Zeitungsanalyse 'Tagespost' 02.1919-03.1919

Frauenleben in Linz in der Zwischenkriegszeit


Seminararbeit, 2010
25 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Vorwort und Inhalt der Seminararbeit

2.) soziale Lage und historisch- soziopolitischer Hintergrund

3.) Charakterisierung der Tagespost
3.1.) Allgemeine Charakterisierung und Aufbau des Analysematerials
3.2.) Themenschwerpunkte/ Hauptthemen und politische Ausrichtung der Tagespost
3.2.1.) Antikommunistische und rassistisch-nationalistische Hetze

4.) Vorkommen und Darstellung von Frauen in der Tagespost
4.1.) Frauen als politische Akteurinnen
4.2.) Frauen und Verbrechen
4.3.) Frauenorganisationen und -verbände, Bildungsmöglichkeiten
4.4.) Frauen und Erwerbstätigkeit
4.5) Frauenbild: Heiratsinserate und Kontaktanzeigen

5.) Schlusswort

6.) Literaturverzeichnis

1.) Vorwort und Inhalt der Seminararbeit

Diese Seminararbeit beinhaltet eine Analyse der ober österreichischen Zeitung “Tagespost“. Im Rahmen meiner Seminararbeit werde ich die Darstellung und das Vorkommen von Frauen in der Tagespost und die damit einhergehenden Frauenbilder fokussieren, ebenso werde ich aber auf die politische Orientierung und Ausrichtung der Tagespost im Allgemeinen eingehen. Ebenso werde ich versuchen, die in der Zeitung und durch deren Berichterstattung aufgeworfenen Themen in einen Kontext mit der historischen und sozioökonomischen Situation zu setzen. Der meiner Arbeit zugrunde liegende Analysezeitraum umfasst die Ausgaben der Tagespost vom 17.2.1919 bis inklusive zum 11.3.1919.

2.) soziale Lage und historisch- soziopolitischer Hintergrund 1919

Die Pauperisierung durch den ersten Weltkrieg führte zu großen Friedensbewegungen, an denen Frauen zentral beteiligt waren. Mit der russischen Oktoberrevolution 1917 begann eine Welle an revolutionären Bewegungen und Situationen, welche in Österreich zu einer Beendigung des ersten Weltkrieges, zur Gründung der Republik Deutschösterreich, weiters zur Beendigung der Habsburgermonarchie und der Transformation Österreichs weg von einer Monarchie hin zu einer parlamentarischen bürgerlichen Demokratie führten: In Österreich hatten sich bereits im Jännerstreik 1918 ArbeiterInnenräte gebildet und im Oktober 1918 strömten die kriegsmüden Soldaten in Scharen rätebildend von den Fonten zurück.

Frauen hatten während des ersten Weltkriegs enorme Umbrüche in ihrer Lebenssituation erfahren: Bedingt durch die Abwesenheit von in den Kriegsdienst am die Fronten abkommandierten Männern rückten sie in großem Maße in die nun von Mangel an männlichen Arbeitskräften gekennzeichneten Industrie- und Rüstungsbetriebe nach. Ebenso waren Frauen starke politische AkteurInnen während des ersten Weltkrieges, sie stellten ein durchaus widerständiges, oppositionelles und widerspenstiges Potential dar: Von ihnen wurde von Angebinn des Krieges an in enormen Ausmaß antimilitaristische und antiimperialistische Agitation und Aktionismus getragen, sozialdemokratische Frauenorganisationen stellten sich gegen die chauvinistische Kriegsbefürwortung und -hetze ihrer Gesamtparteien und Frauen waren während des gesamten Krieges zentral an Kriegssabotage, Hungerkrawallen, Plünderungen und an Friedensdemonstrationen „Für Frieden und Brot!“ beteiligt. Nicht zuletzt hatte dies den Grund darin, dass Frauen mit der Mangelwirtschaft des Krieges, mit deren Auswirkungen wie z.B. Nahrungsmittelknappheit unmittelbar konfrontiert waren, da Frauen es jene waren, die stundenlang vor Läden Schlange für z.B. Brot und Milch standen und dann oft, voll entbrannter Wut und Empörung, spontane Hungerkrawalle und -plünderungen bei fehlenden Lebensmitteln oder erneuten Lebensmittelrationskürzungen initiierten. Die in der Kriegsproduktion arbeitenden Frauen waren InitiatorInnen des Jännerstreiks von 1918, bei dem im ganzen K-und K- Reich 750000 Menschen streikten. (vgl. Hautmann (1987): S. 164) In der ersten Republik wurden Frauen sukzessive von den nun wieder aus dem Krieg zurückgekehrten Männern aus der Berufsarbeit verdrängt.

Die erste Republik konnte aber die Hoffnungen der breiten Massen nach einem Leben ohne Entbehrungen und Hunger, welche an die Beendigung des Krieges geknüpft waren, nicht erfüllen. Die erste Republik war genauso wie die Kriegszeit von Hunger, Nahrungsmittelknappheit, Wohnungsnot, Brennstoff- und Rohstoffmangel und von steigender Arbeitslosigkeit und Inflation geprägt. Bei den ersten Wahlen zum Nationalrat im Februar 1919 wurden auf Bundesebene die Sozialdemokraten stimmenstärkste Partei und bildeten eine Koalition mit den CS. Erster Bürgermeister von Linz wurde 1918 der deutschnationale Sadleder und 1919 der Sozialdemokrat Dametz.

Die rechtliche Situation der Frauen war in der ersten Republik durch familienrechtliche Bestimmungen des AGBG von 1811stammend- welche in dieser Form bis in die 1970er gültig blieben- das den Mann als Oberhaupt der Familie und Familenernährer definiert und Frauen praktisch unter die Befehlsgewalt des Mannes stellt, umrandet. (vgl. Hauch (2007) In: Pammer (Hrsg.): S. 502) Frauen wurden per Geschlecht aus weiterführender Bildung und Politik ausgeschlossen. (vgl. Hauch (2007) In: Pammer (Hrsg.): S. 507) Bis zur Entstehung der ersten Republik war es Frauen offiziell verboten, sich politisch zu betätigen. Erst mit der Entstehung der ersten Republik 1918 öffneten alle Universitäten und Fakultäten ihre Tore für Frauen und 1892 entstand das erste Mädchengymnasium in Österreich. (vgl. Hauch (2007) In: Pammer (Hrsg.): S. 506) Alle weiterführende Ausbildung für Mädchen war damals im privaten Bereich angesiedelt und damit sehr teuer. 1866 war der Wiener Frauen-Erwerbs-Verein gegründet worden, der Verein bot die ersten Berfufsausbildungen für Mädchen an (z.B. Näherinnenkurse) und in den 1870ern wurden in Österreich die ersten Frauen im staatlichen Dienste, bei den Telegraphen- und Postämtern, angestellt. (vgl. Hauch (2007) In: Pammer (Hrsg.): S. 505).

Mit der Gründung der Republik Deutschösterreich 1918 wurden Frauen nun zu Staatsbürgerinnen, ihnen wurde das aktive und passive Wahlrecht zuerkannt und auch endlich das Recht, sich politisch zu engagieren- jedoch den Prostituierten wurde das Wahlrecht bis 1923 vorenthalten und abgesprochen.(vgl. Hauch (2008) In: Konrad/ Madertbauer (Hrsg.): S. 326) So entstand das Ringen um die Wählerinnenstimmen der Frauen. Alle Fraktionen versuchten nun, Frauen zu mobilisieren und zu organisieren. Dieses Frauenwahlrecht als Unsicherheitsfaktor führte auch dazu, dass Frauen für die verschiedenen politischen Parteien kandidierten, jedoch meistens als Alibifunktion auf untergeordneten Listenplätzen, um weiblichen Wählerinnen Identifikationsfiguren anzubieten.

Das führte dazu, dass in der ersten Republik Frauen als Aktuerinnen die politischen Bühne auch in Parlament betraten, der Frauenanteil im Parlament, wie er in den ersten Jahren der ersten Republik der Fall war, wurde erst 1978 in Österreich wieder erreicht. (vgl. Hauch (2008) In: Konrad/ Madertbauer (Hrsg.): S. 332)

3.) Charakterisierung der Tagespost

3.1.) Allgemeine Charakterisierung und Aufbau des Analysematerials

Die Tagespost ist eine an 6 Tagen die Woche (Montag bis Samstag) erscheinende regionale Zeitung für Oberösterreich und Salzburg, welche in Linz erschienen ist. Durchschnittlich hat eine Tagespost 8 Seiten, manchmal während der Woche auch nur 5 oder 6 Seiten. Die Samstagsausgabe der Tagespost stellt die Wochenendausgabe dar, diese ist im Umfang deutlich länger und umfassender. 12 bis 14 Seiten stellen für eine Samstags- und Sonntags- Wochenendausgabe die Regel dar, zudem weist die Wochenendausgabe weitere Spezifika auf, die wir auch bei den heutigen Wochenendausgaben von Zeitungen kennen: Sie weist spezielle Rubriken auf und Themen werden in den Wochenendausgaben behandelt, welche unter der Woche nicht vorkommen. Zudem sind viel mehr Inserate und (Veranstaltungs)ankündigungen in der Wochenendausgabe abgedruckt als unter der Woche.

Als regionale, auf Salzburg und Oberösterreich ausgerichtete Zeitung kommt der Tagespost die Aufgabe zu, die Bevölkerung über alle lebenspraktisch wichtigen Dinge zu informieren. Dass die Zeitung damals das für den Informationsaustausch wichtigste Medium darstellte und die Tagespost als dieses fungierte, wird anhand der tatsächlich erfolgten umfassenden Nutzung der Zeitung zum Informationsaustausch verdeutlicht: So werden alle wichtigen Ankündigungen in der Tagespost gedruckt, Menschen stellen in ihr mittels Anzeigen Gerüchte richtig, sie teilen sich im Inseratteil der Tagespost geheime Liebesbotschaften mit und machen sich Termine für ein Treffen aus.

Die Titelseite der Tagespost ziert auf der 2en Hälfte immerzu ein Fortsetzungsroman, ansonsten wird die erste Seite der Tagespost vom Leitartikel ausgefüllt. In jeder Nummer der Tagespost vorkommende Konstanten sind Berichte über die Ereignisse in der Republik Deutschland und in der Republik Deutschösterreich und Bericherstattung über Entwicklungen in der Friedensfrage und den damit verbundenen Gebietsfragen (u.a. auch der im Februar 1919 wahrscheinlich erscheinende Anschluss Deutschösterreichs an die Republik Deutschland). Dieser Hintergrund erklärt auch, warum in der Tagespost die Kategorie “die Republik Deutschland“ meist vor der Kategorie “die Republik Deutschösterreich“ kommt und die Tagespost als österreichische Zeitung viel mehr über Ereignisse in Deutschland als über Ereignisse aus der Republik Deutschösterreich berichtet, da von der Tagespost die Republik Deutschösterreich als Teil der Republik Deutschland angesehen wird. Hierauf folgen weitere internationale Meldungen. Die nächste Rubrik der Tagespost lautet “Tagesnachrichen“, in welcher zu einem großen Teil auch nicht über politische Ereignisse, sondern über Verbrechen, Kurioses, Brände und wissenschaftliche Entdeckungen und Entwicklungen berichtet wird. Hierauf folgt die Rubrik “Tageskalender“ gefolgt von der Rubrik “Nachrichten aus Oberösterreich und Salzburg“. Hier wird neben politischen Ereignissen vor allem die Bevölkerung über für das Alltagsleben wichtige Sachverhalte informiert: In dieser Rubrik werden Ernennungen zu wichtigen Berufen, Beförderungen, Vermählungen, Verlobungen, Todesfälle, Diebstähle und Morde abgedruckt, ebenso Erklärungen und Ankündigungen von staatlichen Stellen, Gemeinden, Magistraten und Soldatenräten (über Essensaufbringung, neue Höchstpreise..), aber auch allgemeine Erklärungen (zum Beispiel über Zugeinstellungen wegen Kohlemangel,...)und Veranstaltungsankündigungen. Wer abgängig oder erfroren ist, wird auch in dieser Rubrik der Zeitung vermerkt, aber auch Briefe von Kriegsgefangenen abgedruckt. Ein weiteres Fixum in dieser Rubrik sind Berichte über Plünderungen und Diebstähle (“was verschleppt wird“) und Gerichtsurteile aufgrund von Plünderungen und Nahrungsmitteldiebstählen. Witze und kuriose Meldungen finden sich ebenfalls in dieser Rubrik, genauso wie Richtigstellungen (amtliche oder von Privatpersonen getragene, welche sich gegen Verleumdungen und falsche Gerüchte über sie und/oder deren Familien und/oder FreundInnen in der Zeitung verteidigen) Dieser Rubrik folgen manchmal, vorrangig in der Wochenendausgabe, Gaskommentare zu aktuelle Fragen (Ernährungs- und Wohnungselend, Kohlenot...), dann folgt im Aufbau der Tagespost die Rubrik “Drahtnachrichten der Tagespost“, welche in ihrer thematischen Gliederung und ihrem Inhalt jene Gliederung und jenen Inhalt wiederholt, welcher ein paar Seiten zuvor bei den Leitartikeln der Tagespost angewandt wurden. Hierauf folgt die Rubrik “Aus dem Gerichtssaale“, wo die Verurteilten mit voller Berufsbezeichnung, Name und Adresse inklusive Verurteilung genannt werden. Dieser Rubrik folgt die Rubrik “Nachtrag“, jener wiederum ein unregelmäßig, vorrangig in der Wochenendausgabe erscheinender “Volkswirtschaftlicher Teil“, diesem folgt die Rubrik “ Theater, Kunst und Literatur“, in welchem Rezensionen und Kritiken, aber auch Spielpläne und Veranstaltungsankündigungen abgedruckt werden. Den letzten Teil der Tagespost stellen gerahmte Anzeigen (von Geschäften, Danksagungen, Trauerbekundungen, Kundmachungen...) Diesen folgt die Rubrik “Zu vermieten“ und “Zu mieten gesucht“ , wobei immer zig mal so viele Wohnungsgesuche als freie Wohnungen annonciert sind, dann kommen die Rubriken„“Offene Stellen“ , “Stellengesuche.“ , “Unterricht“, “Zu verkaufen“ und “Zu kaufen gesucht.“ Diesen folgen die Rubrik “Allgemeiner Verkehr“ und “Verschiedenes“, welche Heiratannouncen und (mehrheitlich inkognito) Mitteilungen an andere zwecks Terminvereinbarungen, aber auch Inserate über verlorene Dinge oder entlaufende Hunde beinhalten.

3.2.) Themenschwerpunkte/ Hauptthemen und politische Ausrichtung der Tagespost

Die Tagespost ist eine deutschnationale Zeitung. Die politische Richtung wird nicht in den Artikeln zwischen den Zeilen ersichtlich, sondern die Tagespost macht aus ihrer Ideologie keinen Hehl, sie schriebt in ihren Artikeln offen von der deutschen Volkspartei als ihrer Partei: “Bezeichnend ist, daß leider die Wahlbeteiligung gerade in den vornehmlich von Bürgerlichen bewohnten Sprengeln eine weit geringere war als in jenen, wo die Sozialdemokraten vorherrschten. ... Wir können uns dem nicht verschließen, daß wahrscheinlich der größte Teil dieser fälligen und säumigen Wähler wieder in den Reihen unserer Partei zu suchen ist, denn daß die Sozialdemokraten jeden Wähler und jede Wählerin, die nur halbwegs erreichbar war, auf die Beine brachten, ist selbstverständlich und auch die Wahlbeteiligung seitens der Christlichsozialen war eine sehr starke...Trotz aller Not der Zeit und trotz des Ernstes des Augenblicks fehlt es eben immer noch einem Teile der bürgerlichen Wählerschaft an dem nötigen politischen Verständnis...Auch hier waren es gerade wieder die Deutschnationalen, die sich ein schweres Versäumnis zuschulden kommen ließen. ...Im Innviertel hat der bürgerlich-freiheitliche Gedanke durch die Stiege des Bauernvereins die größten Erfolge erzielt..Der Mühlkreis war immer eine Domäne der christlich-sozialen Partei, nun haben die Deutschfreiheitlichen eine Bresche gelegt und (Name nicht lesbar- Anmerkung der Autorin) zieht als zweiter Vertreter der Deutschen Volkspartei in die Nationalversammlung ein. Wir begrüßen die Wahl dieses sympathischen Mannes freudigtst und freuen uns, daß seiner durchgreifenden Agitation der Erfolg beschieden war. “ (siehe Tagespost Mo, 17.2.1919, S. 2)

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Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Zeitungsanalyse 'Tagespost' 02.1919-03.1919
Untertitel
Frauenleben in Linz in der Zwischenkriegszeit
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz  (Zeitgeschichte )
Veranstaltung
Frauenleben in Linz in der Zwischenkriegszeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V153034
ISBN (eBook)
9783640648849
ISBN (Buch)
9783640648696
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Zeitungsanalyse;, Zeitgeschichte, Tagespost;, Zwischenkriegszeit, Österreich;, Oberösterreich, Linz, Frauen, Frauenleben, revolutionäre Situation, Geschichte
Arbeit zitieren
Katharina Bergmaier (Autor), 2010, Zeitungsanalyse 'Tagespost' 02.1919-03.1919, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153034

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