kunst und Kunstgeschichte?
Adornos Werk zeigt auf, was Kunst seiner Meinung heutezutage (noch) ist und wie sich darin unsere moderene Gesellschaft wiederspiegelt.
Nebenbei revolutioniert und dramatisiert er unsere Vorstellungen von Kunst: Schönheit wird zum "Leiden"!
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Hauptteil - Kontextklärung
2.1 Was ist Ästhetik? Schönheit? - Das Kunstwerk und die Gesellschaft
2.2 Schopenhauers Erhabenheit
2.3 Keine Erlösung? - Schopenhauer im Vergleich
2.4 Das Erhabene und Erhabenheit?
3. Ästhetik des „Leidens“
3.1 Adornos Auffassung von Erhabenheit
3.2 Die Erhabenheit als Attribut des Künstlers
3.3 Moderne Kunst, Affekte und das „Neue“?
3.4 Das „lange“ Leiden – Was ist der Künstler?
3.5 Welsch und Adorno - Ästhetisches Denken?
4. Schlussteil
4.1 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Grundlage von T. W. Adornos "Ästhetischer Theorie" den Zusammenhang zwischen dem als "gebrochen" verstandenen Künstler und dem Begriff der "gebrochenen" Erhabenheit, um eine "Ästhetik des Leidens" zu konturieren. Ziel ist es, zu ergründen, inwiefern existenzielles Leiden und die Machtlosigkeit des Künstlers als notwendige Voraussetzungen für authentische Kunst fungieren, die sich vom kommerziellen Kitsch abhebt.
- Die Transformation des Begriffs der Erhabenheit bei Adorno
- Abgrenzung der ästhetischen Auffassung von Adorno gegenüber Schopenhauers metaphysischem Erhabenheitsbegriff
- Analyse der modernen Kunst als Vermittler von Autonomie und gesellschaftlicher Kritik
- Die Rolle des Künstlers als "gebrochenes" Subjekt in einer nicht-idealen Gesellschaft
- Das Spannungsfeld zwischen Authentizität, "Neuem" und dem Verlust an Autonomie
Auszug aus dem Buch
3.1 Adornos Auffassung von Erhabenheit
„Kunst ist eine Instanz des Standhaltens.“20 und „Tatsächlich ist jedes Kunstwerk ein Oxymoron.“21
Wie ist dies zusammen zu bringen?
Muss auch jeder Künstler paradox sein – Paradoxien annehmen? Das Leben ist etwas paradoxes – ohne Frage. Muss man dem standhalten können? So muss auch Kunst,wenn sie den etwas aus dem Leben, der Gesellschaft, heraus darstellen will – was sie ja durch ihre materielle Ebene durch aus tun kann - paradox sein.
Kunst muss aufwühlen, erschüttern und wenn sie des weiteren in unsere „Gefühlswelt“ eindringen will, um Chaos zu erstellen; uns unsere eigene Existenz als „angebrochenes“ Glashaus vor Augen führen. Erhabenheit wird oft als Machtlosigkeit „synomomisiert“. Gemeint ist aber Machtlosigkeit in Bezug zur eigenen Relationssetzung eines Objektes. Adorno sublimiert diese Auffassung in eine persönliche, individuelle, aber nicht ganz unmetaphysische Ebene – in unser „Inneres“. Existenzphilosophisch vermittelt er uns durch die Machtlosigkeit in seiner Theorie, die Machtlosigkeit autonom über uns selbst, unser Leben, zu sein:
„Die subjektive Erfahrung wider das Ich ist ein Moment der objektiven Wahrheit von Kunst. Wer dagegen Kunstwerke erlebt, indem er sich auf sie bezieht, erlebt sie nicht; was fürs Erlebnis gilt, ist kulturell angedrehtes Surrogat.“22
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Die Einleitung formuliert die Forschungsfrage nach der notwendigen "Gebrochenheit" des Künstlers für authentisches Schaffen und skizziert das methodische Vorgehen anhand der Ästhetischen Theorie Adornos.
2. Hauptteil - Kontextklärung: Dieses Kapitel verortet das Kunstwerk im gesellschaftlichen Kontext und arbeitet die Unterschiede zwischen Schopenhauers metaphysischer Erhabenheit und Adornos diesseitiger, von Metaphysik befreiter Sichtweise heraus.
2.1 Was ist Ästhetik? Schönheit? - Das Kunstwerk und die Gesellschaft: Es wird dargelegt, warum Adorno den Fokus von der Suche nach der Schönheit auf das gesellschaftlich relevante Kunstwerk verschiebt.
2.2 Schopenhauers Erhabenheit: Das Kapitel beschreibt Schopenhauers Konzept der Erhabenheit als Zustand des Leidens, das durch die Kontemplation des Kunstwerks zur vorübergehenden Befreiung vom Willen führt.
2.3 Keine Erlösung? - Schopenhauer im Vergleich: Hier wird der Kontrast zur adornischen Auffassung verdeutlicht, bei der die Intention der Erlösung durch die Intention der Nicht-Erlösung ersetzt wird.
2.4 Das Erhabene und Erhabenheit?: Dieser Abschnitt klärt die Begriffe und grenzt die alltägliche Verwendung des Begriffs der Erhabenheit von der für die Arbeit zentralen Interpretation der "Machtlosigkeit" ab.
3. Ästhetik des „Leidens“: Das Kapitel entfaltet die zentrale These der Arbeit und verknüpft die Adornische Auffassung des Erhabenen mit der Existenz des Künstlers und der Funktion moderner Kunst.
3.1 Adornos Auffassung von Erhabenheit: Dieses Kapitel erläutert, wie Kunst als paradoxe Instanz des Standhaltens fungiert und wie subjektive Machtlosigkeit als Wahrheitsmoment in der Kunst auftritt.
3.2 Die Erhabenheit als Attribut des Künstlers: Es wird untersucht, ob das Gefühl des Erhabenen aus der individuellen "Gebrochenheit" des Künstlers resultiert und wie Adorno Herrschaft durch Mimesis ablöst.
3.3 Moderne Kunst, Affekte und das „Neue“?: Dieses Kapitel analysiert den Zwang zur Authentizität in der modernen Kunst und die Gefahr, im "Kitsch" oder in der Heteronomie unterzugehen.
3.4 Das „lange“ Leiden – Was ist der Künstler?: Es wird erörtert, inwiefern der Künstler durch sein eigenes beschädigtes Leben authentische Kunst produziert, die den Betrachter zur Selbsterkenntnis zwingt.
3.5 Welsch und Adorno - Ästhetisches Denken?: Abschließend wird Wolfgang Welschs Gegenbegriff der "Anästhetik" diskutiert und als Gegenmodell zur adornischen Theorie gewürdigt.
4. Schlussteil: Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Relevanz der "Ästhetik des Leidens" als legitime Antwort auf die Herausforderungen der Moderne.
4.1 Zusammenfassung: Die Kernaussagen der Arbeit werden rekapituliert und der Zusammenhang zwischen dem gebrochenen Künstler, dem Rezipienten und der gesellschaftlichen Funktion von Kunst wird unterstrichen.
Schlüsselwörter
Adorno, Ästhetische Theorie, Erhabenheit, Gebrochenheit, Authentizität, Moderne Kunst, Leiden, Machtlosigkeit, Kitsch, Kritische Theorie, Schopenhauer, Mimesis, Autonomie, Wahrheitsmoment, Subjektivität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ästhetische Theorie Adornos mit dem Ziel, den Zusammenhang zwischen der persönlichen "Gebrochenheit" eines Künstlers und der Erschaffung "erhabener" Kunst zu beleuchten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen der Begriff der Erhabenheit, das Künstlertum, die Rolle der modernen Kunst als gesellschaftskritische Instanz und die Abgrenzung von authentischer Kunst zum "Kitsch".
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die theoretische Fundierung einer sogenannten "Ästhetik des Leidens", um zu verstehen, ob und wie existenzielle Machtlosigkeit des Künstlers in authentische Kunstwerke transformiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der kritischen Theorie Adornos und führt eine vergleichende Analyse zwischen Adornos Ästhetik, Schopenhauers metaphysischer Philosophie und den Thesen von Wolfgang Welsch durch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Kontextualisierung des Kunstbegriffs bei Adorno, der Dekonstruktion des Geniebegriffs und der Untersuchung, wie die moderne Kunst durch den "Doppelcharakter" aus Autonomie und gesellschaftlichem Zwang definiert wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind neben Adorno vor allem Erhabenheit, Gebrochenheit, Authentizität, Leiden und das Wahrheitsmoment der Kunst.
Inwiefern unterscheidet sich Adornos Erhabenheitsbegriff von Schopenhauer?
Während Schopenhauer die Erhabenheit als metaphysischen Zustand zur Befreiung vom Willen versteht, befreit Adorno den Begriff von der Metaphysik und sieht in ihm eine Form der existentiellen Machtlosigkeit ohne Erlösung.
Was bedeutet es, wenn ein Künstler bei Adorno als "gebrochen" bezeichnet wird?
Der "gebrochene" Künstler ist kein Genie im romantischen Sinne, sondern ein Mitleidender, der seine eigene Instabilität und das Leiden in der Gesellschaft als Grundlage nutzt, um authentische, kritische Kunst zu schaffen.
Wie bewertet der Autor den Begriff der "Anästhetik" nach Wolfgang Welsch?
Der Autor sieht Welschs Begriff der Anästhetik als ein hilfreiches Gegenmodell, das den Zustand der Unempfindsamkeit beschreibt, welcher die Grundlage für jegliches künstlerisches Schaffen zerstören würde.
- Quote paper
- Paul Parszyk (Author), 2010, Adornos Ästhetik - Die gebrochene Erhabenheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152185