Unsere Gesellschaft wird immer multikultureller und mit den Kulturen wächst auch die Zahl der religiösen Bekenntnisse. Insbesondere der Dialog zwischen Christentum und Islam ist in aller Munde. Wie er allerdings geführt werden soll, darüber teilen sich die Meinungen. Bei vielen Dialogveranstaltungen müssen die Anwesenden feststellen, dass ihr Wissen von der anderen Religion nicht vollständig und oft sogar falsch ist. Vorurteile können sich leicht einschleichen, wo man das Andere nur vom Hören-Sagen kennt. Daher spielt die systematische Vermittlung von Informationen über andere Religionen – hier: über den Islam – eine wichtige Rolle. Und wo könnte eine solche Vermittlung besseren Raum finden als in der Schule?
Im Lehrplan des evangelischen Religionsunterrichts ist der Islam bereits in der vierten Klasse zu finden. Die Frage ist nun: Was wird hier eigentlich wie wann warum vermittelt? Welches Ziel hat die Vermittlung des Islam im evangelischen Religionsunterricht, wie sind er und das Verhältnis des Christentum zu ihm dargestellt? Kann anhand dieser Darstellung und der Art der Vermittlung, der Didaktik des Unterrichts das selbst gesetzte Ziel erreicht werden?
In der vorliegenden Arbeit werde ich mich nach einer kurzen Darstellung der aktuellen Situation von Christen und Muslimen in Deutschland, der Didaktik allgemein und der Unterrichtsdidaktik des evangelischen Religionsunterrichts widmen. Hierbei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ziel des Unterrichts und der Rolle der nichtchristlichen Religionen in selbigem. Weiterhin werde ich zwei beispielhafte Unterrichtsentwürfe für den evangelischen Religionsunterricht der vierten Klasse und insbesondere ihre den Islam betreffenden Kapitel auf Ziel, Inhalt und Didaktik hin betrachten und im Vergleich herausarbeiten, ob und wie diese beiden Entwürfe ihr(e) Ziel(e) und die Ziele des evangelischen Religionsunterrichts (soweit sich diese nicht entsprechen) erreichen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Christen und Muslime in Deutschland
2. Didaktik im Evangelischen Religionsunterricht
2.1 Didaktik und Fachdidaktik Religion: Begriffsdefinitionen
2.2 Ziele des Evangelischen Religionsunterrichts
3. Unterrichtsentwurf 1: Religionsunterricht praktisch
1. Anspruch und Ziele
2. Aufbau und Inhalte
3. Didaktik
4. Unterrichtsentwurf 2: Relifix
1. Anspruch und Ziele
2. Aufbau und Inhalte
3. Didaktik
5. Vergleich und lerntheoretische Einordnung
Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die didaktische Vermittlung des Islam im evangelischen Religionsunterricht der vierten Klasse anhand eines Vergleichs zweier konkreter Unterrichtsentwürfe, um zu prüfen, inwieweit diese die gesetzten Bildungsziele erreichen.
- Aktuelle Situation von Christen und Muslimen in Deutschland
- Grundlagen der Didaktik und Fachdidaktik Religion
- Analyse und Vergleich der Unterrichtswerke "Religionsunterricht praktisch" und "Relifix"
- Lerntheoretische Einordnung der gewählten Ansätze
- Erfolgsfaktoren für die Vermittlung religiöser Pluralität
Auszug aus dem Buch
2.1 Didaktik und Fachdidaktik Religion: Begriffsdefinitionen
Die Didaktik bezeichnet die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Unterricht. Dieser wiederum besteht in der „gezielte[n] Planung, Organisation und Gestaltung von Lehr-Lern-Prozessen“ (Krüger; Helsper 2006, 91). Die Didaktik „strebt eine Synthese von Anforderungen der Gesellschaft und Interessen des Individuums an. Didaktik in einem umfassenden Sinne beschäftigt sich mit drei Ebenen der Theoriebildung: a) mit den globalen Ziel- und Wertvorstellungen einer Gesellschaft, b) mit dem Lehrplan als Träger jener globalen Ziel- und Wertvorstellungen und c) mit Modellen der Planung und Analyse von Unterricht, also damit, wie die Vermittlung von Inhalten möglichst optimal gestaltet werden kann“ (ebd., 92).
Zur Definition der Fachdidaktik Religion ist es erforderlich, sich auch die Begriffe der Religionspädagogik und der Religionsdidaktik zu vergegenwärtigen, da diese im allgemeinen Sprachgebrauch oft synonym verwendet werden. Zur Unterscheidung der Bedeutung der einzelnen Termini können sie in das folgende Verhältnis gesetzt werden:
- Warum? Religionspädagogik als übergreifende Theorie fragt nach den theologischen und pädagogischen Begründungen für religiöse Bildung und macht grundlegende Optionen transparent. Hier sind alle Lernfelder im Blick. [...]
- Wohin? Was? Wer? Religionsdidaktik reflektiert die Struktur und die Ziele religiöser Bildung für konkrete Lernorte. Sie entwickelt Konzepte, die als Steuerungsinstrumente für religionspädagogisches Handeln fungieren. [...]
- Bedingungen Schule? 'Fachdidaktik Religion' ist an der Ausbildung von religiös Lehrenden interessiert und reflektiert den konkreten Unterricht im Lernfeld Schule. Sie fragt insbesondere nach den konkreten Inhalten (z.B. durch Curricula, Lehr- und Bildungspläne) und nach den konkret handelnden Personen (z.B. Schulklasse, Lehrperson). [...]
- Wie? Erst im letzten Schritt untersucht die Religionsmethodik die Lernwege bzw. Methoden für die angestrebten Ziele. Dabei hat sie die zu behandelnden Inhalte ebenso im Blick wie die konkreten Lernenden. [...]
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit der systematischen Islamvermittlung in der Schule aufgrund gesellschaftlicher Pluralität und definiert das Ziel der Arbeit, zwei Unterrichtsentwürfe kritisch zu vergleichen.
1. Christen und Muslime in Deutschland: Dieses Kapitel skizziert die veränderte demografische Realität in Deutschland und die damit verbundenen Herausforderungen für das Zusammenleben von Christen und Muslimen.
2. Didaktik im Evangelischen Religionsunterricht: Es werden grundlegende Begrifflichkeiten der Fachdidaktik Religion sowie die allgemeinen Funktionen des Religionsunterrichts (Qualifikation, Allokation, Integration, Personalisierung) erläutert.
3. Unterrichtsentwurf 1: Religionsunterricht praktisch: Dieser Abschnitt analysiert das Werk hinsichtlich seiner Zielsetzung, des strukturellen Aufbaus sowie der praktischen didaktischen Umsetzung im Unterricht.
4. Unterrichtsentwurf 2: Relifix: Hier wird der zweite Entwurf vorgestellt, der sich insbesondere an unerfahrene Lehrkräfte richtet, und dessen didaktisches Konzept und Aufbau untersucht.
5. Vergleich und lerntheoretische Einordnung: Die beiden Ansätze werden gegenübergestellt und unter Einbeziehung lerntheoretischer Modelle wie dem operanten Lernen und dem Beobachtungslernen bewertet.
Zusammenfassung: Das Fazit stellt fest, dass beide Entwürfe das Potenzial haben, die Lernziele zu erreichen, wobei sie unterschiedliche methodische Schwerpunkte und Stärken in der Alltagsnähe aufweisen.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, Islam, Christentum, Fachdidaktik, Religionspädagogik, Religionsdidaktik, Unterrichtsentwurf, interreligiöses Lernen, Religionsmethodik, Bildung, Relifix, Pluralität, Lehr-Lern-Prozesse, Integration, Schulpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen Vermittlung von Inhalten über den Islam im Rahmen des evangelischen Religionsunterrichts in der Grundschule.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die gesellschaftliche Situation von Christen und Muslimen in Deutschland, die fachdidaktischen Grundlagen des Religionsunterrichts sowie die Analyse zweier spezifischer Unterrichtsmaterialien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch einen Vergleich zweier Unterrichtsentwürfe herauszuarbeiten, ob und wie diese den Anspruch erfüllen, Schülern den konstruktiven Umgang mit religiöser Pluralität zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Literaturanalyse zur Begriffsdefinition sowie eine vergleichende Analyse zweier ausgewählter didaktischer Unterrichtsentwürfe (Fallvergleich).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Grundlegung der Fachdidaktik, die detaillierte Vorstellung und didaktische Analyse der zwei Unterrichtsentwürfe sowie deren lerntheoretische Einordnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Religionsunterricht, Islam, Fachdidaktik, interreligiöses Lernen, Religionspädagogik und Unterrichtsplanung.
Wie unterscheidet sich "Religionsunterricht praktisch" von "Relifix" laut der Analyse?
Während "Religionsunterricht praktisch" eher auf Wissensvermittlung im Frontalunterricht setzt, legt "Relifix" einen stärkeren Fokus auf die Erlebenswelt der Kinder und den Alltagsbezug.
Welche Rolle spielen lerntheoretische Modelle bei der Bewertung der Entwürfe?
Die Autorin ordnet die Entwürfe lerntheoretisch unter anderem in Skinners Theorie des operanten Lernens (Verstärkung durch Lob) und Banduras Theorie des Beobachtungslernens (Nachahmung) ein.
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- Hanna Langer (Author), 2009, Didaktik der Vermittlung des Islam im Evangelischen Religionsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152849