Diese Arbeit begleitete Betriebserkundungen an allgemeinbildenden höheren Schulen im Rahmen des Projektes „Werken in der Industrie“. Untersucht wurde, ob sich die Erkundungen neben dem (ursprünglich durch die Initiator*innen beabsichtigten) frühzeitigen Wecken von Begeisterung für Technik und Naturwissenschaften auch dazu eignen, Kompetenzen aus dem Lehrplan für Bildungs- und Berufsorientierung zu erwerben. Dies geschah durch die Analyse von quantitativen Daten aus zwei Onlinebefragungen (eine vor und eine nach der Erkundung), bei der die Selbsteinschätzung in 23 dem Lehrplan entnommenen Kompetenzen erhoben wurde. Insgesamt wurden die Daten von 106 Jugendlichen aus drei Schulen in Oberösterreich ausgewertet, wobei sie als zwei Interventionsgruppen (jeweils eine mit und ohne intensive Betreuung) und eine Kontrollgruppe (ohne Exkursion, dafür mit Berufsorientierung an der Schule) geführt wurden.
Dabei konnte belegt werden, dass Betriebserkundungen in Kombination mit intensiver Vor- und Nachbereitung einen positiven Effekt auf den Erwerb von Kompetenzen im Rahmen der verbindlichen Übung „Bildungs- und Berufsorientierung“ haben. Besonders markant war der subjektive Kompetenzzuwachs im Bereich „Bildungs, Ausbildungs- und Berufswege sowie Arbeits- und Berufswelt erkunden“. Im Gegensatz dazu war in der Gruppe ohne entsprechende Vor- und Nachbereitung lediglich eine (nicht signifikante) positive Tendenz erkennbar, die Mittelwerte der Kontrollgruppe verbesserten sich während des Interventionszeitraums dagegen nicht.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Realbegegnungen mit der Arbeits- und Berufswelt dazu geeignet sind, Jugendliche bei Entwicklungsaufgaben und der Wahrnehmung der individuellen Stärken zu unterstützen, sowie sie zur Reflexion von Einstellungen anzuregen. Sind diese Realbegegnungen gut vorbereitet, nachbereitet und betreut, können sie einen höheren Beitrag zur Erfüllung der Lehraufgabe des Faches Bildungs- und Berufsorientierung leisten.
Inhaltsverzeichnis
1. Theoretischer Teil
1.1. Einleitung
1.1.1. Motivation
1.1.2. Relevanz des Themas
1.1.3. Generelles Problem, allgemeine Forschungsfrage
1.1.4. Vorschau auf die Masterarbeit
1.2. Hintergründe und Kontext
1.2.1. Arbeitsmarkt und Wirtschaftslage (Gegenwartsperspektive)
1.2.2. Arbeitswelt im Wandel (Zukunftsperspektive)
1.3. Begriffsdefinitionen
1.3.1. Bildung
1.3.2. Beruf
1.3.3. Bildungs- und Berufsorientierung
1.4. Bildungs- und Berufsorientierung
1.4.1. Bildungs- und Berufsorientierung an österreichischen Schulen
1.4.2. Kompetenzmodelle
1.4.3. Lehrplan Bildungs- und Berufsorientierung
1.4.4. Das Projekt „Werken in der Industrie“
1.5. Betriebserkundungen
1.5.1. Didaktische und methodische Grundsätze
1.5.2. Dimensionen des Exkursionsmanagements
1.5.3. Vorbereitung
1.5.4. Durchführung
1.5.5. Nachbereitung
1.6. Berufswahltheorien
1.6.1. Psychologische Berufswahltheorien
1.6.2. Soziologische Berufswahltheorien
1.6.3. Integrierte, mehrperspektivische, interdisziplinäre und postmoderne Ansätze
1.7. Aktueller Stand der Forschung (Studienlage)
1.8. Ziel und Nutzen der Studie
1.9. Forschungsfrage und Hypothese
2. Methodischer Teil
2.1. Stichprobe
2.2. Studiendesign
2.3. Ausgestaltung der Intervention
2.3.1. Vorbereitungsphase
2.3.2. Durchführung
2.3.3. Nachbereitungsphase
2.4. Datenerhebung
2.4.1. Messinstrument
2.4.2. Erarbeitung der Testitems
2.4.3. Bezug der Items zu den Kompetenzbereichen
3. Resultate
3.1. Deskriptive Statistik
3.2. Schließende Statistik
4. Diskussion
4.1. Hypothesenprüfung
4.2. Beantwortung der Forschungsfrage
4.3. Einordnung in bestehende Forschung
4.4. Limitationen der Studie
4.5. Implikationen für die Praxis und weitere Forschung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, ob Betriebserkundungen im Rahmen des Projekts „Werken in der Industrie“ (WIDI) bei Jugendlichen allgemeinbildender höherer Schulen zur Förderung von Kompetenzen aus dem Lehrplan für Bildungs- und Berufsorientierung beitragen. Der Fokus liegt dabei auf der Wirksamkeit unterschiedlicher Intensitätsgrade der Vor- und Nachbereitung dieser Realbegegnungen.
- Einfluss von Betriebserkundungen auf den Erwerb berufsorientierender Kompetenzen
- Bedeutung der Vor- und Nachbereitung für den Lernerfolg
- Analyse des Kompetenzzuwachses mittels quantitativer Selbsteinschätzung
- Vergleich von Interventionsgruppen mit unterschiedlicher Unterstützung und einer Kontrollgruppe
Auszug aus dem Buch
1.2.1. Arbeitsmarkt und Wirtschaftslage (Gegenwartsperspektive)
Auf internationaler Ebene beobachten Expert*innen der European Training Foundation (Fetsi, Bardak & Rosso, 2021) eine Transformation von Volkswirtschaften, die durch eine zunehmende Verschiebung hin zu Dienstleistungsberufen gekennzeichnet ist. In diesem Zusammenhang sinkt auch der Anteil mittelqualifizierter Jobs, sowohl aufgrund der Automatisierung von Routinetätigkeiten als auch durch die auftretende Auslagerung von Aufgaben in der Fertigung in Folge der Globalisierung. Fetsi et al. (2021) verwenden für diesen Umstand den Begriff "Aushöhlungsphänomen".
In Österreich wird indes besonders der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften thematisiert (Dornmayr & Riepl, 2022; Lehner, 2023). Von Fachkräftemangel spricht man, wenn spezifische Positionen nicht besetzt werden können, da am Arbeitsmarkt nicht ausreichend Personen verfügbar sind, die die erforderlichen Qualifikationen für die jeweilige Tätigkeit mitbringen (Drucker, 2023). Besonders gefragt und gleichzeitig schwierig zu rekrutieren sind Lehrlinge. Die absolute und relative Anzahl der Erwerbspersonen mit einem Lehrabschluss ist seit einigen Jahren rückläufig, etwa die Hälfte der Unternehmen wäre bereit zusätzliche Lehrlinge auszubilden, sofern sie genügend qualifizierte und interessierte Jugendliche dafür finden könnten (Dornmayr & Riepl, 2022). „Die Arbeitgeber werden ordentlich tanzen müssen“, beschreibt im Jahr 2022 der damalige AMS-Chef Johannes Kopf die Situation (Kromp, 2022). Laut Mühlböck, Titelbach, Brunner & Vogtenhuber (2023) liegt der Fachkräftemangel in der Natur der Sache, da Unternehmen grundsätzlich ein zusätzliches Angebot hochqualifizierter Arbeitskräfte stets begrüßen würden. Gleichzeitig warnen die Autor*innen davor, dass die wirtschaftliche Entwicklung ins Stocken geraten könnte, wenn der Bedarf an erforderlichen Arbeitskräften nicht ausreichend gedeckt werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Theoretischer Teil: Vermittelt Grundlagen zu Arbeitsmarkt, Bildungs- und Berufsorientierung, Betriebserkundungen und Berufswahltheorien, um den theoretischen Rahmen der Untersuchung zu stecken.
2. Methodischer Teil: Beschreibt das quasi-experimentelle Studiendesign, die Stichprobe und das entwickelte Messinstrument zur Erhebung der Kompetenzen.
3. Resultate: Präsentiert die deskriptive Auswertung der Onlinebefragung und die statistische Analyse der Interventionswirkungen auf die Kompetenzentwicklung.
4. Diskussion: Interpretiert die Ergebnisse im Hinblick auf die Hypothesen, ordnet sie in den aktuellen Forschungsstand ein und thematisiert Limitationen sowie zukünftige Implikationen.
Schlüsselwörter
Betriebserkundungen, Bildungs- und Berufsorientierung, Werken in der Industrie, Kompetenzerwerb, Berufswahltheorien, Arbeitsmarktsituation, Fachkräftemangel, Career Management Skills, Selbsteinschätzung, Schulpraxis, Intervention, Evaluation, Orientierungskompetenz, Realbegegnung, SchülerInnen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema der Arbeit?
Die Masterarbeit befasst sich mit der Wirksamkeit von Betriebserkundungen für allgemeinbildende höhere Schulen und deren Beitrag zur berufsorientierenden Kompetenzentwicklung von Jugendlichen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Felder sind die Bildungs- und Berufsorientierung an österreichischen Schulen, die Didaktik von Betriebserkundungen sowie verschiedene theoretische Erklärungsmodelle zur Berufswahl.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist zu evaluieren, ob und wie Betriebserkundungen (in Abhängigkeit von der Vor- und Nachbereitung) die Selbsteinschätzung der Jugendlichen bezüglich ihrer Bildungs- und berufswahlrelevanten Kompetenzen beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde ein quantitativer Ansatz im quasi-experimentellen Setting gewählt, bei dem mithilfe von Online-Fragebögen vor und nach einer Intervention Daten erhoben und statistisch analysiert wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Abschnitt, der Konzepte und Theorien beleuchtet, sowie einen methodischen Teil inklusive der Ergebnisanalyse im Bereich der deskriptiven und schließenden Statistik.
Wodurch zeichnet sich die Arbeit aus?
Die Arbeit charakterisiert sich durch die Verknüpfung von pädagogischen Anforderungen der Bildungs- und Berufsorientierung mit empirischer Evaluation in der Schulpraxis.
Warum wurde eine "Ad-hoc-Stichprobe" verwendet?
Aufgrund organisatorischer Gegebenheiten im schulischen Alltag war eine Randomisierung der Gruppen nicht möglich, weshalb bestehende Schulklassen für die Untersuchung herangezogen wurden.
Welche Rolle spielt der sogenannte Dunning-Kruger-Effekt in der Diskussion?
Der Effekt dient als Erklärungsansatz für unerwartete Ergebnisse, bei denen Jugendliche nach der Intervention ihre Kompetenzen in bestimmten Bereichen niedriger einschätzten, was auf eine bewusstere Wahrnehmung eigener Wissensdefizite zurückgeführt wird.
- Citar trabajo
- Lukas Hofpointner (Autor), 2024, Betriebserkundungen und ihre Rolle im Kompetenzaufbau. Wie Realbegegnungen zur Bildungs- und Berufsorientierung beitragen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1525390