Menschliches Dasein wird wesentlich durch sein Handeln bestimmt. Und dieses menschliche Handeln wird sowohl von dem Handelnden selbst, als auch von dessen Umwelt als „gut“ oder „schlecht“ bzw. „böse“ bewertet. Solche Bewertungen einer menschlichen Handlung kommt also eine sittlich-moralische Bedeutungsqualität zu.
Diese unmittelbaren normativen Aussagen verlangen ihrerseits zwangsläufig nach einer Instanz, an der sich diese sittlich-moralischen Qualitäten messen lassen.
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der für das Abendland prägendsten Instanz für die Letztbegründung von Handlungsnormen, nämlich der Göttlichen.
Ausgehend von Sartres „Der Existenzialismus“ und Russells kleinen Abhandlungen „Warum ich kein Christ bin“ sowie „Hat die Religion nützliche Beiträge zur Zivilisation geleistet“ und darüber hinaus gestützt auf Mackies „Ethik – Die Erfindung des moralisch Richtigen und Falschen“ wird zu Beginn die Frage nach der Möglichkeit von Gottesbeweisen und deren Gegenargumenten des Theismus gestellt.
Im Anschluss daran wird die Frage behandelt, ob eine Ethik ohne Theismus begründbar ist. Hierbei muss zuerst der Gegenstand der Ethik bestimmt werden, um diesem folgend die Ausführungen der o. g. Philosophen auf die Grundfragen der Ethik hin zu analysieren.
Zum Schluss dieser Hausarbeit wird untersucht, ob eine Ethik ohne Theismus begründbar ist und inwiefern die bis dahin analysierten Argumente dazu dienlich sind.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE GÖTTLICHE EXISTENZ
2.1 ARGUMENTE FÜR DEN THEISMUS
2.1.1 Das kosmologische Argument
2.1.2 Das teleologische Argument
2.1.3 Das ontologische Argument
2.1.4 Das moralische Argument
2.1.5 Der Theismus bei Swinburne
2.2 ARGUMENTE GEGEN DEN THEISMUS
2.2.1 Sartre
2.2.2 Russell
2.2.3 Mackie
3. IST EINE ETHIK OHNE ANNAHME DER EXISTENZ GOTTES BEGRÜNDBAR?
3.1 ETHIK
3.1.1 Moral/Sitte (=)
3.1.2 Moralität/Sittlichkeit (=)
3.2 BEGRÜNDUNG DER ETHIK DURCH ENDLICHE VERNUNFT
3.2.1 Glück
3.2.2 Freiheit
3.2.3 Das Gute
4. KRITIK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophische Fragestellung, ob moralisches Handeln eine theistische Begründung durch die Existenz Gottes zwingend voraussetzt oder ob eine Ethik eigenständig auf Basis menschlicher Vernunft begründet werden kann. Hierzu werden die Positionen von Jean-Paul Sartre, Bertrand Russell und J.L. Mackie analysiert, um die Haltbarkeit klassischer Gottesbeweise und die Möglichkeit einer säkularen Moral zu evaluieren.
- Analyse und Kritik klassischer Gottesbeweise (kosmologisch, teleologisch, ontologisch, moralisch).
- Existentialistische Perspektive von Sartre zur menschlichen Freiheit und Verantwortung ohne göttliche Determination.
- Religionskritik von Bertrand Russell hinsichtlich der moralischen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Theismus.
- Empirisch geprägte Moralphilosophie von J.L. Mackie als Alternative zur theonomen Ethik.
- Untersuchung von Grundbegriffen wie Glück, Freiheit und dem "Guten" als Säulen einer vernunftbasierten Ethik.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Sartre
J.P. Sartre zählt neben G. Marcel zu den bedeutendsten französischen Existentialisten der Gegenwart. Der Existentialismus geht davon aus, dass der Mensch sich in seiner geschichtlichen Existenz aus Freiheit selbst bestimmt - dafür aber auch total verantwortlich für seine Entscheidungen einstehen muss. Im Sinne des Existentialismus Sartres muss der Glauben an Gott zu Gunsten der Freiheit des Menschen abgelehnt werden. Sartre vergleicht metaphorisch die Auffassung der Schöpfungstheologie, nämlich, dass das Wesen (die Essenz) zunächst als Fertiges im Denken Gottes existiert und dann via Schöpfungsakt in die Existenz gesetzt wird, mit der Herstellung eines Brieföffners. Die Herstellung des Brieföffners erscheint unlogisch, wenn der Handwerker diesen nicht zu produzieren und zu definieren weiß. Ebenso wie dieser Brieföffner somit determiniert sei, so wäre es auch der Mensch, wenn die Essenz der Existenz vorausgeht. Diese Determinierung, so Sartre, beraube den Menschen sowohl seiner Freiheit als auch seiner Verantwortung. Provokant kehrt Sartre diesen Gedanken um, sodass die Existenz dem Wesen vorausgeht und spricht dem Menschen somit ein selbstverantwortliches Leben in Freiheit zu. Dieses impliziert einen moralischen Appell. Dadurch, dass sich der Mensch in Folge dessen nun nicht mehr auf eine göttliche Entität berufen kann, ist er verantwortlich für jedwedes Tun und somit auch Unterlassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Letztbegründung von Handlungsnormen und Vorstellung der gewählten Philosophen zur Untersuchung der Gottesbeweise und einer Ethik ohne Theismus.
2. DIE GÖTTLICHE EXISTENZ: Darstellung klassischer Gottesbeweise sowie der kritischen Auseinandersetzung mit diesen durch Sartre, Russell und Mackie.
3. IST EINE ETHIK OHNE ANNAHME DER EXISTENZ GOTTES BEGRÜNDBAR?: Erörterung der Grundlagen einer Ethik durch die endliche Vernunft anhand der Kategorien Glück, Freiheit und das Gute unter Verzicht auf den göttlichen Willen.
4. KRITIK: Zusammenführende Bewertung der Argumente, die aufzeigt, dass eine Ethik auf Basis der Vernunft ohne die Annahme eines theistischen Gottes möglich und für die Freiheit des Menschen notwendig ist.
Schlüsselwörter
Theismus, Atheismus, Existentialismus, Gott, Gottesbeweise, Ethik, Vernunft, Freiheit, Verantwortung, Moral, Moralität, Handlung, Sartre, Russell, Mackie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob eine allgemeingültige Ethik ohne die Annahme der Existenz Gottes begründet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Kritik an klassischen Gottesbeweisen sowie die philosophische Grundlegung einer Moral durch menschliche Vernunft, Freiheit und Verantwortlichkeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, zu prüfen, ob die Existenz Gottes eine notwendige Bedingung für eine sittlich-moralische Handlungsbegründung darstellt oder ob diese auch ohne göttliche Voraussetzung möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit nutzt eine philosophische Analyse und komparative Betrachtung der Schriften von Sartre, Russell und Mackie, um die Thesen zum Theismus und zur Ethik kritisch zu hinterfragen.
Welche Inhalte werden schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Gottesbeweise, deren Widerlegung durch die genannten Philosophen und die anschließende Untersuchung, wie Glück, Freiheit und das Gute ohne Theismus vernunftbasiert legitimiert werden können.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wichtigsten Schlagworte sind Theismus, Existentialismus, Ethik, Freiheit, Moral, Gottesbeweise und Vernunft.
Warum hält Sartre das Konzept eines Schöpfergottes für die menschliche Freiheit für gefährlich?
Sartre argumentiert, dass die Vorstellung einer göttlichen Schöpfung den Menschen als ein "fertiges Produkt" definiert, was ihn in seinem Wesen determiniert und ihm somit die absolute Freiheit sowie die individuelle Verantwortung für sein Handeln raubt.
Welche Rolle spielt die Theodizee-Problematik in Russells Argumentation?
Russell nutzt das Vorkommen von Übel und Bösem in der Welt als ein starkes Argument gegen die Existenz eines allmächtigen und allgütigen Gottes, da die Realität der Welt nicht mit dem Attribut der moralischen Vollkommenheit eines Schöpfers korrespondiert.
Wie definiert Mackie die Möglichkeit einer ethischen Diskussion ohne Gott?
Mackie schlägt vor, ethische Fragen auf Basis der Vernunft und durch kognitive Evaluationsprozesse in der Gemeinschaft zu klären, anstatt sich auf mythische Werte oder transzendente Notwendigkeiten zu berufen.
- Quote paper
- M.A. Oliver Landau (Author), 2002, Ethische Argumente gegen den Theismus ausgehend von den Texten Sartres und Russels, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152237