Armut als Risiko einer ungünstigen Gesundheitsbiographie


Studienarbeit, 2010
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung
2.1 Definition, Aufgaben und Methoden der Epidemiologie
2.2 Definition, Aufgaben und Inhalte der Gesundheitsberichterstattung
2.3 Epidemiologie als Bestandteil der Gesundheitsberichterstattung

3. Gesundheitssituation von Kindern und Jugendlichen
3.1 Datenlage
3.2 Gesellschaftliche Bedingungen für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen

4. Armut und Gesundheit
4.1 Armut als gesellschaftliches und gesundheitliches Risiko
4.2 Auswirkungen von Armut auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen

5. Mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheitssituation von Kindern und Jugendlichen

6. Fazit und Ausblick

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Armut“ gehört zu den Begriffen, die zwar fest im Alltagsbewusstsein verankert sind, unter denen aber jeder etwas anderes versteht. In den Medien dominieren Armutsbilder, die stark vom Massenelend der sogenannten Dritten Welt bestimmt sind. Die deutsche Sozialwissenschaft hat bisher noch keinen allgemein verbindlichen Armutsbegriff hervorgebracht, sondern bedient sich unterschiedlicher Definitionen.

Kinderarmut in Deutschland hat jedoch nichts mit den Bildern zu tun, die man aus Asien und Afrika kennt. Hier wird Armut in Relation zum gesellschaftlichen Wohlstand gesehen und das heißt nicht nur, kein Geld zu haben. Mindestens genauso wichtig sind bei Heranwachsenden negative Begleiterscheinungen in den verschiedenen Lebensbereichen, vor allem auf emotionaler, sozialer und kultureller Ebene. Dies zeigt sich besonders deutlich in den Bereichen Schule, Bildung, soziale Kontakte, Wohnen und Gesundheit.

Armut im umfassenden Sinn ist ein Mangelzustand und bedeutet deshalb in vielen Fällen eine gravierende Einschränkung der Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen.

Nicht nur für den Einzelnen spielt Gesundheit eine große Rolle, sondern ist auch für die Gesellschaft von immenser Bedeutung, da die sozialen Sicherungssysteme zu einem großen Teil für die Kosten durch entstehende Krankheiten aufkommen. Daher ist es wichtig, wenn möglichst umfangreiche und wissenschaftlich gesicherte Informationen vorliegen, um die begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen möglichst gezielt und effektiv einzusetzen. Diese Informationen und Daten zu liefern ist Aufgabe der Epidemiologie und der Gesundheitsberichterstattung (GBE). Nach Darlegungen dieser Grundlagen werde ich anhand vorliegender Studien und Auswertungen aufzeigen, welche Zusammenhänge zwischen Armut und Gesundheit existieren. Mögliche Lösungsansätze und Ausblicke sollen helfen, die Risiken, von Armut betroffen zu werden, zu verringern.

2. Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung

2.1 Definition, Aufgaben und Methoden der Epidemiologie

Die klassische Definition der Epidemiologie, befasst sich mit dem Studium der Verteilung und der Determinanten von Krankheitshäufigkeiten in menschlichen Populationen. Jedoch moderner ist:

„Epidemiologie ist die Bearbeitung von Fragen aus dem Bereich der Medizin, der Gesundheitssystemforschung und der Gesundheitswissenschaften mit Methoden der empirischen Sozialforschung und der Statistik.“ (Laaser u. a. 2006, 257)

Im Hinblick auf die Problematik der demographischen Entwicklung stehen die sozialen Sicherungssysteme in Deutschland vor großen Herausforderungen und Problemen. Um hier die richtigen Entscheidungen für die Zukunft treffen zu können, benötigt man wissenschaftlich gesicherte Daten und Informationen, um die begrenzten finanziellen Ressourcen optimal einzusetzen. Die ursprüngliche Dominanz der Medizin wird dabei zunehmend von anderen Professionen verdrängt. Sozialwissenschaftler, Pädagogen, Ökonomen, Statistiker oder Pflegewissenschaftler setzen andere Schwerpunkte und entwickeln dadurch neue Blickwinkel auf die Epidemiologie.

Für eine effektive und effiziente Gesundheitsversorgung der Gesamtbevölkerung und Unterstützung der Entwicklung und Steuerung des gesamten Gesundheitssystems, zählen unter anderem zu den Aufgaben und Methoden epidemiologischer Forschung:

- Risikofaktoren und Ursachen von Krankheiten zu identifizieren
- Gesundheitsförderliche Faktoren zu identifizieren und regionale Unterschiede in der Häufigkeit von Erkrankungen zu erklären
- Präventionsmaßnahmen und medizinische, rehabilitative und psychosoziale Interventionen auszuwerten (Stark/ Guggenmoos-Holzmann 2003, 394)

Die in standardisierter Weise gemessenen und durch Anwendung statistischer Methoden quantitativ ausgewerteten Daten können dann als Grundlage für Entscheidungen und Maßnahmen der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung herangezogen werden.

2.2 Definition, Aufgaben und Inhalte der Gesundheitsberichterstattung

„Unter Gesundheitsberichterstattung verstehen wir die systematische Darstellung und Analyse des Gesundheitszustandes der Bevölkerung, der Gesundheitsgefährdung und der Gesundheitsversorgung.“(Bardehle, Annuß 2006, 376)

Die Gesundheitsberichterstattung (GBE) der Bundesrepublik Deutschland enthält ergänzende Informationen über das Gesundheitsverhalten der Bevölkerung, die Verbreitung von Risikofaktoren, die Inanspruchnahme von Leistungen, die Kosten und Ressourcen des Gesundheitswesens. Sie dient der Information der Politik, der Forschung, den Akteuren des Gesundheitssystems und der interessierten Öffentlichkeit. GBE stellt die bestehende Situation dar, analysiert sie und leitet gesundheitlichen Handlungsbedarf ab. Damit bildet sie Grundlage und Ausgangspunkt des gesundheitspolitischen Regelkreises. Mit der Bewertung des Erfolgs gesundheitspolitischer Maßnahmen innerhalb der GBE schließt sich der Kreis. Beispiele für GBE sind u.a.:

- Basisberichterstattung: Themen/Zusammenhänge von allgemeinem Interesse und für mehrere Nutzergruppen relevant
- Spezialberichte, Sonderberichte zu wichtigen aktuellen und komplexen Themen
- Schwerpunktberichte z. B. des RKI zu speziellen Themen - Themenhefte des RKI (vgl. Bardehle, Annuß 2006, 376)

2.3 Epidemiologie als Bestandteil der Gesundheitsberichterstattung

Die Epidemiologie stellt eine wissenschaftliche Methode dar und dient als Grundlage für die Gesundheitsberichterstattung. Hier wird im gesundheitlichen Kommunikationsprozess eine Brücke zwischen der Wirtschaft, der Politik und der interessierten Öffentlichkeit geschaffen.

Erst mit der verständlichen Aufbereitung der erforschten Daten kann die Bevölkerung in die Entwicklung der Gesundheitspolitik einbezogen werden.

3. Gesundheitssituation von Kindern und Jugendlichen

Die Einflüsse von sozialer Ungleichheit und Armut auf die Gesundheit waren lange Zeit nur in Bezug auf die erwerbstätige Bevölkerung unter dem Aspekt der Leistungskraft und der Erwerbsfähigkeit von Bedeutung. Aufgrund der Tatsache, dass Kinderarmut in der Regel durch eine Armutssituation der Eltern begründet ist, stehen inzwischen auch Kinder und Jugendliche zunehmend im Mittelpunkt des Forschungsinteresses.

3.1 Datenlage

Wie Abbildung 1 zeigt, ist die Zahl der Sozialhilfeempfänger in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren generell gestiegen. Kritisch anzumerken ist aber, dass unter 18jährige im Vergleich zur Gesamtbevölkerung, überproportional häufig von Sozialhilfe und somit in Armut leben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kinder und Jugendliche in der Sozialhilfe am Jahresende im Zeitvergleich, Anteil der Bevölkerung gleichen Alters in Prozent (bis einschließlich 1990: früheres Bundesgebiet, ab 1991: Deutschland) - Quelle: ZIMMERMANN 2000 (bearbeitete graphische Darstellung).(zitiert nach Klocke 2001, 6)RKI Heft 3/01

2001 sprach Herr Klocke noch von etwa 2,7 Millionen Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, die in Armut leben. (Klocke, Hurrelmann 2001, 9) In einem Radiointerview am 09.02.2010 im NDR erweiterte er diese Zahl nach neuesten Erkenntnissen auf 3,1 Millionen Kinder.

Der UNICEF Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland zeigt deutlich die Schwächen der Kinder- Jugend- und Familienpolitik in unserem Land auf. Im Durchschnitt leben ca. 13.5 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Haushalten mit unter 50 Prozent Medianeinkommens. Auffällig ist hier die starke Variation der Kinderarmut zwischen den einzelnen Bundesländern. Dies beruht auf höherer Arbeitslosenquote in diesen Ländern. (Bertram 2008, 64)

Im Themenheft des Robert-Koch-Institutes (RKI) »Armut bei Kindern und Jugendlichen« wird anhand von Daten des öffentlichen Gesundheitsdienstes, der Krankenkassen sowie verschiedener epidemiologischer Studien verdeutlicht, dass unter anderem schon vor der Einschulung bei Kindern aus sozial schwächeren Familien Entwicklungsverzögerungen und Gesundheitsstörungen bestehen. Die Bereiche Sehstörungen, Sprachstörungen sowie die geistige Entwicklung sind besonders auffällig betroffen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Entwicklungsverzögerungen und Gesundheitsstörungen bei Einschülem nach Sozialstatus Quelle: Landesgesundheitsamt 2001 (zitiert nach Klocke, Lampert 2005, 11) RKI Heft 4

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Armut als Risiko einer ungünstigen Gesundheitsbiographie
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V152579
ISBN (eBook)
9783640643790
ISBN (Buch)
9783640644193
Dateigröße
705 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Armut, Gesundheitsbiographie, Kinderarmut, Gesundheitssituation Kinder und Jugendliche, Gesundheitsberichterstattung, Epidemiologie
Arbeit zitieren
Heike Sommer (Autor), 2010, Armut als Risiko einer ungünstigen Gesundheitsbiographie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152579

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