Ven a la isla tranquila – Ferien auf der Insel der Ruhe: So lautet die jeweilige Über¬schrift in einer spanischen Tourismusbroschüre und ihrer deutschen Über¬setzung. Liest man beide Texte unabhängig voneinander, so wird einem kaum etwas auffallen; beide Formulierungen können in einem spanischen bzw. deut¬schen Werbetext pro¬blemlos vor¬kom¬men und als völlig unauffällige Wortwahl beurteilt werden. Werden sie jedoch direkt nebeneinandergestellt, zeigt sich, dass es sich hier keineswegs eine direkte wörtliche Übersetzung handelt; die beiden Konstruk¬tionen sind grundlegend ver¬schieden. Trotz unterschiedlicher Form können beide Überschriften inner¬halb ihrer Texte zur intendierten Wirkung beitragen und führen damit eine ver¬gleichbare Funktion aus.
Wie können also diese formalen Unterschiede gerechtfertigt werden und in einen größeren Kontext gebracht werden? Während in der Übersetzungs¬wissenschaft lange Zeit der Vergleich von Original und seiner Übersetzung in Hinsicht auf die formale Art der Entsprechung auf den unteren Ebenen des Sprachsystems (d.h. Wort-, Phrasen- und Satz¬ebene) im Vordergrund standen, liegt das Augenmerk in den neueren Ansätzen vermehrt auf der Textebene und dem funktionalen Aspekt (vgl. Chesterman 2004: 94), und oft wird als Ziel einer gelungenen Übersetzung nicht mehr eine formale Entsprechung einzelner Wörter oder Phrasen gefordert, sondern eine Äquiva¬lenz auf funktionaler Ebene. Mit dieser Verschiebung einhergehend gewinnen text¬linguistische Überlegungen für die Übersetzungs¬wissenschaft an Bedeutung; vor allem das Konzept der Textsorten wird insofern wichtig, als jeder Text als Repräsentant einer bestimmten Textsorte gesehen werden muss und als solcher in seinem Kontext rezipiert wird. Diese Textsorten sind geschichtlich gewachsen und dadurch natürlich zu einem gewissen Grad kultur¬abhängig (vgl. Göpferich 1999b: 62).
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Theoretische Grundlagen
- Übersetzung, Textfunktion und Übersetzungstyp
- Der kulturelle Filter und kulturspezifische Unterschiede
- Textanalyse und situative Dimensionen
- Dimensionen kulturpaarspezifischer Unterschiede
- Textanalyse: Kulturelle Unterschiede Spanisch-Deutsch
- Textgrundlage
- Explizitheit: Diskrepanzen in Bezug auf explizite Informationen
- Spezifität und emotive "Geladenheit" der Lexik
- Direkte Einbeziehung der Adressaten durch Pronomina und Verbformen
- Indirekte Einbeziehung der Adressaten durch persönliche Konstruktionen
- Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die kulturellen Unterschiede zwischen spanischer und deutscher Sprache, anhand eines Vergleichs zwischen einer spanischen Online-Tourismusbroschüre und ihrer deutschen Übersetzung. Ziel ist es, herauszuarbeiten, inwiefern bestimmte kulturelle Unterschiede, die für das Sprachenpaar Englisch-Deutsch ermittelt worden sind, auch für das Sprachenpaar Spanisch und Deutsch Gültigkeit besitzen.
- Untersuchung der Textsortenkonventionen und deren Einfluss auf die Übersetzung
- Analyse der Rolle des kulturellen Filters in der Übersetzung
- Identifizierung und Analyse von kulturspezifischen Unterschieden im Sprachgebrauch
- Vergleich der Textfunktionen von Original und Übersetzung
- Bewertung der Übersetzung in Bezug auf die gelungene Einbettung in den zielsprachlichen Kontext
Zusammenfassung der Kapitel
Das zweite Kapitel führt in die theoretischen Aspekte der Übersetzungskritik ein. Es stellt Juliane Houses Modell zur Bewertung von Übersetzungen vor, erläutert die Idee des kulturellen Filters und stellt Überlegungen zur prinzipiellen Vergleichbarkeit der von House aufgeführten Dimensionen kultureller Unterschiede zwischen Englisch und Deutsch mit denen des Sprachenpaares Spanisch und Deutsch an.
Kapitel 3 untersucht die Annahmen aus dem vorherigen Kapitel anhand von Textteilen der spanischen Tourismusbroschüre und ihrer deutschen Übersetzung.
Schlüsselwörter
Die wichtigsten Schlüsselwörter und Themen der Arbeit sind: Übersetzungskritik, kulturelle Unterschiede, Textsortenkonventionen, Textfunktionen, kultureller Filter, Sprachvergleich, Spanisch, Deutsch, Tourismusbroschüre, Explizitheit, Lexik, Pronomina, Verbformen.
- Arbeit zitieren
- Elisabeth Fritz (Autor:in), 2009, Ven a la isla tranquila vs. Ferien auf der Insel der Ruhe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152993